Monthly Archives of: August 2014

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Creative Europe: die Ergebnisse des ersten Calls

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Über das neue EU-Förderprogramm Creative Europe habe ich ja schon vor einigen Monaten ein Blogpost geschrieben und auf die neuen inhaltlichen Schwerpunkte hingewiesen. Nun sind die Ergebnisse des ersten Calls veröffentlicht worden und es ist ganz spannend zu sehen, welche Projekte angenommen worden sind. Leider gibt es keine Kurzbeschreibungen, deshalb müssen wir uns beim Durchsehen mit den Titeln begnügen. Ich hoffe, die Projektinfos folgen irgendwann noch, denn bei vielen Projekten geht aus dem Titel nicht hervor, worum es im Vorhaben geht. Bei manchen Projekten wie dem „European Opera Digital Project“ oder „Virtual Sets: Creating and promoting virtual sets for the performing arts“ kann man zumindest erahnen, worum es darin geht. Etwas mehr Informationen wären aber sehr hilfreich.

Was viele sicher interessieren wird: Wie viele Projektanträge wurden gestellt und wie groß sind die Erfolgsaussichten? In der Kategorie der kleinen Kooperationsprojekte (3 Partner, max. 200.000 Euro, EU-Förderanteil max. 60%) wurden insgesamt 337 Projekte eingereicht, 37 erhielten eine Förderzusage. Damit liegt die Erfolgsquote bei 10,98%, was nicht besonders hoch ist. Bei den großen Kooperationsprojekten (6 Partner, max. 2 Mio. Euro, EU-Förderanteil max. 50%) wurden 74 Projekte eingereicht, 21 erhalten eine Förderung aus Brüssel, womit die Erfolgsquote bei 28,38% liegt. Es ist also schwer zu sagen, ob man sich eher für ein kleines oder großes Projekt entscheiden soll. Die Erfolgsaussichten sind bei den kleinen Kooperationsprojekten ziemlich gering, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass nicht so viele Projekte eingereicht worden sind. Etwas besser waren prozentual gesehen die Chancen bei den großen Projekten, aber bei einer Quote von knapp 30 Prozent haben trotzdem nur 21 eine Förderzusage erhalten. Das ist bei der Vielzahl der Länder, die an diesem Programm teilnehmen können, keine sehr große Zahl.

Wer wissen möchte, welche Netzwerke Geld aus Brüssel bekommen, seit ein paar Tagen sind auch diese Ergebnisse online.

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Warum der Deutsche Museumsbund schnell (wieder) auf Facebook präsent sein sollte

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Bild: Facebook’s Infection„; von Ksayer1 (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Als ich Mitte Juli darüber gelesen habe, dass der Deutsche Museumsbund seine Facebookseite einstellen möchte, war ich natürlich wie die meisten auch erst einmal entsetzt und fand es gut, dass Pausanio sich kurz darauf in einem offenen Brief gegen die Schließung der Seite aussprach. Nach und nach kamen dann die Einzelheiten ans Licht und es stellte sich heraus, dass der Museumsbund noch nie eine Facebookseite gehabt hatte. Die Seite wurde unerlaubterweise von einem Mitglied des Verbandes eingerichtet, der sich später weigerte, so schreibt Tanja Neumann in ihrem Blogbeitrag zu diesen Thema, die Seite an den Museumsbund zu übertragen. „Der Deutsche Museumsbund macht Facebook …oder doch nicht?“ lautet die Frage in der Überschrift dieses Artikels, die sich nun, ein paar Wochen später, mit einem „doch nicht“ beantworten lässt.

Wer heute die Facebookseite besuchen möchte, hat Pech gehabt, es gibt sie nicht mehr. Wenn nun der Museumsbund schreibt, der Seitenbetreiber habe die Seite nicht übertragen wollen und angesichts des großen Interesses an diesem „Fall“ plane man einen eigenen Facebookauftritt, könnte man nun sagen „Ende gut, alles gut“. Aber ist am Ende wirklich alles gut und wie war das noch mal mit dem Anfang?

Natürlich ist es nicht erlaubt, in fremdem Namen einen Facebookauftritt zu betreiben, darüber brauchen wir nicht reden. Aber möglich gemacht wurde das ja nur durch die Tatsache, dass der Deutsche Museumsbund noch nie eine hatte. Gut, vielleicht dauert bei einer altehrwürdigen Institution, die 2017 ihr hundertjähriges Bestehen feiern wird, alles etwas länger. Aber in meinen Augen ist es schon auch die Aufgabe einer Interessensvertretung, ihre Mitglieder auf die Zukunft vorzubereiten. Wer sich die Aktivitäten der Museen im Social Web ansieht, wird sehr schnell feststellen, dass die dort recht erfolgreich unterwegs sind. So umfasst die Museumsblogroll von Tanja Praske mittlerweile 80 bloggende Häuser. Das ist, verglichen mit den letzten Jahren, schon ganz ansehnlich. Aber ganz ehrlich: Müsste diese Liste nicht auf der Website des Museumsbundes unter Links stehen? Und müssten dort nicht Links zu den zahlreichen Blogs zu finden sein, die sich mit der Frage beschäftigen, auf welche Weise Museen den digitalen Raum nutzen können?

Dan Newman schreibt in einem Artikel:

„If your organization is failing to embrace social media then it starts at the top.“

„At the top“, da steht für mich auch der Museumsbund, dessen Aktivitäten im Social Web vermutlich schon eine Art Signalwirkung hätten. Übrigens geht es in Newmans Artikel gar nicht mehr um Social Media, sondern um die Ebene darüber. In „4 Secrets for Building a Social Business From the Inside Out“ erklärt er, wie sich ein Unternehmen in Richtung Social Business entwickeln könne. Meist scheitere es an der fehlenden Unterstützung von oben.

„Too many companies have leadership teams that just don’t get social, nor do they participate.“

Diese Form von Leadership fehlt in vielen Kulturbetrieben, umso wichtiger wäre es, auf einer übergeordneten Ebene Unterstützung zu bekommen. Social Media, das ist heute eigentlich schon eine Selbstverständlichkeit. Aber macht es nicht Sinn, die Form der externen Kommunikation auch intern anzuwenden? Wir alle wissen, dass in unseren Mailboxen unendlich viele Informationen auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Warum nicht auch in der internen Kommunikation mehr drauf setzen, dass sich jeder die Information dann holt, wenn er sie wirklich braucht. Statt alle mit allen Informationen zuzuschütten, um später sagen zu können, man hätte eh alle informiert. Warum nicht auch mit (Kooperations)-Partnern so kommunzieren, warum nicht mit Lieferanten und Dienstleistern? Hier steckt viel Einsparungspotenzial, sowohl im Hinblick auf die knappe Zeit als auch auf das ebenfalls knappe Geld.

Noch nicht geredet haben wir darüber, dass wir nicht nur als Kunden ganz andere Erwartungen an die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen erwarten, sondern uns auch wünschen würden, dass Kultureinrichtungen wissen, was sich hinter dem Schlagwort Customer Experience verbirgt. Auch über digitale Erlebnisräume oder Smartplaces haben wir noch nicht gesprochen. Deren Idee ist es, digitale Zusatzleistungen vor Ort anzubieten und das jeweilige kulturelle Angebot auf verschiedenen Ebenen zu erweitern. Frank Tentler dokumentiert gerade auf seinem Blog das Projekt #WIGA.

Natürlich sollte sich der Deutsche Museumsbund Gedanken darüber machen, wie sein Facebookauftritt aussehen wird und welche Ziele sich damit erreichen lassen (Die Option, auf eine Seite zu verzichten, schließe ich an dieser Stelle mal aus). Aber das sollte schnell gehen, denn eine Facebookseite hat heute längst nicht mehr den Stellenwert wie früher. Gefragt sind kreative Ideen, um mobile Netzwerke oder Messenger-Anwendungen wie zum Beispiel Snapchat für den Museumsbereich nutzen zu können. Ein Artikel beschreibt, wie das Los Angeles County Museum of Art diese Messenger-App einsetzt. Warum nicht auch gleich die Frage klären, welche anderen Netzwerke oder Messenger-Anwendungen für Museen in Frage kommen? Accounts lassen sich löschen, das wissen wir ja nun. ;-)

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Treffpunkt KulturManagement: Das Prinzip „unperfekt“ in der Kultur

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Bild: Unperfekthaus Essen„; (CC BY 3.0) auf Wikimedia

Mit dem Unperfekthaus in Essen verbinde ich einen sehr aufregenden Tag. 2010 fand dort das erste stARTcamp statt und wir waren gespannt, ob alles so funktionieren würde, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war ein tolles Erlebnis und das Premiere war für mich genauso schön wie alle anderen stARTcamps, die später folgen sollten. Im Anschluss daran sahen wir dann das Viertelfinalspiel der Fussball-WM in Südafrika Deutschland gegen Argentinien. Später am Abend wurde dann der Himmel schwarz und es folgte ein sehr heftiges Gewitter. Soweit mein Bezug zu diesem wohl einzigartigen Haus.

Ob gemeinsames Barcamp oder Fussball schauen, das Unperfekthaus ist prädestiniert dafür, etwas gemeinsam zu tun. Es ist ein Ort der Kreativität, gegründet und bis heute betrieben von Reinhard Wiesemann, dem es ein Anliegen ist, die Kultur zu den Menschen zu bringen. Wiesemann ist kein ausgebildeter Kulturmanager, beruflich nie im Kulturbetrieb tätig gewesen – aber dort künstlerisch, finanziell und unternehmerisch erfolgreich. Wie er das geschafft hat, das erzählt er beim 48. Treffpunkt KulturManagement, der am kommenden Mittwoch, den 27. August um 9 Uhr stattfinden wird.

Das Konzept des 2004 in Essen eröffneten Unperfekthauses basiert auf der Freiheit des Ausprobierens. Künstler bekommen dort die Möglichkeit, ihre Ideen frei umzusetzen, ohne Qualitätskriterien oder Vorgaben. Das Unperfekthaus ist aber auch ein Restaurant und Veranstaltungsort, der die Kunst und die Menschen zusammenbringen soll, damit sie sich gegenseitig inspirieren. Diese Idee funktioniert, das Haus trägt sich finanziell selbst, es wertet das Viertel und die gesamte Kreativszene Essens auf.

Doch für Wiesemann ist damit nicht Schluss. Das, was er in zehn Jahren Unperfekthaus über Kultur und Werte gelernt hat, möchte er weiter geben und sucht dafür immer neue Ideen und Konzepte – sei es ein Mehrgenerationen-Kultur-Haus, ein Businesshotel oder eine Kooperation mit der Kirche. Seine Ideen entstehen nicht am unternehmerischen Reißbrett. Stattdessen überlegt Wiesemann, was die Menschen brauchen, wo die Lücken sind und wie man sie so mit Kultur füllen kann, dass sie sich rentieren.

Wiesemanns Ideen sind vielfältig und ungewöhnlich, aber trotzdem auch auf andere Städte und Kreativorte übertragbar (Mehr dazu im KM Magazin August 2014). Beim Treffpunkt KulturManagement spricht Wiesemann nun über Visionen für die Kreativwirtschaft, unternehmerischen Realitätssinn und darüber, Menschen für Kultur zu begeistern.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 27. August, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 27. August dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 27.08.2014 von 09:00 bis 10:00
Thema: Das Unperfekthaus Essen
Gast: Reinhard Wiesemann