Monthly Archives of: Dezember 2015

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stARTcamp Wien: Rückblick und Ausblick

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Wer am letzten Donnerstag beim stARTcamp dabei war und sich für eine Session im „Kaminzimmer“ entschied, konnte davor und danach einen Blick in die prächtige Säulenhalle des MAK werfen. Für mich war es ein Privileg, in diesem Haus zu Gast sein zu dürfen und ich sage an dieser Stelle gerne noch einmal vielen, vielen Dank für die Gastfreundschaft und die Unterstützung an diesem Tag. Danke sage ich aber auch an Michael Wuerges, der von Beginn an beim #scvie dabei ist und mit dem es viel Spaß macht, jedes Jahr aufs Neue diese Veranstaltung zu organisieren. Danke sage ich aber auch an Maren Waffenschmid, die uns dieses Jahr bei der Organisation geholfen hat und dem Cafe Eskeles für die tolle Versorgung mit Essen und Trinken.

Mein Dank gilt aber natürlich auch all denen, die dieses Jahr (wieder) dabei waren und durch Gespräche, Diskussion und das Einbringen ihres geballten Wissens zum Gelingen dieses Formats beigetragen haben. Nach der Begrüßung durch MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein und der obligatorischen Vorstellungsrunde ging es an die Sessionplanung.

Wenn man mit der Organisation so einer Veranstaltung beschäftigt ist, bleibt meist nicht viel Zeit für die Inhalte. Ich habe es trotzdem versucht, mich dabei aber auf die Sessions im Vortragssaal beschränkt. Los ging es mit der Frage, warum sich Theater im digitalen Raum so schwer tun? Ich fand es toll, dass Anne Aschenbrenner und Marc Lippuner ihre gerade laufende Blogparade #TheaterimNetz in einer Session weiterdiskutierten und so auch die einbezogen, die keinen Blogbeitrag dazu schreiben.

In der nächsten Session standen Simone Mathys-Parnreiter, Wolfgang Gumpelmaier und ich zum Thema Crowdfunding auf dem Podium. Ich möchte jetzt nicht die Inhalte dieser Session wiederholen, nur so viel: Crowdfunding umfasst nicht nur die Finanzierung von Projekten, sondern kann auch die Bereiche Marketing und Fundraising beeinflussen. Dass es dabei um immer größere Summen geht, zeigt die aktuelle Rangliste der erfolgreichsten Crowdfundingkampagnen in Österreich. Aber müssen es immer Projekte sein? Kann ich mich als KünstlerIn oder auch Kulturbetrieb über ein einzelnes Vorhaben hinaus unterstützen lassen? Im Moment sind wir noch sehr auf Projekte fixiert, aber mit Patreon gibt es schon seit längerer Zeit eine Plattform, die es möglich macht, jemanden mit monatlichen Beträgen zu unterstützen und entsprechende Gegenleistungen zu erhalten.

Und dann ging es auch um digitale Strategien, das Thema des diesjährigen stARTcamps.  Barbara Royc und Daniela Unterholzner zeigten, wie schnell man auch in 45 Minuten alle TeilnehmerInnen miteinbeziehen und intensive Diskussionen in Gang setzen kann.

Fertige Lösungen fanden sie – noch – keine, aber ich denke, es ist schon viel gewonnen, wenn wir über digitale Transformation im Kulturbereich nachzudenken beginnen, denn die Intensität der Diskussionen hat gezeigt, dass uns das Thema alle angeht.

Und dann war da noch Ines Häufler alias Miss Storytelling. ;-) Viele TeilnehmerInnen „opferten“ die gesamte Kaffeepause, um ihren Vortrag und die anschließende Diskussion nicht zu verpassen.  Nachdem das ihr erst zweites Barcamp war und sie danach schon vier Sessions gehalten hat, gehe ich davon aus, dass ich ihr das nächste Mal konzentrierter zuhören werde als letzte Woche und dieses nächste Mal schon bald sein wird.

Abschließend ging es in kleiner Runde um die Zukunft des stARTcamps. Dass das Barcamp-Format Vor- und Nachteile hat, wissen wir alle. Schön ist für mich vor allem die Atmosphäre, die dazu beiträgt, dass auch diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, nicht außen vor bleiben, sondern sich sehr schnell in Gesprächen und Diskussionen einbringen. Die Bandbreite der Themen führt dazu, dass meist für jede/n etwas dabei ist, nur sind 45 Minuten halt zu wenig, um sich intensiver mit etwas zu beschäftigen. Wir haben im Rahmen dieser letzten Session überlegt, was man alles tun könnte, um dieses Problem zu lösen. Die Idee, das stARTcamp um einen zweiten Tag zu verlängern, klingt zwar gut, ist aber in meinen Augen unrealistisch. Wer kann sich schon so viel Zeit nehmen und was bedeutet das für Kosten und Organisation?

Gut gefallen hat uns die Idee, es im nächsten Jahr mal mit einem World Cafe zu versuchen (siehe auch: „World Cafés – auch was für die Geisteswissenschaften?„). Dieses Format hat den Vorteil, dass wir unser Hauptthema – in unserem Fall waren es die digitalen Strategien – nicht aus den Augen verlieren und gemeinsam an diesem Thema arbeiten. Unter Umständen führt es den partizipativen Grundgedanken von Barcamps noch ein Stück weiter, denn die gemeinsame Arbeit an Tischen hebt die Trennung von Vortragenden und Zuhörern völlig auf. Vorausgesetzt, wir finden im nächsten Jahr die entsprechenden Räumlichkeiten, würde ich das gerne mal versuchen. Auf die Vorstellungsrunde und ein paar Sessions müssten wir dabei gar nicht verzichten. Wenn wir zum Beispiel am Vormittag mit der Vorstellung beginnen und dann zwei Sessionrunden haben, wäre am Nachmittag genügend Zeit für ein World Cafe. Wäre das eine Idee?

Ganz am Ende möchte ich mich noch ganz besonders bei Karola Riegler bedanken. Sie hat auch dieses Jahr wieder das stARTcamp Wien mit der Kamera begleitet. Mit ihren Bildern gelingt es ihr immer wieder, die Atmosphäre des stARTcamps festzuhalten und das besser als man es mit einem Text je schaffen wird.

Und ganz, ganz am Ende noch eine Bitte: Wir freuen uns nicht nur über ein Feedback über das vergangene stARTcamp, sondern auch über Anregungen und Wünsche für die Ausgabe 2016. Außerdem sind wir natürlich auch wieder auf der Suche nach einer Location und freuen uns über Vorschläge.

Blogbeiträge über das stARTcamp Wien:

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Blogparade: #TheaterimNetz

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Foto von Anna Dziubinska auf Unsplash.

Marc Lippuner hat sich auf dem Kulturfritzen-Blog die Frage gestellt, warum sich die Theater mit dem Social Web so schwer tun? Die Frage taucht immer wieder auf, Devon Smith hat sich beispielsweise 2010 das Social Media-Verhalten von Theatern angeschaut (siehe mein Blogpost „So nutzen Theater Social Media„) und dabei festgestellt, dass das Potenzial bei weitem nicht genutzt wird. Vermutlich käme man, so man diese Untersuchung wiederholen würde, zu einem ähnlichen Ergebnis. Was aber sind die Gründe dafür? Eindeutige Antworten gibt es darauf bis heute nicht und so gefällt mir die Idee von Marc, zu einer Blogparade aufzurufen:

„Warum findet Theater im Netz nicht wirklich statt, aber auch: Warum findet das Netz im Theater nicht statt?“

Stimmt ja gar nicht, könnte ich entgegnen und Beispiele wie dieses Video auflisten. Irgendwie erinnert es mich an „Beam me up Scotty„, aber ob die Bewerbung als SchauspielerIn in ein paar Jahren in Form eines Videospiels über die Bühne geht, wage ich doch zu bezweifeln (siehe dazu auch den Beitrag von Joe Patti: „Theatre of the Future Gives Me Ulcers„).

Gut, Internet und Theater, das gibt es schon, aber es sind meist einzelne Aktionen, wie Christian Holst in seinem Beitrag zu dieser Blogparade feststellt. Für ihn geht es aber nicht darum, mit großem Aufwand für eine begrenzte Zeit maximale Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern alltagstaugliche Konzepte zu entwickeln. Seiner Meinung nach gelingt das am besten

„mit schnell und meist sogar zufällig erstelltem ‚Cat content‘, also Content mit überschaubarem inhaltlichen Niveau aber hohem Emotionalisierungs-potential, und durch Werbeanzeigen vergrösserter Reichweite“.

Die sozialen Netzwerke sind für ihn also eher digitale Pausenfoyers, in denen nicht tiefschürfende Gespräche stattfinden, sondern Small Talk im Vordergrund steht. Es mag ernüchternd klingen, aber so abwegig ist dieser Gedanke nicht. Jeremy Rifkins hat in seinem Buch „Access“ vor der drohenden Kommerzialisierung unserer Gesellschaft gewarnt. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel, der vor wenigen Tagen in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen ist. In „Shop till you drop“ vertritt Autor Robert Kaltenbrunner die These,

„dass das Shopping in unserer Gesellschaft die letzte verbliebene ‚öffentliche Handlungsweise‘ darstelle“

und das urbane Leben vom System des Kaufens und Verkaufens bestimmt werde. Dabei steht nicht mehr die Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund, sondern das Erlebnis. So ist auch zu erklären, warum der Begriff der Customer Experience so eine große Bedeutung hat. Kaltenbrunner beschreibt in seinem Artikel, wie der Vorgang des Kaufens und Verkaufens in den Städten immer wieder neu inszeniert wurde, nur so konnten die sogenannten Konsumtempel entstehen. Diese Entwicklung sieht er aber nun durch die wachsende Bedeutung des Internets und den stark zunehmenden Onlinehandel gefährdet. Es gilt daher Konzepte zu entwickeln, die unserem veränderten Kaufverhalten gerecht werden und den Orten des Kaufens und Verkaufens neue Attraktivität verleihen. Meine Idee des „digitalen Erlebnisraums“ geht in diese Richtung, bei der der reale Ort beziehungsweise Raum eine digitale Erweiterung erfährt. Was das für unsere Städte bedeutet, hat Frank Tentler in seinem Blogbeitrag „Nächste Haltestelle: City 4.0“ sehr schön beschrieben.

Wenn wir die sozialen Netzwerke vor allem für Unterhaltungszwecke nutzen, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich. Natürlich lassen sich an geeigneter Stelle inhaltliche Diskussionen führen, es gibt zum Beispiel zahlreiche Facebookgruppen, wo das wunderbar funktioniert. Aber um im Newsfeed der Mehrzahl der UserInnen zu bestehen, ist das vermutlich nicht der richtige Ansatz. Verlangt wir die (digitale) Inszenierung und das hat für die verschiedenen Kunstsparten unterschiedliche Konsequenzen. Der Museumsbereich tut sich in meinen Augen mit dieser Entwicklung leichter als etwa das Theater. Objekte zu inszenieren und das nach Möglichkeit auch im digitalen Raum, das ist etwas, das den Museen in Ansätzen schon recht gut gelingt. Das Projekt „Rembrandt digital„, das mit dem Hashtag #myrembrandt für Aufsehen gesorgt hat, steht stellvertretend für etliche Ideen, die in den letzten Jahren umgesetzt werden konnten.

Die Theater tun sich an dieser Stelle sehr viel schwerer. Dort haben wir es nicht mit Objekten zu tun, die man jederzeit zur Verfügung hat und digital auf Reisen schicken kann, sondern mit Inszenierungen. Gesucht sind in meinen Augen Ideen zur digitalen Erweiterung von auf der Bühne stattfindenden Inszenierungen. Ich weiß nicht, ob man hier vom Spiel im Spiel sprechen kann, aber in eine solche Richtung weiterzudenken macht unter Umständen Sinn. Die „Inszenierungen“ von machina eX fallen mir in diesem Zusammenhang ein.

Ob Pausenfoyer oder „Computerspieltheater“, das ist für mich der Rahmen, der den Theatern zur Verfügung steht, wenn sie den digitalen Raum für ihre Zwecke nutzen wollen. Die Verwendung der Netzwerke als Pausenfoyer verstößt vermutlich gegen das Selbstverständnis vieler Menschen, die in den Theatern arbeiten und das, was machina eX „auf die Bühne“ bringt, entspricht wohl auch nicht unbedingt dem, was die meisten sich von einer Bühneninszenierung erwarten.

Ob ich mit meinen Gedanken richtig liege, weiß ich nicht, aber ich würde dieses Thema gerne auf dem stARTcamp am 10. Dezember hier in Wien diskutieren. Einige Tickets gibt es noch, vielleicht haben Sie ja Lust und Interesse, sich über dieses und etliche andere Themen auszutauschen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum #scvie.