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Delete Memory: Über das digitale Gedächtnis

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(Beitrag aktualisiert am 16. Juli 2018: Link zur Aufzeichnung hinzugefügt)

Vorgestern wurde es öffentlich gemacht, dass Jan und Aleida Assmann mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet werden sollen. Ich schätze das Forscherehepaar schon seit vielen Jahren, deren Werk, so heißt es in der Presseaussendung, „für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist“. Aleida Assmann ist mir im Kontext einer Podiumsdiskussion eingefallen, die heute Abend (14. Juni 2018) um 19 Uhr im Wiener Radiokulturhaus des ORF (Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, Studio 3) stattfindet (hier finden Sie die Einladung als PDF) und den Titel „Delete Memory“ trägt. Anne Aschenbrenner, Leiter Digitales bei der Wochenzeitung „Die Furche„, Monika Sommer, die Direktorin des Haus der Geschichte Österreich, Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK und Martin Traxl, Hauptabteilungsleiter ORF-TV Kultur diskutieren die Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig macht?

Das kulturelle Gedächtnis schützt uns vor dem (endgültigen) Vergessen

In einem schon 2007 veröffentlichten Blogbeitrag über „die Schweiz und ihre Volkskultur“ habe ich kurz zusammengefasst, was Jan und Aleida Assmann unter dem kulturellen Gedächtnis verstehen. Im Unterschied zum individuellen und kollektiven Gedächtnis ist das kulturelle Gedächtnis nicht nur in uns selbst angesiedelt, sondern objektiviert sich in Dingen wie Texten oder Bildern. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses.

Aleida Assmann unterscheidet außerdem zwischen dem Speicher- und dem Funktionsgedächtnis. Die im Funktionsgedächtnis aufgehobenen Artefakte sind durch Verfahren der Auswahl und Kanonisierung hindurchgegangen, was ihnen einen Platz im aktiven kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft sichert. Sie finden sich unter anderem auf den Spielplänen der Theater und Opernhäuser oder in den Ausstellungsräumlichkeiten der Museen.

Das Speichergedächtnis stellt Assmann zufolge eine Art kulturelles Archiv dar, in dem die materiellen Überreste vergangener Epochen aufbewahrt werden, zu denen wir den unmittelbaren Bezug verloren haben. Aleida Assmann spricht in diesem Zusammenhang von den „stummen Zeugen der Vergangenheit“, die dem Vergessen ausgeliefert sind. Und dann sind da noch die Artefakte, die auch aus dem Speichergedächtnis verschwunden sind. Sie sind für unsere Kultur verloren, sie existieren einfach nicht mehr.

Das Europäische Kulturerbejahr und das Speichergedächtnis

Wenn wir 2018 das europäische Kulturerbejahr feiern, geht es um das Speichergedächtnis, um das Hervorholen der Artefakte, die wir vergessen haben, die aber noch nicht ganz verloren gegangen sind. In ihrem Buch „Formen des Vergessens“ (Affiliate Link) schreibt Aleida Assmann:

„Das, woran wir uns erinnern, musste zeitweilig von der Bildfläche des Bewusstseins verschwunden sein. Erinnern ist ja gerade nicht (…) mit einem direkten Zugriff auf Wissen gleichzusetzen, sondern entspricht eher der Figur einer ‚Wiederholung‘ oder ‚Wiedererkennung‘ über zeitliche Intervalle hinweg.“
(in: Assmann, Aleida. Formen des Vergessens (Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge 9) (German Edition) (Kindle-Positionen131-133). Wallstein Verlag. Kindle-Version.)

Wer weiß, dass Erinnern Identität schafft, weiß auch, warum das europäische Kulturerbejahr so wichtig für Europa ist. Die Schwierigkeit besteht, so denke ich, aber darin, dass es diese Identität so noch gar nicht gibt. Wenn wir uns erinnern, dann geschieht das – meist – auf nationalstaatlicher Ebene. Es gilt also, diese Grenzen zu überwinden und gemeinsame Geschichten zu erleben und dann zu erzählen. In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Aleida Assmann gesagt:

„Damit aus dem kulturellen Archiv ein Gedächtnis wird, muss es wieder zurückgebunden werden an individuelle Bedürfnisse, Funktionen und Gruppen, die sich damit identifizieren.“

Das Zurückbinden ist Aufgabe der Gesellschaft. Sie bestimmt, welche Inhalte aus dem Archiv hervorgeholt werden und uns wieder beschäftigen. Im Kulturbereich haben wir dafür Museen, Archive und andere Einrichtungen. Wer übernimmt diese Rolle im digitalen Raum, der unser Leben immer stärker prägt und beeinflusst? Schon heute wird Kunst immer häufiger digital gezeigt und gespeichert.Was aber geschieht, wenn wir nicht mehr analog, sondern digital speichern? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf unser kulturelles Gedächtnis?

Über das digitale kulturelle Gedächtnis

„Delete Memory“ ist der Titel der heutigen Podiumsdiskussion, verbunden mit der Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnern überflüssig macht. „Delete Memory“, das ist die Löschtaste. Das sind die Inhalte, die vernichtet werden und aufhören zu existieren. Ob diese Inhalte analog oder digital vernichtet werden, spielt keine Rolle. Sie sind weg. Worin besteht dann aber der Unterschied? Vielleicht fällt es uns leichter, die „Delete“-Taste zu drücken als ein Bild wegzuwerfen? Aber das ist nur eine Vermutung.

Interessanter ist in meinen Augen der Unterschied, was die Aufbewahrung betrifft. Der Weg analoger Artefakte ist ein anderer. Während heute digital jeder praktisch alles abspeichern und online zur Verfügung stellen kann, sieht das im analogen Bereich anders aus. Es dauert, bis ein Artefakt auf die Bühne eines Theaters kommt, in einem Konzert gespielt wird oder in einer Ausstellung zu sehen ist. Es findet – idealerweise – eine Auseinandersetzung damit statt, bevor ein Artefakt dann in den Kanon aufgenommen wird (bei Assman ist das dann das Funktionsgedächtnis) und später in einem Archiv landet, aber im Speichergedächtnis erhalten bleibt.

KuratorInnen, DramaturgInnen, etc. spielen in diesen Prozessen eine sehr wichtige Rolle. Sie bewerten und wählen aus, sie entscheiden, welche Artefakte in das Speicher- und welche in das Funktionsgedächtnis gehören. Sie sind also mitverantwortlich dafür, was wir vergessen und woran wir uns erinnern. Wenn Erinnerung dazu führt, dass wir unsere Identität bewahren oder herausbilden können, wird auch klar, welch wichtige Rolle Kunst und Kultur eigentlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft haben.

Diese kuratorische Kompetenz (sagt man das so?) fehlt uns im digitalen Raum, auch heute noch („Was das Internet von der Kunst lernen kann„). Darin sehe ich die große Chance für die Kultureinrichtungen. Dafür ist es aber notwendig, dass sie sich die notwendige digitale Kompetenz aneignen und verantwortungsvoll mit den digitalen Inhalten umgehen. Einfach den gesamten Bestand zu digitalisieren und dann online zu stellen, macht wenig Sinn. So wird das Internet eher zur digitalen Müllhalde.

Digitale KuratorInnen und künstliche Intelligenz

Interessant ist in meinen Augen die Frage, ob diese Aufgabe nur die Kultureinrichtungen übernehmen können. Besteht nicht die Möglichkeit, dass wir eines vielleicht gar nicht mehr so fernen Tages nicht mehr KuratorInnen, sondern Algorithmen entscheiden lassen? Frank Tentler würde das vermutlich bejahen. In seiner Geschichte von Vincent, einer holografischen Figur, funktioniert das auf individueller Ebene schon ganz gut. Vielleicht entscheiden künstliche Intelligenzen in Zukunft darüber, wo etwas im kulturellen Gedächtnis abgelegt wird?

In diesem Zusammenhang gibt es viele Fragen, die wir noch beantworten müssen. Nur drei Beispiele:

  • Wenn Erinnern Identität stiftet, welche Identität ist das dann? Die Österr. Nationalbibliothek archiviert beispielsweise alle Webseiten mit einer at.-Domain. Ist das die formale Klammer für die österr. (digitale) Identität? Wie sieht das auf europäischer Ebene aus?
  • Wer ist dafür verantwortlich, dass analoge kulturelle und künstlerische Artefakte digitalisiert und damit für die Nachwelt erhalten werden (Bild/Ton)? Und zwar langfristig? Ist der Aufwand nicht so groß, dass die kleinen Kultureinrichtungen dabei unter den Tisch fallen und deren Arbeit dann „vergessen“ wird? Und zwar endgültig im Sinne von „Delete Memory“. Unser kulturelles – digitales – Archiv würde dann nur die Artefakte großer Kultureinrichtungen umfassen.
  • Neben dem Format ist auch die Struktur wichtig, um die digitalen Inhalte nicht nur zu erfassen, sondern sie so zu speichern, dass die Chance besteht, sich ihrer wieder zu erinnern, sprich, sie wieder zu finden. Ohne Strukturvorgaben zu speichern würde bedeuten, sie zu vergessen, weil es reiner Zufall wäre, sie wieder zu entdecken. Wobei im analogen Bereich Zufallsfunde eine durchaus wichtige Rolle hinsichtlich des kulturellen Gedächtnisses spielen.

Vielleicht lassen sich in der heutigen Podiumsdiskussion ein paar Fragen beantworten. Hier noch einmal alle Informationen:

Update:

Hier finden Sie die komplette Aufzeichnung des DialogForum „Delete Memory!“

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XPress: der digitale Erlebnisraum Rhein-Neckar

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich schon zu Hause auf Ihren morgigen Museumsbesuch vorbereiten. Sie aktivieren auf Ihrem Tablet die Virtual-Reality-Funktion und begegnen im virtuellen Raum einem digitalen Assistenten, der mit Ihnen zusammen den Ausstellungsbesuch vorbereitet und gleich auch noch eine Führung vorschlägt. Der digitale Erlebnisraum, so könnte er aussehen. Mein Beitrag „Der digitale Erlebnisraum v0.1“ ist schon mehr als drei Jahre alt, Zeit, ihn ein Stück weiter zu denken.

Die eingangs beschriebene Szene habe ich nicht zufällig gewählt. Frank Tentler hat vor kurzem in den Kulturpolitischen Mitteilungen (Heft 160 I/2018) mit seinem Artikel über Vincent genau so ein Szenario entwickelt. Er schildert darin seinen – im Jahr 2025 stattfindenden – Besuch des Amsterdamer Van-Gogh-Museums und die Rolle, die Vincent dabei spielt. Ob wir Vincent als Avatar, als digitalen Assistenten oder holografische Figur erleben, spielt dabei keine Rolle. Etwas anderes spielt aber eine – sogar ganz entscheidende – Rolle: Daten, denn nur der Zugriff auf die persönlichen Daten erlaubt es Vincent, Frank ein maßgeschneidertes Paket zusammenzustellen.

Daten als Grundlage des digitalen Erlebnisraums

Den digitalen Erlebnisraum mit Hilfe von Daten „zu bauen“, das ist die Grundidee von XPress. Konkret geht es dabei um die „Konzeption einer öffentlichen Point-of-Interest-Infrastruktur für multimodale Mobilitätsanwendungen“. Konzeption deshalb, weil es sich um eine Machbarkeitsstudie handelt, die im Rahmen von mFund gefördert wird. Dahinter versteckt sich eine Forschungsinitiative, in deren Rahmen das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur „Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität 4.0“ unterstützt.

Im Rahmen dieser Initiative wurden und werden 90 Projekte gefördert, deren Bandbreite ist beachtlich. Was mir auffällt: Der Kunst- und Kulturbereich kommt, abgesehen von XPress, in diesem Programm nicht vor. Ich halte es für bedenklich, wenn es uns nicht gelingt, mit eigenen Projekten in diesem oder anderen Förderprogrammen unterzukommen, die Digitalisierungsprojekte finanzieren. Natürlich schaffen wir das nicht alleine, sondern es gilt, entsprechende Projektpartner zu finden. In diesem Fall sind das federführend das Netzwerk Geoinformation der Metropolregion Rhein-Neckar, die Metropolregion Rhein-Neckar selbst und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

Zurück zum digitalen Erlebnisraum und XPress: Bis Ende November – und damit dann insgesamt ein Jahr – haben wir Zeit, um herauszufinden, ob das, was wir vorhaben, sich auch umsetzen lässt. Scheint uns das machbar und können wir die Fördergeber davon überzeugen, gibt es für die Entwicklungsphase hoffentlich auch noch mal finanzielle Unterstützung.

Aber was wollen wir mit XPress überhaupt erreichen? An die Geschichte von Vincent kommen wir – vorerst – nicht heran. Unsere Anwendungsfälle entstammen eher dem täglichen kulturellen Leben. Da ist zum Beispiel die vierköpfige Familie, die sich für das Thema Mittelalter interessiert und sich eine Thementour in der Region zusammenstellen möchte. Die Idee ist es, das kulturelle Angebot datenmäßig zu erfassen und mit dem Thema Mobilität zu verknüpfen. Sie erfahren also nicht nur, wo es ein bestimmtes Angebot gibt, sondern auch den Zeitpunkt beziehungsweise die Dauer sowie alle für Sie in Frage kommenden Varianten, dorthin zu kommen. Ob das dann am Ende eine App, ein Chatbot, ein digitaler Assistent oder vielleicht eine holografische Figur ist, muss uns jetzt noch nicht interessieren. In einem weiteren Schritt wollen wir aber nicht nur ein Datenmodell entwickeln, sondern es soll ein digitaler Erlebnisraum entstehen, in dem Kommunikation und Interaktion möglich sind.

Welche Daten werden für XPress benötigt?

Um diese Idee umsetzen zu können, gilt das Hauptaugenmerk der Datenstruktur. Die Herausforderung besteht erstens darin, herauszufinden, welche Daten dafür überhaupt benötigt werden und sie dann so zu strukturieren, dass man mit diesem Daten arbeiten bzw. den digitalen Raum „bauen“ kann. Möglich wäre die folgende Struktur:

  • Geodaten (z.B. verorten von Museen, Sehenswürdigkeiten, etc.)
  • Zeitdaten (z.B. Öffnungszeiten, Dauer einer Ausstellung, Beginn eines Konzerts)
  • Contentdaten (unter anderem geht es hier um die Klassifizierung des kulturellen Angebots)
  • Mobilitätsdaten (wie komme ich von Punkt A nach Punkt B?)

Da es sich beim digitalen Erlebnisraum Rhein Neckar um eine ganze Region handelt, spielt Mobilität eine wichtige Rolle. Ich hatte die Themenroute als Beispiel genannt. Das bedeutet, die NutzerInnen erhalten Informationen darüber, wie sie am besten von einem zum anderen Punkt gelangen. Ob das das eigene Auto, die Bahn, der ÖPNV, Taxi, Carsharing oder das Fahrrad sind, alle Varianten werden aufgelistet. Hinterlegt man seine persönlichen Daten, tauchen nur die Verkehrsmittel auf, die man persönlich auch nutzt beziehungsweise nutzen möchte. Idealerweise kann man dann im digitalen Erlebnisraum auch sofort loslegen, indem man sich ein Taxi bestellt oder ein Bahnticket kauft.

Der digitale Erlebnisraum als sozialer Raum

Der digitale Erlebnisraum ist dann das Ergebnis dieser vier Datendimensionen plus der soziale Raum. Auf diesen Begriff bin ich dank des Soziologen Nils Müller gestoßen. Er hielt 2015 beim stARTcamp im Dortmunder U eine Session, in der er den sozialen Raum vorstellte. Daraus wurden dann später noch zwei Blogbeiträge, in denen es um die Gestaltung analoger und digitaler Räume ging ( Teil 1: „Was ist Raum?“ & Teil 2: „Vier Dimensionen des sozialen Raums„).

Vor allem im zweiten Teil bezieht sich Müller auf den 1991 von Dieter Läpple veröffentlichten „Essay über den Raum“. Läpple versteht den Raum nicht als einen starren Container, sondern als einen sozial konstruierten Raum, in dem verschiedene Dynamiken  wirken. Er formuliert darin vier Dimensionen, die uns einen direkten Zugang zu den Prozessen seiner Entstehung und seines Wandels ermöglichen:

Der Daten- und der soziale Raum greifen an verschiedenen Stellen ineinander, zum Beispiel wenn es um das physisch-materielle Substrat geht. Der (starre) Datenraum erfährt aber eine (dynamische) Erweiterung, in dem Handlungen und Interaktion in ihm möglich werden. Dies kann relativ simpel in Form eines Chats funktionieren. Möglich sind aber natürlich auch komplexe Anwendungen wie Augmented Reality oder Virtual Reality. Vincent, die holografische Figur aus Franks Geschichte wird Sie also vielleicht auch einmal im digitalen Erlebnisraum Rhein-Neckar begleiten.

Diese Punkte müssen noch geklärt werden

Wie geht es nun weiter? Die größten Herausforderungen sehe ich darin, zum einen die Daten zu strukturieren. Das ist vor allem im Hinblick auf den Content eine riesengroße Aufgabe mit ungewissem Ausgang. Ist dann mal klar, welche Daten benötigt werden und wie sie strukturiert werden, stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie zum Beispiel Kultureinrichtungen diese Daten zur Verfügung stellen können.  Die Beantwortung dieser Frage hängt wohl auch mit der Frage der Finanzierbarkeit zusammen. Diese Frage wiederum lässt sich erst dann beantworten, wenn die Größenordnung dieses digitalen Erlebnisraums klar ist. Denn was spricht dagegen, dass in diesem Raum auch touristische und gastronomische Angebote zu finden sind? Oder vielleicht sogar der Einzelhandel? Es gilt also auch, auf der Grundlage von Anwendungsfällen über Erlös- oder Finanzierungsmodelle nachzudenken.

Alle diese Fragen versuchen wir noch bis Ende November 2018 im Rahmen von Workshops zu beantworten. Die Infografik fasst noch einmal den Zeitplan und die wesentlichen Punkte dieses Projektes zusammen. Ich werde hier im Blog natürlich weiter über XPress berichten. Außerdem stelle ich das Projekt auch beim stARTcamp hier in Wien vor. Sollten Sie Fragen oder Anregungen, oder vielleicht Interesse an einem eigenen Projekt haben, dann schreiben Sie mir doch einfach. Ob als Kommentar, als Email oder auf Facebook, das überlasse ich ganz Ihnen.

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Ankündigung: 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring

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Nächste Woche findet am 14. Juni von 9:00 bis 17:30 hier in Wien die 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring statt. Das Thema „Give & Take. Wie private Kulturförderung funktioniert.“ würde eigentlich auch gut zum stARTcamp passen. Es geht um „fruchtbare Kooperationen“, wie es in der Ankündigung heißt und dass dabei Crowdfunding als Thema so prominent vertreten ist, gefällt mir persönlich sehr gut.

Nachdem ich im letzten Jahr einen Vortrag halten durfte (siehe dazu mein Blogpost „Fundraising: Neue Ideen haben es schwer“), kann ich dieses Jahr leider nicht dabei sein. Die Vorbereitungen für das stARTcamp und das ORF-Dialogforum nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Da ich aber glaube, dass die Frage der Finanzierung von Kunst und Kultur ein eminent wichtiges Thema ist, habe ich der Organisatorin dieser Veranstaltung, Eva Estermann ein paar Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Liebe Eva, die Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring dreht sich um das Thema „Give & Tage“, um „fruchtbare Kooperationen“, wie Du in der Ankündigung schreibst. Warum sollen Kultureinrichtungen kooperieren und worin siehst Du den Mehrwert für beide Seiten?

Eva Estermann: Ob in Wissenschaft und Forschung, im Bildungsbereich, Politik oder Wirtschaft,   überall spielt das Prinzip Kooperation eine wichtige Rolle, wenn wir erfolgreich sein wollen. Die Psychologie und die Pädagogik haben sich damit eingehend befasst, auch die Philosophie, Soziologie und Politische Theorie, die Ökonomie mit der Mathematik im Rahmen der Spieltheorie und natürlich die Management-Lehre, wenn sie die Erfolgsbedingungen von Unternehmensallianzen oder Verhandlungsstrategien untersucht. Zu

© Ludwig Schedl

kooperieren bedeutet, mit dem jeweils anderen gemeinsam ein Ziel festzulegen und darauf zuzusteuern. Umso unterschiedlicher die Partner sind, desto höher ist der Nutzen dieser Partnerschaft. So entstehen neue Ideen und Perspektiven und so erwerben beide involvierte Parteien getrennt voneinander jeweils neue Erkenntnisse und Fähigkeiten, im besten Fall entstehen über die Parteieninteressen und den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehende gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklungen. Da Partner aber unterschiedlich sind und meistens unterschiedliche Erwartungen pflegen, müssen sie in aller Ehrlichkeit aufeinander zugehen und sich vorher die Zeit nehmen, sich in den jeweils anderen hineinzudenken. Nicht anders funktioniert erfolgreiche private Kulturförderung: es ist meiner Ansicht nach falsch, die Motive hierfür immer nur auf das Thema Geld zu reduzieren. Aber genauso beginnt leider noch immer fast jede Argumentation, weshalb Kultureinrichtungen heutzutage vermehrt Privatmittel einwerben sollen – „weil die öffentlichen Kassen leer sind“. Mag sein, dass  die öffentliche Kulturfinanzierung an ihre Grenzen gestoßen ist. Private Kulturförderung soll trotzdem nicht der wegen zunehmendem haushaltspolitischen Druck entstandenen Sparlogik öffentlicher Förderstellen folgen und deren Knappheiten kompensieren oder gar ersetzen, sie kann und will ergänzend auftreten. Der Mehrwert für die Kultur? Durch privates Engagement können eben Projekte realisiert werden, die sonst nie entstanden wären: das sind auf der einen Seite durchaus kommerziell gut verwertbare Projekte, auf der anderen Seite aber viele innovative, vielleicht sogar „sperrige“ (weil spartenübergreifende, künstlerisch komplizierte, oder auch nicht ein großes Publikum ansprechende) Projekte, über die sich eine öffentliche Förderstelle vielleicht nicht unbedingt rüber getraut hätte. Profitieren können davon nicht nur all die großen und damit ohnehin bereits stark subventionierten Kultureinrichtungen. Das zivilgesellschaftliche Engagement kommt bereits jetzt den vielen kleinen Kulturvereinen zu Gute, die stark auf Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit aufbauen. Noch stärker und systematischer sollen die kleinen Non-Profit-Einrichtungen private Geldquellen, über Sponsoring, Fundraising bzw. Spenden und Mäzenen sowie Stiftungen erschließen. Zudem treten viele große Unternehmen und – leider in Österreich noch viel zu wenig –  Stiftungen als unmittelbar fördernde oder selbst Kultur produzierende Akteure auf und tragen damit zu einer vielfältigen Kulturlandschaft bei. Bei unserer Veranstaltung wollen wir immer diese kulturpolitischen Fragestellungen mitandenken. Die Teilnehmer/innen sollen sich mit einem Knowhow über aktuelle Strategien und Methoden im Fundraising und Sponsoring wappnen. Sie sollen aber auch die dahinterliegenden Paradigmen erkennen und überdenken. Damit wären sie unserer Ansicht nach die erfolgreichsten Fundraiser/innen! Deswegen freuen wir uns so sehr auf unseren Keynote-Speaker Stephan Frucht: ein Querdenker par excellence, der gleichzeitig als ausgebildeter Dirigent und Violinist, Kulturmanager, Kulturpolitikberater (und btw. ehemaliger Unfallchirurg!) uns hier bestimmt sehr wertvolle Denkanstöße geben kann.

Der Kulturbereich muss Crowdfunding noch viel mehr nutzen

Kulturmanagement Blog: Ich bin ja immer froh, wenn Kultureinrichtungen die Spendenschiene verlassen und versuchen, ihren Kooperationspartnern auf Augenhöhe zu begegnen. Deshalb bin ich ein großer Freund von Crowdfunding und finde es großartig, dass sich das Thema durch den ganzen Tag findet. Was muss getan werden, damit noch viel mehr Kultureinrichtungen auf diese Form der Finanzierung setzen?

Eva Estermann: Alles ist Definitionssache. Crowdfunding gehört zu den Instrumenten des Fundraisings, speziell des Spendenwerbens. Spendensammeln hat noch immer diesen negativen Beigeschmack, dass man Menschen das Geld aus der Tasche ziehen will. Schade, wo doch Herr und Frau Österreicher/in im internationalen Schnitt besonders  im Kleinspender-Segment sehr viel und gerne spenden (siehe Spendenbericht). Was ist negativ am Spenden? Wir müssen noch an dieser Stigmatisierung arbeiten, denn sonst wird sich das Spendenklima für Österreichs Kultur nicht bessern.

Feststeht, Crowdfunding muss noch viel mehr im Kultursektor Fuß fassen.  Was es braucht zum Durchbruch? Ich würde sagen neben dem personellen Einsatz: Mut. Unser Leitsatz: einfach ausprobieren, auch Fehler riskieren!  Auch wenn Crowdfunding-Projekte sich nicht über die Nacht realisieren lassen und sich nicht für jede Einrichtung oder jedes Projekt eignen, sondern eines strategischen Aufwands bedürfen, profitieren Organisationen – auch ohne den vielleicht höher erwarteten ROI – davon. Sie lernen ihre Spender/innen kennen, erarbeiten anfangs einen starken Case of Support, üben sich in der  Kommunikation und müssen sich ganz praktisch überlegen, was sie über das Kulturangebot hinaus ihren potentiellen Spender/innen mitgeben können. Die beste Selbstreflektion und Erfahrung, um dann auch andere weitere Instrumente für Klein- und Großspender/innen auszuprobieren. Dieses Jahr referieren in zwei Einheiten ExpertInnen zu dem Thema: Peter Nömaier und Natascha Halbauer halten einen Vortrag über ihre Erfahrungen aus der jüngst lancierten Kampagne für das Sigmund Freud Museum. Die Profis  Sunita Maldonado (wemake.it) und Tomas Mikeska (Filmarchiv) halten einen Intensiv-Workshop.

Kulturmanagement Blog: Nicole Newman wird in ihrem Impulsvortrag über die neuesten Sponsoringtrends aus Europa berichten, Dominik Winterling erzählt, wie die Elbphilharmonie ihre Sponsoren sucht, findet und bindet. Glaubst Du, kleinere Kultureinrichtungen können sich da was abschauen und bestimmte Verhaltensweisen übernehmen?

Eva Estermann: Auf alle Fälle. Man kann immer von den „Besten“ lernen. Auch wenn die Bedingungen für große, oftmals am stärksten subventionierten Kultureinrichtungen anders sind, entstehen hier Ideen und Erfahrungen, die man abgewandelt durchaus auf den eigenen, oft viel kleineren Betrieb übertragen kann. Best Practice ist inspirierend und denkanstoßend. Das gilt auch für die Betrachtung von Trends. Natürlich sind wirtschaftliche, kulturpolitische oder gesellschaftliche Voraussetzungen etwa im angelsächsischen Raum, oder auch in Deutschland und in der Schweiz, ganz anders. Aber wir sollten das nicht immer als Ausrede nehmen, nicht über die Grenzen schauen zu können. Das Prinzip gilt ja auch für andere Branchen (karitative Organisationen, Wissenschaft, Umwelt) oder  unterschiedliche Kunstsparten: jede/r  Fundraising-Beauftrage sollte neugierig bleiben und sich regelmäßig umschauen, was  man für den eignen Kulturbetrieb übernehmen könnte. Erfolgreiche Ideen entstehen selten am Reißbrett.

Auf der 4. Fachtagung für Kulturfundraising geht es auch um EU-Förderungen

Kulturmanagement Blog: Normalerweise verbinden wir mit dem Kulturfundraising das Einwerben privater Mittel. Ihr habt aber auch David Röthler eingeladen, der die aktuellen EU-Förderprogramme vorstellen wird. Worin siehst Du die größten Herausforderungen für Kultureinrichtungen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Eva Estermann: Wir sehen das Thema „Fundraising“ pragmatisch. Letztlich geht es um das Einwerben aller finanziellen Mittel, ob von öffentlicher oder privater Seite. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, sein Fundraising-Portfolio zu diversifizieren, also auf Multi-Budgeting zu setzen. Kleinere Kultureinrichtungen haben hier bereits gegenüber  größeren einen Wissensvorteil: wenn es keine jährliche Basisabgeltung gibt, müssen viele Geldtöpfe berücksichtigt bzw. geprüft werden.  Gegebenenfalls müssen Eigeneinnahmen und Preispolitik überdacht werden, aber das ist nicht unser Thema. EU-Projektförderung kommt letztlich nur ganz wenigen Institutionen/Projekten zu Gute: die Förderpraxis und speziell die Förderbedingungen sind bekanntlich komplex. Wir bieten Kultureinrichtungen mit dem Experten-Workshop von David Röthler die Möglichkeit, für sich die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit eines EU-Förderansuchens zu überprüfen.

Kulturmanagement Blog: Fördervereine und Freundeskreise sind ebenfalls ein wichtiges Thema, wenn wir von Kulturfundraising sprechen. Wie können die kleineren und mittleren Kultureinrichtungen Menschen gewinnen, die sich für sie engagieren? Ist das ressourcenmäßig überhaupt möglich?

Eva Estermann: Fördervereine und Freundeskreise zählen zu den geschichtlich am längsten zurückreichenden „Fundraising-Instrumenten“. Oft wissen wir gar nicht, wieviele österreichische Kultureinrichtungen sich aus diesem bürgerschaftlichen Engagement (das auch mit substanzieller finanzieller Hilfe verbunden war) heraus entwickelten. Diese Zivilgesellschaft heißt es heutzutage wieder neu zu beleben. Die Mitwirkung in einem Förderverein ist eine Form der Bürgerbeteiligung, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur viel mehr noch zusammen schweißen könnte.  Letztendlich sollen aber diese Vereine in der Lage sein, kulturelle Einrichtungen nicht nur ideell, sondern auch finanziell  zu unterstützten. Gerade kleinere Kultureinrichtungen könnten es doch viel leichter bewerkstelligen, Menschen, die ihrer Institution verbunden sind, zu identifizieren, zu binden und letztlich zur finanziellen und personellen Mitwirkung  zu motivieren. Aber eines ist klar: das ist eine auch zeitintensive Aufgabe des Intendanten, der künstlerischen/wissenschaftlichen Leitung, des Geschäftsführers, „potentielle Freunde“ im Umkreis anzusprechen.

Kulturmanagement Blog: Die Teilnahme an der Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring ist nicht ganz billig, die Tickets kosten regulär 270 Euro. Ich frage Dich jetzt nicht, ob sich diese Investition für Kultureinrichtungen lohnt, sondern würde von Dir gerne wissen, ob es für Kulturvereine, für die so ein Betrag viel Geld ist, Ermäßigungen gibt.

Eva Estermann: Wir bieten sogenannte Tagungsstipendien für Vertreter/innen von kleinen Kultureinrichtungen an (Tipp: Bis morgen, den 7.6.18, können Sie sich noch bewerben, Infos unter diesem Link), die  sich mit einem kurzen „Motivationsschreiben“ vorstellen und dann kostenlos bei der Tagung teilnehmen. Dieses Stipendienprogramm wird von BKA Sektion Kunst & Kultur, der ERSTE Stiftung sowie der Erste Bank unterstützt: darüber freuen wir uns ganz besonders, dass die Weiterbildung von Kulturfundraiser/innen öffentlichen wie privaten Trägern ein Anliegen ist! (BTW: vergleichbare Weiterbildungen setzen für halbtägige Seminare viel höhere Preise an.)

Kulturmanagement Blog: Ich danke Dir für Deine Antworten, Eva und wünsche Dir beziehungsweise Euch eine tolle Veranstaltung!

Eva Estermann: Und dir viel Glück für das stARTcamp in der Kunsthalle. Hoffentlich wird „Give & Take“ auch ein Thema….

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Was ist ein stARTcamp und warum sollten Sie dabei sein?

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Jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum stARTcamp Wien. Nach den vielen Feiertagen möchte ich jetzt noch einmal ordentlich die Werbetrommel rühren, denn bis jetzt haben viele, so mein Eindruck, noch gar nicht mitbekommen, dass es am 2. Juli wieder soweit ist. Wie aber bewirbt man eigentlich ein stARTcamp? Was ist das überhaupt und warum sollte man dorthin gehen?

Die wichtigsten Informationen habe ich ja bereits vor einiger Zeit in einem eigenen Blogbeitrag gepostet. Ein Facebookevent ist erstellt und über die Twitterkanäle informiere ich auch immer wieder. In Rückmeldungen taucht immer wieder die Frage auf, was denn ein stARTcamp eigentlich sei. Den Namen haben wir in Anlehnung an die stARTconference gewählt, eigentlich versteckt sich hinter dem stARTcamp ein Barcamp. Während bei einer Konferenz im Vorfeld ein Programm zusammengestellt wird, mit dem die Veranstaltung beworben wird, ist das bei einem Barcamp nicht der Fall. Wikipedia beschreibt dieses Format als „eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden“.

Was ist ein stARTcamp?

Im Unterschied zu einer Konferenz steht bei einem stARTcamp, das nach dem Barcamp-Prinzipien funktioniert, das Programm also nicht von Anfang an fest. Würde ein stARTcamp nach den Regeln einer klassischen Konferenz – eine SprecherIn, viele ZuhörerInnen – funktionieren, wäre der Einwand, man kauft die Katze im Sack, zutreffend: Ich kaufe ein Ticket, weiß aber noch nicht, wer zu welchen Themen etwas erzählen wird und hoffe, dass mich das dann interessiert. So ein Wagnis gehen wohl die wenigsten von uns ein.

Aber ein stARTcamp funktioniert eben nicht wie eine Konferenz. Ich bin nicht Konsument, sondern ein ganz entscheidender Teil dieses Formats. Wenn ich nur darauf warte, was dabei herauskommt, dann bin ich davon abhängig, was andere anbieten. Das finde ich, wenn überhaupt, heraus, indem ich auf die Liste der Sessionvorschläge schaue, die meist im Vorfeld veröffentlicht werden. Ich habe die Liste für das #scvie19 heute erstellt und meinen Sessionvorschlag dort eingetragen. In dieser Liste können Sie sehen, wer welche Themenvorschläge gemacht hat und danach entscheiden, ob Sie die Veranstaltung interessiert oder nicht.

Aber so ganz optimal ist diese Idee nicht, denn dann müssten Sie warten, bis wirklich alle, die eine Session gestalten möchten, ihren Themenvorschlag auf die Liste setzen. Das passiert aber eigentlich nie. Viele Themenvorschläge erfolgen erst in der Eröffnungssession. Wenn Sie so vorgehen, werden Barcamps für Sie schnell zur Enttäuschung. Oder Sie gehen nie zu einem hin. ;-)

Warum stARTcamps auch heute noch so wichtig sind

Sie können aber auch Ihre Erwartungshaltung verändern und genau das wäre auch mein Wunsch für dieses stARTcamp. Ich glaube, dass der Erfolg eines Barcamps davon abhängt, wie aktiv die TeilnehmerInnen sind. Es ist, wie gesagt, keine Konferenz, sondern ein partizipativeres Format. Eben weil das klassische Konferenzformat schnell ermüdend wirkt, wurden die Barcamps erfunden. Sie leben von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen, sich auf das Thema und die anderen einzulassen. Sie müssen keine ExpertIn sein, um sich vor die anderen zu stellen und eine Session zu halten. Die umgekehrte Variante ist auch möglich: Sie wollen etwas wissen und um Sie herum sitzen Menschen, die Ihnen weiterhelfen können.

Deshalb können Sie in die Liste auch Themenvorschläge eingeben, also Themen, zu denen Sie nichts vortragen, sondern etwas darüber lernen wollen. Vielleicht interessiert Sie die Frage, was das Aufkommen des Dark Social für Ihr Marketing bedeutet. Oder ob eine Progressive Web App sinnvoller als eine native App ist. Unter Umständen gibt es darauf keine eindeutigen Antworten. Aber Sie können sich mit anderen austauschen und herausfinden, wie die mit diesem Thema umgehen. Oder nehmen wir Facebook, Instagram, Twitter… es gibt doch viele Dinge, die uns umtreiben.

Ich sehe im digitalen Raum eine Entwicklung, in der wieder verstärkt alle gegen alle kämpfen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, das sind alte Verhaltensmuster. Warum die Netzwerke nicht als das nutzen, was sie sind, Netzwerke? Und genau aus diesem Grund sind Barcamps oder stARTcamps auch heute noch so wichtig. Der Netzwerkgedanke scheint gerade etwas in den Hintergrund zu treten.

Nun wird sich vielleicht jemand fragen, was denn passiert, wenn es keine Themen gibt? Ich fürchte mich vor vielen Dingen, aber vor einem ganz sicher nicht: Dass uns die Themen ausgehen. :-) Aber trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass am Ende nichts dabei herauskommt. Ich habe das zwar noch nie erlebt, aber dieses Risiko ist der Preis dafür, dass Barcamps der Versuch sind, die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Vordergrund zu stellen. Haben die keine beziehungsweise artikulieren sie nicht, habe ich keine Chance, ein Scheitern droht.

Ich kann dieses Risiko zwar nie ganz ausschließen, aber ich kann es auch als TeilnehmerIn minimieren. Indem ich einfach das Thema vorschlage, das mich interessiert. Ich muss die Session ja nicht selbst oder alleine halten. Aber es ist ein erster Schritt, um zu verhindern, dass mir die Veranstaltung nichts bringt. Und es ist vielleicht auch die Chance, sich mit anderen zusammen zu tun, die sich mit gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen. Am 2. Juli haben Sie die Chance dazu, da findet das stARTcamp Wien (in diesem Beitrag finden Sie alle Infos) im Volkskundemuseum statt.

Hier gibt es die Tickets. ;-)