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Haben Kunst und Schokolade etwas gemeinsam?

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Letzte Woche fand erstmals ein stARTcamp in Frankfurt statt und das zu einem Thema, das vermutlich bei vielen Kultureinrichtungen noch nicht ganz oben auf der Tagesordnung steht: Kundenservice und Social Media. Ich habe sehr viel neue Ideen und Anregungen mitgenommen und viele nette und interessante Menschen getroffen bzw. kennengelernt. Deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bei Sascha Hüsing bedanken, der die Premiere in Frankfurt fast im Alleingang organisiert hat. Es war sehr hilfreich zu erfahren, wie Unternehmen Social Media mittlerweile für ihren Kundenservice einsetzen

Besonders spannend war aber für mich die Session von Alyssa Jade McDonald, die als Geschäftsführerin von Blyss Schokolade verkauft. Das klingt sehr nüchtern, aber hinter dieser vor zwei Jahren gegründeten GmbH verbirgt sich eine gut hundert Jahre alte Geschichte, die in Papua-Neuguinea ihren Ausgangspunkt nimmt, wo ihre Großeltern damit begannen, auf einer Plantage Kakao anzubauen. Den Weg von der Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade erzähle ich hier jetzt nicht, aber um es kurz zu machen: Das Ergebnis schmeckt, denn Alyssa Jade McDonald brachte eine Kostprobe in Form eines recht großen Glases mit, wie die Aufnahme des Currywurstmuseums zeigt:

Interessant war die Frage, welche Kakaobohne wir denn kennen würden? Beim Wein fällt vielen vermutlich die eine oder andere Traube ein, aber bei der Schokolade musste nicht nur ich passen. Auch den anderen TeilnehmerInnen des stARTcamps ging es ebenso. Wenn McDonald von einer „low-educated consumer group“ spricht, liegt sie damit also vermutlich richtig.

Wie aber schafft es ein kleines Unternehmen, sich in einem Markt durchzusetzen, der zu 90% von drei großen Organisationen dominiert wird? Über die Qualität, so McDonald, aber die hat auch ihren Preis. Wie aber bringe ich Menschen dazu, viel Geld für Schokolade auszugeben? McDonald brachte an dieser Stelle den Begriff Connoisseurship ins Spiel und stellte die These auf, dass Connoisseure die Voraussetzung dafür seien, hochwertige Produkte in einem Markt zu etablieren.

Connoisseurship basiert für McDonald auf „elegance“ und „rituals“. Hinter dem Begriff der Erlesenheit verbirgt sich vor allem die Bereitschaft, Zeit in etwas zu investieren, was man liebt und über das man mehr erfahren möchte. Wo wird die Kakaobohne angebaut? Wie wird die Schokolade produziert? Wie entfaltet sie ihr volles Aroma? All das sind Fragen, die Alyssa Jade McDonald beantwortet, um aus Konsumenten Connoisseure zu machen. Das heißt, auch sie investiert jede Menge Zeit, damit ihre Gesprächspartner beginnen, die Qualität von Schokolade zu schätzen.

Wer gerne Wein trinkt, weiß, dass man den Wein erst einmal riecht, ihn sich im Glas entfalten lässt, um ihn dann nach einer gewissen Zeit genießen zu können. Haben wir ähnliche Rituale, wenn wir Schokolade essen, war die vermutlich rhetorisch gestellte  Frage McDonalds beim stARTcamp in Frankfurt.

Connoisseure sind für die Produktentwicklung wichtig, denn sie fordern nicht nur, was sie lieben, sondern sie kritisieren auch, wenn sie es nicht bekommen oder die Qualität nicht stimmt. Und sie sind Multiplikatoren, wenn sie anderen von ihrer Leidenschaft erzählen, denn sie kaufen etwas nicht, weil es verfügbar ist, sondern es ihre Leidenschaft ist.

Bei Blyss setzt Alyssa Jade McDonald auf die Snobs, wie sie sagt. Sie kooperiert mit Hotels, Restaurants oder Anbietern von Luxusprodukten und holt ihre Connoisseure dort ab, wo sie am ehesten zu finden sind. In dem folgenden Video erklärt sie ihre Philosophie und stellt gegen Ende ihres Vortrags die Frage: „How can you make the snob in your world?“

Ich habe während dieses Vortrags oft an den Kunst- und Kulturbereich denken müssen und stelle mir die Frage, ob sich dieser Ansatz nicht auch für Theater, Museen, etc. eignet? Aus Besuchern Connoisseure zu machen, Menschen dazu zu bringen, Kunst zu schätzen, zu lieben und zu genießen. Ist das nicht genau das, was wir von den Menschen erwarten, die zu uns kommen (sollen)?

Mir gefällt dieser Ansatz, aber es stellt sich natürlich sofort die Frage, wie ich aus jemandem einen Connoisseur mache? Blyss arbeitet mit ganz unterschiedlichen Formaten, zum Beispiel Foodcamps oder Webinaren. Im Vordergrund steht aber nicht der Verkauf der Schokolade, sondern die Idee von Connoisseurship. Wie müsste das im Kunst- und Kulturbereich aussehen?