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Mit Hyperlinks gegen die Hierarchie

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© Gerd Altmann; Pixelio

Als vor zehn Jahren das Cluetrain-Manifest veröffentlicht wurde, hieß es auf der deutschen Seite, auf der das Manifest veröffentlicht ist:

„Ein kraftvolles globales Gespräch hat begonnen. Über das Internet entdecken und gestalten die Menschen neue Wege, um relevantes Wissen mit rasender Geschwindigkeit auszutauschen. Als direktes Resultat werden die Märkte intelligenter — und sie werden schneller intelligent als die meisten Unternehmen.“

So wirklich hat sich das im Rückblick gesehen nicht bewahrheitet. Dass die Märkte intelligenter geworden sind, kann man im Angesicht von Wirtschafts- und Finanzkrise wirklich nicht behaupten. War es also Unsinn, was da in den 95 Thesen stand? Ein ganz interessantes Projekt versucht darauf Antworten zu finden. cluetrainplus10 verfolgte das Ziel, am 28. April 2009, also genau zehn Jahre nach dem Erscheinen des Cluetrain-Manifests 95 Experten über die Thesen bloggen zu lassen und so ein Mosaik zu schaffen, das den aktuellen Stand beschreibt.

Chris Brogan hat sich der 7. These angenommen, in der es ganz kurz und bündig heißt: „Hyperlinks Subvert Hierarchy„. In seinem Blogpost schreibt Brogan:

„This thesis, which deals with the hyperlinked organization, is a way of suggesting that orgs restructure and break out of being silo-driven. It also reminds us that there is a web of connections, not individuals standing out of context or connectivity.“

In meinen Augen ist das eine der wichtigsten Entwicklungen, die wir gerade erleben dürfen. Verlinkung versus Hierarchie drückt einen Kulturwandel aus, der uns gerade „passiert“. Das Social Web kann erst vor diesem Hintergrund sein volles Potenzial entfalten. So wird auch klar, warum es vor allem großen Unternehmen so schwer fällt, sich dieser neuen Tools zu bedienen.

Nun könnte man fragen, was denn das Cluetrain- Manifest gebracht habe, schließlich konnten wir den Niedergang sowohl der Märkte als auch vieler Unternehmen nicht verhindern? Zwar leben wir noch nicht in einer neuen schönen, kollaborativen und hierarchiefreien Welt, aber wir sind auf dem besten Weg dorthin. Sagen zumindest die Optimisten, zu denen ich mich auch zähle.

Aber wir müssen gar nicht vom großen Ganzen reden, Verlinkung findet schon heute statt und funktioniert vielerorts. Chris Brogan demonstriert das an seinem Blogpost, von dem er sagt:

„The picture in this blog post doesn’t exist on my servers. I’ve put it there via links. The links in this blog post, which point you to resources like the online text of the cluetrain manifesto, are pointing you to resources that don’t existing on this website.“

Mit Hilfe der verschiedensten Ressourcen schaffen wir etwas Neues. Aber dieses Neue bringt Herausforderungen mit sich, denn unser altes Denken kann mit ihnen noch nicht umgehen. Interessant ist in dieser Hinsicht der Beitrag „Leave Britney Alone“ von Michael Strogies auf dem Blog „Spurensuche“. Auch hier werden die Veränderungen beschrieben, in denen nicht mehr die einzelne KünstlerIn „BesitzerIn“ des kreativen Prozesses ist. Dass wir unser hierarchisches Denken noch nicht überwunden haben, zeigt der Versuch, zwischen Künstlern und Amateuren zu unterscheiden. Es kommt auf die Ressourcen an. Von wem sie stammen, spielt eigentlich keine Rolle.

Und hat sich in den letzten zehn Jahren etwas verändert? Chris Brogan ist davon überzeugt. Immer mehr Menschen würden diesen Ansatz verstehen und die anderen werden folgen, schreibt er. Ob er Recht hat? Lassen wir uns überraschen, wenn es in zehn Jahren heißt: cluetrainplus20