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App-Ökossysteme für Kultureinrichtungen: Ticket Gretchen und Uber kooperieren

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Foto von Lexi Ruskell auf Unsplash

Wir als NutzerInnen digitaler Technologien verwenden immer weniger Apps, die wir aber immer länger nutzen. So lässt sich in aller Kürze mein Beitrag „Apps im Kulturbereich: Das sollten Kulturbetriebe wissen“ zusammenfassen. Wer vor diesem Hintergrund mit der Entwicklung einer App liebäugelt, muss damit rechnen, dass er bei der Umsetzung relativ viel Geld in die Hand nimmt und nicht weiß, ob sich der große Aufwand am Ende wirklich lohnt.

Dieses Schicksal droht, so denke ich, all denen, die sich bei Konzeption und Gestaltung der App ausschließlich auf ihre eigenen Inhalte konzentrieren. Vor nicht allzu langer Zeit erregte eine Kultureinrichtung  noch Aufsehen, wenn sie eine App herausbrachte. Heute ist das eher eine Selbstverständlichkeit und dementsprechend sinkt das Interesse daran. Wir sind nicht mehr so schnell bereit eine App auf unseren mobilen Endgeräten zu installieren und verzichten im Zweifelsfall lieber darauf.

War es früher oft Neugierde, die uns dazu gebracht hat eine App auszuprobieren, fragen wir heute eher nach ihrem Nutzen. Dabei spielen unsere veränderten Gewohnheiten eine wichtige Rolle. Wir kommunizieren über sie, nutzen sie für Unterhaltungszwecke, aber wir kaufen auch mit ihrer Hilfe ein, erledigen unsere Bankgeschäfte und vieles mehr. Diese Entwicklung macht auch vor kulturellen Angeboten nicht halt. Für viele ist es heute unvorstellbar, dass sie zu einer Vorverkaufsstelle gehen, um sich ein Ticket zu kaufen für eine Veranstaltung, die dann noch mal 14 Tage später stattfindet. Natürlich können wir heute viele Tickets bereits online kaufen, aber oft gestaltet sich deren Erwerb trotzdem noch ziemlich mühsam.

Meistens bilden Kultureinrichtungen dabei einfach nur ihre Strukturen ab, an die Customer Experience denken wohl nur die wenigsten. Da überrascht es nicht, dass da plötzlich ganz andere Player auf diesen Zug aufspringen. In diesem Fall, der der Anlass für diesen Blogbeitrag ist, geht es um ein Wiener Startup, das mit „Ticket Gretchen“ eine App entwickelt hat, über die ich in Wien – und mittlerweile auch in einigen österreichischen Bundesländern – schnell und unkompliziert Theatertickets kaufen kann. Und noch besser: Ich muss die Tickets nirgendwo abholen, ich muss sie auch nicht ausdrucken (Print@home ist aber möglich), sondern habe sie in der App.

Vor allem für Kurzentschlossene ist das eine praktische Sache, denn die App bietet einen schnellen Überblick über das Angebot und erlaubt einem den raschen Erwerb eines Tickets, ohne die Seiten der Theater aufzurufen. Das heißt, der Kaufvorgang wird beschleunigt.

Treffe ich die Entscheidung sehr kurzfristig, muss ich sehen, dass ich rechtzeitig zum Vorstellungsbeginn im Theater bin. Wer es bequem mag, wird sich vielleicht ein Taxi kommen lassen. Auch das geht mittlerweile per App, die Zahl derer, die ihr Taxi über mytaxi oder Uber bestellen, steigt kontinuierlich an.

©Jan Frankl

In Wien haben sich jetzt Ticket Gretchen, Uber und der Wiener Bühnenverein zusammengetan und bieten noch bis Ende Juni eine 30-prozentige Ermäßigung auf Theaterkarten und Taxifahrt. Sie decken damit einen Großteil der Customer Journey ab. NutzerInnen von Uber werden so auf das Theaterangebot aufmerksam gemacht und kommen so vielleicht auf die Idee, sich eine Produktion anzuschauen. Das Angebot spricht darüber hinaus die an, die es gerne bequem haben oder die öffentlichen Verkehrsmittel aus welchen Gründen auch immer nicht nutzen möchten. Die Kooperation richtet sich aber auch an die, die ihre Abende digital organisieren und nun eine Möglichkeit haben, mit Hilfe zweier Apps einen Abend im Theater zu verbringen.

Und die Theater selbst? Sie können sich im Idealfall über mehr verkaufte Tickets und zufriedene BesucherInnen freuen. Aber Teil dieses App-Ökosystems sind sie nicht. Das muss kein Nachteil sein, wenn die Kooperationen klappen. Es kann aber ein Nachteil werden, weil sie nicht eingebunden sind, das heißt, ihnen fehlen die Gestaltungsmöglichkeiten. Wenn man es böse formuliert, verkommen die Theater zum reinen Contentlieferanten. Die (Infra)-Struktur stellen andere zur Verfügung und vielleicht sind sie es eines Tages, die darüber entscheiden, ob wir ins Theater gehen (können) oder nicht. In diesem Fall sehe ich kein Problem, weil der Wiener Bühnenverein als Kooperationspartner mit im Boot ist. Die Interessen der Theater sind also gewahrt. Aber wird das immer so sein?

Gefragt ist mehr Unternehmergeist auf Seiten der Theater (aber auch seitens anderer Kultureinrichtungen), denke ich. Ob sie das Heft dabei selbst in die Hand nehmen oder für sie nützliche Kooperationen eingehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine App für eine Kultureinrichtung lohnt sich nicht, wenn man diese Aspekte nicht berücksichtigt. Es gilt, die Metaebene zu besetzen, eine Art Ökosystem rund um die Customer Journey zu entwickeln. Das ist vermutlich eine ziemliche Herausforderung für Theater und andere Kulturbetriebe, aber dahinter verbergen sich ja auch Chancen. ;-)

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Kunst und Kultur im Social Web: es fehlt an Vernetzung und Kooperation

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Cooperation„; By Ernst Vikne (CC-Lizenz)

Unter der Überschrift „Kennen Sie die twitternden deutschen Blogger/innen?“ beklagt Steffen Peschel in seinem aktuellen Blogpost die fehlende Vernetzung in der Blogosphäre. Das Resultat seien, so Peschel, fehlende Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Festmachen lässt sich das unter anderem auf Rivva.de, einer Website, die das Social Web nach häufig empfohlenen Artikeln durchsucht und diese dann auflistet. Das wohl wichtigste Kriterium ist die Zahl der Links, womit wir beim Thema wären. Meist finden sich dort Zeitungsartikel, Blogposts sind dort kaum zu finden. Wer sich im Bereich Kultur umsieht, findet dort aktuell erstaunliche Artikel aufgelistet. Da geht es um Salafisten, reduzierte iTunes-Karten oder um Car Poolers, eine Portrait-Fotoserie mexikanischer Arbeiter, die immerhin auf einem Blog zu finden ist.

Nun kann man einwenden, dass das die Themen sind, die die Menschen interessieren und auf die via Twitter, Facebook oder Blog verlinkt und Bezug genommen wird. Aber stimmt diese Annahme wirklich oder liegt es eher daran, dass es z.B. der Kunst- und Kulturbereich einfach an der Vernetzung fehlen lässt? Welche Themen interessieren ist schwer zu beurteilen, aber der Vernetzungsgrad im Kunst- und Kulturbereich ist sehr gering. Und das deshalb, weil die meisten lieber alleine vor sich hinwurschteln als knappe Ressourcen zu bündeln.

Wie lässt sich die Vernetzung fördern? Jörn Brunotte und Michael Müller von Culture to Go haben auf der MAI-Tagung und dem letzten Berliner stARTtogether ein thematisches Gemeinschaftsblog für Museen vorgeschlagen. Eine Idee, die immer mal wieder auftaucht, aber bis jetzt im Kunst- und Kulturbereich noch nie erfolgreich umgesetzt werden konnte. Eigentlich wäre die Zeit reif für einen solchen Versuch. Nicht nur die Technologie ist mittlerweile soweit, dass sich so etwas ohne Probleme realisieren lässt. Auch die knappen Ressourcen Zeit und Geld müssten so nicht überstrapaziert werden.

Einen anderen Vorschlag macht Steffen Peschel. Er hat ein Online-Dokument angelegt, in das sich twitternde BloggerInnen aus Deutschland eintragen können und damit die Idee von Digitalks-Gründerin Meral Akin-Hecke übernommen, die vor kurzem eine Liste twitternder BloggerInnen aus Österreich erstellt hat. Mir ist Vernetzung wichtig, deshalb habe ich nicht nur eine Blogroll, sondern verlinke auch so wie möglich auf andere Blogs. Aber solche Listen reichen in meinen Augen nicht, sie sind nur ein Anfang, um, wie in diesem Fall, von anderen Blogs zu erfahren. Entscheidend ist aber die inhaltliche Vernetzung und die damit verbundene Idee, sich aufeinander zu beziehen beziehungsweise mit den Ansichten anderer auseinander zu setzen. Listen verschwinden schnell wieder in der Versenkung, inhaltliche Vernetzung aber kann tagtäglich passieren. Wir müssen es nur tun, Blogs gibt es auch im Kunst- und Kulturbereich gar nicht so wenige.

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Leitfaden: „Die Gesellschaft der Kreativen – Wertschöpfung im Zeitalter der Kooperation“

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„Zwei von drei der 36.000 österreichischen Kreativunternehmen arbeiten als Solo-Selbstständige ohne eigene MitarbeiterInnen“,

wird Gertraud Leimüller, Vorsitzende der creativ wirtschaft austria (cwa) in der Ankündigung des Leitfadens „Die Gesellschaft der Kreativen – Wertschöpfung im Zeitalter der Kooperation“ zitiert. Die Zusammenarbeit in Partnerschaften oder Kooperationen, das Arbeiten in Netzwerken sind oftmals die Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben. Worauf man dabei achten muss, zum Beispiel auch in rechtlicher Hinsicht, das versucht dieser Lietfaden zu vermitteln, den man entweder hier kostenlos als Broschüre bestellen oder sich auch als PDF downloaden kann.

Die beiden Autorinnen Nina Popp und Marie-Theres Zirm erklären unter anderem, warum Netzwerke so wichtig sind, ein Serviceteil listet dann gleich die für Österreichs Kreative relevanten Netzwerke auf. Hat man jemanden gefunden, mit dem man zusammenarbeiten möchte, stellt sich die Frage, wie man die Kooperation vertraglich absichert und welchen rechtlichen Rahmen (bezieht sich ebenfalls auf Österreich) man ihr gibt?

Sehr wertvoll ist vermutlich für viele die Adress- und Linkliste am Ende der Broschüre, die so umfangreich ist, dass ich sie mir in der Printausgabe bestellt habe. Insgesamt ein hilfreiches Serviceangebot, dessen einziges Manko ein zu knapp ausgefallenes Inhaltsverzeichnis ist.

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Kulturelle Zusammenarbeit mit 79 ACP-Staaten

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Viele Kultureinrichtungen sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen und realisieren Projekte gemeinsam mit Partnern aus europäischen Ländern. Dank der EU gibt es dafür ja auch entsprechende Fördermittel. Wer seine Partner außerhalb der europäischen Grenzen sucht, für den wird es schon etwas schwieriger. Aber immerhin gibt es noch die Möglichkeit, Vorhaben in sogenannten Drittländern durchzuführen. Jedes Jahr legt die EU fest, für welche Länder der jeweilige Call gilt.

Darüber hinaus gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit den ACP-Staaten. Hinter diesem Kürzel ACP verbergen sich 79 Länder, die dem afrikanischen, karibischen und pazifischen Raum zuzuordnen sind. Während die Informationen darüber früher schwer zu finden waren, gibt es mittlerweile eine sehr übersichtlich aufbereitete Homepage.

„THE EU-ACP SUPPORT PROGRAMME TO CULTURAL INDUSTRIES IN ACP countries is funded by the European Commission, managed and implemented by the Secretariat of the African, Caribbean and Pacific Group of States (ACP). It is open to the 79 African, Caribbean and Pacific (ACP) Group of States and the European Union Member States that are signatories to the 9th European Development Fund (EDF)“,

heißt es dort auf der Startseite. Grundsätzlich geht es darum, den kulturellen Sektor in diesen Ländern zu stärken. Dafür stehen verschiedene Förderprogramme zur Verfügung, über die es auf der Website ausführliche Informationen gibt. Wer so richtig international arbeiten möchte oder das bereits tut, sollte sich die Seite mal genauer anschauen.

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EU unterstützt kulturelle Kooperationen zwischen Russland und den EU-Mitgliedstaaten

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Vor wenigen Tagen hat die EU einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht, bei dem es um die Förderung von Initiativen im Kulturbereich geht. Die Einreichfrist endet am 26.3.2007 und zwar um 17:30 Moskauer Zeit (Ich kenne allerdings den Zeitunterschied nicht).

Ausführliche Informationen finden Sie hier. Und auf dieser Seite gibt es Richtlinien und Formulare zum Download. Um einen Überblick über diesen Call zu bekommen, sollten Sie auf alle Fälle die Richtlinien lesen.

Die Ausschreibung erfolgt im Rahmen des Kooperationsprogramms zwischen der EU und Russland. Ganz allgemein geht es um folgendes Ziel:

„The overall aim of the Programme is the reinforcement/capacity building of civil society organisations. This support is to be realised through organisations working in partnership to develop and implement projects with sustainable outcomes.

The programme will support cooperation at local level through partnerships among a wide range of local authorities, non-governmental organizations and/or cultural institutions from Russia and from the EU Member States with the aim to strengthen the development of the cooperation in the cultural field.“ (Seite 4 der Richtlinien)

Die Ziele dieses Calls werden so beschrieben:

  • „Promoting a structured approach to cultural cooperation between the
    enlarged EU and Russia, to foster the creativity and mobility of artists,
    public access to culture, the dissemination of art and culture, intercultural
    dialogue and knowledge of the history and cultural heritage of the
    peoples of Europe.
  • Strengthening and enhancing the European identity on the basis of
    common values, including freedom of expression, democratic functioning of
    the media, respect of human rights including the rights of persons belonging
    to minorities and promotion of cultural and linguistic diversity as a basis of
    vitality of civil society in Europe without dividing lines.
  • Developing cooperation between the cultural industries of the EU and
    Russia in order to increase both their cultural and economic impact.
  • Providing support and strengthen institutions that are active in the cultural
    field and improve the management capacity of participating organisations.“ (Seite 5)

Zur Verfügung stehen insgesamt 2 Mio. Euro, die Förderungen betragen mindestens 100.000 und höchstens 300.000 Euro, wobei der Anteil der EU-Förderung zwischen 50 und 80% der Projektkosten liegen muss. An dem Projekt müssen mindestens je ein Partner aus dem EU-Raum und einer aus Russland beteiligt sein.

Die Projektlaufzeit darf 8 bis 24 Monate betragen und verschiedene einzelne Aktivitäten umfassen, die in Russland stattfinden müssen.
Grundsätzlich kommen Projekte für eine Förderung in Frage, die innovativ sind und eine europäische Dimension aufweisen. Darunter werden im Leitfaden verstanden:

  • „Initiatives that promote networking, exchange and practical cooperation
    between cultural organizations, museums and artistic universities, both on a local
    level, linking Russian regions, and on an EU level with European partners (e.g. by
    linking existing EU-based cultural networks with networks of cultural organizations
    in Russia).
  • Initiatives that increase mobility and interaction between artists and cultural
    sector workers in Russia and the European Union; encourage innovative and
    result-oriented forms of cultural exchange and creativity and promote
    culture in and from places that are not yet part of the EU-Russia cultural discourse.
  • Initiatives capitalizing on cultural heritage, intellectual capital and culture-related
    knowledge assets as an innovative way to activate local economic growth
    and development based on culture (i.e. cultural tourism).
  • Initiatives to improve the attractiveness and public accessibility of Russia’s
    cultural heritage by means of innovative technologies and new methodological
    approaches.
  • Initiatives to promote the cultural heritage of minorities, including their
    contribution to cultural diversity and intercultural dialogue.
  • Initiatives to strengthen the innovation and creative management capacity of
    cultural organisations and the people working in them – especially in the field of
    international cultural cooperation with partners in the European Union.“(Seite 10)

Welche Projekte werden gefördert? Im Leitfaden heißt es:

  • „Projects should be focused and contain a mix of activities that together will have a
    sustainable institutional building effect. Successful projects are the result of
    careful preparation and sound co-operation between the Applicant and the
    Partner(s);
  • Projects should include networking components ideally involving all agents of
    local development: local authorities, civil society organisations, business community,
    media, etc.;
  • Preference will be given to proposals based on innovative and creative
    approaches and those that make use of best practices;
  • Projects targeting Russian regions, attracting new audiences to the arts and
    fostering the creative potential of the local communities are particularly
    welcomed.“ (Seite 11)

Alle weiteren Informationen, z.B. welche Kosten überhaupt gefördert werden, finden sich in den schon erwähnten Richtlinien. Zu erwähnen ist noch, dass die Verteilung der Förderungen über ein zweistufiges Verfahren erfolgt. Erst nach Überwinden der ersten Hürde geht es also ins Detail.