All Posts Tagged ‘kultur

Europäische Union; Europa
Post

60 Minuten über das neue EU-Förderprogramm „Creative Europe“ [Video]

1 comment

Sylvia Amann, die mit ihrem Unternehmen inforelais unter anderem Unterstützung beim Thema EU-Förderungen anbietet, hat vor wenigen Tagen in einem Webinar das neue EU-Förderprogramm „Creative Europe“ vorgestellt und die zahlreichen Fragen der TeilnehmerInnen beantwortet. Wenn Sie fix vorhaben, einen Antrag nach Brüssel zu schicken oder mit dem Gedanken spielen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, kann ich Ihnen diese 60 Minuten wärmstens empfehlen. Hier ist die Aufzeichnung:

Post

Stefan Lau: Was ist aus dem Karneval der Kulturen geworden? (Gastbeitrag)

21 comments


Fotograf: Michael Flascha; Dieses Foto steht unter einer CC-Lizenz

1996 zog zum ersten Mal die bunte Karawane durch die Straßen Berlin – Kreuzbergs, die von ca. 50.000 Zuschauern bestaunt wurden. Die Grundidee war, der besonders in Berlin sichtbaren immer stärker werdenden Internationalität Rechnung zu tragen und den Menschen aus verschiedenen Kulturen und Erdteilen die Möglichkeit zu bieten, ihr Land und ihre Kultur zu präsentieren, sich musikalisch und tänzerisch auszudrücken. Damit sollte der Respekt und die Toleranz untereinander und miteinander gefördert und zugleich eine Plattform geboten werden, wo sich Berliner aller Nationalitäten begegnen um miteinander zu feiern, sich auszutauschen und Kulturtransfer zu ermöglichen.

2002 konnte ich das erste Mal dabei sein und in der Percussiongruppe La Forêt Sacrée, die von Rale Dominique für den Karneval der Kulturen in Berlin gegründet und aus ca. 20 – 30 Trommlern, Tänzer und Maskenträger bestand, mitspielen und das Gänsehautfeeling erleben, was man hat, wenn man musizierend durch die Straßen voller begeisterter Menschen läuft.

Nach einigen Jahren Pause wurde ich dann eingeladen bei der Percussiongruppe Furioso mitzuspielen und eine Tanzgruppe, bestehend aus Bauchtänzern und Cheerleedern zu begleiten. Das hat allen Beteiligten Spaß gemacht, besonders auch den beteiligten Kindern und Jugendlichen. Zwei Jahre später fuhren wir auf einem Wagen, der in unseren Spielpausen Technomusik spielte. Die Lautstärke blies uns fast das Gehirn raus, doch was uns viel mehr überraschte, dass sich das Publikum mehr für die Technomusik begeisterte und wir Trommler uns eher als schmückendes Beiwerk fühlten.

Eigentlich war der Karneval damit für mich „gegessen“, ich hatte keine Lust mehr darauf. Ich sah Leute die hinter einem Wagen mit Elektromusik, mit über dem Kopf gezogenen Unterhosen dazu tanzten. Da wusste ich, dass das nicht mehr meine Veranstaltung war. Doch dann sah ich dass die Gruppe Afoxè Loni noch Mitspieler für den Karneval sucht. Ich habe die Gruppe immer schon bestaunt, wie sie in einem Meer aus Weißgelb den Karneval anführt und mit ihren brasilianischen und religiös geprägten Rhythmen die Zuschauer in ihren Bann zieht.

Im Percussion Art Center, einem Kulturzentrum in dem international bekannte Percussionisten verkehren, CDs aufnehmen, Workshops und Trommelkurse abhalten nahm ich erneut Trommelunterricht, lernte die Timba zu spielen und studierte die Rhythmen von Afoxé Loni ein. Im PAC fanden auch die Proben und die Vorbereitung für den Karneval statt, mit teilweise bis zu 80 Trommlern. Die Energie, Begeisterung, Kompetenz und die Ausstrahlung von Dudu Tucci, Krista Zeissig und Murah Soares rissen mich mit! Ich war wieder drin, im Karnevalfieber!

Doch während ich so auf der Euphoriewelle schwamm erfuhr ich, dass die Gruppe nach 15 Jahren zum letzten Mal beim Karneval teilnehmen sollte. Die Organisatoren waren einfach am Ende ihrer Kräfte, ausgelaugt und fühlten sich ausgenutzt. Finanziell war das ganze nicht mehr zu schaffen, nach dem Karneval blieben oft noch Schulden übrig. In einem offenen Brief, der an alle Medien ging erläuterte die Gruppe warum sie aus dem Karneval aussteigt und klagt an! Der Brief ist hier zu lesen.

Das machte mich sehr traurig da ich gerade diese unglaubliche Energie spüren durfte die von dieser Gruppe ausging. Dadurch bekam der Karneval noch mal eine ganz besondere Note, eine Mischung aus Begeisterung, Enttäuschung, Wut und Traurigkeit machte sich breit. Doch alle Teilnehmer gaben noch mal alles und zum Schluss flossen bei einigen, die zum Teil schon seit Beginn, vor 15 Jahren, dabei waren, einige Tränen. Einige der Organisatoren waren danach krank oder mussten sich wochenlang erholen. Zu groß ist einfach die Belastung die sich auf wenige Schultern verteilte.

Fotograf: Michael Flascha; Dieses Foto steht unter einer CC-Lizenz

Sollte es das wirklich gewesen sein? Afoxé Loni ist nicht die einzige Gruppe die sich den Karneval nicht mehr leisten kann und es werden weitere folgen. Soll der Karneval der Kulturen zu einer Massenveranstaltung werden bei dem es nur darum geht möglichst viel Touristen und Berliner auf die Straße zu locken damit die Geschäfte guten Umsatz machen? Masse statt Klasse? Elektronische Musik statt Folklore?

Ich möchte mich nicht damit abfinden! Doch was könnte man tun? Zum einen diesen Artikel möglichst weit verbreiten damit sich immer mehr Menschen darüber Gedanken machen. Es gab bereits einige Anregungen wie man das Ganze wieder in seine ursprüngliche Bahn zurückbringen könnte.

Was mir gut gefiel:

  • den K.D.K. neu organisieren, z.B. das Tempelhofer Feld dafür nutzen und Eintritt nehmen um das Ganze besser finanzieren zu können. Vielleicht kämen dann ‚nur’ noch 500.000 Zuschauer statt einer Million, aber sie bekämen dann auch etwas ganz Anderes geboten.
  • Sponsoren finden die die Veranstaltung großzügig unterstützen. Finanzelle Unterstützung sollte es den Gruppen ermöglichen wieder teilzunehmen, indem sie die Organisation auch auf Mitarbeiter delegieren können.
  • Eine Kommission, zu der auch die Organisatoren der großen etablierten Gruppen gehören, könnten eine Vorauswahl treffen und nur Gruppen zulassen die wirklich ein Programm liefern das den Grundgedanken des Karnevals unterstützt. Lieber 60 Gruppen als 160, dafür aber bunt, interkulturell, mit Niveau!
  • Die verschiedensten Kulturzentren in Berlin noch mehr in die Planung mit einbinden.

Dazu müssten sich aber die Vertreter der Senatsverwaltung mit der Werkstatt der Kulturen und den Organisatoren der großen etablierten Gruppen an einen Tisch setzen und über eine Neustrukturierung reden mit dem Ziel, den Leitgedanken wieder aufzunehmen und eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen die Europaweit ihresgleichen sucht.

Das sind alles nur Ideen und ich hoffe nach wie vor dass sich etwas bewegt und die jetzige Entwicklung beim Karneval der Kulturen Berlin gestoppt wird.

Anmerkung: dieser Beitrag steht unter dieser CC-Lizenz und erscheint im Rahmen der von Ina Müller-Schmoß initiierten Blogpatenschaften.

Post

Drei Konferenzen, auf denen ich dabei sein darf

10 comments

Neben vielen interessanten Seminaren und Workshops in Deutschland, Österreich und erstmals auch in Südtirol bin ich in der nächsten Zeit auch auf einigen Konferenzen dabei. Los geht es nächste Woche (28./29. Oktober) mit dem kulturinvest Kongress 2010 in Berlin, wo ich eingeladen wurde, das Forum Online- & Social Media Marketing zu moderieren. Mit Ulrike Schmid, Tim Ringel und Christian Reimann darf ich drei interessante Gäste zu diesem gerade sehr aktuellen Thema begrüßen. TimRingel ist Experte in Sachen Online-Marketing, betreibt ein eigenes Blog und hat 1999 die Firma metapeople gegründet, ein Unternehmen, das nicht überraschend Dienstleistungen im Bereich Online- und Social Media Marketing anbietet. Quasi als Vorbereitung auf den Freitagnachmittag können Sie schon mal den von metapeople herausgebrachten Report Social Media Marketing lesen. Vor allem die auf Seite 4 zu findende Grafik „Kategorisierung und Impact von Social Media finde ich interessant.

Ob Kultureinrichtungen diesen Impact nutzen können, diese Frage beantwortet Ulrike Schmid, Kommunikationsexpertin und vielen wahrscheinlich durch ihr Blog Kultur 2.0 und als Sprecherin der stARTconference bekannt. Sie wird ihre vor kurzem veröffentlichte Studie, in dem sie das Social Media-Engagement deutscher Museen und Orchester untersucht hat, vorstellen, die viele von Ihnen unter Umständen schon kennen.

Christian Reimann schließlich arbeitet bei der Firma Music Networx , die Sie vielleicht wegen ihres großen Angebots an Musik Streams bereits kennengelernt haben. Reimann geht der Frage nach, inwiefern solche Streaming-Angebote als Zukunftsmodell  für den darbenden Musikmarkt dienen können?

Ich werde aber bereits am Donnerstag in Berlin sein, denn natürlich interessieren mich auch die anderen Foren, in denen es beispielsweise um das Thema Kultursponsoring, Kundenbindung mit Hilfe des Internets oder innovative Kulturkommunikation geht.

„Auftakt Kulturpolitur. Kultur und Wirtschaft neu denken“ in Rendsburg

Am 18. und 19. November bin ich dann in Rendsburg beim Nordkolleg zu Gast, wo das Team von Schwarz+Weiss beim zweitägigen Symposium Auftakt Kulturpolitur neuen Formen der Zusammenarbeit von Kultur und Wirtschaft auf die Spur zu kommen hofft. In der Diskussionsrunde, zu der ich eingeladen worden bin, soll es genau um diese Formen der Zusammenarbeit gehen. Ich denke, Kunst und Kultur haben einiges zu bieten und so sollten Kultureinrichtungen ihren Partnern aus der Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen.

Gespannt bin ich vor allem nach dem heutigen Treffpunkt KulturManagement auf den Vortrag von Elisabeth von Helldorff, der den schönen und provokanten Titel „Kultursponsoring ist tot“ trägt und sicher auf Widerspruch stoßen wird. Ob Kultursponsoring schon tot ist, weiß ich nicht, aber es wird sich zumindest weiterentwickeln müssen, sonst ist es in Bälde tot. Auf alle Fälle bieten die zwei Tage ein ganz spannendes und für den Kulturbereich ungewohntes Programm.

Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg

Im nächsten Jahr, nämlich am 10. und 11. Februar geht es dann nach Ludwigsburg, wo die StudentInnen des Instituts für Kulturmanagement den Kongress Taten.Drang.Kultur organisieren. Ich freue mich darauf, dort einen Vortrag zum Thema Kulturmarketing Online halten zu dürfen und bin gespannt, wie der Blick zurück auf 20 Jahre Kulturmanagement ausfällt und, was noch viel wichtiger ist, wie die nächsten 20 Jahre in der Vorausschau aussehen werden.

Auch hier gibt es bereits ein Programm, aus dem für mich der Vortrag von Pius Knüsel, Geschäftsführer der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, hervorsticht, weil er diesen bereits im Blog angekündigt hat und dabei den Kulturmanagern vorwirft, über die 1980er Jahre nicht hinausgekommen zu sein. Ich maße mir nicht an, die Kulturpolitik der Schweiz zu beurteilen, weil mir dazu das Wissen fehlt. Aber bezogen auf andere Länder würde ich mir wünschen, dass die Kulturpolitik bald in den 1980er Jahren angekommen ist. Hilmar Hoffmann wurde 1970 Kulturstadtrat in Frankfurt und wenn man mich nach Namen aus der Zeit danach fragt, dann fallen mir nicht viele ein. Langweilig wird es also nicht, ganz im Gegenteil. Aber das zeichnet eine gute Konferenz ja aus. ;-)