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Deutschland: Der Kulturfinanzbericht 2012

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Während sich in den kleinen Bereichen oft wahre Tragödien abspielen, sieht es auf der aggregierten Ebene gar nicht so schlecht aus. Die Rede ist vom Kulturfinanzbericht 2012, der auf der Seite des Statistischen Bundesamtes zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Zwar basiert er auf dem Zahlenmaterial des Jahres 2009, allerdings dokumentiert er darüber hinaus auch die auf den Haushaltsentwürfen beruhenden Zahlen bis 2012.

Im Jahr 2009 gab der Staat 9,13 Milliarden Euro für die Kunst aus. Rechnet man den kunstnahen Bereich dazu, kommt die stolze Summe von 10,72 Milliarden Euro zusammen. Zählt man beide Bereiche zusammen, tragen die Länder die größte Last, bei den Kulturausgaben tragen die Gemeinden die Hauptlast (siehe Tabelle, Angaben in Mio. Euro).

Der Bericht zeigt einige interessante Entwicklungen auf. Während zum Beispiel in den westlichen Flächenstaaten (also ohne die Stadtstaaten) die Kulturausgaben zwischen 1995 und 2009 um 32,5 Prozent zunnahmen, stiegen die Ausgaben in den östlichen Flächenstaaten nur um 4,9 Prozent. Insgesamt stiegen die Ausgaben in diesem Zeitraum von 8,9 Milliarden auf 10,7 Milliarden Euro, ein nicht unerheblicher Zuwachs, dem aber natürlich auch steigende Kosten gegenüber stehen.

Der Bericht zeigt außerdem, wie stark sich der Bund in Berlin engagiert hat. Von 1995 bis 2009 erhöhten sich  die Ausgaben dort um 26,8 Prozent. Zählt man die Ausgaben von Bund, Länder und Gemeinden zusammen und legt sie auf die EinwohnerInnen der Republik um, dann kommt man für das Jahr 2009 auf die Summe von 111,48 Euro, das sind 21,9 Prozent mehr als 1995, als der Staat noch 91,45 pro Kopf für die Kultur ausgab.

Es lohnt sich, einen Blick in diesen Bericht zu werfen oder Sie lesen den in den kulturpolitischen Mitteilungen (Ausgabe 140) erschienenen Artikel (S.13ff) dazu.

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„Cultural statistics“: Brüssel veröffentlicht interessantes Zahlenmaterial rund um den Kunst- und Kulturbereich

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Jede Menge Zahlenmaterial bietet die „2011 edition“ des im Auftrag der Europäischen Kommission erstellten Pocketbooks „Cultural Statistics„. Das in englischer Sprache verfügbare PDF liefert Informationen und Zahlenmaterial zu verschiedenen Bereichen, z.B. Beschäftigung im Kunst- und Kulturbereich und private Ausgaben für Kunst und Kultur. Ein deutschsprachiges Inhaltsverzeichnis hilft einem, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und dann gezielt nach Informationen zu suchen, denn zum Durchlesen ist das PDF wohl eher nicht geeignet. ;-)

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Eine Studie untersucht die Kulturausgaben der Stadt Wien

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Oft wird in Artikeln oder auf Vorträgen berichtet, wo wie viel Geld für Kunst und Kultur zur Verfügung steht. Ein besonders beliebtes Spiel besteht darin, darauf hinzuweisen, dass das Budget für Kunst und Kultur um x% gestiegen sei, um auf diese Weise jeder Kritik die Grundlage zu entziehen. Woher die Zahlen aber stammen und wie die Prozente errechnet wurden, das wird meist nicht erwähnt.

Möchte sich eine Stadt als besonders kulturaffin darstellen, ist es nicht nur wichtig, entsprechende Beträge für diesen Bereich zur Verfügung zu stellen, sondern sich auch mit anderen Städten vergleichen zu können. Statt einer Summe x, die niemandem etwas sagt, weist man lieber darauf hin, dass z.B. Wien um x% mehr Geld für Kunst und Kultur ausgibt als Paris oder London. Solche Aussagen lassen sich leicht machen, weil sie eigentlich niemand nachprüfen kann. Über die Frage, was alles unter den Begriff Kultur fällt, haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Hier setzt die Kulturwissenschaftlerin Caroline Konrad an und versucht in ihrer im Auftrag der IG Kultur Wien erstellten Studie „Kultur und Geld“ herauszufinden, wie viel Geld die Stadt Wien denn wirklich für Kunst und Kultur ausgibt?

Wirft man einen Blick in den von der Stadt Wien herausgegebenen Kunstbericht 2009, dann kommt man dort, so Konrad, auf eine Summe in der Höhe von 219.897.916 Euro, also knapp 220 Mio. Euro. Die Autorin hat in wahrscheinlich mühevoller Kleinarbeit den gesamten Haushalt nach Ausgaben durchforstet, die dem Kunst- und Kulturbereich zugerechnet werden können. Schaut man sich etwa die Ausgaben der Geschäftsgruppe 4 Kultur und Wissenschaft an und rechnet die Verwaltungsausgaben heraus, dann kommt hier eine Summe von 257.160.353 Euro zusammen, als gut 257 Mio. Euro, mithin 37 Mio. Euro mehr als im Kunst- und Kulturbericht ausgewiesen.

Aber auch in anderen Ressorts wird Geld für Kunst und Kultur ausgegeben und das gar nicht so knapp. Bei ihren Recherchen ist Konrad für das Jahr 2009 auf reale Gesamtausgaben für Kunst und Kultur von insgesamt 343.293.122 Euro gekommen, also mehr als 343 Mio. Euro. Zum Vergleich: 1998 betrugen die realen Gesamtausgaben 245 Mio. Euro und im Kunstbericht wurden 139 Mio. Euro ausgewiesen.

Die im Jahr 2009 ausgegebenen 343 Mio. Euro machen 3,03% der Gesamtausgaben der Stadt Wien aus, was sich auf Pro-Kopf-Ausgaben von 203 Euro für Kunst und Kultur umrechnen lässt. Vorsicht: darin sind Bundesförderungen für die Bundestheater, die Bundesmuseen und all die Institutionen und Projekte, die vom Bund unterstützt werden, nicht enthalten.

Nachdem sich die IG Kultur Wien als die „Interessengemeinschaft und -vertretung der freien und autonomen KulturarbeiterInnen in Wien“ versteht, wollte sie natürlich auch wissen, welche Beträge für die freie Szene (Definition siehe S. 46f) aufgewendet werden. Das Ergebnis fällt aus ihrer Sicht wenig ermutigend aus, denn nur 2,5% der Gesamtausgaben (=8,6 Mio. Euro) gehen in diesen Bereich.

Ich möchte Sie an dieser Stelle nicht mit ewig langen Zahlenkolonnen langweilen, Sie werden sich die Zahlen, die Sie interessieren, selbst zu Gemüte führen können. Eine Zahl finde ich allerdings etwas traurig: es wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, sich zu vernetzen. Das EU-Kulturförderprogramm verfolgt dezidiert den Austausch von KulturarbeiterInnen und Kunstwerken als oberstes Ziel und in verschiedenen Beiträgen auf der Plattform Wien denkt weiter klingt immer wieder an, wie wichtig der Blick über den Tellerrand ist. Aber wenn ich dann in der Studie von Caroline Konrad lesen muss, das der Freien Szene für den internationalen Kulturaustausch 2009 nur 120.000 Euro zur Verfügung standen, dann heißt das: die meisten werden wohl zu Hause bleiben müssen. Oder sie wollen gar nicht raus, das wäre dann noch herauszufinden.

PS: Wenn Sie mehr über die Studie erfahren wollen und sich für die Analyse dieser Zahlen interessieren, dann empfehle ich Ihnen, so Wien für Sie nicht zu weit weg ist, den Besuch des von der IG Kultur Wien organisierten Symposiums „Cultural Conditions„, bei dem es heute Abend um 18 Uhr um das Thema Kulturbudget und damit auch um diese Studie geht.