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Kommunikation im Social Web: Die eigenen Inhalte sind gar nicht so wichtig.

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© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com ; Pixelio

Einer Künstlerin oder einem Künstler zuzuhören, kann sehr spannend und lehrreich sein. Aber vermutlich geht es Ihnen wie mir: Wenn jemand immer nur von seiner Arbeit spricht, dann wird das auf Dauer langweilig. Wir haben es mit einem Menschen zu tun, der viel Facetten hat und erst diese Vielfalt macht ihn interessant. Dshalb schätzen wir es, wenn das Gespräch dann auch um vielleicht belanglose Dinge geht. Sie gehören einfach dazu.

Im Social Web ist es nicht anders. Wenn jemand immer nur von seiner Arbeit erzählt, dann wird uns das irgendwann zu viel und wir wenden uns ab. In meinen Seminaren und Vorträgen spreche ich immer von der 1:3 Regel, mit der ich das Verhältnis eigener und fremder Inhalte ausdrücke. Noch einen Schritt weiter geht Hisham Dahud in seinem Blogpost „How The 80/20 Rule Applies To Your Social Media Strategy„. Er bezieht sich darin auf das Pareto-Prinzip, demzufolge 20% des Mitteleinsatzes 80% zum Ergebnis beitragen. MusikerInnen empfiehlt er daher:

„80% of what you say should be about things other than your music“ und „20% (…) should be about your music“.

Fans, so schreibt Dahud, wollen nicht ständig zu lesen bekommen, wofür sie ihr Geld ausgeben sollen, sondern ihnen ist der persönliche Kontakt wichtig. Bei Konzerten oder anderen Veranstaltungen bleibt dafür meist keine Zeit und wenn, dann sind es ein paar nichtssagende Worte. Im Social Web haben es die Stars viel leichter, mit ihren Fans ins Gespräch zu kommen und sich zu unterhalten, so wie wir das alle machen, wenn wir mit jemandem ein paar schnelle Worte wechseln.

Denken Sie daran, wenn Sie die nächsten Blogposts oder Postings planen. Schreiben Sie über das, was Ihnen gefällt oder was Sie gerade erlebt haben. Empfehlen Sie andere KünstlerInnen und weisen Sie auf Veranstaltungen hin, die Ihren Fans gefallen könnten. Ich bin mir sicher, sie werden es Ihnen danken. Und auch für Sie bedeutet das eine Erleichterung, denn Sie kommen auf diese Weise nicht nur leichter zu Ihren Inhalten, sondern bieten Ihren UserInnen einen echten Mehrwert.

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Crowdfunding: macht Kleinvieh wirklich genügend Mist?

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© Klaus Rupp / Pixelio

Die Grundidee des Crowdfunding ist es, dass möglichst viele Menschen mit relativ kleinen Beträgen ein Vorhaben unterstützen und so die Finanzierung sicherstellen. Hohe Transaktionskosten und komplizierte Abläufe machten diesen Ansatz früher unmöglich, heute sieht das allerdings anders aus. Die zahlreichen Crowdfunding-Plattformen machen deutlich, dass hier ein Entwicklungsschritt stattgefunden hat, der die hohen Hürden abgenaut hat. Statt des einen Sponsors machen sich heute viele auf die Suche nach vielen „kleinen“ Unterstützern, oder anders gesagt: der Crowd.

Dass das nicht einfach die anonyme Masse ist, die da vorbeikommt und schnell ein paar Euro liegen lässt, wissen wir bereits. Wer nicht über entsprechende Netzwerke verfügt, tut sich schwer, das benötigte Geld auf diese Weise einzusammeln. Davon lassen sich aber nur die wenigsten abhalten und so nimmt die Zahl der Projekte, die auf den Plattformen um Unterstützung buhlen täglich zu. Und auch die Summen, um die es dabei geht, werden höher, das jüngste Beispiel liefert die Kulturfigur „Stromberg„, für dessen nächsten Film etwas mehr als 3.000 Fans innerhalb einer Woche eine Million Euro locker machten.

Das bedeutet, im Durchschnitt hat jeder Fan gut 300 Euro in diesen Film investiert, eine erstaunlich hohe Summe. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blogpost, auf das mich Andrea Kamphuis aufmerksam gemacht hat. In „The 80-20 rule as it applies to the crowdfunding bills“ beschäftigt sich Sherwood Neiss mit der Frage, inwieweit wir bei erfolgreichen Crowdfunding-Kampagnen auf möglichst hohe Einzelbeträge angewiesen sind. Ausgangspunkt seines Beitrags ist das Vorhaben des amerikanischen Gesetzgebers, die Summe, die eine einzelne UnterstützerIn zur Verfügung stellen, gesetzlich zu regeln. Das Vorhaben spielt für uns keine Rolle, interessant ist aber die Argumentation, um diese Begrenzung zu verhindern bzw. möglichst hoch anzusetzen.

Neiss bringt das Pareto-Prinzip ins Spiel, auch als 80-20 Regel bekannt, derzufolge 20% des Mitteleinsatzes 80% zum Ergebnis beitragen. Neiss hat bei mehreren Crowdfunding-Plattformen nachgefragt und mehr oder weniger eine Bestätigung seiner These erhalten, dass dieses Prinzip auch beim Crowdfunding gilt. So zeigt sich, dass auf der Plattform Indiegogo bei Projekten mit einem Budget zwischen $500 und $5.000 der Anteil der UnterstützerInnen, die $500 oder mehr geben, bei 24% liegt und bei Kampagnen, die auf Beträge von $50.000 oder mehr angelegt sind, auf 65% ansteigt (alle anderen Beispiele lesen Sie bitte im Originalbeitrag nach).

Es ist doch logisch, werden Sie vielleicht einwenden, dass bei einer größeren Gesamtsumme auch der durchschnittliche Betrag, mit dem das Projekt unterstützt wird, ansteigt. Ich denke, das hängt davon ab, worum es bei einem Projekt geht und vor allem, welche Gegenleistungen ich als UnterstützerIn erhalten kann. Dass Sie sich mit Geldgebern, die 500 Euro und mehr zur Verfügung stellen leichter tun als mit 50 Euro-Unterstützern ist klar. Wichtig ist aber, dass Sie überhaupt die Möglichkeit anbieten, größere Summen zu investieren. Das heißt, als ProjektinitiatorIn müssen Sie sich entsprechende Gegenleistungen einfallen lassen, um überhaupt die Möglichkeit zu schaffen, ein Vorhaben mit größeren Beträgen zu unterstützen.

Nehmen wir zum Beispiel ein klassisches Theaterstück. Gegenleistungen bis zu einem Wert von 100 Euro lassen sich sicherlich finden. Wie sieht es aber bei 500 Euro aus? Was können wir in dieser Größenordnung anbieten? Ich vermute, wir bewegen uns hier in eine Richtung, die sehr viel Ähnlichkeit mit dem klassischen Sponsoring aufweist. Dies vor allem dann, wenn die Summen, um die es jeweils geht, immer weiter ansteigen. Ab einer gewissen Obergrenze werden wir dann mit kleineren Unterstützungsbeträgen alleine nicht mehr auskommen, eine Entwicklung, die sich auch bei uns bereits abzeichnet. Das heißt, wir müssen uns im Vorfeld auch überlegen, wie realistisch es ist, an großzügigere GeldgeberInnen zu kommen. Sind die Aussichten schlecht, darf das Budget nicht zu hoch angesetzt werden, um sich nicht vorab alle Chancen zu nehmen.

Ich schreibe das auch deshalb, weil wir die stART12 dieses Jahr auf diese Weise finanzieren wollen und da gerade an genau diesem Punkt stehen, wo es eben nicht mehr um Unterstützungsleistungen im Wert von 10 oder 20 Euro geht, sondern um wesentlich höhere Beträge. Und damit auch um andere Gegenleistungen. Und um die Frage, wie groß die Erfolgsaussichten sind. ;-)