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Und was kommt nach dem Web2.0?

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Nein, keine Angst. Ich werde jetzt nicht, wie Sie vielleicht fürchten oder erwarten (je nachdem),  über das, was nach dem Web2.0 kommt, philosophieren, sondern möchte auf etwas ganz anderes hinaus.

Ausgangspunkt für diesen Beitrag ist das höchst lesenswerte Blogpost „Web 2.0, Partizipation und die Blogosphäre„, das Brigitte Reiser auf ihrem Blog Nonprofits-vernetzt.de geschrieben hat.

„Wenn wir Blogger/innen über Web 2.0 schreiben, dann erwecken wir häufig den Eindruck, als wäre die Einführung von Social Media das Ziel und nicht der Beginn der eigentlichen Herausforderung: nämlich der Kooperation und des Meinungsaustausches mit den Stakeholdern, die via Internet mit einer Organisation in Kontakt treten“,

beginnt Brigitte Reiser ihren Beitrag. Ich sehe das auch so. In einer Zeit, wo die Zahl der NPOs bzw. um in meinem Metier zu bleiben, der Kulturbetriebe, die zu twittern beginnen oder sich ein Profil auf Facebook zulegen, jeden Tag größer wird, darf dieser Punkt nicht vergessen werden. Aber was ist das Ziel, was tue ich als Kultureinrichtung, wenn ich ein Blog betreibe und die diversen Tools des Web2.0 nutze?

Ein schönes Beispiel, wie sich via Web2.0 eine Beziehung zu Menschen aufbauen lässt, die bis jetzt noch nicht zu den Fans der klassischen Musik gezählt werden konnten (für mich eines der Ziele von Kulturbetrieben, nicht nur im Web2.0), ist das Projekt Philharmonie 2.0 der Duisburger Philharmoniker und hier speziell die Aktion WEB@CLASSIC. Worum geht es?

Ausgangspunkt war eine Kooperation mit UPLOAD-Blogger Jan Tißler, der in einem Blogpost schrieb, dass die Duisburger Philharmoniker „Blogger und andere musikinteressierte Netzbewohner“ zu einem kostenlosen Konzertbesuch einladen würden. Wer Interesse hatte, musste nur eine Mail schicken und schon waren ein oder zwei Karten reserviert.  Wie der Abend verlief, kann man auf dem Dacapo-Blog der Duisburger Philharmoniker nachlesen. Frank Tentler, Projektleiter von Philharmonie 2.0, nennt darin die Erfolgsfaktoren solcher Aktionen:

  1. „es werden Menschen mit Formen der Kultur in Berührung gebracht, die ihnen fremd sind;
  2. durch die Vernetzungen der Menschen im Web, erreichen sie riesige Schnittmengen quer durch alle Communities von Technik-affinen Musikfreunden;
  3. Hochkultur hat eine direkte Kommunikationsmöglichkeit mit den „Kunden von morgen“. Das geht schneller, ist effektiver und ehrlicher als jede Umfrage.“

Dass diese Aktion auch bei den zahlreichen BesucherInnen gut angekommen ist, beweist dieser Blogbeitrag, in dem Alex Kahl schreibt:

„Wenn mir vor 10 Jahren mal einer gesagt hätte, daß ich mal auf ein hochkarätiges Klassikkonzert gehe, zu dem ich durchs Internet eingeladen wurde, hätte ich denjenigen wahrscheinlich mit meiner fürchterlichsten Hardcore-Punk-Grufti Lache ausgelacht :)“

Ist das nicht etwas, was sich jede Kultureinrichtung nur wünschen kann? Dass sie es schaffen, Leute auf sich aufmerksam zu machen, die sonst keine klassischen Konzerte besuchen. Und was will man mehr, wenn es dann am Ende heißt:

„Vielen Dank für das tolle erste Klassik Konzert (das sicher nich das letzte gewesen sein wird)“

Dabei geht es aber, denke ich gar nicht so sehr darum, dass nun jede/r so eine Art Verpflichtungserklärung unterschreibt. Nein, es geht darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Beziehungen aufzubauen und diese Beziehungen  dann auch im realen Leben zu pflegen. Ganz im Sinne von Brigitte Reiser, die richtigerweise feststellt, dass die Herausforderungen erst so richtig losgehen, wenn man mit dem Bloggen oder Twittern begonnen hat. WEB@CLASSIC ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wie die Verbindung von Web2.0-Aktivitäten und der Offline-Welt aussehen kann.