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XPress: der digitale Erlebnisraum Rhein-Neckar

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich schon zu Hause auf Ihren morgigen Museumsbesuch vorbereiten. Sie aktivieren auf Ihrem Tablet die Virtual-Reality-Funktion und begegnen im virtuellen Raum einem digitalen Assistenten, der mit Ihnen zusammen den Ausstellungsbesuch vorbereitet und gleich auch noch eine Führung vorschlägt. Der digitale Erlebnisraum, so könnte er aussehen. Mein Beitrag „Der digitale Erlebnisraum v0.1“ ist schon mehr als drei Jahre alt, Zeit, ihn ein Stück weiter zu denken.

Die eingangs beschriebene Szene habe ich nicht zufällig gewählt. Frank Tentler hat vor kurzem in den Kulturpolitischen Mitteilungen (Heft 160 I/2018) mit seinem Artikel über Vincent genau so ein Szenario entwickelt. Er schildert darin seinen – im Jahr 2025 stattfindenden – Besuch des Amsterdamer Van-Gogh-Museums und die Rolle, die Vincent dabei spielt. Ob wir Vincent als Avatar, als digitalen Assistenten oder holografische Figur erleben, spielt dabei keine Rolle. Etwas anderes spielt aber eine – sogar ganz entscheidende – Rolle: Daten, denn nur der Zugriff auf die persönlichen Daten erlaubt es Vincent, Frank ein maßgeschneidertes Paket zusammenzustellen.

Daten als Grundlage des digitalen Erlebnisraums

Den digitalen Erlebnisraum mit Hilfe von Daten „zu bauen“, das ist die Grundidee von XPress. Konkret geht es dabei um die „Konzeption einer öffentlichen Point-of-Interest-Infrastruktur für multimodale Mobilitätsanwendungen“. Konzeption deshalb, weil es sich um eine Machbarkeitsstudie handelt, die im Rahmen von mFund gefördert wird. Dahinter versteckt sich eine Forschungsinitiative, in deren Rahmen das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur „Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität 4.0“ unterstützt.

Im Rahmen dieser Initiative wurden und werden 90 Projekte gefördert, deren Bandbreite ist beachtlich. Was mir auffällt: Der Kunst- und Kulturbereich kommt, abgesehen von XPress, in diesem Programm nicht vor. Ich halte es für bedenklich, wenn es uns nicht gelingt, mit eigenen Projekten in diesem oder anderen Förderprogrammen unterzukommen, die Digitalisierungsprojekte finanzieren. Natürlich schaffen wir das nicht alleine, sondern es gilt, entsprechende Projektpartner zu finden. In diesem Fall sind das federführend das Netzwerk Geoinformation der Metropolregion Rhein-Neckar, die Metropolregion Rhein-Neckar selbst und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

Zurück zum digitalen Erlebnisraum und XPress: Bis Ende November – und damit dann insgesamt ein Jahr – haben wir Zeit, um herauszufinden, ob das, was wir vorhaben, sich auch umsetzen lässt. Scheint uns das machbar und können wir die Fördergeber davon überzeugen, gibt es für die Entwicklungsphase hoffentlich auch noch mal finanzielle Unterstützung.

Aber was wollen wir mit XPress überhaupt erreichen? An die Geschichte von Vincent kommen wir – vorerst – nicht heran. Unsere Anwendungsfälle entstammen eher dem täglichen kulturellen Leben. Da ist zum Beispiel die vierköpfige Familie, die sich für das Thema Mittelalter interessiert und sich eine Thementour in der Region zusammenstellen möchte. Die Idee ist es, das kulturelle Angebot datenmäßig zu erfassen und mit dem Thema Mobilität zu verknüpfen. Sie erfahren also nicht nur, wo es ein bestimmtes Angebot gibt, sondern auch den Zeitpunkt beziehungsweise die Dauer sowie alle für Sie in Frage kommenden Varianten, dorthin zu kommen. Ob das dann am Ende eine App, ein Chatbot, ein digitaler Assistent oder vielleicht eine holografische Figur ist, muss uns jetzt noch nicht interessieren. In einem weiteren Schritt wollen wir aber nicht nur ein Datenmodell entwickeln, sondern es soll ein digitaler Erlebnisraum entstehen, in dem Kommunikation und Interaktion möglich sind.

Welche Daten werden für XPress benötigt?

Um diese Idee umsetzen zu können, gilt das Hauptaugenmerk der Datenstruktur. Die Herausforderung besteht erstens darin, herauszufinden, welche Daten dafür überhaupt benötigt werden und sie dann so zu strukturieren, dass man mit diesem Daten arbeiten bzw. den digitalen Raum „bauen“ kann. Möglich wäre die folgende Struktur:

  • Geodaten (z.B. verorten von Museen, Sehenswürdigkeiten, etc.)
  • Zeitdaten (z.B. Öffnungszeiten, Dauer einer Ausstellung, Beginn eines Konzerts)
  • Contentdaten (unter anderem geht es hier um die Klassifizierung des kulturellen Angebots)
  • Mobilitätsdaten (wie komme ich von Punkt A nach Punkt B?)

Da es sich beim digitalen Erlebnisraum Rhein Neckar um eine ganze Region handelt, spielt Mobilität eine wichtige Rolle. Ich hatte die Themenroute als Beispiel genannt. Das bedeutet, die NutzerInnen erhalten Informationen darüber, wie sie am besten von einem zum anderen Punkt gelangen. Ob das das eigene Auto, die Bahn, der ÖPNV, Taxi, Carsharing oder das Fahrrad sind, alle Varianten werden aufgelistet. Hinterlegt man seine persönlichen Daten, tauchen nur die Verkehrsmittel auf, die man persönlich auch nutzt beziehungsweise nutzen möchte. Idealerweise kann man dann im digitalen Erlebnisraum auch sofort loslegen, indem man sich ein Taxi bestellt oder ein Bahnticket kauft.

Der digitale Erlebnisraum als sozialer Raum

Der digitale Erlebnisraum ist dann das Ergebnis dieser vier Datendimensionen plus der soziale Raum. Auf diesen Begriff bin ich dank des Soziologen Nils Müller gestoßen. Er hielt 2015 beim stARTcamp im Dortmunder U eine Session, in der er den sozialen Raum vorstellte. Daraus wurden dann später noch zwei Blogbeiträge, in denen es um die Gestaltung analoger und digitaler Räume ging ( Teil 1: „Was ist Raum?“ & Teil 2: „Vier Dimensionen des sozialen Raums„).

Vor allem im zweiten Teil bezieht sich Müller auf den 1991 von Dieter Läpple veröffentlichten „Essay über den Raum“. Läpple versteht den Raum nicht als einen starren Container, sondern als einen sozial konstruierten Raum, in dem verschiedene Dynamiken  wirken. Er formuliert darin vier Dimensionen, die uns einen direkten Zugang zu den Prozessen seiner Entstehung und seines Wandels ermöglichen:

sozialer raum komponenten modell

Der Daten- und der soziale Raum greifen an verschiedenen Stellen ineinander, zum Beispiel wenn es um das physisch-materielle Substrat geht. Der (starre) Datenraum erfährt aber eine (dynamische) Erweiterung, in dem Handlungen und Interaktion in ihm möglich werden. Dies kann relativ simpel in Form eines Chats funktionieren. Möglich sind aber natürlich auch komplexe Anwendungen wie Augmented Reality oder Virtual Reality. Vincent, die holografische Figur aus Franks Geschichte wird Sie also vielleicht auch einmal im digitalen Erlebnisraum Rhein-Neckar begleiten.

Diese Punkte müssen noch geklärt werden

Wie geht es nun weiter? Die größten Herausforderungen sehe ich darin, zum einen die Daten zu strukturieren. Das ist vor allem im Hinblick auf den Content eine riesengroße Aufgabe mit ungewissem Ausgang. Ist dann mal klar, welche Daten benötigt werden und wie sie strukturiert werden, stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie zum Beispiel Kultureinrichtungen diese Daten zur Verfügung stellen können.  Die Beantwortung dieser Frage hängt wohl auch mit der Frage der Finanzierbarkeit zusammen. Diese Frage wiederum lässt sich erst dann beantworten, wenn die Größenordnung dieses digitalen Erlebnisraums klar ist. Denn was spricht dagegen, dass in diesem Raum auch touristische und gastronomische Angebote zu finden sind? Oder vielleicht sogar der Einzelhandel? Es gilt also auch, auf der Grundlage von Anwendungsfällen über Erlös- oder Finanzierungsmodelle nachzudenken.

XPress digitaler Erlebnisraum Infografik

Alle diese Fragen versuchen wir noch bis Ende November 2018 im Rahmen von Workshops zu beantworten. Die Infografik fasst noch einmal den Zeitplan und die wesentlichen Punkte dieses Projektes zusammen. Ich werde hier im Blog natürlich weiter über XPress berichten. Außerdem stelle ich das Projekt auch beim stARTcamp hier in Wien vor. Sollten Sie Fragen oder Anregungen, oder vielleicht Interesse an einem eigenen Projekt haben, dann schreiben Sie mir doch einfach. Ob als Kommentar, als Email oder auf Facebook, das überlasse ich ganz Ihnen.

Foto von herbert2512 auf Pixabay 

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Projektdefinitionen…

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„Machen wir doch mal ein Projekt zusammen.“ Diesen Satz haben Sie vielleicht so oder in ähnlicher Form schon mal gehört. Übersetzt heißt er wohl: „Lass uns doch mal was zusammen machen.“ Wobei da meist die Botschaft mittransportiert wird, dass man noch nicht genau weiß, wie dieses „Projekt“ denn aussehen könnte. Auch im Kunst- und Kulturbereich macht man immer wieder mal „Projekte zusammen“. Projekte, das ist in diesem Fall die Einheit, für die man öffentliche Fördergelder bekommt. Und was ist ein Projekt sonst noch? Natürlich gibt es jede Menge an Definitionen, die sich teilweise auf Wikipedia nachlesen lassen. Aber was ist ein Projekt wirklich? Der Unternehmensberater Bernhard Schloß verweist auf seinem schlossBlog auf zwei ganz interessante Blogposts. Da ist zum einen Craig Brown, der das Projekt grafisch in Form einer Zwiebel abbildet. Und da ist auf der anderen Seite Stefan Hagen, der sich auf seinem PM- Blog die Frage stellt: „Wann ist ein Projekt ein Projekt?“ Für ihn sind Komplexität, Neuartigkeit und die Notwendigkeit zur Teamarbeit die drei entscheidenden Kriterien, anhand derer sich ein Projekt von Routine-, Linien- und Prozessaufgaben unterscheidet. Das heißt für Stefan Hagen:
„Sobald Aufgaben in Organisationen KOMPLEX und NEUARTIG sind und nur in TEAMARBEIT gelöst werden können, sollten sie als Projekte bearbeitet werden. Für diese Projekte sollten dann die Projektkriterien zeitliche Befristung, messbare Ziele/Zielvorgaben, definierte Ressourcen, projektspezifische Organisation etc. gelten.“
Spannend ist in meinen Augen der Aspekt der Neuartigkeit. Hagen stellt in seinem Beitrag fest, dass es natürlich Routineprojekte gebe, die bis zu einem gewissen Grad standardisierbar seien. Wie ist das zum Beispiel in einem Theater? Ein Stück zu inszenieren bedarf der Teamarbeit und natürlich ist die Aufgabe auch komplex. Und neuartig? Das hängt jetzt davon ab, worauf man sich beziehen möchte? Künstlerisch-inhaltlich gesehen geht es hier um etwas Neues und auch die Rahmenbedingungen zweier Inszenierungen können nie ident sein. Auf der anderen Seite reiht sich in einem Theater Inszenierung an Inszenierung. Wo muss also Neuartigkeit gegeben sein? Auf der inhaltlichen oder auf der strukturellen Ebene?
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Wie wirkt Museum?

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eMotion Kann man Kunst messen und wenn ja, wie? Um diese Frage geht es bei eMotion, einem Forschungs- und Medienkunstprojekt, das die kognitive, emotionale und körperliche Wirkung des Kraftfeldes Museum und dessen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten seiner BesucherInnen untersucht. Ein 15-köpfiges Forscherteam unter der Leitung des Instituts für Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW versucht in dem 18 Monate dauernden Forschungsprojekt, an dem 5 Universitäten aus fünf Ländern und das Kunstmuseum St. Gallen beteiligt sind, herauszufinden, welche Wirkung das Museum und seine Exponate auf die BesucherInnen haben. Der Name eMotion ist dabei Programm, denn
„eMotion steht zum Ersten für eine eigens für das Forschungsprojekt entwickelte Erhebungsmethode, zum Zweiten geht es darum die körperlichen Reaktionen zu erfassen, die die Exponate und deren Hängung erzeugen. Zum Dritten wird die Bewegung der Museumsbesucher im Raum aufgezeichnet“,
heißt es in der Presseaussendung. Das Projekt versucht die Frage zu beantworten, wie Kunst im Kontext des Museums zustande kommt. Dazu gibt es erschiedene Theorien, die bis heute aber noch nicht empirisch überprüft werden konnten. Macht erst das Museum die Werke zu Kunstwerken, indem es „einen Bedeutungsraum durch die Hängung, die Beziehung der Werke zueinander und zum Raum entstehen“ lässt? Ist es eher „das Werk, seine Materialität und Gestalt die den Besucher in seinen Bann schlägt, wie die Kunstpsychologie argumentiert?“ Oder ist es der Besucher, der „mit seinem Vorwissen und seinem Erwartungen das Werk zum Kunstwerk und den Museumsbesuch zum besonderen Moment“ macht, wie die Kunstsoziologen meinen? Wie diese verschiedenen Ansätze zusammenwirken, versuche eMotion disziplinenübergreifend zu verstehen, heißt es in der Pressemeldung weiter. Methodisch kommen dabei die Psychogeografie, die Design- und Kunstforschung sowie sozialwissenschaftliche Erhebungen zum Einsatz. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Interessant wird aber auch sein, wie diese dann aufgenommen werden, denn wenn es auf der Projektwebsite heißt, dass im Rahmen des  Projektes die Tracking-Technologie zum Einsatz kommt und Herzrate und Hautleitwert gemessen werden, dann bedeutet das: hier wird Kunst empirisch untersucht . Das wird nicht allen gefallen.