All Posts Tagged ‘symposium

Post

Ein Symposium über die Zukunft von Musikfestivals: Julia Strysio im Interview

1 comment

Rockkonzert
© bluefeeling ; Pixelio

In seiner Diplomarbeit „Acknowledging the experience factor for music festivals with an attempt of a new visitor typology: Fans, conditional adventurers and adventurers.” (Downloadmöglichkeit auf dieser Seite) beschäftigt sich Maël Roth mit der Zukunft des Musikgeschäftes und entwickelt im Rahmen seiner Arbeit eine neue Besuchertypologie von Musikfestivals.

„Wir gehen nicht auf Festivals, nur weil die Musik uns gefällt“, schreibt er in einem Gastbeitrag für das Kulturmarketingblog und stellt fest, dass es oft eher die Erlebnisfaktoren sind, die uns dazu bewegen, ein Festival zu besuchen und weniger die Musik selbst.

Wie sieht also die Zukunft der Musikfestivals aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur Maël Roth, sondern auch ein europäisches Symposium für europäische KulturmanagerInnen, das vom 24. bis 26. Oktober in Heidelberg und Mannheim im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals stattfinden wird. Konkret geht es beim „European Symposium for Young Professionals in the Music Business“ um neue und innovative Festivalformen und die Frage, wie sich solche Formate kuratieren lassen? Besonders spannend in meinen Augen ist ein eintägiger Design Thinking Workshop, bei dem diese Fragestellung in einer sehr team-orientierten und kreativen Art und Weise bearbeitet werden wird.

Was sich hinter diesem Workshop verbirgt und welche Ziele das Symposium verfolgt, habe ich Julia Strysio, die für das Programm verantwortlich ist, gefragt.

Kulturmanagement Blog: Warum brauchen wir neue Festivalformate? Funktionieren die alten nicht mehr?

Julia Strysio: (lacht) Das wäre eine Frage, die wir in unserem Design Thinking Workshop tatsächlich erst einmal stellen müssten, bevor wir weiter denken können.

Das Herz eines Festivals oder einer Kulturinstitution ist das Programm. Daher übernimmt der Kurator eine zentrale Aufgabe: Er oder sie ist der „Master der Matrix“ des Festivals und drückt durch die Auswahl der Künstler dem Festival den Stempel auf und entscheidet über die Relevanz der Kunst. Ich glaube nicht, dass daran etwas geändert werden sollte. Ich glaube auch nicht, dass man  Festivals unbedingt „verjüngen“ muss, damit sie funktionieren. Ich glaube an die Kunst, an Künstler, und ich glaube an Kuratoren, die entscheiden können, ob die Musik, das Buch oder der Film Relevanz hat.  Das Format ist also die Qualität und das sollte sich nie ändern.

Natürlich gibt es neue Formen des Marketings, des Sponsorings und neue Medien, die man für Festivals oder Kulturinstitutionen nutzen sollte und darüber werden wir in dem Symposium auch sprechen. Ich bin aber dagegen, alle älteren Damen und Herren Festivaldirektoren aus dem Boot zu schmeißen. Wer sollte denn zum Beispiel besser wissen wie man das London Jazz Festival führt als John Cummings? In dem Symposium geht es nicht um neu oder alt, sondern um einen Austausch.

Wir möchten außerdem, dass niemand in das Symposium rein oder rausgeht und sich über sinkende Zuschauerzahlen beschwert. Ich würde mir wünschen, dass wir alle mit Freude, Enthusiasmus, Kreativität, vor allem aber mit jeder Menge Spaß daran arbeiten, auch in Zukunft Kultur zu machen.

Kulturmanagement Blog: Ihr sprecht KulturmanagerInnen aus ganz Europa an. Hat die Musikbranche in allen europäischen Ländern ähnliche Probleme oder geht es Euch eher um den Austausch und die Möglichkeit, voneinander zu lernen?

Julia Strysio: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich mit internationalen Gleichgesinnten auszutauschen, wenn man Student ist oder wenn man Direktor eines Festivals / einer Kulturinstitution ist. Es gibt aber sehr wenige, finanzierbare Austauschmöglichkeiten für junge Nachwuchskulturmanager in Europa. Es ist unser Ziel, das mit unserem Symposium zu ändern. Wir würden gerne eine Plattform für junge Kulturmanager aus ganz Europa aufbauen, die bereits erste Berufserfahrungen gesammelt haben und die die Festivals oder Kulturinstitutionen der Zukunft leiten möchten.

Eine Altersgrenze wollen wir aber bewusst nicht festlegen, denn es geht ja darum, sich gegenseitig auszutauschen.

Kulturmanagement Blog: Und was erwartet die TeilnehmerInnen bei Euch beziehungsweise warum sollten diese Nachwuchskräfte das Symposium auf keinen Fall verpassen? Die Teilnahmekosten sind mit 50 Euro ja sehr günstig.

Julia Strysio: Wir bieten einen interaktiven Design Thinking Workshop, Sprecher der EU und der UNESCO werden darüber reden, welche Fähigkeiten junge Kulturmanager mitbringen sollten, unterschiedliche Kuratoren verraten, wie sie ihr Festival / Kulturinstitution programmieren und natürlich werden wir alle genügend Zeit haben, um uns kennen zu lernen, auf Konzerte zu gehen und hoffentlich eine Menge Spaß haben.

Kulturmanagement Blog: Neugierig bin ich vor allem auf den von Dir angesprochenen Workshop, bei dem mit der Design Thinking-Methode gearbeitet wird. Kannst Du verraten, wie diese Methode funktioniert und was die TeilnehmerInnen an diesem Tag erwartet?

Julia Strysio: Ich war in diesem Jahr auf vielen Symposien, auf denen über die sinkenden Besucherzahlen lamentiert wurde, und ich fand das wenig hilfreich. Unsere Intention war deswegen, dass wir einen Workshop anbieten wollten, bei dem es nicht darum geht, zu zeigen, dass 50% der Besucher über 60 sind, sondern wir wollen ein Symposium machen, wo wir mit viel Kreativität, Freude und Leidenschaft überlegen, wie wir in Zukunft Festivals  und Programm machen wollen.

Das Finden von neuen innovativen Lösungen ist natürlich nicht nur für Kulturmanager interessant, sondern wird gerade in fast allen Branchen diskutiert. Die Frage ist dann immer, wie komme ich zu diesen innovativen Lösungen? Design Thinking beschreibt hier eine Herangehensweise, die sehr vielversprechend ist und die beispielsweise auch sehr intensiv von der SAP AG genutzt wird, um neue, innovative und vor allem nutzer-zentrierte Lösungen zu bauen.

Flexible und  inspirierende Räumlichkeiten sind ein Bestandteil im Design Thinking und daher richtet die SAP AG auch gerade in Heidelberg solche Räumlichkeiten ein, die die Teilnehmer unseres Symposiums als erste Firmenexterne während des  Workshops nutzen dürfen.

Design Thinking kommt ursprünglich aus dem Bereich Design und ist eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen. Die Methode kann helfen, Fragen anders zu stellen und dadurch kreative und innovative Lösungen zu finden wobei der potentielle Nutzer einer Lösung dabei von Anfang an im Zentrum steht.

Sie basiert zunächst auf der Annahme, dass Probleme u.a. dann besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammen daran arbeiten. Deswegen haben wir an diesem Tag auch Experten aus dem Bereich Wirtschaft, Technologie, Sponsoring, Besucher des Enjoy Jazz Festivals, Labels, Musiker etc. zusätzlich zu den  Teilnehmern und Sprechern eingeladen. Unser Workshop heißt „Redesign the Festival Experience“ – wobei wir gleich zu Beginn prüfen müssen, welches unsere Fragestellung und damit das Problem oder die Herausforderung ist, der wir uns stellen wollen. Je nachdem,  welchen Bereich wir uns im Einzelnen anschauen wollen, ob Marketing, Sponsoring, Journalismus, Programm oder Personalführung. Wir werden in unterschiedlichen Gruppen mit insgesamt acht Coaches arbeiten und am Ende erste „Prototypen“ der gefundenen Lösungen vorstellen. Diese Prototypen sind dann keine Powerpoint-Folien sondern anfassbar und testbar und aus Papier. Kleber, Lego oder Bauklötzen gemacht.

Ein sehr netter Nebeneffekt wird natürlich sein, dass sich alle Teilnehmer mit den Sprechern und untereinander besser kennenlernen werden und sich auch informell austauschen können.

Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte Frage: Wo kann man sich ein Ticket kaufen?

Julia Strysio: Es gibt kein Ticket zu kaufen – die Teilnehmer können sich auf unserer Website über einen Bewerberbogen anmelden. Wir melden uns dann sofort und stehen auch sehr gerne bei Anreise / Hotel etc. beratend zur Seite.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten und viel Spaß beim Symposium!

Post

Drei Konferenzen, auf denen ich dabei sein darf

10 comments

Neben vielen interessanten Seminaren und Workshops in Deutschland, Österreich und erstmals auch in Südtirol bin ich in der nächsten Zeit auch auf einigen Konferenzen dabei. Los geht es nächste Woche (28./29. Oktober) mit dem kulturinvest Kongress 2010 in Berlin, wo ich eingeladen wurde, das Forum Online- & Social Media Marketing zu moderieren. Mit Ulrike Schmid, Tim Ringel und Christian Reimann darf ich drei interessante Gäste zu diesem gerade sehr aktuellen Thema begrüßen. TimRingel ist Experte in Sachen Online-Marketing, betreibt ein eigenes Blog und hat 1999 die Firma metapeople gegründet, ein Unternehmen, das nicht überraschend Dienstleistungen im Bereich Online- und Social Media Marketing anbietet. Quasi als Vorbereitung auf den Freitagnachmittag können Sie schon mal den von metapeople herausgebrachten Report Social Media Marketing lesen. Vor allem die auf Seite 4 zu findende Grafik „Kategorisierung und Impact von Social Media finde ich interessant.

Ob Kultureinrichtungen diesen Impact nutzen können, diese Frage beantwortet Ulrike Schmid, Kommunikationsexpertin und vielen wahrscheinlich durch ihr Blog Kultur 2.0 und als Sprecherin der stARTconference bekannt. Sie wird ihre vor kurzem veröffentlichte Studie, in dem sie das Social Media-Engagement deutscher Museen und Orchester untersucht hat, vorstellen, die viele von Ihnen unter Umständen schon kennen.

Christian Reimann schließlich arbeitet bei der Firma Music Networx , die Sie vielleicht wegen ihres großen Angebots an Musik Streams bereits kennengelernt haben. Reimann geht der Frage nach, inwiefern solche Streaming-Angebote als Zukunftsmodell  für den darbenden Musikmarkt dienen können?

Ich werde aber bereits am Donnerstag in Berlin sein, denn natürlich interessieren mich auch die anderen Foren, in denen es beispielsweise um das Thema Kultursponsoring, Kundenbindung mit Hilfe des Internets oder innovative Kulturkommunikation geht.

„Auftakt Kulturpolitur. Kultur und Wirtschaft neu denken“ in Rendsburg

Am 18. und 19. November bin ich dann in Rendsburg beim Nordkolleg zu Gast, wo das Team von Schwarz+Weiss beim zweitägigen Symposium Auftakt Kulturpolitur neuen Formen der Zusammenarbeit von Kultur und Wirtschaft auf die Spur zu kommen hofft. In der Diskussionsrunde, zu der ich eingeladen worden bin, soll es genau um diese Formen der Zusammenarbeit gehen. Ich denke, Kunst und Kultur haben einiges zu bieten und so sollten Kultureinrichtungen ihren Partnern aus der Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen.

Gespannt bin ich vor allem nach dem heutigen Treffpunkt KulturManagement auf den Vortrag von Elisabeth von Helldorff, der den schönen und provokanten Titel „Kultursponsoring ist tot“ trägt und sicher auf Widerspruch stoßen wird. Ob Kultursponsoring schon tot ist, weiß ich nicht, aber es wird sich zumindest weiterentwickeln müssen, sonst ist es in Bälde tot. Auf alle Fälle bieten die zwei Tage ein ganz spannendes und für den Kulturbereich ungewohntes Programm.

Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg

Im nächsten Jahr, nämlich am 10. und 11. Februar geht es dann nach Ludwigsburg, wo die StudentInnen des Instituts für Kulturmanagement den Kongress Taten.Drang.Kultur organisieren. Ich freue mich darauf, dort einen Vortrag zum Thema Kulturmarketing Online halten zu dürfen und bin gespannt, wie der Blick zurück auf 20 Jahre Kulturmanagement ausfällt und, was noch viel wichtiger ist, wie die nächsten 20 Jahre in der Vorausschau aussehen werden.

Auch hier gibt es bereits ein Programm, aus dem für mich der Vortrag von Pius Knüsel, Geschäftsführer der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, hervorsticht, weil er diesen bereits im Blog angekündigt hat und dabei den Kulturmanagern vorwirft, über die 1980er Jahre nicht hinausgekommen zu sein. Ich maße mir nicht an, die Kulturpolitik der Schweiz zu beurteilen, weil mir dazu das Wissen fehlt. Aber bezogen auf andere Länder würde ich mir wünschen, dass die Kulturpolitik bald in den 1980er Jahren angekommen ist. Hilmar Hoffmann wurde 1970 Kulturstadtrat in Frankfurt und wenn man mich nach Namen aus der Zeit danach fragt, dann fallen mir nicht viele ein. Langweilig wird es also nicht, ganz im Gegenteil. Aber das zeichnet eine gute Konferenz ja aus. ;-)