Künstliche Intelligenz verändert nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch die Art, wie Inhalte entstehen und verteilt werden. Zwischen vollautomatisierten Produktionsstätten, KI-generierten Texten und der wachsenden Unsicherheit gegenüber sozialen Netzwerken stellt sich eine grundlegende Frage neu und das nicht zum ersten Mal: Ist Bloggen 2025 noch sinnvoll?
Gerade habe ich einen Artikel über “Dark Factories” gelesen. Diese Unternehmen entstehen gerade in China und werden im Artikel so beschrieben:
These advanced factories operate entirely without human workers and even without traditional lighting. Instead, they rely on robotics and artificial intelligence to run 24/7.
Wenn also Künstliche Intelligenz in diversen Produktionsprozessen ganz alleine zurecht kommt und es Xiaomi, bekannt als Produzent von Smartphones, schon bald gelingen wird, alle 76 Sekunden vollautomatisiert ein fertiges Auto vom Band laufen zu lassen, dann ist da etwas nicht mehr so wie früher.
Foto von julien Tromeur auf Unsplash
Mit “früher” meine ich die Zeit, als ich meinen letzten Beitrag veröffentlicht habe, also vor 5 Jahren. Seitdem ist viel passiert. Corona, Kriege, die USA auf dem Weg in die Autokratie und eben das Thema Künstliche Intelligenz. All diese Entwicklungen haben mich auf der einen Seite sprachlos gemacht. Auf der anderen Seite habe ich aber natürlich auch versucht, mich in dieser sich so rasch verändernden Welt zurecht zu finden. Was bedeutet das alles für den Kunst- und Kulturbereich? Wie funktioniert Onlinemarketing heute? Was ist eigentlich aus dem Crowdfunding geworden? Zu Coronazeiten war das für viele der (finanzielle) Rettungsanker, heute redet kaum noch jemand über diese Form der Finanzierung.
KI-generierter Content flutet das Netz
Auch die Social Networks haben sich verändert. Twitter, nein X, ist ziemlich abgestürzt, wobei es in Sachen Künstlicher Intelligenz immer noch eine wichtige Nachrichtenquelle ist. Ich habe es endlich geschafft, meinen Premium-Account bei Xing zu stornieren und dann sind da ChatGPT & Co, die das Netz gefühlt mit von ihnen generierten Inhalten fluten und “Netz und Demokratie in Gefahr bringen” können, wie Jaro Krieger-Lamina in seinem Artikel “KI-Content: Ein Fluch im Netz?” schreibt.
Wer wartet da 2025 noch auf ein Blog? Ich denke, es macht gerade jetzt Sinn. Auf die sozialen Netzwerke sollten und konnten wir uns noch nie verlassen. Heute noch weniger als gestern. Also brauche ich einen Ort, der mir gehört. Ich habe lange überlegt, ob ich mit einem neuen Blog starten soll. Eine ganz aufgeräumte und leere Seite, die für einen Neuanfang steht. Wo ich mich um die Suchmaschinenoptimierung kümmern kann und nicht lauter uralte Artikel mitschleppen muss.
Aber weißt Du was? Ah, das habe ich mir auch überlegt. Ich wechsle vom Sie zum Du. All die generischen Inhalte klingen formal, neutral, Emotionen sucht man da vergeblich. Da scheint mir das Du ein guter Kontrapunkt zu sein. Ich hoffe, es ist okay. Jetzt habe ich kurz überlegt, ob ich ein Smiley einfügen soll, aber das ist dann zu viel des Guten.
Warum jetzt also bloggen?
Aber zurück zu dem, was ich schreiben wollte: Ich bleibe auf diesem Blog, weil die Inhalte einfach meine Geschichte sind. Ob das für die Suchmaschinen schlecht ist, ist mir egal. Als ich hier mit der Subdomain “kulturmanagement.wordpress.com” begonnen habe, wurde mir auch erklärt, dass das dumm ist. Ich habe es nicht nur überlebt, sondern bin mit der Domain wordpress.com ganz gut gefahren. Früher konnte man das noch sehen, ein Browserplugin zeigte für jede Website den PageRank an. Das war sehr hilfreich, denn – jetzt kann ich es ja zugeben – um selbst sichtbarer zu werden, habe ich vor allem auf Blogs kommentiert, die einen guten PageRank hatten. Ich denke, das funktioniert auch heute noch. Nur: Der PageRank ist nicht mehr öffentlich einsehbar und außerdem kommentiert niemand mehr auf Blogs. Eigentlich schade. Aber, um das abzuschließen: Ich denke, mit diesem Blog geht noch was.
Noch einmal zurück zur Frage. Die Künstliche Intelligenz ist ja nun da. Und Du darfst nicht glauben, dass ich sie verteufle. Ich nutze sie oft und gerne, auch in Workshops und Lehrveranstaltungen. Ich lasse mir auch Texte schreiben, aber das sind dann Zusammenfassungen, bei denen die Information im Vordergrund steht und nicht der Schreibstil. Fakt ist, es gibt unendlich viel Content im Netz und wenn ich mich da behaupten möchte, dann muss ich etwas anders machen. Das ist dann der eigene Schreibstil, voller Emotionen, mit direkter Ansprache, dem “Du” und vielleicht auch mit Fehlern (keine Sorge, ich baue hier nicht absichtlich Rechtschreibfehler ein. Wenn Du einen findest, darfst Du ihn behalten).
GEO statt SEO
Ich habe diverse KI-Tools, mit denen ich Texte erstellen kann. Bei Interesse stelle ich sie gerne mal vor. Sie machen auch Sinn, aber meine Blogbeiträge, die Postings auf Facebook und Instagram und die Texte für den Newsletter, den ich nach 20 Jahren wieder starten möchte, die schreibe ich selbst. Ob das für die Suchmaschinen so optimal ist, das weiß ich nicht. Aber das ist auch egal, ich beschäftige mich eh schon mit der Optimierung der Inhalte für die KI-Tools. Aus SEO wird GEO. Letzteres steht für Generative Engine Optimization. Die Agentur Roots erklärt das in ihrem Beitrag “Warum klassische Suchmaschinenoptimierung bald nicht mehr reicht” ganz gut.
Es gibt natürlich noch jede Menge anderer Tools. Aber der Trend, dass in jedes Tool KI eingebaut wird, mißhagt mir etwas. Oft bringen diese neuen Features gar nichts. Aber etliche KI-Tools sind natürlich sehr hilfreich und praktisch, etwa Comet, der neue Browser von Perplexity. Nur nebenbei bemerkt: Ich glaube übrigens so wie Gunnar Sohn nicht, dass KI dumm macht.
Wenn ich anfangs geschrieben habe, dass ich versucht habe, mich in dieser Welt zurecht zu finden, dann bin ich im Hinblick auf die Themen Marketing und Finanzierung auf einem guten Weg.
Worum es mir geht: Kunst sichtbar und finanzierbar zu machen
Ich habe mich von vielen Ansätzen der Vergangenheit verabschiedet. Zum Beispiel nutze ich für das Marketing keine Persona mehr. Ich bin der festen Überzeugung, dass nicht soziodemografische Kriterien entscheidend sind, sondern Emotionen. Das setzt aber auch voraus, dass wir uns viel intensiver mit denen beschäftigen müssen, die wir erreichen wollen. Zu sagen, dass die Persona zwischen 30 und 35 Jahren alt ist, ist leicht. Aber was hat das für Konsequenzen?
Ich frage mich, was meine Lieblingskundin erreichen möchte. Wie sieht ihre Transformation, ihr Fortschritt aus? Dabei möchte ich sie unterstützen. Verhaltenspsychologie und Neuromarketing werden in den nächsten Jahren das Marketing immer stärker dominieren. Gleichzeitig nimmt uns die KI immer mehr Arbeit ab. Ob am Ende im Marketingbereich auch so etwas herauskommt, wie die eingangs erwähnten “Dark Factories” vermag ich nicht zu sagen. Aber es wird in diese Richtung gehen und es wäre unsinnig, sich dem zu verweigern.
Dabei geht es gar nicht so sehr um die kreativen Tätigkeiten, eher um das Drumherum. Viele von uns sind genervt von den täglich anfallenden Routinetätigkeiten. Diese nach und nach zu automatisieren, das ist eine ziemliche Herausforderung.
Mich mit diesen Themen zu beschäftigen, das ist in meinen Augen eine lohnende Aufgabe. Und wo kann ich das besser machen als hier an diesem Ort? Hinzu kommt: Wenn alle keine Lust auf Facebook haben, dann steigt dadurch vielleicht wieder die Bereitschaft, unter einem Blogbeitrag zu kommentieren. Wobei, ganz ehrlich: Daran glaube ich nicht.
Wir haben mittlerweile ganz andere Möglichkeiten, der Hype um Skool hat das gezeigt. Communitys sind eine der Antworten auf die KI. Wenn wir überall nur der KI begegnen und mit ihr kommunizieren, steigt der Wunsch, sich mit echten Menschen auszutauschen. Mir geht es selbst auch so. Ich nutze die KI durchaus als Sparringpartner. Aber Diskussionen mit Menschen haben einfach eine andere Qualität. So eine Community aufzubauen, wird einer meiner nächsten Schritte sein. Und versprochen, es werden weder eine Facebookgruppe noch Skool sein. Aber zurück zu meiner Frage: Ist Bloggen 2025 noch sinnvoll? Ich glaube, ja. Und deshalb starte ich einen neuen Versuch. Sei dabei!

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