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Über die Anfänge meiner Netzbiografie

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Zwei Wochen vor dem stARTcamp hier in Wien haben die Kulturfritzen zur Blogparade „Wie wir das Analoge und das Digitale verknüpfen können“ aufgerufen, die nach unserem Weg ins Netz fragt. Unter dem Hashtag #MeinWeginsNetz stellt Anne Aschenbrenner in der Zeit bis zum #scvie19 sieben Fragen über unser Leben im Netz. Wer sie alle beantwortet, blickt am Ende auf so etwas wie eine Netzbiografie.

Begonnen hat es mit MS-DOS und GW-BASIC

Mein Weg ins Netz hat eigentlich recht lange gedauert, wobei ich mich leider an viele Dinge nicht mehr so wirklich erinnern kann. Mitte der 1980er Jahre schaffte ich mir während des Studiums meinen ersten Computer an. Es war ein Windows-Rechner und so begann ich mich mit MS-DOS und GW-BASIC zu beschäftigen. Ich glaube, ich hätte das gar nicht tun müssen, aber da ich des öfteren mit dem Kasten kämpfen musste, glaubte ich irgendwann, diese Probleme durch Programmierung lösen zu können.

Von HombreDHojalata – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es

Das Internet war damals für mich noch gar kein Thema, ich war schon froh, dass ich nun meine Arbeiten an der Uni nicht mehr mit der Schreibmaschine tippen musste. Der Zeitgewinn war enorm, ich war begeistert. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich mein erstes Referat mit Hilfe von, ich glaube, Word 2 fertig geschrieben hatte. Ich ahnte aber noch nicht, dass mir die größte Prüfung noch bevorstand.

Der Kampf mit dem Nadeldrucker

Nun musste ich die Arbeit natürlich noch ausdrucken. Ausgestattet mit einem 9 Nadeldrucker und Endlospapier machte ich mich an die Arbeit. Das typische Geräusch des Druckers habe ich heute noch im Ohr. Wer es nicht kennt, kann sich dieses Video „anhören“. ;-) Ich brauchte fast die ganze Nacht dafür, weil der Drucker das Papier so bedruckte, wie er es wollte. Mal begann er erst irgendwo im ersten Drittel der Seite oder er hörte in der Mitte der Seite auf. Irgendwann gegen 3 oder 4 Uhr war ich dann fertig.

Meine Magisterarbeit habe ich übrigens auch mit dem Computer geschrieben. Abgespeichert habe ich sie auf Diskette, die auch noch irgendwo in einer Schachtel liegt. Aber die heutigen Programme können die Umlaute nicht entschlüsseln, weshalb ich froh bin, auch noch ein gebundenes Exemplar zu besitzen.

Die typischen Geräusche eines Modems

Erst Mitte der 1990er Jahre begann ich mich für das Internet zu interessieren. Wobei es anfangs eigentlich nur die Email war. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich Kunde des 1994 von Klaus Matzka gegründeten Internet-Providers magnet wurde. Eigentlich war es nur ein Mailboxsystem, das mit Hilfe einer grafischen Oberfläche als magnet city verkauft wurde. Ich musste natürlich in kurzen Abständen meine Mailbox checken, was nicht so einfach war, denn man musste sich mit Hilfe eines Modems, das mit der Telefonleitung verbunden war, einwählen. An mein erstes Modem kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber später war es das Gerät, das Sie oben auf dem Titelbild sehen können. Und so klang es, wenn man sich einwählte:

Dank der Blackbox-Community fand ich den Weg aus der Mailbox heraus. Blackbox war Mitte der 1990er Jahre die wohl größte Online-Community für Politik und Jugendkultur. Im Wikipedia-Artikel heißt es:

Am Höhepunkt ihres Erfolgs gegen Ende 1997 hatte die Blackbox um die viertausend aktive User und galt als wesentlicher Baustein der österreichischen Zivilgesellschaft.

Viertausend Nutzer galten damals noch als das Nonplusultra, wie haben sich die Zeiten doch geändert. Mit der Zeit wurde dann natürlich auch das WWW interessant, spannend war für mich vor allem das Videoformat. Aber man musste sich die Videos noch richtig verdienen. Viele werden wissen, was ich meine: Das Video war ungefähr so groß wie eine Briefmarke und nach ungefähr einer Minute Ladezeit bekam man dann gefühlte zehn Sekunden Video zu sehen.

Von den nächsten Jahren ist mir nur sehr wenig in Erinnerung geblieben. Ich war froh, dass nach der Jahrtausendwende immer mehr Unternehmen eine Homepage hatten, denn für die Suche nach Sponsoren machten sie das Telefonbuch überflüssig. Das von Wien hatte ich zu Hause, klar. Aber an die anderen kam man nur heran, indem man zu einer Postfiliale ging und dort hoffentlich das richtige Telefonbuch fand. Wie leicht war das im Internet!

Ein Blog muss her!

Mit dem Anwachsen des Internets wuchs natürlich auch die Chance, interessante Inhalte im Netz zu finden. Um das Jahr 2005 herum entdeckte ich Blogs zum Thema Kulturmanagement, allerdings waren sie alle im amerikanischen Raum angesiedelt. Ich war von der Idee, das eigene Wissen online mit anderen Menschen zu teilen total fasziniert und wusste: Das will ich auch!

So beschloss ich, es auch mit einem Blog zu versuchen. Natürlich musste mein Blog unbedingt das Wort „Kulturmanagement“ in der Domain haben. Nur war da leider gar nichts mehr frei. Zum Glück startete damals die Forma Automattic ihren Bloghosting-Dienst WordPress.com. Hier ein Blog anzulegen kostete erstens nichts und zweitens war auch noch die Subdomain kulturmanagement.wordpress.com frei.

Der Plattform WordPress.com bin ich bis heute treu geblieben. Ich habe zwar mittlerweile eine eigene Domain, aber das Blog liegt immer noch auf den WordPress.com-Servern. Den Rest der Geschichte können Sie dann hier auf diesem Blog nachlesen, das ich seit Ende 2006 betreibe. Aus SEO-Gründen sollte ich eigentlich ein ganz neues Blog beginnen. Aber dieses Blog ist vermutlich das wichtigste Teil meiner Netzbiografie. Deshalb mag ich es nicht aufgeben.

Ein Video als Zeitdokument

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die 1990er Jahre zurückspringen und auf ein Video verlinken (einbetten lässt es sich leider nicht), mit dem 1997 Josef Broukal das Internet erklärte. In meinen Augen ist es ein großartiges Zeitdokument, das zeigt, was in den letzten 20 bis 25 Jahren eigentlich alles passiert ist.

Titelbild: Frédéric Bisson, Flickr (CC BY 2.0)

Erinnerungen europäisches Kulturerbejahr delete memory
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Delete Memory: Über das digitale Gedächtnis

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Foto von congerdesign auf Pixabay  (Beitrag aktualisiert am 16. Juli 2018: Link zur Aufzeichnung hinzugefügt) Vorgestern wurde es öffentlich gemacht, dass Jan und Aleida Assmann mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet werden sollen. Ich schätze das Forscherehepaar schon seit vielen Jahren, deren Werk, so heißt es in der Presseaussendung, „für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist“. Aleida Assmann ist mir im Kontext einer Podiumsdiskussion eingefallen, die heute Abend (14. Juni 2018) um 19 Uhr im Wiener Radiokulturhaus des ORF (Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, Studio 3) stattfindet (hier finden Sie die Einladung als PDF) und den Titel „Delete Memory“ trägt. Anne Aschenbrenner, Leiter Digitales bei der Wochenzeitung „Die Furche„, Monika Sommer, die Direktorin des Haus der Geschichte Österreich, Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK und Martin Traxl, Hauptabteilungsleiter ORF-TV Kultur diskutieren die Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig macht?

Das kulturelle Gedächtnis schützt uns vor dem (endgültigen) Vergessen

In einem schon 2007 veröffentlichten Blogbeitrag über „die Schweiz und ihre Volkskultur“ habe ich kurz zusammengefasst, was Jan und Aleida Assmann unter dem kulturellen Gedächtnis verstehen. Im Unterschied zum individuellen und kollektiven Gedächtnis ist das kulturelle Gedächtnis nicht nur in uns selbst angesiedelt, sondern objektiviert sich in Dingen wie Texten oder Bildern. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses. Aleida Assmann unterscheidet außerdem zwischen dem Speicher- und dem Funktionsgedächtnis. Die im Funktionsgedächtnis aufgehobenen Artefakte sind durch Verfahren der Auswahl und Kanonisierung hindurchgegangen, was ihnen einen Platz im aktiven kulturellen Gedächtnis einer Gesellschaft sichert. Sie finden sich unter anderem auf den Spielplänen der Theater und Opernhäuser oder in den Ausstellungsräumlichkeiten der Museen. Das Speichergedächtnis stellt Assmann zufolge eine Art kulturelles Archiv dar, in dem die materiellen Überreste vergangener Epochen aufbewahrt werden, zu denen wir den unmittelbaren Bezug verloren haben. Aleida Assmann spricht in diesem Zusammenhang von den „stummen Zeugen der Vergangenheit“, die dem Vergessen ausgeliefert sind. Und dann sind da noch die Artefakte, die auch aus dem Speichergedächtnis verschwunden sind. Sie sind für unsere Kultur verloren, sie existieren einfach nicht mehr.

Das Europäische Kulturerbejahr und das Speichergedächtnis

Wenn wir 2018 das europäische Kulturerbejahr feiern, geht es um das Speichergedächtnis, um das Hervorholen der Artefakte, die wir vergessen haben, die aber noch nicht ganz verloren gegangen sind. In ihrem Buch „Formen des Vergessens“ (Affiliate Link) schreibt Aleida Assmann:
„Das, woran wir uns erinnern, musste zeitweilig von der Bildfläche des Bewusstseins verschwunden sein. Erinnern ist ja gerade nicht (…) mit einem direkten Zugriff auf Wissen gleichzusetzen, sondern entspricht eher der Figur einer ‚Wiederholung‘ oder ‚Wiedererkennung‘ über zeitliche Intervalle hinweg.“ (in: Assmann, Aleida. Formen des Vergessens (Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge 9) (German Edition) (Kindle-Positionen131-133). Wallstein Verlag. Kindle-Version.)
Wer weiß, dass Erinnern Identität schafft, weiß auch, warum das europäische Kulturerbejahr so wichtig für Europa ist. Die Schwierigkeit besteht, so denke ich, aber darin, dass es diese Identität so noch gar nicht gibt. Wenn wir uns erinnern, dann geschieht das – meist – auf nationalstaatlicher Ebene. Es gilt also, diese Grenzen zu überwinden und gemeinsame Geschichten zu erleben und dann zu erzählen. In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Aleida Assmann gesagt:
„Damit aus dem kulturellen Archiv ein Gedächtnis wird, muss es wieder zurückgebunden werden an individuelle Bedürfnisse, Funktionen und Gruppen, die sich damit identifizieren.“
Das Zurückbinden ist Aufgabe der Gesellschaft. Sie bestimmt, welche Inhalte aus dem Archiv hervorgeholt werden und uns wieder beschäftigen. Im Kulturbereich haben wir dafür Museen, Archive und andere Einrichtungen. Wer übernimmt diese Rolle im digitalen Raum, der unser Leben immer stärker prägt und beeinflusst? Schon heute wird Kunst immer häufiger digital gezeigt und gespeichert.Was aber geschieht, wenn wir nicht mehr analog, sondern digital speichern? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf unser kulturelles Gedächtnis?

Über das digitale kulturelle Gedächtnis

„Delete Memory“ ist der Titel der heutigen Podiumsdiskussion, verbunden mit der Frage, ob das digitale Gedächtnis Erinnern überflüssig macht. „Delete Memory“, das ist die Löschtaste. Das sind die Inhalte, die vernichtet werden und aufhören zu existieren. Ob diese Inhalte analog oder digital vernichtet werden, spielt keine Rolle. Sie sind weg. Worin besteht dann aber der Unterschied? Vielleicht fällt es uns leichter, die „Delete“-Taste zu drücken als ein Bild wegzuwerfen? Aber das ist nur eine Vermutung. Interessanter ist in meinen Augen der Unterschied, was die Aufbewahrung betrifft. Der Weg analoger Artefakte ist ein anderer. Während heute digital jeder praktisch alles abspeichern und online zur Verfügung stellen kann, sieht das im analogen Bereich anders aus. Es dauert, bis ein Artefakt auf die Bühne eines Theaters kommt, in einem Konzert gespielt wird oder in einer Ausstellung zu sehen ist. Es findet – idealerweise – eine Auseinandersetzung damit statt, bevor ein Artefakt dann in den Kanon aufgenommen wird (bei Assman ist das dann das Funktionsgedächtnis) und später in einem Archiv landet, aber im Speichergedächtnis erhalten bleibt. KuratorInnen, DramaturgInnen, etc. spielen in diesen Prozessen eine sehr wichtige Rolle. Sie bewerten und wählen aus, sie entscheiden, welche Artefakte in das Speicher- und welche in das Funktionsgedächtnis gehören. Sie sind also mitverantwortlich dafür, was wir vergessen und woran wir uns erinnern. Wenn Erinnerung dazu führt, dass wir unsere Identität bewahren oder herausbilden können, wird auch klar, welch wichtige Rolle Kunst und Kultur eigentlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft haben. Diese kuratorische Kompetenz (sagt man das so?) fehlt uns im digitalen Raum, auch heute noch („Was das Internet von der Kunst lernen kann„). Darin sehe ich die große Chance für die Kultureinrichtungen. Dafür ist es aber notwendig, dass sie sich die notwendige digitale Kompetenz aneignen und verantwortungsvoll mit den digitalen Inhalten umgehen. Einfach den gesamten Bestand zu digitalisieren und dann online zu stellen, macht wenig Sinn. So wird das Internet eher zur digitalen Müllhalde.

Digitale KuratorInnen und künstliche Intelligenz

Interessant ist in meinen Augen die Frage, ob diese Aufgabe nur die Kultureinrichtungen übernehmen können. Besteht nicht die Möglichkeit, dass wir eines vielleicht gar nicht mehr so fernen Tages nicht mehr KuratorInnen, sondern Algorithmen entscheiden lassen? Frank Tentler würde das vermutlich bejahen. In seiner Geschichte von Vincent, einer holografischen Figur, funktioniert das auf individueller Ebene schon ganz gut. Vielleicht entscheiden künstliche Intelligenzen in Zukunft darüber, wo etwas im kulturellen Gedächtnis abgelegt wird? In diesem Zusammenhang gibt es viele Fragen, die wir noch beantworten müssen. Nur drei Beispiele:
  • Wenn Erinnern Identität stiftet, welche Identität ist das dann? Die Österr. Nationalbibliothek archiviert beispielsweise alle Webseiten mit einer at.-Domain. Ist das die formale Klammer für die österr. (digitale) Identität? Wie sieht das auf europäischer Ebene aus?
  • Wer ist dafür verantwortlich, dass analoge kulturelle und künstlerische Artefakte digitalisiert und damit für die Nachwelt erhalten werden (Bild/Ton)? Und zwar langfristig? Ist der Aufwand nicht so groß, dass die kleinen Kultureinrichtungen dabei unter den Tisch fallen und deren Arbeit dann „vergessen“ wird? Und zwar endgültig im Sinne von „Delete Memory“. Unser kulturelles – digitales – Archiv würde dann nur die Artefakte großer Kultureinrichtungen umfassen.
  • Neben dem Format ist auch die Struktur wichtig, um die digitalen Inhalte nicht nur zu erfassen, sondern sie so zu speichern, dass die Chance besteht, sich ihrer wieder zu erinnern, sprich, sie wieder zu finden. Ohne Strukturvorgaben zu speichern würde bedeuten, sie zu vergessen, weil es reiner Zufall wäre, sie wieder zu entdecken. Wobei im analogen Bereich Zufallsfunde eine durchaus wichtige Rolle hinsichtlich des kulturellen Gedächtnisses spielen.
Vielleicht lassen sich in der heutigen Podiumsdiskussion ein paar Fragen beantworten. Hier noch einmal alle Informationen:

Update:

Hier finden Sie die komplette Aufzeichnung des DialogForum „Delete Memory!“
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Die #DSGVO und die Auswirkungen auf dieses Blog

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Foto von skylarvision auf Pixabay Morgen ist es also (endlich) soweit, die Datenschutzgrundverordnung, unter dem Hashtag #DSGVO wohl den meisten bekannt, entfaltet ihre volle Wirkung. In Kraft treten wäre der falsche Ausdruck, denn sie gilt ja eigentlich schon seit zwei Jahren. Eigentlich hätten wir uns also schon längere Zeit mit der DSGVO beschäftigen sollen. Aber wie so viele andere gehöre auch ich zu denen, die erst in letzter Minuten damit begonnen haben. Wobei das bei mir nur für die praktische Umsetzung gilt. Die Workshops haben mir nicht so viel geholfen, die vielen Informationen, die sich im Netz finden, werfen oft mehr Fragen auf als sie beantworten. Trotzdem war mir von Anfang an klar, dass auch auf mich Änderungen zukommen. Der erste Schritt: Ich habe die vertraute Umgebung von wordpress.com verlassen. Über zehn Jahre habe ich unter kulturmanagement.wordpress.com gebloggt, nun habe ich endlich eine der Domains, die ich schon seit einiger Zeit reserviert habe, aktiviert. Deshalb ist dieses Blog nun unter https://kulturmanagement.blog zu finden. Aber keine Sorge: Die alten Beiträge lassen sich immer noch leicht finden. Wer einen alten Link verwendet, ihn zum Beispiel abgespeichert hat, wird einfach umgeleitet. Viele von Ihnen und Euch haben meine Beiträge bis heute per Mail erhalten. Für alle, die diesen Beitrag jetzt in ihrer Mailbox lesen, habe ich eine traurige Nachricht: Diese Möglichkeit fällt ab sofort weg, womit wir bei Schritt zwei sind. Dies ist der letzte Blogbeitrag, der Sie auf diesem Weg erreicht. Es gibt aktuell keine wirklich befriedigende Lösung, deshalb werde ich diesen Service einstellen (müssen). Bis jetzt gab es zwei Möglichkeiten, die Beiträge per Email zu abonnieren. Die Möglichkeit, die Beiträge direkt über WordPress zu abonnieren fällt weg, weil ich erstens nicht mehr in die wordpress.com-Umgebung eingebunden bin, zweitens dort kein Double Opt-in möglich ist und drittens die Vorgaben der DSGVO nicht eingehalten werden können. Ob das wirklich alles so stimmt, vermag ich nicht einzuschätzen, dazu fehlen mir Zeit und Expertise. Außerdem gibt es etliche, die die Blogposts über den Feedburner erhalten. Das ist die Variante, mit der ich vor vielen Jahren begonnen habe und die bis heute eigentlich perfekt funktioniert. Aber der Umgang mit den persönlichen Daten ist bei diesem RSS-basierten Newsletter, der Google gehört, ungeklärt. Und ich habe keine Ahnung, wie man die dort gespeicherten Daten exportieren beziehungsweise löschen kann. Natürlich kann man sich dort abmelden und bekommt dann keine weiteren Mails mehr. Aber was ist mit den Daten. Eine Vereinbarung kann ich diesbezüglich mit Google nicht abschließen, also war es das dann. Was sind die Alternativen? Kristine Honig, die vor dem selben Problem steht, nennt in ihrem Blogbeitrag „Du hast meine Blogbeiträge regelmäßig per Mail erhalten? Dann bitte lesen!“ folgende Alternativen:
  • Meine Seite direkt besuchen, die URL kulturmanagement.blog kann man sich ja wirklich leicht merken, oder?
  • Die Seite per RSS abonnieren, ich selbst verwende dafür Feedly. Falls jemand den Link dafür braucht, hier ist er: https://kulturmanagement.blog/feed/
  • Das Blog in den Lesezeichen oder Favoriten abspeichern.
  • Mir auf Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn folgen, dort verlinke ich in der Regel auf meine Blogbeiträge.
  • Die in meinen Augen coolste Alternative ist die Verwendung von IFTTT (If this then that). Dort können Sie genau das abbilden, was ich bis jetzt angeboten haben. Wenn ich ein Blogpost veröffentliche, erhalten Sie eine Mail. Sie müssen das halt im Unterschied zur bisherigen Lösung selbst in die Hand nehmen. Aber da IFTTT ein Tool ist, das noch viel mehr kann, ist das vielleicht genau der richtige Einstieg, um sich damit intensiver zu beschäftigen.
  • Zukunftsmusik: die Benachrichtigung per Chatbot. Ob so etwas DSGVO-konform ist, weiß ich nicht. Im Zweifelsfall vermutlich nicht. :-(
Der dritte Schritt ist auch bereits getan: Alle Verbindungen zu irgendwelchen sozialen Netzwerken sind gekappt. Ich war da schon bis jetzt sehr sparsam, aber nun sollte es im Augenblick, so ich nichts übersehen haben, keine Möglichkeit für Facebook & Co geben, über dieses Blog an irgendwelche Daten heranzukommen. Ich verzichte auf Avatare und Emojis, sogar bei der Kommentarfunktion habe ich darüber nachgedacht, sie zu sperren. Aber Kommentare sind mir weiter wichtig, also gibt es weiter die Möglichkeit, es sieht halt alles etwas spartanisch aus. Aber vielleicht bringt auch da die Zukunft neue Angebote, die der DSGVO entsprechen. Ich finde es ein wenig traurig, dass so viele Dinge, die wir in den letzten Jahren genutzt haben, nun verschwinden. Aber auf der anderen Seite sollte es uns der Schutz unserer Daten schon wert sein. Und irgendwann müssen wir ja mal damit anfangen. Ich will jetzt gar nicht darüber lamentieren, dass das alles so fürchterlich und schwierig ist (ist es!), ohne die Androhung von Strafen hat es halt nicht geklappt. Was noch fehlt sind die Schritte vier und fünf. Bis morgen werde ich noch an meiner Datenschutzerklärung basteln. Ich habe schon seit vielen Jahren eine, allerdings hat sich für die bis jetzt niemand interessiert. Mal sehen, ob das ab morgen wirklich anders ist. ;-) Der fünfte und letzte Schritt ist dann ein neues Layout. Ich bin noch auf der Suche, eine Vorlage, die mir wirklich gefällt, habe ich aber noch nicht gefunden. Damit erfülle ich aber immer noch nicht alle Vorgaben der DSGVO. Zum Beispiel muss ich mir noch was für die vielen YouTube-Videos einfallen lassen, die ich in dieses Blog eingebunden habe. Von den Slideshare-Präsentationen gar nicht zu reden. Für ersteres habe ich schon ein Plugin gefunden, Slideshare ist in den zahllosen Artikeln, die ich gelesen habe, gar nicht genannt worden. Deshalb bin ich da noch auf der Suche. Fazit: Auch morgen wird sich die Erde noch drehen und mein Blog wird es auch noch geben. Und in drei, vier Wochen werden wir dann vermutlich sehen, ob und wie das mit der DSGVO funktioniert. Ich freue mich, wenn Sie weiterhin mein Blog lesen und darf Sie bitten, sich einfach bei mir zu melden, wenn Sie Fragen oder Probleme haben.
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Frohe Weihnachten

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Viele Menschen neigen dazu, das Jahr in zwei gleich große Hälften einzuteilen. Die Zeit vor dem Sommer beziehungsweise den Sommerferien und die Zeit danach. Aber dann merken sie, dass die Zeit zwischen Sommer und Weihnachten viel kürzer ist, was dann zu den Stresssituationen führt, die viele in den letzten Wochen  erlebt haben. Natürlich werden wir alle davon angesteckt und erleben so die hektischste Zeit des Jahres. Irgendwann kommt dann aber der Zeitpunkt, wo das Pendel umschlägt und wir langsam beginnen zur Ruhe zu kommen. Ich mag diese Phase, die dann am Nachmittag des Heiligens Abends endet. Wenn man in diesen Stunden durch die Stadt geht, spürt man, wie alle Haktik verschwunden ist und die Menschen in einen Ruhemodus gefunden haben. Viele Menschen fühlen sich darin sehr wohl, andere nicht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie schon in diesen Ruhemodus gefunden haben oder im Laufe des heutigen Tages dorthin gelangen und dann ein paar erholsame und besinnliche Feiertage erleben. Ich danke Ihnen, dass Sie diesem Blog auch dieses Jahr gefolgt sind und würde mich freuen, wenn Sie mich auch im nächsten Jahr begleiten. Bis dahin genießen Sie aber erst einmal den Ruhemodus. ;-)
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2017: Herausforderungen für den Kunst- und Kulturbereich

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Foto von Brigitte Tohm auf Unsplash Eine für mich große Herausforderung besteht darin, nach dem Jahreswechsel möglichst bald den ersten Blogbeitrag zu schreiben und mir dafür zu überlegen, wohin die Reise mich im neuen Jahr führen wird. Bevor ich das tue, möchte ich Ihnen aber erst einmal ein frohes und gutes neues Jahr wünschen. Viele von uns gehen mit einer Menge guter Vorsätze in so ein Jahr, ich könnte zum Beispiel hier kundtun, dass ich 2017 wieder mehr Blogbeiträge schreiben werde. Aber das hat die letzten Male nicht wirklich funktioniert, also lasse ich es lieber bleiben. Aber ein erster Beitrag am zweiten Tag des Jahres ist schon mal ganz gut. ;-) Beginnen möchte ich mit einer Idee, die ich von Chris Brogan übernommen habe. Er überlegt sich zu Jahresbeginn immer drei Wörter, die ihn auf dem Weg zu einem erfolgreichen Jahr unterstützen. Meine drei Worte für dieses Jahr sind:
    • sozialer Raum: Ich habe bis jetzt immer von digitalen Erlebnisraum gesprochen, glaube aber, dass dieser Begriff mittlerweile überholt ist. Korrekterweise müssten wir von einem analogen Raum sprechen, der digital erweitert wird. Aber worum geht es in diesen Räumen? Es geht um Interaktion, um Kommunikation mit anderen Menschen und daher ist es in meinen Augen zielführender, von einem sozialen Raum zu sprechen. Dank eines Vortrag von Nils Müller und seinen beiden Blogbeiträgen über „analoge und digitale Räume“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3 hat er uns bis jetzt vorenthalten) bin ich auf den von Dieter Läpple verfassten „Essay über den Raum“ gestoßen. Hier sehe ich interessante Ansatzpunkte, um Raummodelle für Städte und Regionen, aber auch Unternehmen und Kultureinrichtungenzu entwickeln. Entsprechende Konzepte zu entwickeln, ist eine der Herausforderungen im gerade beginnenden Jahr.
    • digitale Transformation: Es klingt so einfach beziehungsweise vielleicht sogar schon etwas abgedroschen, Unternehmen beziehungsweise in meinem Fall, Kultureinrichtungen dazu aufzufordern, sich mit dem Thema digitale Transformation zu beschäftigen. Es gibt eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen, an die man sich halten muss und schon passt alles. Behaupten zumindest die, die diese Empfehlungen aussprechen. Nein, so einfach ist das ist. Warum so viele – auch gut gemeinte – Pläne scheitern, habe ich in einem Vortrag, den ich Anfang Oktober in Frankfurt halten durfte, zu erklären versucht. Aber die Frage, wie der Weg zum digitalen Kulturbetrieb aussieht, muss natürlich beantwortet werden. Und da sind noch einige Fragen offen, wie auch das letzte stARTcamp im Wiener Volkstheater gezeigt hat.
  • Online Marketing: Die Zeiten, in denen wir geglaubt haben, Social Media sei das (kostenlose) Allheilmittel, sind vorbei. Natürlich bleibt Social Media Marketing weiter ein wichtiger Baustein der Marketingaktivitäten im Onlinebereich. Aber da gibt es noch jede Menge anderer Bausteine, die eine Rolle spielen. Suchmaschinenoptimierung, Content Marketing, Storytelling oder Gamification sind nur einige der Schlagworte, die auch 2017 fallen werden, wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie Online Marketing im Kunst- und Kulturbereich funktioniert.
Diese drei Schlagworte sind natürlich nicht zufällig entstanden, sondern bauen einerseits auf den Themen auf, mit denen ich mich in den letzten Monaten und Jahren beschäftigt habe. Andererseits tragen sie meiner Einschätzung Rechnung, was wir zu erwarten haben, wenn wir uns mit den digitalen Technologien und den daraus entstehenden Möglichkeiten für Kunst und Kultur beschäftigen. Die Firma Adobe hat in ihrem bereits im Juli 2015 erschienenen Report „Vier Vorteile eines Konzeptes für digitale Reife“ wunderbar beschrieben, vor welchen Herausforderungen wir heute stehen beziehungsweise, was zu tun ist, um diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können:
  • „Reife Unternehmen investieren in Personal, Prozesse und Tools“: Viele Kultureinrichtungen investieren vor allem in irgendwelche Tools, vergessen dabei aber ihre MitarbeiterInnen und die Prozesse, um diese Tools gewinnbringend nutzen zu können.
  • „Reife Unternehmen passen sich an den Kunden an. Sie denken und handeln mobil“: Oft sind Kultureinrichtungen schon stolz, wenn man ihre Website auch mobil aufrufen kann. Das reicht nicht, denn eines der Ziele der Onlineaktivitäten muss es sein, möglichst viel über die (Website)-Besucher zu erfahren, ein Marketing aufzubauen, das möglichst automatisiert und personalisiert funktioniert.
  • „Unternehmen mit Reifeplan bauen ihren Vorsprung durch Lernbereitschaft aus“: Es ist zwar wichtig zu wissen, wie Facebook und Twitter, vielleicht sogar Snapchat funktionieren. Aber wenn ich die strategische Ebene komplett weglasse und meine Onlineaktivitäten lediglich als kostenlose Ergänzung der „normalen“Marketingaktivitäten betrachte, dann ist der Anschluss schon so gut wie verloren.
  • „Sie denken voraus“: Wenn Kultureinrichtungen heute stolz verkünden, dass sie jetzt eine Stelle für Social Media geschaffen haben, dann ist das zwar gut und zu begrüßen. Wer vorausdenkt, müsste aber schon weiter sein und sich die Frage stellen, auf welchen Mechanismen die Erfolge in der Interaktion mit den Usern in den sozialen Netzwerken und Messengersystemen beruhen. Der Adobe-Report stellt fest, dass reife Unternehmen eher bereit sind, für die Entwicklungen im digitalen Bereich Geld in die Hand zu nehmen und nennt in diesem Zusammenhang zwei Punkte, die auch mir sehr wichtig sind: Einerseits die Analyse, um überhaupt zu wissen, wo man steht und um sehen zu können, ob die gesetzten Maßnahmen Erfolge bringen.  Andererseits gilt es, sich mit dem Thema Content Management zu beschäftigen, um für alle Kanäle die passenden Inhalte zu haben. Für mich steckt dahinter die Beschäftigung mit Contentstrategien, also dem professionellen und strukturierten Umgang mit digitalen Inhalten, wie es auf Wikipedia heißt.
Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, nicht den Überblick zu verlieren. Ich hoffe, meine drei Schlagworte unterstützen mich dabei, nicht die Orientierung zu verlieren. Ich würde mir natürlich auch wünschen, dass ich Ihnen damit ein klein wenig weiter helfen kann und freue mich, wenn Sie mich auf diesen Wegen begleiten.
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Theater und Social Media: Fragen an Lena Fuchs (Volkstheater Wien)

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Foto von Gilles Lambert auf Unsplash Nachdem wir die letzten Jahre mit dem stARTcamp immer in Museen zu Gast waren, geht die diesjährige Ausgabe zum ersten Mal in einem Theater über die Bühne. Danke an das Volkstheater Wien für die Einladung! Ich möchte wenige Tage vor dem stARTcamp die Chance nutzen und der Frage nachgehen, wie Theater den digitalen Wandel bewältigen und deshalb habe ich Lena Fuchs, die den Bereich Kommunikation am Volkstheater leitet, per Mail ein paar Fragen gestellt.
lenafuchscwww-lupispuma-com_volkstheater

© www.lupispuma.com / Volkstheater

Kulturmanagement Blog: Zuallererst möchte ich mich noch einmal direkt bei Dir bedanken, dass wir mit dem stARTcamp dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen. Du hast spontan zugesagt, als ich Dich gefragt habe. Dabei sind, so hat es den Anschein, Theater eher zurückhaltend, wenn es um den digitalen Raum geht. Ist es für Theater schwieriger, digital präsent zu sein und zu kommunizieren als zum Beispiel für Museen? Lena Fuchs: Theater ist immer live – dieses Alleinstellungsmerkmal ist Fluch und Segen zugleich. Ein Theaterstück lässt sich weniger leicht abbilden als ein Kunstwerk. Teilweise spielen, gerade auch bei Filmaufnahmen (die ja dem Erlebnis am nächsten kommen), technische Kapazitäten und Urheberrechte eine Rolle: Mit der Digitalisierung betreten wir hier Neuland. Aber wir holen auf! Kulturmanagement Blog: Esther Slevogt hat gerade in einer Kolumne auf nachtkritik.de die Theater dazu aufgefordert, „mächtige soziale Plattformen im Netz zu schaffen“. Kannst Du Dir vorstellen, dass die Theater solche digitalen Räume schaffen und inhaltlich bespielen? Lena Fuchs: Soll ich idealistisch oder pragmatisch antworten? Frau Slevogts „Kolumnist*innentraum“ ist nachvollziehbar argumentiert und ein plausibler Lösungsvorschlag für das dem Theater immer wieder vorgeworfene Reichweitenproblem. Aber – pragmatisch gesehen: Wie soll eine per se defizitäre und subventionierte Unternehmung wie ein Theater so etwas zusätzlich umsetzen? Sobald die Theater anfangen, wirkliche Gewinne zu machen – was bei der jetzigen Kostenstruktur unmöglich ist –, können wir darüber reden … aber dann unterliegen wir programmatisch wohl auch wieder dem in der Kolumne vorgeworfenen „marktorientieren Denken“. Kulturmanagement Blog: Viele lehnen so eine Idee unter Umständen ab, weil sie Angst haben, das Theater könnte vollends ins Digitale abgedrängt werden und aufhören, als physischer Ort zu existieren. Siehst Du diese Gefahr auch? Lena Fuchs: Ich finde nichts langweiliger als abgefilmte Theaterstücke. Und für mich ist Theater ohne das reale Zusammenkommen und gemeinsam in Echtzeit „im-Dunklen-ins-Helle-Schauen“, ohne Hustenzuckerl-Rascheln und den wunderbaren Geruch von Bühnennebel, der sich langsam im Zuschauerraum ausbreitet, nicht denkbar. Und noch bin ich nicht allein – bis also Virtual Reality solche Erlebnisse hervorbringt, sehe ich keinen Grund zur Sorge. Kulturmanagement Blog: Neben der Chance, sich im digitalen Raum inhaltlich mit wichtigen Themen zu beschäftigen, ist das Internet natürlich auch für das Marketing wichtig geworden. Was für Möglichkeiten siehst Du dort für Theater? Lena Fuchs: Neben klassischer Online-Werbung, die ja letztlich Print sehr ähnlich sieht, spielen natürlich die Medien mit Rückkanal eine große Rolle, Diskussionsforen und Gästebücher, aber natürlich insbesondere die sozialen Netzwerke. Kulturmanagement Blog: In den letzten Jahren war es vor allem wichtig, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein, die Marke zu stärken und auf sich aufmerksam zu machen. Auch das Volkstheater ist schon lange im Social Web aktiv. Welche Veränderungen nimmst Du dort wahr? Wird Facebook weiter das wichtigste Netzwerk bleiben und weiter an Bedeutung gewinnen oder hat es seine besten Tage bereits hinter sich? Lena Fuchs: Derzeit hat Facebook, das am längsten bespielt wird, die meisten Nutzer/innen und auch bezogen auf das Involvement die größte Reichweite, bei kontinuierlichem Wachstum. Die nach wie vor steigenden Fan-Zahlen beobachte ich übrigens auch bei den Facebook-Auftritten der anderen Theaterhäuser in Wien. Die vielen Funktionalitäten von Facebook sind aus meiner Perspektive als Absender außerdem unschlagbar, das Publikum interagiert recht engagiert. Von daher ist es sicher das wichtigste Netzwerk, wobei im Falle des Volkstheaters Twitter und besonders Instagram als zuletzt hinzugekommener Kanal verhältnismäßig schneller zulegen. Kulturmanagement Blog: Digitales Marketing bedeutet auch, sich mit anderen Themen zu beschäftigen. Inbound Marketing, Content Strategien oder auch Suchmaschinenoptimierung: Müssen sich Theater mit solchen Dingen heute beschäftigen? Lena Fuchs: Die Kommunikations- und Marketingverantwortlichen unbedingt, ja! Diese Tools bieten ja auch die Möglichkeit, vergleichbare Reichweiten bei geringerem finanziellen Kostenaufwand zu erzielen. Für viele Häuser heißt das, dass sie überhaupt erst im öffentlichen Raum (wenn auch digital/virtuell) präsent sind, weil sie sich aufwändige Werbemaßnahmen sonst nicht leisten könnten. Kulturmanagement Blog: Verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung auch die Strukturen und Prozesse in einem Theater? Lena Fuchs: Teilweise, aber man muss wissen: Im Volkstheater etwa arbeiten ca. 250 Personen in den unterschiedlichsten Jobs: Vom Maskenbildner/in über die Buchhaltung bis zur Direktion, vom Schlosser über den Regieassistenten bis zum Schauspieler. Da kommt man um Aushänge am Schwarzen Brett wie vor 125 Jahren nicht vorbei – und für ein digitales System für alle fehlen die Ressourcen. Was die Verwaltung angeht, stecken wir mittlerweile mitten im E-Mail-Zeitalter – auch nicht gerade fortschrittlich. Tatsächlich prüfen wir derzeit die Möglichkeiten, die uns ein Intranet bieten könnte, das steckt aber noch in den Kinderschuhen. Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte persönliche Frage: welche Netzwerke oder Messenger bevorzugst Du selbst? Lena Fuchs: Je mehr ich beruflich digital unterwegs bin, desto mehr schätze ich privat das persönliche Treffen – oder ein langes Telefonat. Wenn nichts anderes geht: Facebook: nicht sehr originell! Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten! PS: Informationen zum stARTcamp gibt es hier und hier, Tickets können Sie direkt im Onlineshop kaufen.
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Nach dem stARTcamp ist vor dem stARTcamp: In Linz geht es am 7. Mai um Kulturfinanzierung

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Bild: Linzer Pflasterspektakel 2008 – Rumpel„; von Chrissy W (CC BY- SA 2.0) auf FlickrFack ju Subvention!“ ist ein Artikel in der WELT überschrieben, in dem der Autor die Meinung vertritt, die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziere nur gremienverhunzte Konsensbrühe und die Künstler müssten sich endlich entscheiden,
„ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen“.
Wurde im „Kulturinfarkt“ die Forderung nach einer möglichen Kürzung der Subventionen noch argumentiert, schwadroniert hier jemand vor sich hin, ohne groß eine Ahnung zu haben, schafft es aber, den Begriff des Bildungsbürgers endgültig zu diskreditieren. Gut, inhaltlich gibt der Artikel also nicht viel her, aber die Überschrift passt gut zum stARTcamp in Linz, das am 7. Mai stattfindet und zwar im Wissensturm, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. „Fack ju Subvention!“ Obwohl, ich würde das Ausrufezeichen noch durch ein Fragezeichen ersetzen, also: „Fack ju Subvention?“ Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Es geht um die Frage, wie sich Kunst und Kultur finanzieren lassen. Auch wenn das den einzelnen KünstlerInnen und Kultureinrichtungen nicht so vorkommen mag, aber es fließt noch ziemlich viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich. Aber vielleicht ließe sich in Linz die Frage diskutieren, ob das Geld richtig fließt und vor allem: erreicht es auch die Richtigen? Das Hauptaugenmerk wird nächste Woche aber sicher bei den Alternativen zur öffentlichen Förderung liegen. Die aktuelle Ausgabe des KM-Magazins hat dazu eine Steilvorlage geliefert und behandelt unter der Überschrift „Kulturfinanzierung“ Themen wie Sponsoring, Corporate Cultural Responsibility, Online-Fundraising oder Crowdfunding. Aber mir reicht das noch nicht. Gilt diese Einteilung überhaupt noch? Lohnt es sich, weiter auf das klassische Kultursponsoring zu setzen, obwohl es vermutlich vielen so geht wie Christoph Grunenberg, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, der im KM-Magazin konstatiert,
„dass der Anteil des Sponsorings an der Gesamtfinanzierung geringer geworden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren, mit abnehmender Tendenz“.
Und was ist mit denen, die bis jetzt noch gar keine Sponsoren hatten? Ist für die Crowdfunding eine Alternative? Ich denke schon, aber nicht nur für die, denn Crowdfunding ist mehr als nur ein (neues) Finanzierungsinstrument. Vielleicht stimmen all die Kategorien nicht  mehr? Ich habe gerade einen sehr guten Artikel von Dion Hinchcliffe gelesen. In „How much can technology actually improve collaboration?“ zeigt er, welche Vorteile sich daraus ergeben, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber mir reicht es nicht, wenn wir nur darüber nachdenken, wie Theater kooperieren. Oder Museen. Und wenn wir innovativ sind, Theater mit Museen. Nein, denken wir mal weiter und orientieren wir uns an dem, was die BesucherInnen eines Konzerts oder einer Ausstellung davor und danach erleben beziehungsweise, was sie sich davor und danach wünschen? Mit dem Modell des digitalen Erlebnisraums geht es uns darum, Kooperationen entlang einer Wertschöpfungskette zu entwickeln. Einen Schritt zurück: Immer wieder weisen wir darauf hin, dass das Wertvolle der künstlerischen Arbeit nicht nur das künstlerische Objekt ist, sondern der Prozess, der dazu geführt hat. Wir verkaufen aber nur Tickets, um das Ergebnis dieser Arbeit bestaunen zu können. Der Prozess bleibt unter Verschluss. Das ist übrigens auch ein Problem, wenn es darum geht, die künstlerische Arbeit zu bewerben und zu vermitteln. Hier stoßen wir ganz schnell an Grenzen, die es zu überwinden geht. Tom Goodwin formuliert das recht schön in seinem Artikel „Why You Don’t Need A Digital Strategy„:
„You Don’t Need A Digital Strategy, You Need A Digitally Transformed Company.“
Anders gesagt: Erst wenn es Kultureinrichtungen gelingt, sich neu zu organisieren,  besteht die Möglichkeit, die Finanzierungsprobleme zu lösen. Wer jetzt Lust verspürt mitzudiskutieren, der sollte zum stARTcamp nach Linz kommen, denn es gibt kein besseres Format als ein Barcamp, um solche Themen zu diskutieren. Apropos Format: Wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, hier die schnelle Antwort: Das Programm wird in der Eingangssession gemeinsam festgelegt, alle können etwas vortragen, diskutieren oder auch einfach eine Frage stellen (mehr dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„). Der Erfolg des stARTcamps hängt also von den TeilnehmerInnen ab. Wenn sich alle aktiv beteiligen, diskutieren oder fragen, dann wird das stARTcamp eine tolle Sache, warten alle nur darauf, dass etwas passiert, wird es eher eine langweilige Veranstaltung. Aber keine Sorge, bis jetzt war die Begeisterung immer groß (man kann das zum Beispiel aus den Blogbeiträgen über das stARTcamp in München herauslesen). Fehlen nur noch die Informationen…

Wo, wann und wie?

Das stARTcamp Linz findet am 7. Mai im Wissensturm in Linz (Kärtnerstraße 26, 4020 Linz) statt, los geht es um 10 Uhr. Wer dabei sein möchte, muss sich nur über diese Liste anmelden. Der Eintritt ist kostenlos, aber für Essen und Getränke wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 Euro eingesammelt. Wer schon Themenvorschläge, Fragen oder Diskussionspunkte hat, kann diese in die Liste der Sessionvorschläge eintragen. Ach ja, und etwas Werbung wäre natürlich auch nett. Blogbeiträge oder ein paar Postings auf Facebook und Twitter (hashtag #sclinz) helfen Wolfgang Gumpelmaier und allen, die ihn dabei unterstützen, weiter. Wir sehen uns. ;-)
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Frohe Weihnachten

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Acht Jahre ist mein Blog mittlerweile alt, allerdings hat die Frequenz der Beiträge in den letzten zwei Jahren ziemlich nachgelassen. Ich könnte jetzt darüber schreiben, dass sich das im nächsten Jahr alles ändern wird, aber ganz ehrlich: Ich werde vermutlich auch 2015 nicht mehr das schaffen, was in den ersten Jahren kein Problem war, nämlich jeden Tag einen Beitrag zu schreiben. Aber ich werde weiter schreiben, an Ideen mangelt es mir nicht, eher an der Zeit. Aber ich bin über diesen Zeitmangel nicht unglücklich, ist er doch ein Zeichen dafür, dass sich die vielen Blogbeiträge gelohnt haben. ;-) 2014 habe ich in der letzten Zeit oft als Übergangsjahr bezeichnet, wir haben alle mitbekommen, dass das Social Web sich verändert und es nicht mehr damit getan ist, eine Facebookseite mit Inhalten zu füllen. Wohin die Reise geht, ist noch nicht ganz klar, aber ich denke, das neue Jahr schafft da die notwendige Klarheit. Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf das, was kommt und danke allen, mit denen ich in den letzten zwölf Monaten zusammen arbeiten durfte. Ich danke aber auch allen, die mir hier im Blog die Treue gehalten haben und immer wieder hierher zurückgekehrt sind. In ein paar Tagen geht es wieder los, bis dahin wünsche ich Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
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Treffpunkt KulturManagement: Das Prinzip „unperfekt“ in der Kultur

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Bild: Unperfekthaus Essen„; (CC BY 3.0) auf Wikimedia Mit dem Unperfekthaus in Essen verbinde ich einen sehr aufregenden Tag. 2010 fand dort das erste stARTcamp statt und wir waren gespannt, ob alles so funktionieren würde, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es war ein tolles Erlebnis und das Premiere war für mich genauso schön wie alle anderen stARTcamps, die später folgen sollten. Im Anschluss daran sahen wir dann das Viertelfinalspiel der Fussball-WM in Südafrika Deutschland gegen Argentinien. Später am Abend wurde dann der Himmel schwarz und es folgte ein sehr heftiges Gewitter. Soweit mein Bezug zu diesem wohl einzigartigen Haus. Ob gemeinsames Barcamp oder Fussball schauen, das Unperfekthaus ist prädestiniert dafür, etwas gemeinsam zu tun. Es ist ein Ort der Kreativität, gegründet und bis heute betrieben von Reinhard Wiesemann, dem es ein Anliegen ist, die Kultur zu den Menschen zu bringen. Wiesemann ist kein ausgebildeter Kulturmanager, beruflich nie im Kulturbetrieb tätig gewesen – aber dort künstlerisch, finanziell und unternehmerisch erfolgreich. Wie er das geschafft hat, das erzählt er beim 48. Treffpunkt KulturManagement, der am kommenden Mittwoch, den 27. August um 9 Uhr stattfinden wird. Das Konzept des 2004 in Essen eröffneten Unperfekthauses basiert auf der Freiheit des Ausprobierens. Künstler bekommen dort die Möglichkeit, ihre Ideen frei umzusetzen, ohne Qualitätskriterien oder Vorgaben. Das Unperfekthaus ist aber auch ein Restaurant und Veranstaltungsort, der die Kunst und die Menschen zusammenbringen soll, damit sie sich gegenseitig inspirieren. Diese Idee funktioniert, das Haus trägt sich finanziell selbst, es wertet das Viertel und die gesamte Kreativszene Essens auf. Doch für Wiesemann ist damit nicht Schluss. Das, was er in zehn Jahren Unperfekthaus über Kultur und Werte gelernt hat, möchte er weiter geben und sucht dafür immer neue Ideen und Konzepte – sei es ein Mehrgenerationen-Kultur-Haus, ein Businesshotel oder eine Kooperation mit der Kirche. Seine Ideen entstehen nicht am unternehmerischen Reißbrett. Stattdessen überlegt Wiesemann, was die Menschen brauchen, wo die Lücken sind und wie man sie so mit Kultur füllen kann, dass sie sich rentieren. Wiesemanns Ideen sind vielfältig und ungewöhnlich, aber trotzdem auch auf andere Städte und Kreativorte übertragbar (Mehr dazu im KM Magazin August 2014). Beim Treffpunkt KulturManagement spricht Wiesemann nun über Visionen für die Kreativwirtschaft, unternehmerischen Realitätssinn und darüber, Menschen für Kultur zu begeistern.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 27. August, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 27. August dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind. Hier noch einmal die wichtigsten Infos: Treffpunkt KulturManagement Termin: 27.08.2014 von 09:00 bis 10:00 Thema: Das Unperfekthaus Essen Gast: Reinhard Wiesemann
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Neues Layout

15 comments
Ich weiß nicht, ob ich jetzt zu mutig gewesen bin, aber von all den Layouts, die WordPress mir anbietet, ist das Kiore Moana Theme das reduzierteste. Mein Blog wirkte für mich einerseits zu überladen und andererseits war die Schrift für meinen Geschmack zu klein. Man wird ja nicht jünger. ;-) Die einzelnen Beiträge stehen nun eindeutig wieder im Vordergrund, sämtliche Infos verbergen sich hinter einem einzigen Button. Eine in meinen Augen geniale Lösung. Jetzt bin ich gespannt, ob Sie sich zurecht finden.