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Sind wir wirklich besser als Armin Klein glaubt?

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Für Kulturblogger Christian Holst ist die Antwort klar: „Wir sind besser als Armin Klein glaubt“ ist sein Blogpost überschrieben, in dem er sich mit dem Buch „Der exzellente Kulturbetrieb“ des Professors für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg auseinandersetzt.

Holst stellt in seinem Blogpost fest, dass Bücher, „die in dramatischer Weise gesellschaftliche Missstände aufzeigen und schonungslos Reformen fordern“, seit einiger Zeit Konjunktur hätten. Ihnen allen – und dazu zählt er auch das Buch von Klein – wirft er vor:

„Diesen Büchern ist gemein, dass sie allesamt auf wenigen, immergleichen Mantren beruhen, die in jeweils verschiedenen Abwandlungen lauten: zuviel Staat, zuviel Regulierung und Bürokratie, zu wenig Eigenverantwortung und Eigeninitiative, verbitterte Besitzstandswahrung aller Orten, weiterwurschteln ohne Ziel und Vision.“

Die Bestandsaufnahme erfolge, so Holsts Vorwurf, vor allem auf der Basis von Zeitungsartikeln und Zitaten aus der Sekundärliteratur. Gibt es einen Grund, nicht aus der Originalliteratur zu zitieren? Naja, eine Studie oder die Texte Luhmanns lesen sich halt etwas trocken, was mich zu der Frage führt, was denn das Ziel dieses Buches sein könnte?

In seiner Einleitung schreibt Klein:

„Das vorliegende Buch ist das Resultat zahlloser Gespräche und Diskussionen mit Leitern und Mitarbeitern öffentlicher Kultureinrichtungen (…). Ihre Erfahrungen, aber auch ihre Nöte und Sorgen sind hier eingeflossen.“ (S.13)

Ein Lehrbuch ist es also nicht, was aber dann? In meinen Augen möchte das Buch aufrütteln und kann also wirklich, wie Christian Holst geschrieben hat, in die Kategorie der Bücher gereiht werden, die gesellschaftliche Missstände aufzeigen wollen. Um das zu tun, wählt man in der Regel einen anderen Stil als den in einem Lehrbuch. Insofern habe ich mit Kleins Buch kein Problem. Ganz im Gegenteil: vielleicht ist es immer noch zu brav formuliert, denn wer von denen, die da kritisiert werden, hat es bis heute geschafft, in irgendeiner Form zu reagieren? Hat es irgendwo Diskussionen darüber gegeben? Mir ist nichts bekannt.

Wenn es wirklich so ist, dass die Museen, Theater, etc. alle bereits über eine Mission und Vision verfügen. Warum steht dann niemand auf und weist darauf hin, dass das schon lange kein Thema mehr sei? Ich glaube nicht wie Christian Holst, dass das Thema bereits abgehakt werden kann. Irgendwelche Ziele gibt es wohl, das stimmt, aber wie sieht es mit den Strategien aus? Strategie nicht verstanden als To-Do-Liste für das nächste Jahr, sondern im Sinne von Erfolgsstrategien, die es zu finden, aufzubauen und zu erhalten gilt.

Diskutiert irgendwo jemand darüber, dass es eigentlich auch Geld für Maßnahmen und Programme geben sollte, um neue BesucherInnen zu gewinnen? Um die Strukturen in den Betrieben zu stärken? Ich finde auch, dass ganzheitliches Management für viele Kultureinrichtungen interessant sein könnte, wie Holst schreibt. Aber es ist noch nicht an der Zeit, die SWOT-Analyse zu verteufeln, so lange viele Kulturbetriebe überhaupt nichts analysieren, sondern einfach nur Projekt an Projekt reihen. Lessons Learnt ist doch für die meisten ein Fremdwort, Feedback gibt man nur ganz am Ende, um sich den Frust von der Seele zu schimpfen.

Mir ist klar, das einige Einrichtungen da schon sehr viel weiter sind, keine Frage. Aber die große Masse ist doch zufrieden, wenn es wieder eine Förderung gibt, damit man weiter vor sich hin wurschteln kann. Da braucht es schon jemanden, der sich in so einem Umfeld als Störenfried betätigt. Eigentlich müsste Klein alle sechs Monate so ein Buch veröffentlichen und noch viel mehr provozieren, denn am Ende glauben die Kulturbetriebe wirklich noch, dass sie besser sind als er schreibt. Und das wäre nun wirklich das Allerschlimmste, was passieren kann, fürchte ich.