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Sind wir wirklich besser als Armin Klein glaubt?

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Für Kulturblogger Christian Holst ist die Antwort klar: „Wir sind besser als Armin Klein glaubt“ ist sein Blogpost überschrieben, in dem er sich mit dem Buch „Der exzellente Kulturbetrieb“ des Professors für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg auseinandersetzt.

Holst stellt in seinem Blogpost fest, dass Bücher, „die in dramatischer Weise gesellschaftliche Missstände aufzeigen und schonungslos Reformen fordern“, seit einiger Zeit Konjunktur hätten. Ihnen allen – und dazu zählt er auch das Buch von Klein – wirft er vor:

„Diesen Büchern ist gemein, dass sie allesamt auf wenigen, immergleichen Mantren beruhen, die in jeweils verschiedenen Abwandlungen lauten: zuviel Staat, zuviel Regulierung und Bürokratie, zu wenig Eigenverantwortung und Eigeninitiative, verbitterte Besitzstandswahrung aller Orten, weiterwurschteln ohne Ziel und Vision.“

Die Bestandsaufnahme erfolge, so Holsts Vorwurf, vor allem auf der Basis von Zeitungsartikeln und Zitaten aus der Sekundärliteratur. Gibt es einen Grund, nicht aus der Originalliteratur zu zitieren? Naja, eine Studie oder die Texte Luhmanns lesen sich halt etwas trocken, was mich zu der Frage führt, was denn das Ziel dieses Buches sein könnte?

In seiner Einleitung schreibt Klein:

„Das vorliegende Buch ist das Resultat zahlloser Gespräche und Diskussionen mit Leitern und Mitarbeitern öffentlicher Kultureinrichtungen (…). Ihre Erfahrungen, aber auch ihre Nöte und Sorgen sind hier eingeflossen.“ (S.13)

Ein Lehrbuch ist es also nicht, was aber dann? In meinen Augen möchte das Buch aufrütteln und kann also wirklich, wie Christian Holst geschrieben hat, in die Kategorie der Bücher gereiht werden, die gesellschaftliche Missstände aufzeigen wollen. Um das zu tun, wählt man in der Regel einen anderen Stil als den in einem Lehrbuch. Insofern habe ich mit Kleins Buch kein Problem. Ganz im Gegenteil: vielleicht ist es immer noch zu brav formuliert, denn wer von denen, die da kritisiert werden, hat es bis heute geschafft, in irgendeiner Form zu reagieren? Hat es irgendwo Diskussionen darüber gegeben? Mir ist nichts bekannt.

Wenn es wirklich so ist, dass die Museen, Theater, etc. alle bereits über eine Mission und Vision verfügen. Warum steht dann niemand auf und weist darauf hin, dass das schon lange kein Thema mehr sei? Ich glaube nicht wie Christian Holst, dass das Thema bereits abgehakt werden kann. Irgendwelche Ziele gibt es wohl, das stimmt, aber wie sieht es mit den Strategien aus? Strategie nicht verstanden als To-Do-Liste für das nächste Jahr, sondern im Sinne von Erfolgsstrategien, die es zu finden, aufzubauen und zu erhalten gilt.

Diskutiert irgendwo jemand darüber, dass es eigentlich auch Geld für Maßnahmen und Programme geben sollte, um neue BesucherInnen zu gewinnen? Um die Strukturen in den Betrieben zu stärken? Ich finde auch, dass ganzheitliches Management für viele Kultureinrichtungen interessant sein könnte, wie Holst schreibt. Aber es ist noch nicht an der Zeit, die SWOT-Analyse zu verteufeln, so lange viele Kulturbetriebe überhaupt nichts analysieren, sondern einfach nur Projekt an Projekt reihen. Lessons Learnt ist doch für die meisten ein Fremdwort, Feedback gibt man nur ganz am Ende, um sich den Frust von der Seele zu schimpfen.

Mir ist klar, das einige Einrichtungen da schon sehr viel weiter sind, keine Frage. Aber die große Masse ist doch zufrieden, wenn es wieder eine Förderung gibt, damit man weiter vor sich hin wurschteln kann. Da braucht es schon jemanden, der sich in so einem Umfeld als Störenfried betätigt. Eigentlich müsste Klein alle sechs Monate so ein Buch veröffentlichen und noch viel mehr provozieren, denn am Ende glauben die Kulturbetriebe wirklich noch, dass sie besser sind als er schreibt. Und das wäre nun wirklich das Allerschlimmste, was passieren kann, fürchte ich.

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  1. Danke erstmal, dass du meinen Artikel so ausführlich aufgreifst. Natürlich möchte ich noch ein paar Dinge entgegnen. :-)
    1. Ich denke, das Buch ist sehr wohl als Lehrbuch konzipiert, schließlich wird hier sehr genau angeleitet, mit welchen Schritten man zum exzellenten Kulturbetrieb wird (nach Kleins Meinung). Selbst wenn es kein Lehrbuch wäre, dann hat es ganz klar wissenschaftlichen Anspruch (sonst sind die zahlreichen Fußnoten und Literaturangaben zum Beispiel nicht nötig). In einem Proseminar zum wissenschaftlichen Arbeiten käme Klein damit allerdings nicht durch.
    2. Vision und Mission eines Stadttheaters. Was gibt es da großartig zu definieren? Die Aufgabe ist ein breites, vielfältiges, anspruchsvolles Theaterangebot für die Region anzubieten – heute und in fünf Jahren. Da gibt es wenig zu deuten. Beim Heimatkundemuseum ist es nicht viel anders. Etwas anders ist die Situation in Berlin, München oder Hamburg, wo es mehrere Theater gibt und damit den Zwang, sich zu spezialisieren. Aber auch hier weiß man in aller Regel, was man in welchem Theater bekommt (die drei Berliner Opern haben zum Beispiel jeweils ein ziemlich klares Profil). Kleins in diesem Zusammenhang angeführtes Beispiel, dass ein Theater, dass seichten Boulevard anbietet, obwohl es den Anspruch hat, gesellschaftskritisches Theater zu machen Probleme bekommen wird, ist derart an den Haaren herbeigezogen und konstruiert, dass er sich dafür schämen sollte. Wenn du meinst, dass Klein recht hat, dann wären mal ganz konkrete Beispiele interessant und zwar wo es wirklich katastrophal aussieht. Dass man vieles besser machen und ausbauen kann, bestreite ich nicht.
    2. Ich verteufele nicht die SWOT-Analyse, sondern die Tatsache, dass sich hier einer als Oberschlauer hinstellt und sie als der Weisheit letzten Schluss verkaufen will. Es ist peinlich, wenn das Kulturmanagement der BWL fünfzehn Jahre hinterherhinkt und trotzdem glaubt, den Kulturbetrieben sagen zu können, wo es langgeht. Zudem vermisse ich einfach die kritische Reflexion der Methoden wie Bendixen sie in seinen Büchern vornimmt. Ich weiß also, dass es besser geht.
    3. Zum Thema Strategien und Besucherorientierung: Es ist ein riesen Thema in Kulturbetrieben. Keine Kultureinrichtung mehr, die nicht ein Education-Programm anbietet, um die Zuschauer von morgen zu developpen; keine Einrichtung ohne Gastronomie, Drumherumprogramm, Familientage und -events. Auch hier: sicher ist da noch mehr drin, aber die Situation ist nicht so dramatisch, wie Klein es glauben machen möchte.
    Ich frage mich: woher kommt die Sado-Maso-Neigung immer alles schlecht zu reden? Bei Klein schimmert manchmal durch, dass er es auf Beratungsmandate absieht.

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  2. Ich habe ja besagten Herrn auch schon mal angeführt in einem Kommentar…(ich stimme nicht nur 2. das eigentlich 3. ist) von kulturblogger voll zu und möchte noch ergänzen, dass es leider so ist, dass er (fast) jedes halbe Jahr ein „Lehr-”Buch publiziert (u.a. basierend auf vielen Gesprächen) und was man eigentlich (uns) den Praktikern vorwerfen kann ist, dass wir einfach nicht die Zeit haben den fast exzellenten Kulturbetrieb mal zu publizieren. Was man auch bedenken sollte ist, dass man als „Lehr-”Buch-Herausgeber einen ganz guten Absatzmarkt hat, und sei es nur in der eigenen Hochschule oder wenn man etwas zu kompensieren hat. Falls das alles zu subjektiv formuliert ist gerne auch inhaltliche Diskussionen an anderer Stelle.

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  3. @ Christian: Ich bin froh, dass Du das Thema überhaupt aufgegriffen hast. So besteht immerhin die Möglichkeit, darüber zu diskutieren. Zu Deinen einzelnen Punkten:

    1. Um Lehrbuch zu sein, fehlt mir die Antwort auf die Frage, wie diese Änderungen alle bewerkstelligt werden sollen. Nur aufzuzeigen, dass etwas schlecht ist, ist das eine. Erst wenn über das „was“ hinaus auch das „wie“ abgehandelt wird, kann man meinem Verständnis nach von einem Lehrbuch sprechen.

    2. Mission und Vision sind nicht einfach nur zwei Begriffe, die man zu Papier bringt und dann auf die Website klatscht. Eine Vision ist nur dann mehr als ein einfaches in der Zukunft liegendes Ziel, wenn sie in der jeweiligen Struktur auch gelebt wird und diejenigen, die daran arbeiten, die Vision zu verwirklichen, dabei auch authentisch sind. Irgendwo habe ich in diesem Zusammenhang mal den Begriff Herzblut gelesen. Der drückt so in etwas aus, was ich meine.

    3. Ich habe dieses Kapitel auch gelesen und dabei nicht den Eindruck, dass dort die SWOT-Analyse als der Weisheit letzter Schluss verkauft wird. Das ist sie sicher nicht, aber ehrlich gesagt, bevor jemand gar nichts analysiert, denke ich, macht es Sinn, ihn dazu zu bringen, mit diesem Tool zu beginnen. Aber grundsätzlich hast Du Recht, die Zukunft liegt woanders und das Balanced Scorecard-Konzept geht wesentlich weiter als die SWOT-Analyse.

    4. Es mag sein, dass die Situation nicht so dramatisch ist und es hat auch mittlerweile fast jeder sein eigenes Programm. Nur sind das leider häufig keine Programme, sondern Einzelmaßnahmen, die nach einer gewissen Zeit wieder im Sand verlaufen. Sorry, aber gemessen an den Aktivitäten, die beispielsweise in den USA zu beobachten sind, ist das hier eher Amateurklasse.

    @ Christian und Ernst: der Vorwurf, dass es ihm nur um Beratungsmandate gehe, ist in meinen Augen unzulässig. Und warum sollte er nicht jedes halbe Jahr ein neues Buch herausbringen? Ich schreibe hier fast jeden Tag ein Blogpost. Muss ich auch weniger schreiben, weil alle anderen weniger schreiben?

    Nein, ein solches Buch zu schreiben, erfordert einen gewissen Aufwand und wenn nur er dazu bereit ist, dann darf er auch die Lorbeeren dafür ernten. In Form von Beratungsmandaten, verkauften Büchern, etc. Das klingt mir zu moralisch, wenn Ihr Klein vorwerft, er wolle damit Geld verdienen. Warum sollte er das nicht tun, zumal alle anderen dazu anscheinend nicht in der Lage sind?

    Wenn Ihr der Meinung seid, seine Bücher sind schlecht, dann gibt es zwei Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Erstens kann ich über die Qualität des Buches diskutieren. Da ist Dein Blogpost aber auch der erste Versuch in diese Richtung, Christian. Mir ist sonst keine Besprechung bzw. Diskussion bekannt. Selbst bei Amazon findet sich nur ein einsamer Kommentar.
    Zweitens kann ich es besser machen und selbst ein Buch schreiben. Den Vorwurf muss man den Praktikern, wie Du es formulierst, Ernst, machen, das sehe ich auch so. Es müsste ja noch nicht mal ein Buch sein. Das Internet bietet genügend Möglichkeiten, um Gegenpositionen einzunehmen und Diskussionen zu führen.

    Ich würde mir eigentlich beides wünschen. Die Diskussion über das, was in Sachen Kulturmanagement publiziert wird, aber auch viel mehr „Inhalte“ von denen, die jeden Tag ihre ganz praktischen Erfahrungen machen und diese bis jetzt nicht kommunizieren.

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  4. 1. Das Buch ist eine Anleitung, was nach Kleins Ansicht zu tun ist, um ein exzellenter Kulturbetrieb zu werden. Es wird beschrieben, wie man Vision und Mission entwickelt, worauf es bei der Besucherorientierung ankommt, wie man zur lernenden Kulturorganisation wird, die Finanzierung aufstellen sollte etc. Und noch einmal: den Anspruch wissenschaftlicher Lektüre hat es allemal (übrigens im Unterschied zu den Kassandra-Büchern von Steingart, Miegel, Kirchhoff etc.), erfüllt ihn in meinen Augen aber nur ungenügend.
    2. Wie gesagt, hier wären konkrete Beispiele interessant (sicher nicht hier im Blog, aber in einer Offline-Diskussion ;-) ). Ich habe mittlerweile einige Kulturbetriebe kennen gelernt und bei allen Macken und Marotten, die man dort antreffen kann (die man aber in jedem Unternehmen antreffen kann! das ist keine Eigenart von Kulturbetrieben!), ist Herzblut und ein klares Bewusstsein, warum man tut was man tut immer im Spiel gewesen. Ich glaube nicht, dass das reiner Zufall war, dass ich nur solche Einrichtungen kennen gelernt habe.
    3. Sehr polemisch geantwortet: Exzellenz ist aber was anderes, als zu sagen: bevor man gar nichts tut, lieber irgendwas tun, was nicht optimal ist, man aber in fünf Minuten verstehen kann. Sicher sind SWOT-Analysen nicht grundsätzlich untauglich, aber nicht (mehr) das Mittel der Wahl, um sich besser aufzustellen, als andere.
    4. Eine wirklich langfristige Ausrichtung ist im Theaterbereich zum Beispiel auch deswegen schwierig, weil die Verantwortlichen in der Regel 5 bis 8 Jahre an einem Haus tätig sind und dann weiter gehen. Hier reicht es also nicht, die Bedingungen von KMU einfach auf den Kulturbetrieb zu übertragen, sondern hier müssen eigene, auf die spezielle Situation gemünzte Modelle entwickelt werden. Das wäre die Aufgabe von Kulturmanagement als wissenschaftlicher Disziplin. Den Vergleich mit den USA halte ich übrigens für genauso problematisch wie den mit KMU.

    Das mit den Beratungsmandaten war natürlich ebenfalls polemisch gemeint. Trotzdem gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen deinem Blog und einem wissenschaftlichen Buch. In deinem Blog ist klar, dass es radikal subjektiv ist, dass du es nutzt, um auf dein Angebot und deine Kompetenz aufmerksam zu machen und dass das, was du schreibst, aktuelle Gedanken und Beobachtungen sind, die du zur Diskussion stellst und die nicht immer fertig gedacht sein müssen. Und das ist bei einem Blog nicht nur völlig legitim und in Ordnung, sondern macht seinen Reiz aus. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit gelten da einfach andere Ansprüche. Ich finde es nicht moralisch bedenklich, wenn Klein mit Beratungsmandaten oder Büchern Geld verdienen möchte. Ich finde es aber moralisch bedenklich, wenn er die deutsche Kulturszene schlechter redet als sie ist, um überhaupt einen Bedarf dafür herbeizureden und dann recht ausgelutschte, teilweise unpassende Verfahren propagiert.

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  5. 1. Also ich weiß nicht, Christian. Ich habe das Buch beim ersten Durchlesen zumindest nicht als Lehrbuch verstanden und ob es wirklich als wissenschaftliches Werk gedacht ist, wage ich auch zu bezweifeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Professor da solche Blößen geben würde. Aber diese Frage wird wohl nur er selbst beantworten können, wir beide werden über Vermutungen nicht hinaus kommen.

    2. Was die Beispiele angeht: ich stelle nicht in Abrede, dass es Kulturbetriebe gibt, die in Sachen Mission und Vision ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die große Mehrzahl ist aber noch nicht soweit. Damit meine ich gar nicht so sehr das geschriebene Wort, sondern das Leben dessen, was man da zu Papier gebracht hat. Wobei da schon mal die erste Frage sein muss, wer Mission und Vision überhaupt verfasst hat? Kommt das „von oben“ oder war da das ganze Team daran beteiligt?

    3. Das Ziel Exzellenz mag ja durchaus erstrebenswert sein, aber die Ausgangsanalyse ist in meinen Augen etwas sehr Profanes, aber notwendig. Insofern habe ich mit diesem „Abstieg“ kein Problem. Überflüssig ist der Verweis auf die SWOT-Analyse, wenn sie von allen angewendet wird.

    4. Die langfristige Ausrichtung hat nichts mit KMU zu tun. Die Vision einer Kultureinrichtung sollte auch die Vertragszeit eines Intendanten locker überstehen. Ganz im Gegenteil: sie sollte dazu da sein, damit der Intendant erkennen kann, ob er an diesem Haus überhaupt richtig ist.

    Und warum Vergleiche problematisch sind, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Vergleiche abzulehnen hat in meinen Augen auch immer mit der Angst zu tun, es könnte dabei herauskommen, dass andere etwas besser machen als ich. Warum ist es problematisch, wenn ich darauf verweise, dass man sich in den USA sehr viel mehr Gedanken darüber macht, wie man die Besucherzahlen erhöhen kann? Haben wir das nicht nötig?

    Mir ist klar, dass wir hier nicht in Amerika sind, aber ich schätze die zahlreichen Studien und Reports, die von dort kommen, sehr und nehme daraus sehr viel für mich mit. Wenn ich mir jetzt überlege, wann ich hier zum letzten Mal über eine im deutschsprachigen Raum erstellte Studie geschrieben habe, dann muss ich leider passen. So lange ist das schon her. Es ist also nicht nur erlaubt, uns mit den USA zu vergleichen, sondern man sollte das noch viel öfter einfordern.

    Was die Beratungsmandate von Armin Klein angeht: sorry, aber ein Berater, der imme rnur erzählt, wie super alles ist, wäre vielleicht kein schlechter Berater, aber ein schlechter Geschäftsmann. :-)

    Ich finde, er darf über den Kunst- und Kulturbereich so schlecht reden wie er will. Wenn das nicht stimmt, dann hätten doch alle beim Erscheinen des Buches laut aufschreien müssen, oder? Das ist aber nicht passiert, Du bist, wenn ich mich nicht täusche, der erste, der diesen Aspekt offen anspricht.

    Selbst wenn das alles nicht so sein sollte, wie Klein schreibt, dann hätte man das Buch ja als Provokation empfinden und sich zur Wehr setzen müssen. Aber der Kunst- und Kulturbereich ist so lethargisch, dass es noch nicht mal dazu reicht.

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  6. Da wird ja bereits heftig diskutiert…

    Ich habe das Buch „der Excellente Kulturbetrieb“ nicht gelesen, aber einige andere von Armin Klein.

    Die, die ich bisher gelesen habe, sind sich in Stil, Kritikpunkten, Forderungen und Vorschlägen ähnlich, daher kann ich mir vorstellen, was dort so ungefähr drin steht…

    Als „Lehrbücher“ oder wissenschaftliche Arbeiten habe ich sie alle nicht verstanden. Dazu sind zu viele praktische Beispiele und eigene Vorschläge drin. Was ich persönlich mag.
    In den Büchern, die ich von ihm kenne, sind übrigens nicht nur Negativbeispiele drin, sondern auch positive.
    Das einzige, was mich an den Beispielen stört, ist, dass sie sich von Buch zu Buch wiederholen, manche hab ich schon 3 mal gelesen…

    Alles unterschreibe ich nicht, was er schreibt, aber vieles.

    Zu Vision/ Mission: kulturblogger, Vielleicht bist Du ja zufällig auf lauter Kultureinrichtungen getroffen, die hier Vorreiter sind.
    Mit großen Kultureinrichtungen hatte ich bisher wenig zu tun, mehr mit kleinen.
    Dort mangelt es meistens nicht an Herzblut, was fehlt ist aber das Wissen um Vision/ Mission, das Erarbeiten einer solchen, das Aufstellen von Zielen und eine systematische Planung, um diese zu erreichen – unter Einbezug der Mitarbeiter.

    Große Kultureinrichtungen kenne ich v.a. als Besucher, und aus dieser Sicht springt mir immer wieder so Einiges an Optimierungsbedarf ins Auge.
    Z.B. im Servicebereich. Klar haben inzwischen viele Kultureinrichtungen ein Restaurant, einen Shop, irgendwas, wo man sein Zeug abgeben kann (Garderobe)…
    Oder im Bereich der Kulturvermittlung. Ja, einige bieten ein Education-Programm, Familientage, sonstiges „Drumherumprogramm“…
    Aber nur DASS irgendwas angeboten wird heißt noch lange nicht, dass das schon reicht! Die Frage ist, WIE man so etwas anbietet, und da gibt es wirklich Optimierungsbedarf! (Nicht bei allen natürlich, aber bei vielen)

    Ich finde es gut, dass jemand aufzeigt, was nicht so gut läuft und was verbessert werden könnte (außer Armin Klein tut das nämlich gar niemand…). Man muss ja nicht alles genau so machen, wie er vorschlägt, aber man kann über seine Kritik mal nachdenken.
    Und zumindest in den anderen Büchern bringt er ja auch positive Beispiele.

    In der Kunst ist es doch auch möglich – und sogar legitim und erwünscht – dass die Gesellschaft kritisiert und zum Nachdenken gebracht wird – oft in provozierender Weise.
    Warum dürfen Kultureinrichtungen nicht provoziert werden, damit sie nachdenken?

    Als Gegenstück ein Buch mit Best-Practice-Beispielen aus der Praxis.
    Warum nicht. Kann gerne jemand schreiben. Bringt bestimmt auch was…

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  7. Pingback: Tipp aktuelle Netzdiskussion: Sind wir wiklich besser, als Armin Klein glaubt? | Kulturmarketing Blog

  8. 1. Also, dass das Buch jetzt nicht mal als wissenschaftliche Literatur gemeint sein soll, erstaunt mich wirklich. Warum dann auf jeder Seite Quellenangaben und 14 Seiten Literaturverzeichnis? Das ist bei populärwissenschaftlichen Büchern, Sachbüchern oder Streitschriften nicht üblich. Zudem wird das Buch mit Sicherheit als einschlägige Literatur in der Disziplin Kulturmanagement herangezogen und wird ihr nicht helfen, als wissenschaftliche Disziplin ernst genommen zu werden. Insofern möchte ich mich da nicht drauf vertrösten lassen, dass wir nur spekulieren können.
    2. Wie gesagt, hier müssten wir eigentlich anhand konkreter Beispiele diskutieren. Ich kann mich allerdings noch nicht mal daran erinnern, als Besucher in einem Haus gewesen zu sein, wo ich das Gefühl hatte, die Leute wissen gar nicht, wie und warum sie etwas tun. In den Einrichtungen, die ich von innen kennen gelernt habe, war das auch nie der Fall, auch wenn eine Vision und Mission nicht in Workshops mit allen Mitarbeitern erarbeitet und schriftlich fixiert wurde. Hier könnte man auch mal nach dem Sinn eines solchen (auch von Klein vorgeschlagenen) Workshops fragen: da wird mal eben ein Jahresgehalt verbrannt, das mittels der Vision erstmal wieder hereinkommen muss.
    3. Ausgangsanalyse ja, aber nicht irgendwie mit irgendwas, sondern gründlich reflektiert auf dem Niveau, das heute State of the Art ist.
    4. Doch. Ein KMU ist in dieser Hinsicht frei. Eine Kultureinrichtung hat eine festgelegte Aufgabe, z.B. ein breites Theaterangebot für die Region bereitzuhalten. Da muss nicht geworkshoppt werden. Und dann ist es Aufgabe eines Intendaten, diesem Anspruch mit seinem Team Leben einzuhauchen (Mission). Wie er das macht, kann nur er selbst entscheiden und innerhalb des Horizontes seines Fünf-Jahres-Vertrags definieren.
    5. Vergleiche sind nicht grundsätzlich problematisch und wenn man dadurch lernen kann – wunderbar. Aber man muss eben aufpassen, dass man nicht Aepfel mit Birnen vergleicht, denn dann läuft man Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen. Und das deutsche und das amerikanische Kultursystem sind nun einmal Apfel und Birne.
    6. Förster und Kreuz sind Berater, die fast ausschließlich positiv kommunizieren. (Wobei mir auch hier das Reflexionsniveau zu flach ist.)

    Ich schreie ja laut auf! ;-) Und ansonsten sieh es doch lieber positiv: der Kulturbetrieb hat Besseres zu tun, als sich von mittelmäßigen Büchern ans Bein pinkeln zu lassen.

    @Karin: Man kann und sollte IMMER Dinge besser machen. Meine Kritik an dem Buch ist kein Plädoyer für bräsige Selbstzufriedenheit. Aber es ist dumm, den Schluss zu ziehen, man sei schlecht, weil man noch einiges Potenzial nach oben hat.

    Mit Polemik und Provokation habe ich kein Problem, sonst hätte ich ja auch nicht so polemisch auf das Buch reagiert. ;-) Außerdem schreibe ich selbst oft genug im Blog polemisch über den Kulturbetrieb. Aber für ein wissenschaftliches Buch (und es ist doch eins! ;-) ) ist das nicht akzeptabel. Ich bin übrigens auch nicht der Meinung, dass er grundsätzlich immer daneben liegt, vieles ist natürlich richtig und sinnvoll. Mir missfällt aber der negative Grundansatz, der etwas Herablassendes, Besserwisserisches hat. Und diese Herablassung und Besserwisserei ist bei der Dünnbrettbohrerei, die Klein in meinen Augen bereibt, nicht angebracht.

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  9. Es ist immer unsere Wahrnehmung, die Reaktionen hervorrufen. Das Buch macht da offensichtlich sehr viele Angebote an unsere jeweiligen Wahrnehmungen. Ich persönlich hege ein wenig Sympathie für diese Art von Schwarzmalerei – so will ich es mal nennen. Ich glaube, daß da tatsächlich noch lautes Geschrei nötig ist. Manche Institutionen brauchen grobmotorische Hinweise, um zu erkennen, daß es auch ein Publikum gibt und nicht nur selbstherrliche Forschungsergebnisse. Eine Ausstellung, wie momentan im Goethehaus Frankfurt (Briefausstellung) würde das Team vom Phantasialand in Köln anders aufbauen. Und jetzt ich sage ich etwas ganz böses: Hätten die da mal mitgearbeitet! Dafür ist leider kein Verständnis in einem solchen Haus (und ich darf mir da ein Urteil erlauben).

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  10. So. Nun habt Ihr mich soweit: Ich hab mir das Buch gerade bestellt :-)
    Damit ich ordentlich mitdiskutieren kann…

    @kulturblogger
    Zu Förster/ Kreuz: Ja, sie kommunizieren fast ausschließlich positiv, aber sie bringen ja auch fast ausschließlich Beispiele aus den USA ;-)
    (oder von sonstwo aus dem Ausland)

    Den Artikel im gestrigen Beratungsletter, in dem sie u.a. das amerikanische Magazin „Good“ vorstellen, schließen sie übrigens mit „Warum kommen hierzulande „Stern“, „Spiegel“ & Co. eigentlich nicht auf solche Ideen?“…

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  11. @ Kulturblogger: ich weiß ja jetzt nicht, wie andere das handhaben, aber ich zitiere hier auch so wie es sich gehört und habe keinen wissenschaftlichen Anspruch. Nur die Fußnoten fehlen…

    Das Thema Vision, Ziele, etc. beschränkt sich nicht nur darauf, dass man irgendwo zwei Sätze zu Papier bringt. Da geht es auch um Motivation, Unternehmenskultur und ähnliche Dinge. Der von Dir angesprochene Workshop würde sicher keinem Kulturbetrieb schaden. Ob er gleich so teuer sein muss und ob da Geld verbrannt wird, hängt davon ab, wen man sich holt und wie der Workshop dann aussieht.

    Was die Ausgangsanalyse angeht, tust Du Klein Unrecht, er redet nicht davon, dass da irgendwas irgendwie analysiert wird.

    Deine Bemerkung bzgl. KMU verstehe ich nicht, wir reden doch gar nicht von KMU? Natürlich hat ein Theater Aufgaben, aber die können sich auch ändern. Früher war ein Theater mal moralische Besserungsanstalt. Diese Aufgabe haben Theater heute eindeutig nicht mehr. Eine Diskussion über die Aufgaben eines Theaters würde ich z.B. sehr gerne mal führen.

    Wenn man etwas vergleicht, dann sind es in der Regel Dinge, die nicht ident sind, denn sonst würde sich der Vergleich ja gar nicht lohnen. Ich will auch gar nicht über amerikanische Kulturpolitik diskutieren. Mir ging es lediglich um die Feststellung, dass es in Amerika Aktivitäten gibt, die ich hier vermisse. Wer macht hier was zum Thema Audience Development? In Österreich geht es ja schon damit los, dass es gar keine Stiftungen gibt, die in diesem Bereich arbeiten. Warum sollte ich das nicht kritisieren? Nur weil das amerikanische System anders ist?

    Wie gesagt: bis ich hier im Blog über eine deutschsprachige Studie schreibe, habe ich schon über zwanzig oder mehr aus dem angelsächsischen Raum berichtet. Das ist ein Negativum.

    In Amerika haben Museen, Theater, Orchester, etc. Blogs und es gibt sowas wie (online)-Communities, in denen auch Professoren und Vertreter aus den (großen) Kultureinrichtungen zu finden sind. Und hier? Fehlanzeige!

    Du hast sicher Recht, dass der Kulturbereich besseres zu tun hätte als sich ans Bein pinkeln zu lassen, von wem auch immer. Nur warum tut sich dort nichts? Wer aus den Kulturbetrieben beschäftigt sich denn überhaupt mit solchen Themen? Siehst Du jemanden in Diskussionen verstrickt? Ich nicht.

    Aber ok, wenn Du das Buch als besserwisserisch und herablassend empfindest, dann wird das so sein. Mir geht es dabei nicht so.

    @ Burkhard: der Begriff „grobmotorische Hinweise“ ist genial. :-) Ansonsten: genau um solche Beispiele geht es. Da gibt es vielleicht sogar Visionen…

    @ Karin: Sollen wir die Diskusssion so lange aussetzen, bis Du es gelesen hast?

    @ Christian: Du weißt ja, bad news are good news, insofern hast Du sicher dazu beigetragen, dass wieder ein paar Exemplare den Besitzer wechseln. :-)

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  12. Pingback: Reihe Best Practice I: Kleinstkindertheater - Kulturblogger

  13. Du zitierst meistens andere Blogs oder aktuelle Meldungen, Klein wissenschaftliche Literatur (und Zeitungsartikel im ersten Kapitel). Oder wollen wir jetzt erstmal ausdiskutieren, was Wissenschaft ist? ;-)

    Das Beispiel KMU habe ich gebracht, weil ich meine, dass hier eine Vision/Mission in dem Sinne wie Klein sie einfordert, total sinnvoll und berechtigt ist. Ein Familienunternehmen möchte und muss sich langfristig aufstellen und kann nicht nur für fünf Jahre planen. Es hat außerdem die Freiheit statt Staubsaugern zukünftig Rigips-Platten herzustellen und zu vertreiben, wenn es meint, dass das gut kommt. Für ein Theater ist es eben nicht so einfach und sinnvoll mit der Vision/Mission, wie sie die BWL (für KMU zu Recht) lehrt. Das war mein Kritikpunkt und deswegen kamen die KMU ins Spiel. Für den Kulturbereich braucht es Konzepte, die den organisatorischen, betrieblichen Besonderheiten von Kultureinrichtungen Rechnung tragen. Klein tut das in meinen Augen zu wenig. Unternehmenskultur, Workshops und Vision/Mission sind schön und gut, aber am Theater kommen zum Beispiel etliche freie, externe Künstler wochenweise ans Haus, die entscheidende Verantwortung für den Betrieb übernehmen (Regisseure, Gäste für große, aus dem Ensemble nicht besetzbare Rollen und Partien). Die können sich in dieser Zeit nicht die Unternehmenskultur aneignen, üben aber ganz entscheidenden Einfluss auf das Arbeitsklima am Haus aus. Selbst wenn sie es könnten, dann wollten sie es nicht, denn Künstler sind eigensinnige, auf sich fixierte Menschen, was im Prinzip auch richtig ist, denn Kunst bekommen Kompromisse meistens nicht so gut. Das sind ganz banale Dinge, die Klein als ehemaliger Dramaturg wissen und berücksichtigen müsste, aber mit keiner Silbe erwähnt. Das finde ich oberflächlich. Da muss man von einem Kulturmanagementprofessor einfach mehr erwarten dürfen. Das meint nicht, dass man diese Themen deswegen allesamt ganz und gar außen vorlassen soll. Man muss aber ihre Anwendbarkeit und ihren Sinn und Zweck im Kulturbereich grundlegend diskutieren und die Mühe macht sich Klein in meinen Augen zu wenig.

    Den Gedanken mit den Aufgaben des Theaters greife ich gerne bei Gelegenheit mal auf.

    In dem Punkt, dass Web 2.0-mäßig im Kulturbereich noch viel geht, sind wir uns völlig einig. Das wiederum ist ein Bereich, den Klein völlig ausspart. Er erläutert stattdessen lieber den Marketingprozess, wie er auch in 100 anderen Lehrbüchern dargestellt wird. Spricht in meinen Augen auch nicht für sein Buch.

    Was er vom Kulturbetrieb fordert, kann er selbst deswegen in meinen Augen nicht einlösen. Das ist das Ärgerliche an diesem Buch.

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  14. Ohne auf dem Thema herumreiten zu wollen: wenn jemand zitiert, wird deshalb daraus noch kein Stück wissenschaftlicher Literatur. Bei mir tauchen zum Teil auch in Projektanträgen Fußnoten auf, in denen auf ein Buch, eine Website, etc. verwiesen wird.

    Visionen haben für mich nichts mit BWL zu tun, sondern gehen weit darüber hinaus. Obama hat eine Vision, die Du aber nicht an irgendwelchen Kennzahlen festmachen kannst. Irgendjemand hat mal gesagt, die Vision ist nicht auf der strategischen, sondern auf der normativen Ebene angesiedelt. Deshalb ist es eigentlich auch egal, ob ein Intendant geht und ein neuer kommt. Klar kann ein Einzelner wie bei Obama gesehen das Streben nach der Vision entscheidend beeinflussen, aber im Endeffekt hat Amerika auch ohne ihn eine Vision gehabt.

    Bezogen auf das Thema Web2.0 hast Du recht, das kommt im Buch nicht vor. Aber seien wir ehrlich. Würde es vorkommen, würden wir uns wahrscheinlich darüber aufregen, dass da jemand darüber schreibt und keine Ahnung hat. Eine schwierige Sache. ;-)

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  15. @ Kulturblogger

    „Vision und Mission eines Stadttheaters. Was gibt es da großartig zu definieren? Die Aufgabe ist ein breites, vielfältiges, anspruchsvolles Theaterangebot für die Region anzubieten – heute und in fünf Jahren“

    Diese Aussage hat mich überrascht. Ich kann nur jeder Kultureinrichtung einen Leitbildprozess empfehlen, deren Ergebnisse dann auch (schon aufgrund gelegentlicher Mitarbeiter- und vor allem Intendantenwechsel) aller 4-5 Jahre überprüfen muss. Man beschäftigt sich nicht nur mit Zielen, Visionen, und damit, wie man sie erreichen will, weil es viel Konkurrenz in der Region gibt. Man braucht dies, um zu wissen, wer und was man ist. Wo liegt das Charakteristische an meinem Haus, warum machen wir diese Programmatik oder diesen Mix an Aufführungen, wer sind unsere Besucher, warum kommen sie, welche kommen warum nicht usw. usf. Die meisten Häuser scheuen diesen transparenten Prozess. Möglicherweise, und ich gehe hier bestimmt nicht zu weit, ist das der Grund, warum sie langfristig in Existenznot kommen. Ein Theater oder Museum schließt nicht einfach, weil irgendwann kein Geld mehr da ist, sondern weil zu wenige Leute wussten, warum es dieses Haus eigentlich noch in ihrer Stadt gibt. Und eben darum hat möglicherweise Armin Klein dieses Buch geschrieben, wofür ich ihm bedankbar bin. Wäre es noch wissenschaftlicher geschrieben, hätten es noch weniger Leute gelesen. Schlimm genug, dass es über den engeren Kreis von Kulturmanagern kaum Resonanz gefunden hat…

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  16. @CHF Es ist ja nicht die Tatsache, dass zitiert wird, an der ich Wissenschaftlichkeit festmache. Wie schon gesagt: Es ist ebenso die Auswahl der Quellen, das methodische Vorgehen, der Stil, der Verlag etc. Warum z.B. sollte ein nichtwissenschaftliches Buch in einem ausdrücklich wissenschaftlichen Verlag erscheinen? Ginge es Klein um die Provokation, könnten ihm andere Verlage sicher mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Das ist ihm aber offenbar weniger wichtig, als in der wissenschaftlichen Community wahrgenommen zu werden. Er hält seine Provokation für eine »schonungslose Analyse«. Das ist das Problem.

    Klein spricht von Vision und Mission als Management-Tool und als solches stammt es aus der BWL bzw. der Managementlehre. Insofern haben Vision und Mission in diesem Fall mit BWL zu tun, die sich ja auch nicht nur auf Kennzahlen beschränkt. Auf der normativen Ebene ist die Vision übrigens eine Aufgabe der Kulturpolitik, nicht der Intendanten oder Direktoren. Damit wäre dann sogar das Thema verfehlt. Aber soweit würde ich nicht gehen, denn auch auf der Ebene gibt es eine klare Professionalisierung, z.B. in der Musikförderung des Landes Niedersachsen. Da weiß man, was man will.

    Thema »Web 2.0 fehlt«: Ich rege mich auch über das Buch auf, ohne dass Klein sich Web 2.0 vorgenommen hat. Für mich hätte es insofern keinen Unterschied gemacht. ;-)

    @Dirk Heinze Ich kann mich da nur wiederholen: Wo sind denn die Stadttheater, die nicht wissen, wer und was sie sind? Ich kenne keins. „… die meisten Häuser…“ ist eine pauschale, nicht belegte These, die ich nicht nachvollziehen kann. Ich sage nicht, dass ein Leitbild komplett unnütz ist. Aber es hat keine Priorität und die Macht, weil Kulturbetriebe von vornherein anders positioniert sind als »normale« Wirtschaftsunternehmen. Und diese Tatsache muss in der KM-Literatur reflektiert werden!

    Ich kritisiere im übrigen nicht einen unwissenschaftlichen Schreibstil, denn Kleins ‚Schreibe‘ ist einem wissenschaftlichen Buch durchaus angemessen. Ich kritisiere die mangelnde methodische Sorgfalt beim wissenschaftlichen Erarbeiten des Themas, die fundierte Auseinandersetzung mit den vorgeschlagenen Modellen, die Gründlichkeit und Ausgewogenheit der Analyse, die Qualität mancher Quelle, die Kontextualisierung von wissenschaftlichen Modellen aus der BWL im Kulturbereich etc. Das alles könnte man so interessant und gut lesbar beschreiben, wie Klein es jetzt auch tut. Wahrscheinlich wäre es sogar wesentlich spannender.

    Vielleicht hat die mangelnde Resonanz ja auch mit der Qualität des Buches zu tun?! Mir scheint das sehr viel wahrscheinlicher.

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  17. @Kulturblogger: warum das Buch gerade in dem und in keinem anderen Verlag erschienen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Nun ist es ja nicht so, dass sich die Verlage um das Thema Kulturmanagement reissen, insofern bewegen wir uns jetzt im Bereich der Spekulation.

    Ist es wirklich die Aufgabe der Kulturpolitik, die Vision von Kulturbetrieben vorzugeben? Ich würde sagen, dass es auf der kulturpolitischen Ebene Visionen gibt bzw. geben sollte, ebenso aber auf der Ebene der Kulturbetriebe. Wenn die Kulturpolitik mir als Kulturbetrieb die Vision vorgibt, wäre das in meinen Augen problematisch.

    Was die normative Ebene angeht, ist ein früheres Blogpost vielleicht ganz interessant. Das dort verlinkte Diskussionspapier zeigt mir, dass es da schon um etwas geht, was aus der Organisation heraus entwickelt wird.

    Und noch eine Verständnisfrage: Managementtool bedeutet, dass es aus der BWL kommt?

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  18. Ok. Ich glaube unsere unterschiedlichen Meinungen sind hinreichend klar geworden, deswegen nur eine kurze Erklärung zu deiner Verständnisfrage: Managementtool bedeutet, dass es Gegenstand der BWL oder Managementlehre ist. Klein bespricht Vision und Mission in diesem Zusammenhang.

    Der Link zum Blogpost stimmt aber nicht, oder?

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  19. Pingback: Warum das Theater? - Kulturblogger

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