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2017: Herausforderungen für den Kunst- und Kulturbereich

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Foto von Brigitte Tohm auf Unsplash

Eine für mich große Herausforderung besteht darin, nach dem Jahreswechsel möglichst bald den ersten Blogbeitrag zu schreiben und mir dafür zu überlegen, wohin die Reise mich im neuen Jahr führen wird. Bevor ich das tue, möchte ich Ihnen aber erst einmal ein frohes und gutes neues Jahr wünschen. Viele von uns gehen mit einer Menge guter Vorsätze in so ein Jahr, ich könnte zum Beispiel hier kundtun, dass ich 2017 wieder mehr Blogbeiträge schreiben werde. Aber das hat die letzten Male nicht wirklich funktioniert, also lasse ich es lieber bleiben. Aber ein erster Beitrag am zweiten Tag des Jahres ist schon mal ganz gut. ;-)

Beginnen möchte ich mit einer Idee, die ich von Chris Brogan übernommen habe. Er überlegt sich zu Jahresbeginn immer drei Wörter, die ihn auf dem Weg zu einem erfolgreichen Jahr unterstützen. Meine drei Worte für dieses Jahr sind:

  • sozialer Raum: Ich habe bis jetzt immer von digitalen Erlebnisraum gesprochen, glaube aber, dass dieser Begriff mittlerweile überholt ist. Korrekterweise müssten wir von einem analogen Raum sprechen, der digital erweitert wird. Aber worum geht es in diesen Räumen? Es geht um Interaktion, um Kommunikation mit anderen Menschen und daher ist es in meinen Augen zielführender, von einem sozialen Raum zu sprechen. Dank eines Vortrag von Nils Müller und seinen beiden Blogbeiträgen über „analoge und digitale Räume“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3 hat er uns bis jetzt vorenthalten) bin ich auf den von Dieter Läpple verfassten „Essay über den Raum“ gestoßen. Hier sehe ich interessante Ansatzpunkte, um Raummodelle für Städte und Regionen, aber auch Unternehmen und Kultureinrichtungenzu entwickeln. Entsprechende Konzepte zu entwickeln, ist eine der Herausforderungen im gerade beginnenden Jahr.
  • digitale Transformation: Es klingt so einfach beziehungsweise vielleicht sogar schon etwas abgedroschen, Unternehmen beziehungsweise in meinem Fall, Kultureinrichtungen dazu aufzufordern, sich mit dem Thema digitale Transformation zu beschäftigen. Es gibt eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen, an die man sich halten muss und schon passt alles. Behaupten zumindest die, die diese Empfehlungen aussprechen. Nein, so einfach ist das ist. Warum so viele – auch gut gemeinte – Pläne scheitern, habe ich in einem Vortrag, den ich Anfang Oktober in Frankfurt halten durfte, zu erklären versucht. Aber die Frage, wie der Weg zum digitalen Kulturbetrieb aussieht, muss natürlich beantwortet werden. Und da sind noch einige Fragen offen, wie auch das letzte stARTcamp im Wiener Volkstheater gezeigt hat.

  • Online Marketing: Die Zeiten, in denen wir geglaubt haben, Social Media sei das (kostenlose) Allheilmittel, sind vorbei. Natürlich bleibt Social Media Marketing weiter ein wichtiger Baustein der Marketingaktivitäten im Onlinebereich. Aber da gibt es noch jede Menge anderer Bausteine, die eine Rolle spielen. Suchmaschinenoptimierung, Content Marketing, Storytelling oder Gamification sind nur einige der Schlagworte, die auch 2017 fallen werden, wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie Online Marketing im Kunst- und Kulturbereich funktioniert.

Diese drei Schlagworte sind natürlich nicht zufällig entstanden, sondern bauen einerseits auf den Themen auf, mit denen ich mich in den letzten Monaten und Jahren beschäftigt habe. Andererseits tragen sie meiner Einschätzung Rechnung, was wir zu erwarten haben, wenn wir uns mit den digitalen Technologien und den daraus entstehenden Möglichkeiten für Kunst und Kultur beschäftigen. Die Firma Adobe hat in ihrem bereits im Juli 2015 erschienenen Report „Vier Vorteile eines Konzeptes für digitale Reife“ wunderbar beschrieben, vor welchen Herausforderungen wir heute stehen beziehungsweise, was zu tun ist, um diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können:

  • „Reife Unternehmen investieren in Personal, Prozesse und Tools“: Viele Kultureinrichtungen investieren vor allem in irgendwelche Tools, vergessen dabei aber ihre MitarbeiterInnen und die Prozesse, um diese Tools gewinnbringend nutzen zu können.
  • „Reife Unternehmen passen sich an den Kunden an. Sie denken und handeln mobil“: Oft sind Kultureinrichtungen schon stolz, wenn man ihre Website auch mobil aufrufen kann. Das reicht nicht, denn eines der Ziele der Onlineaktivitäten muss es sein, möglichst viel über die (Website)-Besucher zu erfahren, ein Marketing aufzubauen, das möglichst automatisiert und personalisiert funktioniert.
  • „Unternehmen mit Reifeplan bauen ihren Vorsprung durch Lernbereitschaft aus“: Es ist zwar wichtig zu wissen, wie Facebook und Twitter, vielleicht sogar Snapchat funktionieren. Aber wenn ich die strategische Ebene komplett weglasse und meine Onlineaktivitäten lediglich als kostenlose Ergänzung der „normalen“Marketingaktivitäten betrachte, dann ist der Anschluss schon so gut wie verloren.
  • „Sie denken voraus“: Wenn Kultureinrichtungen heute stolz verkünden, dass sie jetzt eine Stelle für Social Media geschaffen haben, dann ist das zwar gut und zu begrüßen. Wer vorausdenkt, müsste aber schon weiter sein und sich die Frage stellen, auf welchen Mechanismen die Erfolge in der Interaktion mit den Usern in den sozialen Netzwerken und Messengersystemen beruhen. Der Adobe-Report stellt fest, dass reife Unternehmen eher bereit sind, für die Entwicklungen im digitalen Bereich Geld in die Hand zu nehmen und nennt in diesem Zusammenhang zwei Punkte, die auch mir sehr wichtig sind: Einerseits die Analyse, um überhaupt zu wissen, wo man steht und um sehen zu können, ob die gesetzten Maßnahmen Erfolge bringen.  Andererseits gilt es, sich mit dem Thema Content Management zu beschäftigen, um für alle Kanäle die passenden Inhalte zu haben. Für mich steckt dahinter die Beschäftigung mit Contentstrategien, also dem professionellen und strukturierten Umgang mit digitalen Inhalten, wie es auf Wikipedia heißt.

Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, nicht den Überblick zu verlieren. Ich hoffe, meine drei Schlagworte unterstützen mich dabei, nicht die Orientierung zu verlieren. Ich würde mir natürlich auch wünschen, dass ich Ihnen damit ein klein wenig weiter helfen kann und freue mich, wenn Sie mich auf diesen Wegen begleiten.

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Trends oder der Blick in die Glaskugel: Kunst, Kultur und Web2.0 im Jahr 2010

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© A. Dreher; Pixelio Schon in meinem letzten Blogbeitrag vor Weihnachten hatte ich ja einen kleinen Ausblick auf das nun angelaufene Jahr gewagt und vor allem finanzielle Probleme vorausgesagt. Finanzielle Probleme, die laut SPON vor allem den Theatern drohen.
„Jemand muss das System komplett neu denken und neu aufbauen“,
schreibt Anke Dürr darin und verweist auf die Forderung eines Modells nach belgischem oder niederländischem Vorbild von Matthias Hartz. Ob mehrjährige Förderungen für KünstlerInnen allerdings die Lösung sind, wage ich zu bezweifeln, denn einerseits ist dadurch nicht mehr Geld vorhanden und zweitens muss ja zumindest ein gewisses Maß an Infrastruktur vorhanden sein. Aber auch die kostet. In meinem Beitrag „Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?“ habe ich einen anderen Vorschlag gemacht. Zumindest für die, die mit den Förderungen nicht mehr auskommen. Aber was bringt das Web 2.0 für den Kunst- und Kulturbereich? Frank Tentler hat in seinem Blog Echtzeitgeist ein ganz spannendes Experiment gestartet. Mit dem Beitrag „20 experten 10 social web trends…und deine Meinung!“ bringt er nicht nur seine Prognosen ein, sondern auch die anderer ExpertInnen. Crowdsourcing auf Expertenebene und das schöne dabei ist: jede/r kann sich (noch) daran beteiligen, für ein paar Expertenstimmen ist noch Platz. Eines der zehn Themengebiete dreht sich um Kultur 2.0, aber eigentlich lässt sich die Unterscheidung so gar nicht durchführen, denn selbstverständlich betreffen Themen wie Social Marketing oder Mobile Web auch den Kunst- und Kulturbereich. Aber welches Thema wird uns an der Schnittstelle Kunst, Kultur und Web 2.0 im gerade begonnenen Jahr besonders beschäftigen? Klarer Favorit auf Platz eins ist für mich die Frage, ob und wenn ja, in welcher Weise sich der Einsatz von Social Media lohnt? Connie Bensen bezeichnet das Jahr 2010 als „The Year of Social Media ROI“ und schreibt:
„Social Media will shift from being experimental to mainstream. Larger organizations can’t justify embracing it without having it meeting their business objectives.“
Das gilt natürlich auch für Kulturinstitutionen. Egal ob der Intendant oder der Praktikant mit den Social Media-Aktivitäten begonnen haben. Twitter, Facebook und Weblogs sind in fast jeder Kultureinrichtung mittlerweile ein Begriff. Die sich weiter verschärfende finanzielle Situation wird die experimentelle Phase, in der sich viele Kulturbetriebe noch befinden, beenden. Gerade sie können es sich nicht mehr leisten, vor sich hin zu twittern und zu schauen, was dabei rauskommt. Während Hagen Kohn (VioWorld) in Frank Tentlers Beitrag der Ansicht ist, das Web 2.0 werde Auswirkungen auf deren Öffentlichkeitsarbeit haben, gehe ich einen Schritt weiter. Social Media wird nur dann etwas bringen, wenn es das ganze Unternehmen durchdringt, das wird auch dazu führen, dass der Community Manager an Bedeutung gewinnen wird. In einem anderen Blogpost hat Connie Bensen folgende Gleichung aufgestellt: Community Manager + Sales Funnel = ROI Das heißt, die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Marketing werden sich grundlegend verändern, Social Media wird nicht dazu dienen, nett mit den Zielgruppen Konversation zu betreiben, sondern entweder dazu beitragen, neue Einnahmen zu erzielen oder die Ausgaben zu senken (siehe dazu die Präsentation „Basics Of Social Media Roi“ von Oliver Blanchard). Das geschieht nicht unbedingt aus dem Wissen heraus, was Social Media alles sein kann, sondern aus der schieren Not. Aber letzten  Endes bringen gerade Krisenzeiten Innovationen hervor. Insofern erweist sich die Wirtschafts- und Finanzkrise unter Umständen als Glücksfall für den Kunst- und Kulturbereich, auch wenn das jetzt zynisch klingen mag. Zu spät sind damit sicher all diejenigen, die wissen wollen, wie man ein Facebook-Profil oder einen Twitter-Account einrichtet. Das was danach kommt, ist entscheidend. Was machen Sie mit den verschiedenen Kanälen? Abwarten geht nicht, denn wer die diversen Netzwerke nutzen möchte, braucht Ressourcen. Und die kosten Geld, das nicht mehr da ist. Ist es denn überhaupt möglich, mit Hilfe von Social Media Geld in die Kasse zu bringen? Frank Tentler ist sich da ganz sicher, denn Kulturbetriebe haben etwas, was andere häufig nicht haben. Er spricht in seinem Blogpost vom
„fehlenden Verständnis für die Möglichkeiten der Vermarktung dieses Contents. Kaum ein Kulturbetrieb hat sich darüber bisher Gedanken gemacht, oder gar Businessmodelle dazu entworfen. Ebenso fehlt Wirtschaftsunternehmen die Weitsicht, diesen Content für ihre eigene Werbung zu nutzen. Und natürlich werden sie dazu auch keine Empfehlung ihrer Agenturen bekommen, da diese befürchten, Umsätze zu verlieren.“
Die Ausgaben zu reduzieren oder neue Einnahmen zu generieren, daran misst sich der Erfolg von Social Media. Und hier gilt es anzusetzen, wenn Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen erfolgreich sein sollen. Wie lässt sich der Content so aufbereiten, dass er für andere, z.B. Sponsoren, interessant wird? Interessant scheint dieser Weg unter anderem deshalb zu sein, weil die UserInnen immer häufiger mobile Devices verwenden, um auf das Internet zuzugreifen und dort eine wesentlich höhere Zahlungsbereitschaft besteht. Um hierbei Erfolg zu haben, sind gute Konzepte und sehr gute Qualität gefragt. Die Berliner Philharmoniker schaffen es, über ihre digital Concert Hall Einnahmen zu lukrieren, nicht so guten bzw. bekannten Orchester bleibt dieser Weg verschlossen. Was aber nicht heißt, dass es für sie keinen Weg gibt. Nur muss in diesem Fall erst eine Community aufgebaut werden, denn für etwas, was ich nicht kenne und einschätzen kann, werde ich wohl kaum Geld ausgeben. Ist das Vertrauen aber da, dann steht eigentlich jeder Kultureinrichtung der Weg offen, mit Hilfe von Social Media zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Allerdings muss davor erst investiert werden, denn eine Community entsteht nicht in 14 Tagen. Und wie sieht es mit dem Einsparungspotenzial aus? Wer auf Social Media setzt, weil das billiger ist als ein Werbespot oder ein Inserat, wird schnell enttäuscht sein. Social Media ist nicht billiger, vor allem am Anfang nicht. Die verschiedenen Tools können aber dazu führen, dass einzelne Arbeitsprozesse gestrafft und damit billiger werden. Wikis, RSS, Social Bookmarking und Online-Tools zum gemeinsamen Erstellen von Texten und Tabellen lassen sich vermutlich in den meisten Kultureinrichtungen einsetzen und führen, konsequent und richtig eingesetzt, zu Einsparungen. Wer schon mal eine Stunde nach etwas gesucht hat, was sich irgendwo in den Lesezeichen oder in einer Email versteckt, weiß, was ich meine. Diese Form der Kollaboration erfordert unter Umständen auch eine neue Unternehmenskultur, auch und gerade in Kultureinrichtungen. Aber auch das muss kein Schaden sein. Das heißt, wir werden im nächsten Jahr gewaltige Veränderungen erleben. Mit Hilfe einer klugen Strategie und dem Wissen um die Möglichkeiten des Social Web haben Kulturbetriebe aber die Chance, die Krise nicht nur gut zu überstehen, sondern sich neu aufzustellen. Intern und extern.