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YouTube oder die Kehrseite der Medaille

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Wie nett es ist, sich auf YouTube Videos anzusehen beziehungsweise anzuhören, brauche ich ja niemandem erzählen. Manchmal passen sie dann sogar zu einem Blogpost und lassen sich in den Beitrag einbinden.

Jason Gross macht nun aber auf PopMatters darauf aufmerksam, dass Videoplattformen auch ihre negativen Seiten haben. „Who are the great YouTube directors?“ fragt er sich und bezieht diese Frage auf ein YouTube Video, das eine Aufnahme von Beethovens Symphonie Nr. 5 zeigt. Die Informationen, die man dort erhält sind äußerst dürftig. Wir erfahren lediglich, dass Herbert von Karajan der Dirigent ist und die seltene Aufnahme aus dem Jahr 1966 stammt. Würde ich das Video hier einbinden, hätten Sie noch nicht einmal diese Information.

Gross hat Recht, wenn er es kritisiert, dass uns auf diese Weise nicht nur viele Informationen vorenthalten bleiben, sondern auch die vielen KünstlerInnen, die diese Videos produziert haben, diese Missachtung nicht verdient hätten. Hinzu kommt meiner Meinung nach noch, dass uns auf diese Weise sehr viel an Wissen verloren geht. Wissen, das uns hilft, mit künstlerischen Erlebnissen umzugehen und sie auch einordnen zu können.

Jason Gross hat versucht, die Frage zu beantworten, wer der Regisseur dieses (YouTube)-Videos ist. Fündig geworden ist er bei der Konkurrenz. Auf Google hat er nämlich das Video in voller Länge gefunden, das die gesamte 5. Symphonie zeigt. Und wenn Sie auf den Beginn des Videos achten, erfahren Sie dort nicht nur, dass hier die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan spielen, sondern auch, dass der Film unter der Regie von Henri-Georges Clouzot entstanden ist. Henri-Georges Clouzot? Gross verweist auf den Film, der ihn berühmt gemacht hat: Lohn der Angst. Einer der spannendsten Filme, an die ich mich noch nach langer Zeit erinnern kann.

Wenn uns diese Bezüge und (Quer)-Verbindungen mehr und mehr verloren gehen, werden die Kunstwerke immer häufiger alleine für sich dastehen, wodurch die Gefahr immer größer wird, dass wir sie irgendwann einmal ganz vergessen. Das gilt nicht nur für Clouzots „Lohn der Angst“, sondern natürlich auch für Beethovens 5. Symphonie. Wobei hier die Gefahr nicht so groß ist, zugegeben. Aber was wissen wir eigentlich von der 5. Symphonie, abgesehen von der Tatsache, dass es sich um einen Ohrwurm handelt, dessen Anfänge wir mitsummen oder mitpfeifen können? Ein Glück, dass es zumindest Wikipedia gibt. Im Fall der Symphonie Nr. 5 ist der Eintrag sehr informativ.