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stARTcamp Wien: Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART)

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Von einem #neustART zu sprechen, bedeutet, Gefahr zu laufen, in der Marketingecke mit den dummen Werbesprüchen zu enden. Ich möchte dem gerne entgegenwirken und erklären, warum dieser Hashtag ganz gut passt. Aber vorweg mal die wichtigsten Fakten: Am 21. November 2016 findet von 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00) das vierte stARTcamp Wien statt, zu Gast sind wir dieses Jahr im Volkstheater. Die Tickets gibt es hier, sie kosten wie im letzten Jahr 30 Euro. So und was ist nun neu?

  1. Wenn am Ende November 2016 das #scvie über die Bühne geht, ist damit nicht nur die sprichwörtliche Bühne gemeint. Ich freue mich, dass uns dieses Jahr zum ersten Mal ein Theater eingeladen hat. Und dass wir unter anderem einen der schönsten Bühnenräume, die ich kenne, benutzen dürfen, die Rote Bar.
  2. Neu wird auch das Format sein. Im letzten Jahr meinten viele, dass es schade sei, wenn man für ein Thema nur 45 Minuten habe und dann schon wieder auseinandergehe. Zu diesem Punkt gab es auch eine eigene Session, in der wir überlegten, welche Möglichkeiten für uns in Frage kommen, um sich länger mit einem Thema zu beschäftigen. So ist die Idee entstanden, es dieses Jahr mit einem World-Café zu versuchen. Das bedeutet, wir beschäftigen uns drei Fragerunden lang alle zusammen mit einem Thema (dazu später mehr), fassen die Ergebnisse – nach dem Mittagessen – zusammen und hängen dann noch zwei Runden klassisches Barcamp hinten dran, um gleich konkrete Vorhaben anstoßen und besprechen zu können oder auch einfach nur weiter zu diskutieren.
  3. „Wir“, das sind in diesem Jahr Anne Aschenbrenner (vielen von ihren Aktivitäten bei den Kulturfritzen bekannt), Barbara Royc, Michael Wuerges und ich.
  4. Zum ersten Mal wagen wir es, drei stARTcamps gleichzeitig stattfinden zu lassen. Bis jetzt hatten wir immer das Problem, die unterschiedlichen Termine zu koordinieren. Nun legen wir die stARTcamps in Bern, Essen und Wien auf ein und den gleichen Tag. Sie haben also die Qual der Wahl, die Vorzüge von Wien muss ich jetzt hier nicht hervorheben, oder? ;-)
    Für uns und unsere Aktivitäten rund um die stARTconference ist das auch Neustart. Nachdem es in der letzten Zeit sehr ruhig um den Verein gewesen ist, werden wir über diese Schiene in der nächsten Zeit wieder aktiver werden. Der erste Schritt werden die stARTcamps sein. Außerdem planen wir, das ist dann Schritt 2, die Ergebnisse der drei stARTcamps zu dokumentieren und sie als eBook zu veröffentlichen.
  5. Der Grund, wieder aktiv zu werden, hat mit den Entwicklungen im digitalen Bereich zu tun. Wir, und da spreche ich jetzt für das Team rund um die stARTconference, sind der Meinung, dass wir gerade wieder so etwas wie einen Quantensprung erleben. Vergleichbar mit der Zeit, als das Thema Social Media aufkam und wir die stARTconference organisierten. Was damals mit dem Begriff „Web 2.0“ begann und die sozialen Netzwerke entstehen ließ, hat sich zu einem der wichtigsten Treiber für die Veränderungen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft entwickelt. Während wir damals über Facebook und Twitter und deren Auswirkungen auf das Marketing diskutierten, geht es heute im Bereich der Unternehmungen um neue Strukturen, Prozesse und Strategien.
  6. Womit wir bei den Themen wären: „Zwischen Inhalten und Technologien“ lautet unser Motto. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie wir die neuen Technologien nutzen können, um unsere Inhalte zu kommunizieren. Dafür braucht es die schon erwähnten Strukturen, Prozesse und Strategien und genau um die wird es in unserem World-Café gehen. Dahinter stecken Themen wie „digital Governance“ oder „Customer Journey“. Unsere Aufgabe wird es sein, mit Hilfe dreier Fragen diesen Rahmen abzustecken und eine für uns alle interessante und ergiebige Diskussion in Gang zu bringen. Unser Ziel ist es, auf diese Weise Antworten auf Fragen zu bekommen, die Kultureinrichtungen dabei unterstützen, die Entwicklungen, die wir gerade erleben auch nutzen zu können.
    Die drei stARTcamps werden übrigens unterschiedliche Themen haben. Während es in Bern um die Inhalte und dabei besonders um das Thema Storytelling gehen wird, beschäftigt sich das stARTcamp in Essen mit den Technologien, im Mittelpunkt steht dabei das mobile Ökosystem. Wir in Wien versuchen die Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bereichen. Die Ergebnisse der drei stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann freuen wir uns, wenn Sie am 21. November dabei sind. Hier noch einmal kurz die Fakten zum stARTcamp Wien

Termin: Montag, 21. November 2016
Uhrzeit: 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00)
Ort: Volkstheater Wien (direkt an U3/U2)
Ticketpreis: 30 Euro (hier geht es zum Ticketshop)
Twitter: @scvie
Hashtags: #scvie, #neustART

Fotocredits: © Volkstheater

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Wie wir die digitalen Medien nutzen können

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Kultureinrichtungen produzieren jede Menge Content. Ob Konzert, Inszenierung oder Ausstellung, immer geht es darum, diese Inhalte auch zu kommunizieren. Die Frage ist nur, wie man das am geschicktesten macht? Martin Oetting hat auf seinem Blog ConnectedMarketing.de sehr schön herausgearbeitet, welche Ansätze uns im Bereich der digitalen Medien eigentlich zur Verfügung stehen.

Die von Martin Oetting stammende Grafik (zur Vergrößerung bitte hier klicken) zeigt, dass es im Bereich der digitalen Medien insgesamt vier unterschiedliche Ansätze gibt, um die eigenen Angebote zu kommunizieren.

Paid Media ist, wie es Oetting formuliert, der uns allen bekannte

„klassische Ansatz – ich gebe Geld dafür aus, dass meine Botschaften auf den Kanälen anderer Medienbetreiber gezeigt werden.“

Zwar funktioniert Werbung, das klassische Beispiel für diesen Ansatz, nicht mehr so wie früher, allerdings folgt sie noch dem alten Prinzip, das Leistung und  Gegenleistung konkret benennt und daher auf dieser Ebene wenig Risiko beinhaltet.

Owned Media bedeutet, dass ich meine Nachricht nicht auf anderen Kanälen platziere, sondern über einen eigenen verfüge, der mir dazu dient, meine Botschaften zu kommunizieren. Oetting zählt sowohl die firmeneigene Website als auch das Corporate Blog zu dieser Kategorie, in der die Herausforderung seiner Meinung nach darin besteht, die Kommunikation den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu managen.

Verlassen meine Botschaften meine eigenen Medienkanäle und werden von anderen aufgegriffen, bewertet und weitergegeben, sind sie in dem Bereich angekommen, den Oetting Earned Media nennt. Es ist der Bereich des Social Web, der nicht mir gehört, also z.B. das eigene Blog. Für Unternehmen gehe es, so Oetting, darum, andere zu dieser Art der Kommunikation zu „inspirieren“. Ansonsten verpuffen die Aktivitäten, die Botschaft führt zu keinen Reaktionen.

Bleibt die Kategorie Curated Media, worunter Oetting Ansätze versteht,

„bei denen Unternehmen sich darum bemühen, beim Filterproblem zu helfen“,

wie er es formuliert. Weiter unten in einem Kommentar ergänzt er noch:

„Bei ‚curated‘ geht’s mehr darum, die Inhalte, die sonstwo im Netz zu finden sind, zu ordnen und zu sichten. Natürlich hat das ganz viel mit Glaubwürdigkeit zu tun – darin liegt die Herausforderung aber auch die Chance.“

Ich würde in der Beschreibung dieser Kategorie gerne noch einen Schritt weiter gehen. Im New Curator-Blog ist vor einigen Tagen der Beitrag „You Are Not a Curator“ erschienen, in dem die These vertreten wird, dass „curating“ mehr ist als Filtern. Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf Nina Simon, die in ihrem Buch „The Participatory Museum“ Kuratoren eher als „facilitator, designer and collaborator“ bezeichnet, wie es im Blogbeitrag heißt.

Filtern bedeutet für mich, dass ich mir bestimmte Kriterien überlege, nach denen dann die Inhalte des – in diesem Fall – Web durchsucht werden. Was im Unterschied zum Kurator fehlt, ist die Kreativität, die Fähigkeit, neue, überraschende Querverbindungen herzustellen. Jeff Jarvis hat das in seinem Beitrag „Death of the curator. Long live the curator.“ auf den Punkt gebracht:

„“We have many automated means to aggregate news (…). Curation is a step above that, human selection. It’s a way to add value.“ (siehe dazu meinen Beitrag „‚Structural Holes‘ oder: warum Kuratoren so wichtig sind„)

Oder mit den Worten von Dave Troy :

„A curator establishes relationships between objects and ideas. A curator puts things into a cultural context. A curator expresses their own cultural background.“

Jeff Jarvis gesteht den Kuratoren in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion zu, das heißt, wer auf diese Weise kommunizieren möchte, übt mehr aus als eine Filterfunktion. Ein Kurator ist Ideengeber, Innovator, womit klar ist, vor welcher Herausforderung derjenige steht, der auf diese Weise kommunizieren möchte.

Die digitalen Medien für die eigene Kommunikation zu nutzen heißt, den richtigen Mix zu finden. Darauf läuft Martin Oettings Beitrag für mich hinaus. Die größte Herausforderung besteht für mich in der Kategorie Curated Media. Das ist der Bereich, in dem Kulturbetriebe dem Unternehmensbereich eigentlich viel voraus haben. So sie „kuratieren“ nicht mittlerweile auch nur als „filtern“ verstehen.