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Wiener Staatsoper: per Livestream ins eigene Wohnzimmer

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© Samsung Electronics Austria

Man kann dem Kunst- und Kulturbereich ja vieles nachsagen, aber dass er sich in seiner Gesamtheit durch eine besondere Technologieaffinität auszeichnet, lässt sich wohl nicht behaupten. Das ist nicht besonders klug, denn ich denke, Seok Pil Kim, President & CEO Samsung Electronics Europe, hat recht, wenn er sagt, dass die Technologie eine der treibenden Kräfte in der Evolution von Kunst sei.

Gefallen sind diese Worte anlässlich einer Pressekonferenz, auf der die Wiener Staatsoper und der Elektronikkonzern Samsung gemeinsam die Plattform „Wiener Staatsoper livestreaming“ vorgestellt haben. Wenn sich am kommenden Sonntag im Haus am Ring der Vorhang für den Rosenkavalier hebt, dann werden erstmals auch die UserInnen vor ihren Bildschirmen die Chance haben, live dabei zu sein.

Für diese Spielzeit sind 15 Liveübertragungen geplant, für die man jeweils 14 Euro zahlen muss, Aufzeichnungen kosten jeweils 5 Euro. Ein Streamingabo ist erst für die kommende Spielzeit geplant. Wer ein neueres Samsung TV-Gerät besitzt, muss sich die Opernübertragung nicht auf einem unter Umständen kleinen Laptopbildschirm anschauen. sondern kann sie dank einer Smart TV-App am eigenen Fernsehgerät genießen. Eine zusätzliche App für Android- und iOS-Betriebssysteme erlaubt das Mitlesen von Untertiteln in deutscher, englischer und koreanischer Sprache. Noch im Laufe dieses Jahres soll es dann auch möglich sein, über diese App die Partitur mitlesen zu können.

Das erinnert mich an die (iPad)-App „Beethoven’s 9th Symphony„, auf der das auch möglich ist und die darüber hinaus auch zeigt, welche Instrumente gerade zum Einsatz kommen. Die Kombination von Fernsehgerät und App mag im ersten Moment verwirrend erscheinen, aber beide Geräte scheinen sich perfekt zu ergänzen, denn Beib Start synchronisiert sich die Smartphone-App mit der App am Smart-TV, erkennt durch Audio-Watermarking automatisch die aktuelle Stelle des Stückes und blendet entsprechend dazu die passenden Untertitel oder Partituren ein. Das heißt, das mobile Endgerät – Smartphone oder Tablet-PC – fungiert als Second Screen und erlaubt mir, die Oper ganz anders zu verfolgen als es bei einer klassischen Übertragung der Fall ist, wie wir es etwa vom Fernsehen her kennen.

Zurück zu den Worten von Seok Pil Kim: Ich sehe hier wirklich die Möglichkeit, dank der technologischen Entwicklungen Menschen das Erlebnis Oper näher zu bringen, die die Häuser sonst nie erreicht hätten. Ob das der Wiener Staatsoper gelingt, hängt meiner Meinung noch von drei Faktoren ab. Erstens sind 14 Euro pro Liveübertragung nicht gerade wenig, zumal beispielsweise die Bayerische Staatsoper schon vor einiger Zeit ein ähnliches Angebot entwickelt hat, das kostenlos genutzt werden kann und auch die Met mit ihren Kinoübertragungen durchaus als Konkurrenz gesehen werden muss.

Zweitens klingt das alles noch etwas kompliziert und verwirrend. Zwar ist der reine Bestellvorgang vorbildlich mit einem Video erklärt. Aber die Dauer von 7 Minuten lässt erahnen, dass mehr als zwei Schritte notwendig sind, um die Oper ins eigene Wohnzimmer zu holen. Wie das mit den zusätzlichen Apps ist, hat sich mir erst so allmählich erschlossen: Die Smart TV-App läuft über das Samsung TV-Gerät, die App mit Untertiteln und Partitur über die mobilen Endgeräte, wobei ich diese App zum Beispiel heute nicht bei iTunes finden konnte. Dort gibt es – zumindest für mich – derzeit nur die „normale“ App der Wiener Staatsoper, über die ich dann noch die Programmhefte für 2,69 Euro erwerben kann. Das sind ziemlich viele Hürden, aber vielleicht gelingt es ja, sie in den nächsten Monaten Schritt für Schritt abzubauen.

Und dann ist da noch der dritte Punkt, nämlich die Frage der Finanzierung. Auf der Website der Oper heißt es: „Das laufende Budget der Wiener Staatsoper wird durch die Anfangsinvestitionen und Kosten des Projekts dank der großzügigen Unterstützung der Sponsoren und Partner nicht belastet.“ D.h. die Frage, ob sich die Sache rechnet, ist derzeit noch kein Thema. Aber das kann sich ändern.

Spannend ist, dass die Staatsoper die technologische Entwicklung auch dafür nutzen möchte, um neue Angebote für Schulen oder Universitäten zu entwickeln. Angedacht sind virtuelle Backstageführungen oder Werkeinführungen, um, wie Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst auf der Website der Staatsoper zitiert wird, es möglich zu machen, „dass Schulklassen, die nicht die Gelegenheit haben nach Wien zu fahren, etwa einen Probenbesuch erleben können“.

Wenn es gelingt, die Oper dank der Technologie nicht nur in die Wohnzimmer, sondern auch in die Schulklassen zu bringen, dann wäre das eine Bestätigung der eingangs erwähnten Worte des Samsung Europa-Chefs.

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Vimeo wird zur Pay-to-View-Plattform

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Wer als FilmemacherIn in der Vergangenheit den eigenen Film unter die Leute bringen wollte, war auf Kino oder TV angewiesen. Dass das nicht so ganz einfach ist, wissen wir alle und so gibt es viele unentdeckte Perlen, die ihr Publikum nicht gefunden haben. Das könnte sich ab jetzt ändern, denn Vimeo ist heute mit einem neuen Pay-to-View-Service an den Start gegangen. Bis zum Jahresende läuft das Angebot in einer Private-Beta-Version, im kommenden Jahr steht das Angebot dann allen Vimeo Pro-Mitgliedern zur Verfügung.

Auf https://vimeo.com/movies stehen derzeit sechs Filme zur Auswahl, von denen drei auch in Deutschland angesehen werden können. Die KünstlerInnen entscheiden selbst, zu welchem Preis die UserInnen den Film anschauen dürfen. Beim aktuellen Angebot zahlt man zwischen 4,99 und 9$, womit auch klar ist, dass Vimeo nicht in Konkurrenz zu Video-On-Demand-Anbietern wie z.B. Netflix treten möchte. „„Unser Ziel ist es, eine offene und flexible Plattform zu bieten, die es Kreativen erlaubt, direkt von ihrem Publikum Geld zu bekommen“, sagt Kerry Trainor, CEO bei Vimeo in einer heute veröffentlichten Presseaussendung. Interessant ist, dass die KünstlerInnen sehr flexibel in der Distribution ihrer Filme sind, denn sie legen nicht nur den Preis selbst fest, sondern entscheiden auch über Mietdauer und Vertriebsort.

Hat man den Mietpreis per Kreditkarte entrichtet, steht einem der Film auf allen Geräten mit Internetanschluss zur Verfügung, vom iPad bis zum Fernsehbild im HD-Format. So ein großes Format lohnt sich vermutlich auch, wenn man Teil II von Jeremy Jones Snowboard-Trilogie anschauen möchte. Für 9$ kann man sich den 80-minütigen Film 60 Tage lang anschauen. Eine schöne Einstimmung auf den Winter. ;-)