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Bezahlung im Kunst- und Kulturbereich: ein Trauerspiel

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© M. Hauck; Pixelio

Vor einiger Zeit habe ich auf die Initiative „Faires Praktikum“ der Kulturpolitischen Gesellschaft hingewiesen. Diese Aktion läuft noch und wenn Sie die Initiative unterstützen wollen, dann füllen Sie einfach das Unterstützungsformular aus (verschicken sollten Sie es natürlich auch). Auch im angelsächischen Raum hat man Anfang des Monats dieses Thema aufgegriffen.

Ging es in dem Artikel der New York Times lediglich um den Profit-Bereich, so erfasste das Thema schnell auch den Nonprofit-Bereich. Am besten fasst der Guardian die Diskussion in seinem Artikel „Noises off: Theatre of the exploited“ zusammen, in dem die Frage gestellt wird:

„Are unpaid theatre internships an illegal anachronism, a career necessity or a sign of what’s to come in cash-strapped times?“

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wahrscheinlich ist es die unheilvolle Mischung all dieser Gründe, die dazu führt, dass das unbezahlte Praktikum immer mehr Verbreitung erfährt. Natürlich ist es für viele Kulturbetriebe schwer bis unmöglich, die entsprechenden Gelder aufzutreiben, aber ich denke, es gilt, was Adam Thurman in seinem Blogpost „F*ck you, Pay Me“ schreibt:

„I don’t want to paint with too broad a brush, there are some arts organizations (both for profit and nonprofit) that legitimately don’t have the money to pay much right now but they are actively trying to change that situation ASAP.“

Es müssen zumindest Perspektiven zu erkennen sein, sonst gilt, was Scott Walter in einem Kommentar schreibt:

„If your business model only works if you exploit workers, then you need to rebuild your business model. Harsh, I know — but the arts aren’t somehow separate from basic economic justice.“

Wenn es denn nur die unbezahlten PraktikantInnen wären. Schaut man sich um, stellt man schnell fest, dass sich die Zahl derer, die generell im Kunst- und Kulturbereich nicht prekariatsgefährdet sind, in Grenzen hält. Vor diesem Hintergrund ist es gar nicht so leicht, den Wert der eigenen Arbeit einzuschätzen und die richtigen Gehalts- bzw. Honorarvorstellungen zu entwickeln. Ich habe vor längerer Zeit meinem Beitrag „Wie komme ich zu meinem Stundensatz?“ die Punkte zusammengetragen, auf die es meiner Meinung nach ankommt.

Wie aber sehen die Zahlen konkret aus bzw. was sind die „Marktpreise“? Die Tiroler KulturInitiativen (TKI) haben sich des Themas angenommen und fordern, dass Kulturarbeit professionell bezahlt werden müsse. Zwischen 14 und 50 Euro liegen die von ihnen empfohlenen Stundensätze, wie sie auf diese Zahlen kommen, erläutern sie in einer Hintergrundinfo.

Das Problem dabei:

„In der mit dem Land Tirol vereinbarten Pilotregelung zur Abrechnung von „Eigenhonoraren“ im Rahmen des Fördertopfes TKI open wird der vom Land akzeptierte Stundensatz allerdings mit maximal 30.- € pro Stunde limitiert.“

Das heißt, die öffentliche Hand ist mitverantwortlich, denn, so die Schlussfolgerung der Tiroler KulturInitiativen:

„Kulturarbeit muss – wenn schon nicht gratis – dann zumindest billig sein.“

Dieses Problem lässt sich lösen, wenn in die Fördervereinbarungen ein Passus eingebaut wird, der den Fördernehmer dazu verpflichtet, bestimmte Mindeststandards bei Lohn, Gehalt oder Honorar einzuhalten. 50 Euro als Maximum sind ja nun nicht wirklich überbezahlt, oder?

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Welchen Stundensatz muss ich kalkulieren?

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© Klaus-Uwe Gerhardt; Pixelio

Wenn Sie nicht in einem Angestelltenverhältnis stehen, sondern auf Honorarbasis arbeiten, dann werden Sie die Frage nach der Höhe des Stundensatzes kennen. Wie legen Sie den fest? Was dürfen Sie verlangen, was gibt der Markt her?

Von einer anderen Seite geht die Österreichische Wirtschaftskammer das Problem an. Sie fragt, was Sie verdienen müssen, um ihre Kosten decken und auch noch davon leben zu können. Was das für Sie persönlich heißt, können Sie auf der Seite des Gründer-Service herausfinden. Dort stellt die Wirtschaftskammer einen Online-Rechner zur Verfügung, mit dessen Hilfe Sie erfahren, welchen Stundensatz Sie kalkulieren und dann auch verlangen sollten, um über die Runden zu kommen.

In neun Schritten geben Sie Ihre geschätzten Kosten auf Monats- und Jahresbasis ein und erfahren am Ende, welchen Stundensatz Sie berechnen müssen, um Ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Mir gefällt dieses Tool sehr gut, weil es ohne großen Aufwand eingesetzt werden kann und Sie so schnell zu einem Ergebnis kommen. Natürlich ersetzt dieser Online-Rechner keinen Businessplan, aber zur Orientierung ist das mehr als ausreichend.

Besonders hilfreich ist es, dass Sie nicht einfach die gesamte Jahresarbeitszeit hernehmen und über alle Arbeitsstunden einen Stundensatz legen, sondern entscheiden können, wie groß der Anteil der produktivierten Stunden ist. Das sind die Stunden, für die Sie auch wirklich ein Honorar verlangen können, denn wahrscheinlich können Sie nicht jede Arbeitsstunde jemandem in Rechnung stellen.

Nachdem sich der Rechner an den österreichischen Steuersätzen und den Beitragssätzen der Sozialversicherung orientiert, ist das Tool vor allem für diejenigen geeignet, die in Österreich arbeiten. Anhaltspunkte liefert es Ihnen aber auch, wenn Sie nicht in Österreich tätig sind. Aber vielleicht kennt ja wer ähnliche Angebote für Deutschland oder die Schweiz?

Für Deutschland gibt es ja das sicher schon bekannte Softwarepaket für Gründer und junge Unternehmen des BMWi, das aber wesentlich komplexer ist und daher nicht so schnell ein Ergebnis liefert.