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Nordrhein-Westfalen unterstützt die interkulturelle Öffnung der „klassischen“ Kultureinrichtungen

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Aussenseiter
© S. Hofschlaeger; Pixelio

Häufig wird beklagt, dass die Migrationsströme hier in Europa zur Entstehung von Parallelgesellschaften führen, vor allem in den Städten. Das Nebeneinander-her-Leben manifestiert sich auch im kulturellen Angebot, das, ob gewollt oder nicht, immer nur einen Teil der Gesellschaft anspricht. In Nordrhein-Westfalen, wo 2005 knapp 23% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben (siehe dazu den Beitrag „Kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen„), gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, diesem Nebeneinander entgegenzuwirken.

So beabsichtigt beispielsweise die Stadt Duisburg,  im Rahmen der RUHR.2010 das Thema Migration ganz bewusst in den Vordergrund zu stellen. Gut gefällt mir, was der Duisburger Kulturdezernent Karl Janssen im Interview für das stART.09-Blog gesagt hat. Er spricht sich dafür aus, Migration als Qualität und nicht als Problem zu sehen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Sven Gabor Janszky, der von den Structural Holes als Innovationschance gesprochen hatte (siehe dazu den Beitrag „Kulturmanagement und Innovation: Gehört das zusammen?„) und Informationsdefizite und Wissenslücken als negative Begleiterscheinung homogener Gruppen bezeichnet hatte. Da ist es nur folgerichtig, dass Janssen von der Migrationsstärke spricht, die die Stadt Duisburg zeigen müsse.

Aber schon heute forciert man in Nordrhein-Westfalen die interkulturelle Kulturarbeit. Derzeit läuft eine Ausschreibung, die sich an die „klassischen“ Kultureinrichtungen (Museen, Theater, Konzerthäuser, wie es in der Ausschreibung heißt) richtet und für die nächsten beiden Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 insgesamt 600.000 Euro an Fördermitteln bereitstellt.

„Die Landesregierung möchte durch die Ausschreibung Anreize für ungewöhnliche künstlerische Angebote in der Vielfalt der hier lebenden Kulturen geben. Die Projekte sollen beispielhaft wirken können und landesweites Ausstrahlungspotential besitzen. Aspekte der Ansprache von Kindern und Jugendlichen oder deren Beteiligung im Sinne der kulturellen Bildung werden besonders begrüßt. Es muss sich um Projekte handeln, die erwarten lassen, dass sie ein interkulturell gemischtes Publikum erreichen werden“,

heißt es im Ausschreibungstext auf der Website von interkultur.pro. Bis zum 15. April können die Anträge bei allen Bezirksregierungen eingereicht werden, so die Info in der Rubrik Termine. Schön wäre es, wenn der Link zu den Fördergrundsätzen funktionieren würde. Die sind nämlich nicht so ganz unwichtig.

Update: hier sind nun auch die Fördergrundsätze.

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Kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen

4 comments

Als Prof. Klaus Siebenhaar im letzten Jahr in Wien über Audience Development sprach, kritisierte er, dass die Kulturbetriebe nichts über ihr Publikum wüssten. Besonders bemängelte er damals das fehlende Wissen über den Migrationshintergrund der Menschen. In Nordrhein-Westfalen scheint man seine Worte gehört zu haben, denn dort gibt es mittlerweile zwei Studien und mit interkultur.pro auch ein spannendes Programm, das sich darum bemüht, „die Brücke zwischen der zugewanderten und der einheimischen Kulturszene (…) konsequent auszubauen, um

  • Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Kultureinrichtungen sowie Kunst-, Kultur- und Förderprogrammen zu erleichtern.
  • Migrantinnen und Migranten in ihren künstlerischen Leistungen zu unterstützen.
  • die kulturellen Szenen der Zugewanderten für die Mehrheitsgesellschaft zu öffnen.“

Eine sinnvolle Sache, denn 23% der dort lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Da man bis jetzt nur wenig bzw. gar nichts über sie wusste, erstaunt es nicht, dass sie weniger oft Kulturveranstaltungen besuchen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte, wie es in der Pilotstudie heißt, die die kulturellen Interessen und Gewohnheiten von Menschen mit Migrationshintergrund untersucht. Schließlich wusste man ja gar nicht,  was sie interessiert und wie man sie erreichen kann.

Ich habe mir die etwas mehr als 100 Folien angeschaut und denke, dass die Zahlen und Fakten für Kunst- und Kultureinrichtungen sehr aufschlussreich sind und durchaus zu neuen Angeboten führen können. Unterstützt werden sie dabei von interkultur.pro in Rahmen von Seminaren, Workshops, Präsentationen oder Beratungen.

Was mir gut gefällt: auf den Seiten dieses vom Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Programms erhalten Sie jede Menge Informationen und Materialien. Ich denke, es lohnt sich für den Kunst- und Kulturbereich, sich die Ergebnisse dieser Studie sehr genau anzuschauen. Noch lohnenswerter ist es aber, wenn es solche Studien möglichst bald auch in anderen (Bundes)-Ländern gibt.

Gefunden im Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft