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Social Collaboration: Auch in Kultureinrichtungen ein Thema?

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© Gerd Altmann ; Pixabay

Wir alle spüren, dass sich das Verhältnis zu den BürgerInnen, KundInnen oder auch dem Publikum im Kunst- und Kulturbereich verändert hat. Peter Kruse, Unternehmensberater und Honorarprofessor an der Uni Bremen spricht gar von einer digitalen Revolution. Und so sind wir alle darum bemüht, den Anschluss nicht zu verlieren und uns den neuen Herausforderungen zu stellen. Meist geschieht das auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, im Hinterkopf das Wissen, aus dem Monolog sollte jetzt ein Dialog werden.

Nehmen wir mal an, dass das ganz leidlich klappt und es den Kultureinrichtungen und KünstlerInnen immer besser gelingt, in der externen Kommunikation auf Social Media zu setzen. Auf diese Weise wähnt man sich ganz nah an den eigenen Zielgruppen und erfährt aus erster Hand, was gut ankommt und was schlecht. Das englische Verb „engage“ beschreibt wohl am besten, was der Kunst- und Kulturbereich von seinen KundInnen und BesucherInnen erwartet. Sie sollen Informationen teilen, Veranstaltungen und Produkte empfehlen und nach Möglichkeit auch selbst wieder die Geldbörse zücken.

Aber wie sieht es eigentlich intern aus? Hat sich da irgendetwas verändert, was die Form der Zusammenarbeit oder der Kommunikation angeht? Oder werden dazu weiterhin die Email und das interne Laufwerk genutzt? In den meisten Fällen funktioniert die interne Kommunikation wohl noch so, aber ich stelle fest, dass der Wunsch nach Veränderung immer größer wird. Es stellt sich die Frage: Ist der Kunst- und Kulturbereich für Social Collaboration bereit? Und ist es wirklich damit getan, ein Social Intranet einzurichten, um quasi auf Knopfdruck zum Enterprise 2.0 zu werden?

Ross Mayfield hat schon 2006 ein Blogpost veröffentlicht, das den Titel „Power Law of Participation“ trägt (siehe dazu mein Blogpost „Social Media und Organisationskultur„), in dem er die Entwicklung von der kollektiven zur kollaborativen Intelligenz beschreibt. Letztere bedarf nicht nur eines besonders hohen Engagements, sondern auch bestimmter Werte. Sichtbar machen lässt sich dieser Entwicklungsprozess an Hand unterschiedlicher Formen von Partizipation.

Quelle: Ross Mayfield (Flickr): cc by-nc 2.0

Wer kollaborativ arbeiten möchte, muss also über entsprechend entwickelte Strukturen verfügen. Um einschätzen zu können, wo die Kultureinrichtungen stehen, lohnt es sich vielleicht, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Die BITKOM-Studie „Einsatz und Potenziale von Social Business für ITK-Unternehmen“ versucht herauszufinden, wie sich der aktuelle Status Quo in dieser – logischerweise – stark technologiegetriebenen Branche darstellt.

Unter Social Business werden in dieser Studie alle Aktivitäten in einem Unternehmen verstanden,

„die auf Social Media, Social Software und Social Networks setzen, um effizientere, effektivere und nützlichere Verbindungen zwischen Menschen, Informationen und Ressourcen herzustellen – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens“ (S.6).

Beim Einsatz von Social Media in der externen Kommunikation zielen die ITK-Unternehmen darauf ab,

  • die Bekanntheit der Marke zu steigern,
  • nahe an die Zielgruppen heranzukommen,
  • mit diesen Zielgruppen zu interagieren und
  • neue MitarbeiterInnen zu gewinnen.

Vor allem der letzte Punkt ist interessant, da wohl nur die wenigsten Kultureinrichtungen Social Media dafür verwenden, neue MitarbeiterInnen anzuwerben. Dementsprechend sind die externen Social Web-Aktivitäten vermutlich kaum mit Prozessen in der HR-Abteilung verbunden, im Unterschied zu Marketing und PR. Bei den ITK-Unternehmen sind das die drei Bereiche, die am engsten mit den Social Media-Aktivitäten verbunden sind.

Und wie sieht es mit dem Einsatz interner Social Software aus? Die Studie zeigt, dass bereits 71% der befragten ITK-Unternehmen auf Social Software-Lösungen setzen. Dreiviertel von ihnen verwenden dabei ein Wiki, 69% nutzen ein Intranet und 53% nutzen die Gruppenfunktion von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing. Immerhin schon ein Drittel der Unternehmen verwendet so etwas wie Enterprise Social Networks.

Worin besteht der Nutzen von Social Software? In erster Linie können dadurch das Wissensmanagement und die interne Kommunikation verbessert werden.Bei letzterer geht es einerseits um die Verbesserung der Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmensstandorten, aber auch zwischen den verschiedenen Abteilungen. Die Hälfte der Unternehmen konnte auf diese Weise das Projektmanagement verbessern und 39% gelang es, das interne Emailaufkommen zu reduzieren.

Im Kunst- und Kulturbereich wird Social Software intern vermutlich sehr viel seltener eingesetzt. Die von den ITK-Unternehmen angestrebten Ziele sind aber für Kultureinrichtungen durchaus interessant. Das heißt, das Thema wird früher oder später auf sie zukommen. Wer sich darüber informieren möchte, was ihn da erwartet, findet in der Studie vermutlich einige Anregungen. Aber Achtung: Es ist nicht nur die Software, die die Kulturbetriebe fit für die Zukunft macht. Das zeigt sich unter anderem daran, dass in der Hälfte der befragten ITK-Unternehmen das Thema Social Business Chefsache ist und sie davon überzeugt sind, dass es eines Kulturwandels bedarf, um das Unternehmen auf die Veränderungen vorzubereiten.

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Social Software im internen Gebrauch

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Ich hoffe, Didier Goossens verzeiht es mir, dass ich seinen Kommentar ein zweites Mal als Aufhänger für einen Beitrag verwende. Darin konstatiert er, dass es gar nicht so einfach sei, die MitarbeiterInnen dazu zu bringen, zum Außenauftritt der jeweiligen Kultureinrichtung im Social Web beizutragen. Mit ein Grund dafür vermutet Goossens in seinem Kommentar könne die Angst sein, etwas Falsches von sich zu geben.

Was man tun kann, diese Angst zu überwinden, hat er weiters gefragt und mich zum Nachdenken gebracht, weil ich immer wieder von solchen Situationen höre. Natürlich ist es hilfreich, mit Hilfe von Richtlinien den Rahmen für die Kommunikation via Facebook & Co. abzustecken. Viel schwerer wiegt aber, denke ich, die Tatsache, dass all die Tools, die da für den Außenauftritt der Kultureinrichtung eine Rolle spielen (sollen), nur für die externe Kommunikation eingesetzt werden, während man intern nur die Email kennt. Protokolle, Konzepte oder Pressetexte lassen sich z.B. wunderbar in einem Wiki ablegen, einzelne Projekte (Ausstellungen, Inszenierungen) mit Hilfe eines Weblogs dokumentieren. Mit Hilfe von RSS-Feeds lassen sich Informationen über die eigene Einrichtung filtern und allen MitarbeiterInnen zugänglich machen, Social Bookmarks sorgen dafür, dass wichtige Informationen im Netz nicht verloren gehen und alle sie finden können.

Vielleicht sollten wir, wenn wir von Bestpractice sprechen, gar nicht so sehr den Außenauftritt betrachten, sondern uns der internen Kommunikation widmen? Welche Social Software kommt zum Einsatz und wofür wird sie eingesetzt? Ist es nicht viel leichter, auf diese Weise den Nutzen von Social Media zu erfahren? Vor zwei Tagen hat mich eine Studentin gefragt, ob ich solche Kultureinrichtungen kennen würde, da sie ihre Diplomarbeit darüber schreiben möchte. Mir ist bis jetzt keine eingefallen und die Nachfrage unter KollegInnen war auch nicht erfolgreich.

Wenn Sie als Kultureinrichtung Social Software für die interne Zusammenarbeit oder Kommunikation einsetzen oder eine Kultureinrichtung kennen, die das tut, wäre ich dankbar, wenn Sie hier einen Kommentar hinterlassen oder mir eine Mail schicken. Vielleicht lassen sich aus den Beispielen – so es sie gibt – Rückschlüsse ziehen? Und Sie würden zum Gelingen einer Arbeit über den internen Gebrauch von Social Software beitragen. ;-)