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Kunst und Kultur im Social Web: es fehlt an Vernetzung und Kooperation

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Cooperation„; By Ernst Vikne (CC-Lizenz)

Unter der Überschrift „Kennen Sie die twitternden deutschen Blogger/innen?“ beklagt Steffen Peschel in seinem aktuellen Blogpost die fehlende Vernetzung in der Blogosphäre. Das Resultat seien, so Peschel, fehlende Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Festmachen lässt sich das unter anderem auf Rivva.de, einer Website, die das Social Web nach häufig empfohlenen Artikeln durchsucht und diese dann auflistet. Das wohl wichtigste Kriterium ist die Zahl der Links, womit wir beim Thema wären. Meist finden sich dort Zeitungsartikel, Blogposts sind dort kaum zu finden. Wer sich im Bereich Kultur umsieht, findet dort aktuell erstaunliche Artikel aufgelistet. Da geht es um Salafisten, reduzierte iTunes-Karten oder um Car Poolers, eine Portrait-Fotoserie mexikanischer Arbeiter, die immerhin auf einem Blog zu finden ist.

Nun kann man einwenden, dass das die Themen sind, die die Menschen interessieren und auf die via Twitter, Facebook oder Blog verlinkt und Bezug genommen wird. Aber stimmt diese Annahme wirklich oder liegt es eher daran, dass es z.B. der Kunst- und Kulturbereich einfach an der Vernetzung fehlen lässt? Welche Themen interessieren ist schwer zu beurteilen, aber der Vernetzungsgrad im Kunst- und Kulturbereich ist sehr gering. Und das deshalb, weil die meisten lieber alleine vor sich hinwurschteln als knappe Ressourcen zu bündeln.

Wie lässt sich die Vernetzung fördern? Jörn Brunotte und Michael Müller von Culture to Go haben auf der MAI-Tagung und dem letzten Berliner stARTtogether ein thematisches Gemeinschaftsblog für Museen vorgeschlagen. Eine Idee, die immer mal wieder auftaucht, aber bis jetzt im Kunst- und Kulturbereich noch nie erfolgreich umgesetzt werden konnte. Eigentlich wäre die Zeit reif für einen solchen Versuch. Nicht nur die Technologie ist mittlerweile soweit, dass sich so etwas ohne Probleme realisieren lässt. Auch die knappen Ressourcen Zeit und Geld müssten so nicht überstrapaziert werden.

Einen anderen Vorschlag macht Steffen Peschel. Er hat ein Online-Dokument angelegt, in das sich twitternde BloggerInnen aus Deutschland eintragen können und damit die Idee von Digitalks-Gründerin Meral Akin-Hecke übernommen, die vor kurzem eine Liste twitternder BloggerInnen aus Österreich erstellt hat. Mir ist Vernetzung wichtig, deshalb habe ich nicht nur eine Blogroll, sondern verlinke auch so wie möglich auf andere Blogs. Aber solche Listen reichen in meinen Augen nicht, sie sind nur ein Anfang, um, wie in diesem Fall, von anderen Blogs zu erfahren. Entscheidend ist aber die inhaltliche Vernetzung und die damit verbundene Idee, sich aufeinander zu beziehen beziehungsweise mit den Ansichten anderer auseinander zu setzen. Listen verschwinden schnell wieder in der Versenkung, inhaltliche Vernetzung aber kann tagtäglich passieren. Wir müssen es nur tun, Blogs gibt es auch im Kunst- und Kulturbereich gar nicht so wenige.

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Das Internet verändert uns

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Gut, die Zahl derer, die das, was da im Internet (und um das Internet herum) passiert, als Modeerscheinung abtun, ist mittlerweile gering geworden. Aber was geschieht da eigentlich und in welcher Form betrifft es auch uns? Natürlich können wir über Facebook reden oder noch besser, darüber schimpfen. Was genau geht da aber vor sich?

Bei den letzten Wahlen im Iran wurde immer wieder die Bedeutung von Twitter für die Berichterstattung betont. Wir haben 2011 den sogenannten arabischen Frühling erlebt und wir stellen fest, dass sich zum Beispiel auf Facebook mehr als eine halbe Million UserInnen zusammengeschlossen hat, um ihrer Forderung „Wir wollen Guttenberg zurück“ Nachdruck zu verleihen.

Seine Gegner sind in dieser Hinsicht weit weniger erfolgreich und haben es nur auf etwas mehr als 50.000 Fans gebracht. Die BefürworterInnen waren also auf Facebook wesentlich „erfolgreicher“ als seine GegnerInnen. Und wenn wir uns die Auseinandersetzungen um den deutschen Bundespräsidenten ansehen, dann stellen wir fest, dass sich da auf Facebook im Vergleich zum Ex-Minister recht wenig tut.

Warum ist das so bzw. was passiert da eigentlich? Antworten auf diese Fragen liefert Peter Kruse, Unternehmensberater und Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen. In seinem (dreieinhalbminütigen) Vortrag im Rahmen einer Sitzung der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft gelingt es ihm, in wenigen Minuten das zu skizzieren, was da derzeit um uns herum passiert.

Wir haben erstens, so Kruse, die Vernetzungsdichte in der Welt stark erhöht und mit dem Aufkommen des Web 2.0 dafür gesorgt, dass zweitens Spontanaktivitäten in bisher unerreichtem Ausmaß möglich sind. Durch die Möglichkeit des Teilens und Weiterleitens (z.B. durch das RT auf Twitter) können „kreisende Erregungen im Netzwerk“ entstehen, was letzten Endes dazu führen kann, dass Systeme sich selbst aufschaukeln und dadurch eine bisher ungeahnte Macht entfalten.

Weil die Menschen das gemerkt haben, schließen sie sich zu Bewegungen zusammen in der Hoffnung, genau diese Macht zu erlangen. Nicht mehr die, die oben stehen, üben in einem solchen Prozess die Macht aus, sondern die, die unten stehen, die UserInnen oder mit den Worten Kruses, die NachfragerInnen. Da sich solche Entwicklungen nicht vorhersagen lassen, verlieren die Wulffs und die Guttenbergs die Kontrolle über das, was da in den Netzwerken passiert. Laut Kruse gibt es zwar keine Möglichkeit vorherzusagen, was passiert, aber wer emphatisch ist, verfügt zumindest über ein „Gefühl für die Resonanzmuster der Gesellschaft“. Diesem empathischen Einfühlungsvermögen steht – zumindest in der Politik – meist der Narzissmus derer im Weg, die hier auf eine erfolgreiche Karriere hoffen (was wohl mit ein Grund ist für das Versagen der PolitikerInnen im Social Web ist).

Das Wissen um diese revolutionäre Entwicklung hat natürlich auch Auswirkungen auf uns, die wir das Social Web nicht nutzen, um unseren Narzissmus ausleben zu können (oder vielleicht doch?), sondern die wir Social Media für Kunst und Kultur erfolgreich einsetzen wollen. Im Idealfall lösen wir genau die von Kruse angesprochenen Aufschaukelungsprozesse aus (nicht immer muss es um Revolutionen gehen), nur lassen sie sich leider nicht vorhersagen. das heißt nun nicht, dass wir alles dem Zufall überlassen müssen, klar ist aber: ohne Empathie und die Fähigkeit, Resonanzmuster zu erkennen, haben Konzepte und Strategien  nur begrenzten Wert. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass Kultureinrichtungen diejenigen entdecken, die über empathische Fähigkeiten verfügen. Zusammen mit ihnen lassen sich dann Ideen erarbeiten und Konzepte entwickeln.

Wie das funktionieren kann, hat das Maxim Gorki Theater gestern Abend eindrucksvoll gezeigt. Auf der Maxim Gorki Theater Online-Bühne wurde das Stück Effie Briest 2.0 aufgeführt. Innerhalb kürzester Zeit hatte diese Facebook-Gruppe über 1.000 Mitglieder, aktuell sind es mehr als 1.300. Die Idee war klasse, das „Publikum“ begeistert. Auch in diesem Fall hat ein Aufschaukelungsprozess stattgefunden, der natürlich erhofft wurde, aber sich keineswegs vorhersagen ließ. So hat eine Vielzahl von Menschen die Geschichte der Effie Briest gelesen oder vorgeführt bekommen. Da trifft es sich gut, dass in ein paar Tagen, am 14. Januar, die Effie Briest Premiere auf der Bühne dieses Theaters feiert.

Empathie, Strategien und das Wissen, dass die Sache auch schiefgehen kann, das ist das Erfolgsrezept nicht nur im Social Web, sondern auch im realen Leben, denn die Grenzen zwischen der Offline- und der Online-Welt existieren eigentlich schon gar nicht mehr. Insofern ist das, was Peter Kruse in seinem Video sagt, für uns alle von großer Bedeutung, egal, ob wir uns mit dem Web 2.0 oder unserem täglichen Leben beschäftigen.

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Social Media: Kommunikation ist wichtig, aber worüber?

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Wer derzeit ins Social Web einsteigt und dort aktiv werden möchte, ist eigentlich arm dran. Werbung ist dort nicht mehr möglich, gefragt sind Gespräche und Interaktion. Vor allem auf Facebook ist das besonders wichtig, denn die eigenen „Fans“ bekommen das Gepostete nur dann zu Gesicht, wenn man mit ihnen auch fleißig genug kommuniziert und interagiert. Ansonsten schlägt der Edge Rank gnadenlos zu und niemand – auch die eigenen Fans nicht – bekommt die Postings zu Gesicht, so er nicht gezielt die Fanseite ansteuert. Aber wer klickt sich schon durch seine ständig wachsende Zahl von Fanseiten durch?

Das Ergebnis: ein ständig zunehmender Strom an Beiträgen, über deren Relevanz sich häufig streiten lässt. Und das alles nur, damit man überhaupt noch sichtbar bleibt. Gut, Kommunikation ist wichtig, aber worüber schreibe ich denn nun? Und welche Inhalte bringen mir wirklich etwas, vor allem wenn ich im Social Web Marketing betreiben möchte?

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass wir es im Social Web mit unterschiedlichen Formen von Vernetzung zu tun haben. Auf der einen Seite gilt es die verschiedenen Plattformen und Kanäle miteinander zu vernetzen, um die eigene Sichtbarkeit zu verbessern.

Diese Vernetzung macht aber nur Sinn, wenn ich dafür meine Inhalte entsprechend aufbereite. Wer keine Videos produziert, wird einen YouTube-Kanal nur begrenzt nutzen können. Und erst wenn die Vernetzung auf diesen beiden Ebenen funktioniert, kann ich mich den Gesprächen  mit meinen LeserInnen, Fans oder Followern hingeben und mich auch auf dieser Ebene vernetzen.

Und was nun? Aus der Marketingperspektive haben wir es mit vier Herausforderungen zu tun:

Natürlich stehen häufig Vertriebsziele im Vordergrund, etwa neue Zielgruppen für meine Konzerte zu gewinnen und so die Auslastung zu erhöhen. Aber so einfach ist das nicht, denn ich und meine Angebote müssen ja erst einmal gefunden (SEO) und für wertvoll befunden werden (Reputation). Dass sich diese Zielgruppe etwas von denen unterscheidet, die schon meine  – in dem Fall – Konzerte besucht haben, ist klar. Diese gilt es nicht zu verlieren (Community-Building) beziehungsweise an mich zu binden.

Das heißt, ich  muss mit vielen Menschen kommunizieren, die aber ganz unterschiedlich zu mir stehen. Da gibt es die, die von mir noch nie etwas gehört haben und die ich in erster Linie auf mich aufmerksam machen muss. Im Unterschied zu den Abonnenten meiner Konzertangebote, die ich eher vor den Kopf stoße, wenn ich sie via Facebook auf Konzerte aufmerksam mache, die sie im Rahmen ihres Abos erleben werden.

Die Konsequenz daraus: nur einfach zu kommunizieren ist zu wenig, ich muss mir überlegen, wen ich mit welchen Gesprächs- und Produktangeboten erreichen möchte. Wie komplex diese Situation ist, zeigt eine Grafik, die ich auf der Seite von Spredfast, einem Anbieter von Softwareprodukten für das Social Media Marketing entdeckt habe. Das Unternehmen hat einen „Social Media Planning Guide“ erstellt, den man sich (gegen den Austausch der Kontaktdaten) runterladen kann. Darin findet sich auf Seite 5 die folgende Grafik:

Sie zeigt recht schön, dass wir es im Social Web mit insgesamt vier völlig unterschiedlichen Zielgruppen zu tun haben, für die es jeweils eigene Angebote zu entwickeln gilt, die dann auch entsprechend kommuniziert werden müssen. Und je nach Bedarf setze ich dafür unterschiedliche Kanäle ein. Eine direkte Kundenanfrage erfolgt unter Umständen via Twitter, weil man hier schnell und direkt eine Frage an mich richten kann. Um auf mich aufmerksam zu machen, eignet sich vermutlich Facebook recht gut, meine Fans (die richtigen, die auf Facebook sind in der Regel nur InteressentInnen) werde ich aber unter Umständen mit besonderen Informationen in einer eigens eingerichteten Gruppe versorgen.

Sinnvoll ist diese Unterscheidung aber nur, wenn ich auch entsprechende Angebote entwickelt habe. So gesehen ist zum Beispiel auch Groupon interessant, aber eben nur für einen bestimmten Teil derer, die ich ansprechen und mit meinen Angeboten für mich gewinnen möchte. Wie diese aussehen, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein, vielleicht nutze ich das Social Web auch gar nicht für die Ansprache aller Zielgruppen. Aber das muss ich alles wissen, bevor ich zu kommunizieren beginne. Um eben doch nicht arm dran zu sein. ;-)

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Ein kleines Tool visualisiert die Vernetzung Ihrer Website

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Marketingberater Sebastian Voss hat via Facebook auf ein ganz interessantes Tool der Firma TouchGraph aufmerksam gemacht, den TouchGraph Google Browser, mit dessen Hilfe sich die Vernetzung von Websites abbilden lässt. Und das auf Basis der Daten, die Google zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kann man sehr einfach feststellen, wie die eigene Website vernetzt ist. So sieht das zum Beispiel mit dem Kulturmanagement Blog aus (zur Vergrößerung bitte die Grafik anklicken):

Damit kann man aber nicht nur sein Ego befriedigen, sondern auch herausfinden, ob man eigentlich mit den richtigen Seiten vernetzt ist. Sprich, erreiche ich eigentlich über die Vernetzung meine Zielgruppe? Mindestens ebenso spannend ist es natürlich, wenn man verschiedene Seiten miteinander vergleicht. Als Beispiel habe ich in dem Fall die Albertina und das Brooklyn Museum gewählt.

Die beiden Grafiken zeigen, dass die Seiten unterschiedlich vernetzt sind, wobei es aber zu berücksichtigen gilt, dass hier z.B. die Vernetzung im Social Web nicht abgebildet wird. So fehlen etwa die Links in Richtung Facebook und Twitter. Außedem stelle ich mir die Frage, ob die Websites dieser beiden Museen wirklich hauptsächlich mit anderen Museumsseiten verbunden sind, denn um die Zielgruppen zu erreichen, müsste man sich ja eigentlich dort aufhalten, wo die Zielgruppen sind. Ob die sich permanent auf Museumsseiten aufhalten, wage ich zu bezweifeln.

Aber nicht nur die Vernetzung von Websites lässt sich so darstellen, auch Schlagworte oder Namen lassen sich bei dem Tool eingeben. Ich habe z.B. nach Jerzy Grotowski gesucht und dabei festgestellt, dass ein schon vor Jahren abgeschlossenes EU-Projekt hier immer noch sehr präsent ist. Das heißt, auf dieses Weise lässt sich auch herausfinden, ob man in einem bestimmten Themenfeld so präsent ist, dass man auch wahrgenommen wird. Bei mir ist das z.B. der Begriff Projektstrukturplan. Wenn ich den in dem Tool eingebe, dann taucht das Kulturmanagement Blog in der Grafik auf.

Ob das dann nicht nur einfach nett aussieht, sondern auch den Tatsachen entspricht, kann man z.B. mit dem Free Monitor for Google herausfinden, mit dessen Hilfe sich die eigene Position bei Google bezüglich frei definierbarer Schlagworte kontrollieren lässt. Hier sehen Sie dann, ob es Ihnen gelungen ist, Themenfelder zu besetzen oder ob weitere Anstrengungen nötig sind.

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Social Media: die drei Stufen der Vernetzung

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Kultureinrichtungen, die bloggen, twittern oder auf Facebook präsent sind, wurden vor einiger Zeit noch als Trendsetter betrachtet. Heute schallt ihnen eher ein „Du auch?“ entgegen. Diese Entwicklung sehe ich eindeutig positiv, schließlich schreibe ich seit mehr als drei Jahren genau darüber und versuche aufzuzeigen, wo das Potenzial für den Kunst- und Kulturbereich liegt. Sinnvoll ist es auch, wenn Kulturbetriebe die verschiedenen Kommunikationskanäle miteinander verbinden und sich nicht scheuen, Foto- und Videoplattformen zu nutzen. Für mich ist diese erste Stufe der Vernetzung die Grundvoraussetzung für die Aktivitäten im Internet. Eigentlich kann man auch sagen, die verschiedenen Kanäle stellen die Infrastruktur dar, die ich dann für meine Aktivitäten nutze.

Um aktiv zu werden, benötige ich Content. In dieser Hinsicht sind Kultureinrichtungen privilegiert, haben sie davon doch jede Menge. Allerdings müssen die Inhalte entsprechend aufbereitet werden, um im Internet genutzt zu werden. Richtig aufbereitet, das heißt, die UserInnen können diese Inhalte im Idealfall teilen, bewerten und auf anderen Seiten einbetten, so das Grundprinzip des Web 2.0. Über eine Probe kann ich in einem Blogbeitrag berichten, ich kann Fotos machen oder ein Interview mit dem Regisseur führen und das im Video festhalten. Welche Inhalte werden zur Verfügung gestellt und wer macht das? Die Antworten auf solche Fragen lassen sich in Richtlinen festschreiben, die dann die Grundlage für die Social Media-Aktivitäten der Kultureinrichtung darstellen.  Ist das geklärt, werde ich die verschiedenen Formate auf den jeweils „passenden“ Kanälen platzieren. Es kommt zu einer Vernetzung auf der inhaltlichen Ebene, für mich die zweite Stufe der Vernetzung, denn letzten Endes geht es immer darum, über das jeweilige Format hinaus auf die Aktivitäten der Kultureinrichtung zu verweisen.

An diesem Punkt sind die meisten Kultureinrichtungen mit ihren Social Media-Aktivitäten angekommen. Ein Schritt fehlt aber noch. Wir sprechen immer von Kommunikation, bis jetzt haben wir aber nur Kanäle, die wir für die Kommunikation nutzen und Inhalte, über die wir kommunizieren können. Das wichtigste fehlt aber noch: die Personen, die nun miteinander kommunizieren bzw. interagieren sollen. Nicht immer muss es ein Gespräch sein, oft reicht es, wenn Videos weitergeleitet oder bewertet werden, Fotos getaggt oder auf Facebook der Like-Button angeklickt wird. Für mich ist das die dritte Stufe der Vernetzung und eigentlich die wichtigste.

Ich kann mir zwar die perfekte Infrastruktur schaffen und die Inhalte über die verschiedenen Kanäle streuen. Aber seine volle Wirkung entfaltet das Social Web erst, wenn diese Inhalte Ausgangspunkt für Interaktion und Kommunikation sind, wenn die Inhalte weitergegeben werden. Auf diese Weise kann eine Kultureinrichtung in Kontakt mit ihren Zielgruppen treten. Warum aber nicht die jeweilige Kunstsparte stärken und für eine entsprechende Präsenz sorgen? Ich vermisse in dieser Hinsicht die Vernetzung der Kultureinrichtungen untereinander. Warum kann ein Theater in seiner Blogroll nicht auf andere Theaterblogs verweisen? Warum gibt es keine blogübergreifende Diskussion zur finanziellen Situation der Kultureinrichtungen? Das Thema könnte eine Präsenz erreichen, die wahrscheinlich weit über die Wirkung einer einzelnen Presseaussendung gehen würde. Es gäbe nicht nur ein einzelnes Statement, sondern es gäbe viele Statements, ergänzt durch Kommentare der UserInnen.

Aber es muss ja nicht unbedingt gleich eine großangelegte Aktion sein. Man kann in dieser Hinsicht ganz klein beginnen, etwa in Form von Kommentaren. Kultureinrichtung A kommentiert bei B. Ich möchte nicht behaupten, dass es das gar nicht gibt, aber ich habe in der letzten Zeit sehr bewusst danach gesucht und kein einziges Beispiel gefunden. Nun können Sie die Frage stellen, was das bringen soll. Ganz einfach: Vernetzung, etwas, was Kulturbetriebe ganz dringend brauchen und in anderen Bereichen ja auch schon lange praktizieren. Warum also nicht auch hier?

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Von Meinungseinheitsbrei und Kuratoren: wie wir mit Informationen umgehen

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Gestern Abend habe ich den Hinweis auf TweetPo.st erhalten, ein kleines Tool, das mich dabei unterstützt, Nachrichten gezielt über Twitter und Facebook unter die Leute zu bringen. Eigentlich ist dieses Tool ganz sinnvoll, denn es unterstützt mich dabei, von Twitter aus selektiv Nachrichten über meinen Facebook-Account zu veröffentlichen. Sinnvoll deshalb, weil viele ihre Tweets (auf Twitter verfasste Nachrichten mit maximal 140 Zeichen) 1:1 auch auf Facebook veröffentlichen. Folge ich so einer Person auf Twitter und auf Facebook, dann bekomme ich diese Nachrichten immer doppelt präsentiert.

Ich halte davon relativ wenig, weil ich der Meinung bin, dass Social Media Tools wie Twitter, Facebook oder auch Friendfeed ganz unterschiedlich zu nutzen sind und es deshalb wenig Sinn macht, alles zu vermanschen bzw. in einem Stream zu aggregieren. Wenn man das wirklich will, dann kann man ein Tool wie Livestream.fm nutzen und dort alles, was man so von sich gibt, ob Tweets, Blogposts oder Bookmarks, zusammenfassen und als Stream anbieten. Mein Web2.0-Stream ist dort auch zu finden, nur tut sich das in der Regel niemand an, weil das eigentlich völlig unergiebig ist und dort auch keine Kommunikation stattfindet. Meinungen, Tendenzen oder Entwicklungen lassen sich so nicht erkennen.

Wenn wir alles mit allem vermischen, dann entsteht so etwas wie ein Einheitsbrei. Genau davon spricht auch Viktor Mayer-Schönberger, der sich als Direktor des Information+Innovation Policy Research Centre in Singapur mit den politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Dimensionen moderner Informations- und Kommunikationsnetze beschäftigt, in einem Interview für den heutigen Standard. „Wir brauchen wieder Dissidenten“ ist das Interview mit ihm überschrieben, in dem er von einer „Übervernetzung“ durch die zahlreichen Web 2.0-Anwendungen spricht, die zu einem „Meinungseinheitsbrei“ führen würden.

Die Folge: radikale Innovationen haben keine Chance mehr, wir verharren im Meinungsmainstream:

„Wir drohen in vielen Bereich übervernetzt zu werden, uns fehlen die Freiräume, völlig Neues zu denken und anzugehen. Anstatt tausenden anderen auf Facebook mitzuteilen, was wir gerade machen, sollten wir wieder mehr auf unsere individuelle Kreativität setzen“,

ist Mayer-Schönberger überzeugt. Ganz so sehe ich es nicht, denn ich bin davon überzeugt, dass individuelle Kreativität zwar wichtig ist. Aber kreative Formen der Zusammenarbeit sind mindestens ebenso wichtig. Mehr hängt meiner Meinung nach von der Antwort auf die Frage ab, was man mit seiner Vernetzung macht? Vernetzung ist nicht gleich Vernetzung. Wenn ich die zahlreichen „Marketingexperten“ so anschaue, die auf Twitter zehntausende Follower sammeln und mir erzählen wollen, dass das das Geschäftsmodell der Zukunft ist, dann ist das etwas anderes als das gezielte Miteinander mit Personen, mit denen eine Zusammenarbeit für beide Seiten einen Mehrwert generiert.

Zwar werden die Angebote, sich zu vernetzen und Informationen aus dem Internet zu sammeln und zu aggregieren immer ausgefeilter. Aber glauben wir wirklich, dass wir hier irgendwann einmal einen Punkt erreichen, an dem wir sagen können: so, jetzt passt es? Der Anspruch auf Vollständigkeit, der sich dahinter oftmals verbirgt, mag viele motivieren, in diese Richtung zu tüfteln und neue Tools hervorzubringen. Aber ich glaube, wir fahren besser damit, wenn wir den Anspruch auf Vollständigkeit fahren lassen und uns an Personen orientieren, denen wir vertrauen. Steve Rubel hat in diesem Zusammenhang von den digitalen Kuratoren gesprochen (siehe dazu mein Blogpost: „Was das Internet von der Kunst lernen kann„), die diejenigen sind, die für uns die Informationen vorauswählen.

Andy Brudtkuhl hat das in seinem Blogpost „Google Reader Changed How I Consume Information (again)“ recht schön beschrieben. Statt zahllosen RSS-Feeds folgt er nun Personen wie Louis Gray, Robert Scoble oder Michael Fruchter. Und das nicht auf Twitter, sondern auf Friendfeed. Sein Ansatz

„The key is finding people in your industry that you trust and who share information“,

geht auch in Richtung des Kuratorenmodells. Dieser Ansatz kann uns auch vor dem von Mayer-Schönberger befürchteten „Meinungseinheitsbrei“ bewahren, denn das heißt, wir suchen uns ganz gezielt die Personen aus, deren Informationen für uns relevant sind. Funktionieren kann das aber nur, wenn wir unseren Anspruch auf vollständige Erfassung der Informationen aufgeben.  Auf den Einsatz von TweetPo.st habe ich übrigens verzichtet. ;-)

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Das Netz ist das Netz ist das Netz

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Viele Internetauftritte von Kunst- und Kultureinrichtungen oder auch von KünstlerInnen lassen mich frustriert zurück. Da werden interessante Themen angeschnitten, über die ich gerne mehr erfahren würde. Ist mir das Glück hold, finde ich dort noch einen Literaturhinweis und bin dann mir selbst überlassen.

Spricht man jemanden darauf an, erntet man nur fragende Blicke. Reicht der Weitblick wirklich nur für die eigene Website aus und nicht darüber hinaus? Ich will jetzt gar nicht darüber lästern, dass diejenigen, bei denen kein einziger Link zu finden ist, am schnellsten auf das Thema SEO anspringen. Wobei das nicht wirklich überraschend ist, schließlich weisen solche Seiten in der Regel ein eher bescheidenes Pageranking auf.

Ein Glück, dass der Kunst- und Kulturbereich noch nicht auf ähnliche Gedanken wie die deutschen Verleger kommt, die über die Einführung eines Leistungsschutzrechts neue Einnahmequellen erschließen möchten (siehe dazu u.a. Robin Meyer-Lucht: „Verleger-Gema für Onlinetexte: Wer zahlt wofür? (Und wer ist Verleger?)„). In die gleiche Kerbe schlägt Ulrike Langer mit ihrem Beitrag „Das Netz besteht aus Verbindungen, nicht aus abgeschotteten Inseln„. Dort habe ich das folgende Video entdeckt, in dem die gekürzte Fassung eines Vortrags von Jay Rosen (siehe auch sein Blog   PressThink) zu sehen ist:

In seiner Rede erzählt er (siehe dazu auch das Transkript), wie ihn die Aussicht, durch Verlinkung tausende LeserInnen zu erreichen, zum Bloggen gebracht hat. Blogs seien, so meint er, eigentlich eine völlig triviale Sache. Das faszinierende daran sei aber vor allem die Möglichkeit der Verlinkung, hinter der sich die Grundidee des Internets, die „Ethik des Verlinkens“ verberge.

:“The link—which is the idea that „you are interested in this, but did you know about that?“ or „Here’s what I’m saying, but you should see what they’re saying,“ or „You’re here, but there’s also this over there“—is actually building out the potential of the Web to link people, which is what Timothy Berners-Lee put into it in the first place. So when we link, we are expressing the ethic of the Web, which is to connect people and knowledge. The reason you link doesn’t have anything to do with copyright and property. It has to do with the way we make the Web into a web of connections.
That’s how we connect knowledge to people.“

Aber es geht nicht nur um den Link. Natürlich ist es nett, wenn ich auf den Seiten der Kultureinrichtungen Links finde, keine Frage. Es geht um mehr. Es geht um die Überzeugung, dass Kooperationen einen Mehrwert bieten, wenn es um die Generierung von Wissen geht. Das Netzwerk ist der Einzelperson in dieser Hinsicht überlegen.

Vor fast zwei Jahren habe ich Keith Sawyer zitiert, der anlässlich des Erscheines einer Studie zum Thema Kreativität meinte:

„creativity always emerges from collaborations and networks.“

Dieses Verständnis vermisse ich, unter anderem auch im Kunst- und Kulturbereich, der von Einzelkämpfertum geprägt ist. Viele treibt die Angst um, die anderen könnten die eigene Idee entdecken und dann verraten bzw. sie selber umsetzen. Die Zeit der einsamen Genies ist vorbei, wie Sawyer schreibt. Unsere Welt ist zu komplex, um alles alleine zu machen. Warum sollte man das auch tun? Wo es doch zusammen viel leichter geht? Im realen Leben und beim Verlinken im Netz.