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Kulturmanagement auf Wikipedia: schlimmer geht es nicht mehr

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Ich kann verstehen, dass die Aussicht, auf Wikipedia mit einem Link vertreten zu sein, verlockend ist, denn ich habe das Glück, dass ein paar Beiträge von mir in der Kategorie Weblinks auftauchen. Allerdings haben sie mit Kulturmanagement nur indirekt zu tun, zum Glück, denn das Theater rund um den Begriff Kulturmanagement spottet jeder Beschreibung.

So heißt es etwa unter der Überschrift Entwicklung:

„Als eine der weltweit ersten Kulturmanager gilt die in Hamburg geborene Dorothea Schneider-Lindemann. Sie organisierte zwischen 1907 und 1960 für eine Vielzahl Künstler und Forscher Vortragsreisen und vermarktete ihre Forschungsergebnisse und Erlebnisse.“

Man möge mir verzeihen, aber gäbe es da nicht andere, die berufener wären, hier genannt zu werden? Nichts gegen Frau Schneider-Lindemann, aber im Rahmen meiner Ausbildung fiel ihr Name nicht. Und auch was ich bei Google über sie gefunden habe, ist nicht dazu angetan, diese beiden Sätze weiter dort stehen zu lassen.

Schon vor mehr als drei Jahren habe ich hier im Blog den Beitrag kritisiert, der den Begriff Kulturmanagement so schlicht definiert, dass man damit wohl kaum Chancen hätte, irgendwo einen Studienplatz für Kulturmanagement zu ergattern. Dabei ist die Zahl der Überarbeitungen gar nicht so niedrig, wie der Blick in die Versionsgeschichte zeigt. Allerdings geht es dabei gar nicht um eine qualitative Verbesserung des Inhalts, sondern darum, die verschiedenen Anbieter von Kulturmanagement-Lehrgängen unterzubringen. Und das möglichst mit Link.

Liebe Kulturmanagement-Institute: das ist peinlich, was da abläuft. Das einzige Unterkapitel, in dem mehr als zwei Sätze zu finden sind, ist das über das Studium. Wenn ich auf Wikipedia den Begriff Kulturmanagement nachschlage, dann suche ich nicht unbedingt eine Liste mit Studienangeboten. Und schon gar nicht interessiert mich, dass man bis 2008 an der Fernuni in Hagen Kulturmanagement studieren konnte. Der Wert dieser Information kommt über das Null-Level nicht hinaus oder sieht das jemand anders?

In meinen Augen ist es wichtig, dass der Begriff Kulturmanagement auf Wikipedia in halbwegs vernünftiger Qualität erklärt und beschrieben wird. Mein Vorschlag: ich lege ein Dokument auf Google Docs an und versuche mich an einem Textvorschlag. Das muss ich nicht unbedingt alleine machen, ganz im Gegenteil, ich würde mir wünschen, dass sich andere daran beteiligen. Im Idealfall ist jemand dabei, der sich mit dem Prozedere auf Wikipedia auskennt, nicht dass die Sache an irgendwelchen Formalia scheitert.

Und um keine falschen Erwartungen zu wecken: Links zu Kulturmanagement-Instituten gehören in meinen Augen nicht in diesen Beitrag, das ist bei anderen Beiträgen schließlich auch nicht die Regel.

Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, ich freue mich auf alle, die mitmachen möchten. Damit ich Sie zu diesem Dokument einladen kann, schreiben Sie mir bitte entweder eine Mail oder einen Kommentar.

Das Dokument ist schnell erstellt, so richtig loslegen werde ich damit allerdings erst nach der stARTconference, also Mitte September. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

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Wikis: die Arbeit beginnt erst danach

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Vielleicht gehören Sie ja auch zu denen, die sich schon mal an einem Forum oder einem Weblog versucht haben. Sie haben darüber gelesen, wie toll das alles ist und nachdem sich die Kosten in Grenzen halten, haben Sie es halt mal ausprobiert. Installiert ist so was sehr schnell, aber dann… :-(

Da ist also Ihr Forum online und kein Mensch diskutiert. Dabei haben Sie doch extra darauf hingewiesen, dass hier diskutiert werden soll. Und ein paar provokante Inputs haben Sie auch gegeben.

Bei Weblogs verhält es sich ähnlich. So ein paar Zeilen sind schnell geschrieben. Aber nach der ersten Euphorie hat man dann auch andere Dinge zu tun und außerdem funktioniert das mit der Verlinkung überhaupt nicht, von den Kommentaren, die da auftauchen sollten, ganz zu schweigen.

So ähnlich verhält es sich auch mit Wikis. Was das ist und wozu sie verwendet werden können, gerade im Kunst- und Kulturbereich, darüber hat Karin Janner im Kulturmarketing Blog einen höchst informativen und umfassenden Beitrag geschrieben. Auch hier gilt: so ein Ding ist schnell ins Leben gerufen (kostenlos und webbasiert zum Beispiel hier und hier).

Aber auch hier taucht das Problem auf: wie bringe ich so ein Wiki zum Laufen. Ich habe selbst vor mehr als einem Jahr hier im Blog das Förderwiki angekündigt, in dem Links zu verschiedenen Förderstellen zu finden sind. Die Idee dahinter war, und das ist die Idee aller Wikis, dass möglichst viele Menschen ihr Wissen zusammen tragen und es anderen zur Verfügung stellen. Nachdem die öffentlichen Fördertöpfe ja im Kunst- und Kulturbereich nicht so ganz unwichtig sind, bietet sich da ein kollaboratives Instrument wie ein Wiki eigentlich an. Funktioniert hat es aber nicht wirklich. Warum?

Weil ich genau das gemacht habe, was die meisten machen: ich habe das Wiki eingerichtet, mit Inhalten versehen und dann darauf gewartet, dass was passiert. Viel ist aber nicht passiert, denn ich habe all das vernachlässigt, was danach passieren muss. Und ich habe nicht bedacht, dass Wikis für die allermeisten etwas ganz neues sind, womit sie sich erst vertraut machen müssen.

Maish Nichani hat auf PebbleRoad einen ganz gutes Blogpost dazu verfasst, indem er darauf hinweist, dass ein Wiki nicht nur geplant und eingerichtet, sondern eben auch betreut werden muss. Denn:

„There are many who jump start wiki-based collaboration projects by directly setting up the wiki and inviting others to contribute. While this might work for groups where the wiki concept is already well-grounded, our experience tells us that this approach does not work for groups that are new to the concept of collaboration, let alone wiki-based collaboration. Hence the need for some guidance and structure.“

Daher geht es in einem ersten Schritt darum, den Umgang mit einem Wiki zu lernen. Wie schreibt man darin, was schreibt man darin und welche Möglichkeiten der Darstellung gibt es? Brigitte Reiser, die das Blog Nonprofits-vernetzt.de betreibt, hat in einem Kommentar zu Karins Wiki-Beitrag einen sehr guten Vorschlag gemacht. Sie meint:

„Um Erfahrungen mit Wikis zu sammeln, macht es Sinn, sich ein persönliches Wiki aufzusetzen, um mit diesem Format zu üben. Über diesen persönlichen Weg kann man auch Mitarbeiter, die von Wikis noch nie gehört haben, eher für diese Anwendung gewinnen.“

Ich finde diese Idee ziemlich gut, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich genau auf diese Weise gelernt, mit Wikis umzugehen und sie entsprechend meinen Bedürfnissen zu nutzen. Ich habe zwei längere Artikel nicht mit Hilfe von Word oder einer anderen Textverarbeitung geschrieben, sondern ein Wiki genutzt. Ich verwende außerdem ein Wiki, um Links zu sammeln und mir gleich ein paar Notizen dazu zu machen. Da stoße ich mit del.icio.us, Diigo oder Mister Wong doch an Grenzen. Ein weiterer Vorteil: diese Wikis bekommt kein Mensch zu sehen und darin kann ich ausprobieren und schreiben was ich will.

Versuchen Sie es doch einfach mal aus. Eingerichtet ist so ein Wiki, wie gesagt, sehr schnell. Sie müssen sich allerdings überlegen, wofür Sie es dann verwenden. Linksammlung, Zettelkasten, Recherchetool, alles ist möglich.

Karin Janner hat vorgeschlagen, ein Wiki zum Thema Kulturmanagement einzurichten. Eine gute Idee, es wäre der nächste Schritt, heraus aus der Privatheit in die Öffentlichkeit, denn das würde bedeuten, jede/r kann mitschreiben. Das gilt übrigens auch für das Förderwiki. Es ist natürlich immer noch online und enthält viele Links zu Förderstellen. Ich werde es in der nächsten Zeit wieder verstärkt nutzen und daran arbeiten, daraus ein kollaboratives Tool oder Angebot zu machen. Sie sind herzlich eingeladen. :-)

Und falls Sie selbst in Ihrer Organisation ein Wiki einrichten möchten, hilft Ihnen unter Umständen diese Checkliste weiter.