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Kulturkampf in Graz

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Das Kunsthaus Graz und die Kleine Zeitung haben derzeit ein Problem miteinander. Auslöser ist ein am 25. Februar erschienener Beitrag von Michael Tschida über die aktuelle Ausstellung „Bubble Peddler“ von Cerith Wyn Evans. Als Antwort folgte ein offener Brief von Peter Pakesch, derzeitiger Intendant des Museums sowie jede Menge Solidaritätsbekundungen und eine Unterschriftenaktion auf der Website des Museums. Walter Titz versucht mit seinem heutigen Beitrag (Update: Link entfernt, da der Beitrag nicht mehr online zur Verfügung steht), die Auseinandersetzung wieder in sachliche Bahnen zu lenken und vergleicht die Probleme des Kunsthaus mit denen des Linzer Lentos.

Es lohnt sich, diese Auseinandersetzung genauer zu betrachten, zeigt sie doch recht anschaulich, wie schnell Kommunikation aus dem Ruder laufen und welcher Schaden dabei entstehen kann.

Schauen wir uns zuerst einmal den Beitrag Tschidas an, der gleich vorweg als „Betriebsanleitung“ dem Besucher zur Einnahme von Antidepressiva und Schnaps rät. Spätestens jetzt würde ich meinen Kindern – so ich welche hätte – verbieten, die Kleine Zeitung zu lesen, denn das ist eine offene Aufforderung zum Alkoholkonsum, von den Antidepressiva ganz zu schweigen.

Spaß beiseite, Tschida zieht in seinem Artikel höchst polemisch vom Leder und lässt an Ausstellung und Kunsthaus kein gutes Haar. Gut, ihm gefällt das Kunsthaus nicht und die Ausstellung auch nicht. Kein Problem. Nur: Wem tut er mit dieser Ansammlung von Mutmaßungen und Mehrdeutigkeiten einen Gefallen? Wo werden die LeserInnen darauf hingewiesen, um welche Art von Artikel es sich hier handelt? Es gehört zum journalistischen Handwerk, hier sauber zu arbeiten. Sogar schimpfen ist erlaubt, aber warum Heidegger dafür bemühen? Und worüber wird geschimpft? Über das Kunsthaus oder die Ausstellung? Wer „die vier Seiten einer Nachricht“ (oder auch Kommunikationsquadrat) von Friedemann Schulz von Thun kennt, wird recht schnell merken, dass hier auf der Sachebene wenig, auf der Beziehungsebene (was ich von Dir halte) dafür umso mehr zu holen ist.

Hier haben sich Aggressionen aufgestaut, die es erst möglich machen, dass so ein Artikel geschrieben werden kann. Und das muss ich als Museum eigentlich erkennen und zwar frühzeitig. Und dementsprechend muss ich meine Kommunikation ausrichten. Wenn solche Beiträge in der vor Ort meistgelesenen (?) Tageszeitung erscheinen, dann stimmt etwas nicht. Ein Journalist ist sicher in der Lage, und da schließe ich auch Herrn Tschida nicht aus, einen Diskussionsprozess auch über das Beschreiben von Fakten in Gang zu bringen.

Aber gut, der Beitrag ist geschrieben. Er ist veröffentlicht worden und hat zu Recht Empörung hervorgerufen. Wie reagiere ich aber als Museum? Der offene Brief von Peter Pakesch ist ein Anfang. Wenn es aber mein Ansatz ist, die Kunst für sich sprechen zu lassen und nicht alles zu erklären, dann muss ich zumindest das erklären. Wenn ein Journalist sich darüber beklagen kann, dass ihm die Informationen über den Künstler fehlen, dann ist da etwas schiefgelaufen. Dann muss ich als Museum bzw. als Intendant meine Herangehensweise erklären. Mag sein, dass Pakesch dies mehr als einmal getan hat, ich kann das aus der Ferne nicht beurteilen, aber es war anscheinend trotzdem einmal zu wenig.

So ein Konflikt kann nun aber die große Chance sein, hier wieder etwas gerade zu rücken, was anscheinend aus dem Lot geraten ist. Die lange Liste der Solidaritätsbekundungen ist da wahrscheinlich nicht der richtige Weg. Sie führen zu keiner Diskussion, sondern eher zu starren Fronten. Warum wird nicht das Gespräch mit der Öffentlichkeit gesucht, warum gibt es keine Presseaussendung, in der konstruktiv mit dem Thema umgegangen wird? Ja, der Beitrag von Michael Tschida bietet jede Menge an Kritikpunkten, aber es geht nicht darum, ihn zu widerlegen, sondern sich über die Ursachen klar zu werden, die zu so einem Beitrag führen konnten. Denn Schnaps und Antidepressiva sind, so nehme ich mal an, auch bei der Kleinen Zeitung nicht erlaubt.

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