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Stärken stärken

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Vielleicht haben Sie schon mal eine ähnliche Situation erlebt: Vor etlichen Jahren wurde ich gefragt, ob ich mithelfen kann, eine Ausstellung zu organisieren. Inhaltlich ging es um japanische Farbholzdrucke, ein Thema, von dem ich, ich gebe es offen zu, keine Ahnung hatte. Ich stand damals vor der Frage, soll ich den Job annehmen, obwohl ich von der Materie keine Ahnung habe oder lasse ich es besser bleiben? Kurz gesagt: ich habe damals zugesagt und im Laufe der Zeit, die mir zur Verfügung stand, versucht, etwas über japanische Farbholzdrucke zu lernen. Ein Freund meinte nur, als ich ihm davon erzählte, dass er das nie machen würde, weil er sich in dieser Materie überhaupt nicht auskennen würde. Er müsse sich erst in das Themengebiet einarbeiten, bevor er so ein Projekt angehen könne.

Erst später habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was da eigentlich passiert ist. Ich hatte mir damals überlegt, dass meine Aufgabe vor allem in den Bereichen Projektmanagement und Organisation lag, etwas, was ich durchaus konnte. Während für mich das, was ich konnte, ausschlaggebend war, agierte mein Freund genau umgekehrt. er konzentrierte sich auf das, was er nicht konnte.

Eingefallen ist mir diese Geschichte, als ich heute im Blog Butts in The Seats den Beitrag Leader, Manage Thy Self gelesen habe und dabei auf einen Artikel von Peter Drucker gestoßen bin. „Managing Oneself“ ist er überschrieben und geht der Frage nach, wie wir uns selbst managen können.

Der erste und wichtigste Punkt ist das Wissen um unsere Stärken. Drucker stellt fest, dass die meisten Menschen zwar wissen, was sie nicht können. Ihre Stärken kennen die meisten aber nicht. Die Methode, um sie kennen zu lernen beschreibt Drucker so:

„Whenever you make a key decision or take a key action, write down what you expect will happen. Nine or 12 months later, compare the actual results with your expectations. I have been practicing this method for 15 to 20 years now, and every time I do it, I am surprised.“

Kennen wir unsere Stärken, hat das für Drucker folgende Konsequenzen für unser Tun:

  1. „First and foremost, concentrate on your strengths. Put yourself where your strengths can produce results.“
  2. „Second, work on improving your strengths. Analysis will rapidly show where you need to improve skills or acquire new ones.“
  3. „Third, discover where your intellectual arrogance is causing disabling ignorance and overcome it.“

Die Conclusio laut Drucker: “ Go to work on acquiring the skills and knowledge you need to fully realize your strengths.“

Es geht also nicht darum, erst einmal an unseren Schwächen zu arbeiten, sondern unsere Stärken zu stärken. Sich seiner Stärken bewusst zu sein, stärkt auch das Selbstbewusstsein. Ausgangspunkt ist nämlich das, was wir können und nicht das, was wir nicht können.

Für mich ist das ein sehr wichtiger Punkt. Wie sollen wir andere von etwas überzeugen, wenn wir selbst nicht davon überzeugt sind? Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so: Wenn ich mir einer Sache nicht sicher bin, dann geht sie in der Regel auch schief. Hinter der vordergründig banal klingenden Aufforderung, die eigenen Stärken zu stärken, steckt also etwas ganz fundamentales, nämlich nicht nur seine Stärken zu kennen, sondern sie auch zu leben.

Abgesehen davon: Der elfseitige Artikel von Peter Drucker ist lesenswert!

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