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Müssen wir immer alles alleine machen?

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Der Deutsche Kulturrat hat vor knapp einem Jahr eine Studie herausgegeben, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen in Deutschland untersucht. „Selbstständige Künstlerinnen und Künstler in Deutschland – zwischen brotloser Kunst und freiem Unternehmertum?“ nennt sie sich und kann im Online-Shop des Kulturrats für 10 Euro erstanden werden.

Die Studie zeigt nicht nur, dass das Durchschnittseinkommen deutscher KünstlerInnen mit knapp 11.000 Euro (im Jahr 2004) sehr niedrig ausfällt, sondern sie verdeutlicht auch, dass diese KünstlerInnen über einen hohen Ausbildungsgrad verfügen und sich im Laufe der Jahre ein enormes Wissen aneignen. Schließlich müssen sie ja nicht nur künstlerisch tätig sein, sondern sich selbst managen, vermarkten und was sonst noch so alles anfällt.

Das heißt im Endeffekt, dass KünstlerInnen sehr gut ausgebildet sind, über viele Fähigkeiten und das entsprechende Wissen verfügen und trotzdem nicht genug verdienen. Woran liegt das? Kann es nicht sein, dass gerade diese Vielseitigkeit dazu führt, dass es nicht weiter geht?

Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der niemand mehr alles alleine macht, sondern sich auf das konzentriert, was sie oder er besonders gut kann. Und für die restliche Arbeit sucht man sich Zulieferer, Dienstleister, etc.

Warum funktioniert das eigentlich nicht im Kunst- und Kulturbereich? Ein Grund ist wahrscheinlich das nicht vorhandene Kapital, denn mit den angesprochenen knapp 11.000 Euro tue ich mir schwer, jemanden zu engagieren. Schließlich reicht das Geld ja nicht mal für einen selbst. Das ist ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Ich habe kein Geld und kann deshalb niemanden bezahlen und weil ich alles alleine machen muss, habe ich nicht die Kapazitäten, um mich künstlerisch und unternehmerisch weiter zu entwickeln. Und deshalb gelingt es mir nicht, mein Einkommen zu erhöhen.

Was tun? Mir ist dabei das Prinzip der Genossenschaft eingefallen. Mehrere KünstlerInnen arbeiten mit den ExpertInnen zusammen, die sie benötigen, um sich künstlerisch durchzusetzen. Der Vorteil dabei: Man läuft nicht so sehr Gefahr, sich als EinzelkämpferIn zu verzetteln und den Blick für die Realität zu verlieren. Und je größer die Zahl der GenossenschafterInnen ist, auf desto mehr Schultern ruht das (finanzielle) Risiko. Ein weiterer Pluspunkt: Als Genossenschaft wird man ganz anders wahrgenommen als als einzelne/r KünstlerIn.

Vor ein paar Jahren gab es mal die Idee, sich im Rahmen eines EU-Projektes mit dem Thema zu beschäftigen und eine Genossenschaft aufzubauen. Damals ist nichts daraus geworden. Vielleicht sollte ich die Idee doch mal wieder aus der Schublade holen.

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