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Eine Studie beschreibt die InternetuserInnen

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Meine Affinität zu allem, was mit Web 2.0 zu tun hat, dürfte ja bekannt sein. Trotzdem würde ich nicht jeder Kunst- und Kultureinrichtung raten, ein Weblog zu betreiben oder sich auf Foto- und Videoplattformen zu präsentieren. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Zielgruppen. Zwar nutzen mittlerweile sehr viele Menschen das Internet, in Deutschland sind es zum Beispiel mehr als 55 Prozent, aber das heißt noch nicht, dass wir auch unsere Zielgruppe online ansprechen können.

Wie lassen sich denn die NutzerInnen des Internets beschreiben? Es gibt ja immer wieder Studien, die sich dieses Themas annehmen. In der April-Ausgabe des Monitor habe ich beispielsweise über eine Studie berichtet, die sich mit dem Nutzungsverhalten von Web 2.0-AnwenderInnen beschäftigt.

SevenOne Interactive, der Online- und Mediavermarkter der ProSiebenSat.1 Gruppe hat nun zusammen mit dem Marktforschungsinstitut forsa eine Typologie entwickelt, die versucht, die InternetnutzerInnen insgesamt zu beschreiben. Natürlich verfolgt die ProSiebenSat.1 Gruppe nicht unbedingt die gleichen Interessen wie eine Kunst- und Kultureinrichtung, aber deswegen sind die Ergebnisse nicht weniger interessant.

Im Rahmen der Studie „@facts extra – Online-Nutzertypen 2007“ wurden 1.500 Personen befragt, das Ergebnis ist repräsentativ. Die Typologie basiert auf dem Interesse, das die befragten Personen verschiedenen Inhalten und Angeboten im Internet entgegenbrachten.

Die 6 inhaltlichen Schwerpunkte waren dabei:

  • News
  • Lifestyle
  • Technik & Wissen
  • Entertainment
  • Sport & Auto
  • Freizeit

Unter den verschiedenen Angeboten im Internet wurden die folgenden 5 am höchsten eingestuft:

  • Mediaanwendungen
  • Kommunikation
  • Service & Shopping
  • Spiele
  • User generated Content

Die sieben Nutzertypen

Mittels einer Clusteranalyse wurden die Befragten zu möglichst homogenen Nutzergruppen zusammengefasst. Das Ergebnis sind die folgenden 7 Nutzertypen (in Klammern der Anteil an der Gesamtgruppe in Prozent):

  1. Multi-Interest & User generated Content (15,7%)
  2. Entertainment & Communication (12%)
  3. Fun & Games (18,1%)
  4. Music & Video (4,3%)
  5. Free Time Planning (10,5%)
  6. Service, shopping & Lifestyle (17,2%)
  7. Low Interest (22,1%)

In der Presseaussendung werden die Gruppen so beschrieben:

„Die Gruppe der so genannten „Multi-Interest & User Generated Content„-Surfer hat eine hohe Affinität für den neuen Bereich des nutzergenerierten Inhalts. So haben bereits 42 Prozent dieser User selbst Inhalte ins Internet gestellt. Im Durchschnitt ist diese Gruppe 40 Jahre alt, männlich, gut gebildet und besser verdienend. Ihre vielseitigen Interessen zeigen sich vor allem in der Nutzung von Angeboten wie Nachrichten, Politik, Wirtschaft und Börse.

Die Nutzergruppe „Entertainment & Communication“ ist dagegen eher weiblich, relativ jung (im Durchschnitt 28,8 Jahre) und an allem interessiert, was Unterhaltung verspricht. Das Internet nimmt einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben ein: 155 Minuten surfen sie durchschnittlich am Tag – das Interesse an Kommunikation im Netz in Form von Chats, Foren, Communities, Dating und Instant Messaging ist sehr stark ausgeprägt.

Die jüngste Gruppe (Durchschnitt: 27,7 Jahre) ist die Gruppe „Fun & Games„. 18,1 Prozent der Befragten gehören zu diesem Typus, der mehrheitlich männlich ist und ebenfalls sehr viel Zeit im Internet verbringt. Im Durchschnitt surfen diese Nutzer 152 Minuten täglich, die Spieler unter ihnen verbringen davon 62 Minuten mit Online-Games.

Doppelt so viele Männer wie Frauen sind Surfer des Typs „Music & Video„, die sich im Web auch fast ausschließlich für diese beiden Bereiche interessieren. E-Commerce-Angeboten gegenüber sind sie überdurchschnittlich aufgeschlossen, gekauft werden hier hauptsächlich Bücher sowie CDs und DVDs.

Free Time Planner“ nutzen das Internet insbesondere zur Freizeitplanung, sind im Durchschnitt 44,3 Jahre alt und männlich. Drei Viertel dieser Gruppe hat bereits über das Netz gekauft: An der Spitze stehen Bücher aber auch Produkte rund um die Freizeitgestaltung wie Reisen, Tickets oder Hotelbuchungen.

Die Gruppe „Service, Shopping und Lifestyle“ ist eine sehr kaufkräftige Zielgruppe. Sie verfügt über das höchste Durchschnittseinkommen aller Nutzer. Die Geschlechteraufteilung ist gleichmäßig. Besonderes Interesse besteht hier für das Einkaufen im Internet. Doch nicht nur Bücher gehören zu den gerne gekauften Produkten, sondern auch Kleidung und Schuhe sowie Schmuck und Uhren, Spielzeug oder auch Pauschalreisen.

Die größte Gruppe stellen die „Low Interest„-Nutzer (22,1 Prozent) mit eher schwach ausgeprägtem Interesse. Selbst die beliebteste Funktion des Internets, das E-Mailen, nutzen nur 53,6 Prozent. Auch hier ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Mit einem durchschnittlichen Alter von 45,4 Jahren sind sie die ältesten Online- Nutzer.“

Die Ergebnisse sind, denke ich, sehr aufschlussreich. Wenn man davon ausgeht, dass in vielen Kultureinrichtungen das Alter der BesucherInnen bei 45 Jahren oder darüber liegt, dann ist klar, dass Web 2.0-Anwendungen diese Zielgruppe häufig überfordern werden. Das heißt nun nicht, dass man darauf verzichten muss, aber der Einsatz muss gut vorbereitet und erklärt werden. Sonst stößt man schnell auf Ablehnung.

Die ganze (32-seitige) Studie gibt es als 2MB-PDF und kann bei Kerstin Ebser bestellt werden.

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  1. Interessant und gleichzeitig unbequem! Das Web 2.0 ist also kein Automatismus, dem früher oder später jeder „erliegt“. Aus der Sicht eines Anbieters (Kulturbetrieb), macht das die Sache sehr anspruchsvoll: Denn auf der einen Seite gibt es die fortschrittlichen Internet-User, die mit Blogs gut angesprochen werden können, andererseits aber auch den Kulturfreund, der sich im Netz nur nach den Öffnungszeiten erkundigt…

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