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Crowdfunding: Eine Alternative zum traditionellen Fördermodell?

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Crowdfunding gehört für mich zu den Ansätzen oder Modellen, die dazu beitragen, die Entwicklung, die wir mit dem Begriff Web2.0 umschreiben, voranzutreiben . Markus Pöhlmann hat auf seinem Blog Crowdwisdom recht gut erklärt, was wir uns darunter vorzustellen haben:

„Es geht darum, Geld durch die Community einzusammeln, deren Mitglieder aus verschiedenen (ideellen, karitativen) Gründen ein Projekt unterstützen möchten und dafür teilweise im Gegenzug Benefits erhalten.“

Auch hier stehen also Kommunikation und Partizipation im Vordergrund und ermöglichen es mir, mit einem kleinen finanziellen Beitrag zum Gelingen eines (großen) Vorhabens beizutragen. Bekomme ich für meine Unterstützung eine Gegenleistung, kann Crowdfunding als eine Art Sponsoring betrachtet werden. Ohne Gegenleistung würde ich es als Spende bezeichnen.

So gesehen scheint Crowdfunding ein interessantes Instrument für den gesamten Nonprofit-Bereich zu sein. Die Herausforderung besteht darin, eine entsprechend große Community aufzubauen und diese dann zum Mitmachen zu animieren. Wie diese Form der Finanzierung auch im Kunst- und Kulturbereich eingesetzt werden kann, zeigt Markus Pöhlmann in seinem Beitrag „Kultur-Crowdfunding in Liverpool„. Die Stadt darf sich nächstes Jahr mit dem Attribut einer europäischen Kulturhauptstadt schmücken, was für Mark Bowness der Aufhänger für seine Projektidee war.

Mit dem Liverpool Culture Cafe soll eine Einrichtung geschaffen werden,

„for new and emerging talents and cultural enrichment designed to inform guests about the cultures found throughout Liverpool using it’s menu and arts“,

heißt es auf der Website. Nun werden insgesamt 25.000 UnterstützerInnen gesucht, die sich mit 20 britischen Pfund als „Investoren“ an dem Projekt beteiligen. Das Ziel:

„The profit from this organisation will be used to support the growing talents of the area, continually investing into Liverpool and its future.“

Natürlich stellt man sich da schnell die Frage, ob es überhaupt realistisch ist, soviel Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Am Ende überweist man sein Geld dorthin und es passiert gar nichts damit. Dem haben die Initiatoren entgegengewirkt, indem ich jetzt nur eine Willenserklärung abgebe. Fällig werden die 20 Pfund erst, wenn sich 25.000 zum Mitmachen bereit erklärt haben. Der Ansatz gefällt mir gut, denn dadurch muss niemand Angst haben, dass das Geld verloren ist.

Mir stellt sich dabei die Frage, welche Größe Projekte haben sollten, um dafür erfolgreich Gelder akquirieren zu können? Ich bezweifle es ehrlich gesagt, dass sich in diesem konkreten Fall wirklich 25.000 UnterstützerInnen finden lassen. Und solche Zweifel können Menschen davon abhalten, ihre Bereitschaft zur Unterstützung zu erklären. Bis jetzt haben sich knapp 200 Personen bereit erklärt das Vorhaben zu unterstützen. Mal sehen, wie schnell diese Zahl nun ansteigt. Abhängig ist das sicher auch davon, inwieweit es gelingt, möglichst viele Menschen über Social Networks, Foren oder Weblogs zu erreichen.

Ist Crowdfunding auch bei uns ein mögliches Instrument, um Projekte zu finanzieren? Ich denke schon. Und gerade kleine Kunst- und Kultureinrichtungen haben theoretisch die Möglichkeit, auf diesem Weg die (Teil)-Finanzierung ihres Projektes sicherzustellen. Theoretisch deshalb, weil dieses Modell voraussetzt, dass die Organisationen eine ausreichend große Community aufgebaut haben und über einen entsprechenden Bekannheitsgrad verfügen. Und da fehlt es bei den meisten Kultureinrichtungen. Aber das lässt sich ja ändern.