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Ankündigung: 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring

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Nächste Woche findet am 14. Juni von 9:00 bis 17:30 hier in Wien die 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring statt. Das Thema „Give & Take. Wie private Kulturförderung funktioniert.“ würde eigentlich auch gut zum stARTcamp passen. Es geht um „fruchtbare Kooperationen“, wie es in der Ankündigung heißt und dass dabei Crowdfunding als Thema so prominent vertreten ist, gefällt mir persönlich sehr gut.

Nachdem ich im letzten Jahr einen Vortrag halten durfte (siehe dazu mein Blogpost „Fundraising: Neue Ideen haben es schwer“), kann ich dieses Jahr leider nicht dabei sein. Die Vorbereitungen für das stARTcamp und das ORF-Dialogforum nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Da ich aber glaube, dass die Frage der Finanzierung von Kunst und Kultur ein eminent wichtiges Thema ist, habe ich der Organisatorin dieser Veranstaltung, Eva Estermann ein paar Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Liebe Eva, die Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring dreht sich um das Thema „Give & Tage“, um „fruchtbare Kooperationen“, wie Du in der Ankündigung schreibst. Warum sollen Kultureinrichtungen kooperieren und worin siehst Du den Mehrwert für beide Seiten?

Eva Estermann: Ob in Wissenschaft und Forschung, im Bildungsbereich, Politik oder Wirtschaft,   überall spielt das Prinzip Kooperation eine wichtige Rolle, wenn wir erfolgreich sein wollen. Die Psychologie und die Pädagogik haben sich damit eingehend befasst, auch die Philosophie, Soziologie und Politische Theorie, die Ökonomie mit der Mathematik im Rahmen der Spieltheorie und natürlich die Management-Lehre, wenn sie die Erfolgsbedingungen von Unternehmensallianzen oder Verhandlungsstrategien untersucht. Zu

© Ludwig Schedl

kooperieren bedeutet, mit dem jeweils anderen gemeinsam ein Ziel festzulegen und darauf zuzusteuern. Umso unterschiedlicher die Partner sind, desto höher ist der Nutzen dieser Partnerschaft. So entstehen neue Ideen und Perspektiven und so erwerben beide involvierte Parteien getrennt voneinander jeweils neue Erkenntnisse und Fähigkeiten, im besten Fall entstehen über die Parteieninteressen und den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehende gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklungen. Da Partner aber unterschiedlich sind und meistens unterschiedliche Erwartungen pflegen, müssen sie in aller Ehrlichkeit aufeinander zugehen und sich vorher die Zeit nehmen, sich in den jeweils anderen hineinzudenken. Nicht anders funktioniert erfolgreiche private Kulturförderung: es ist meiner Ansicht nach falsch, die Motive hierfür immer nur auf das Thema Geld zu reduzieren. Aber genauso beginnt leider noch immer fast jede Argumentation, weshalb Kultureinrichtungen heutzutage vermehrt Privatmittel einwerben sollen – „weil die öffentlichen Kassen leer sind“. Mag sein, dass  die öffentliche Kulturfinanzierung an ihre Grenzen gestoßen ist. Private Kulturförderung soll trotzdem nicht der wegen zunehmendem haushaltspolitischen Druck entstandenen Sparlogik öffentlicher Förderstellen folgen und deren Knappheiten kompensieren oder gar ersetzen, sie kann und will ergänzend auftreten. Der Mehrwert für die Kultur? Durch privates Engagement können eben Projekte realisiert werden, die sonst nie entstanden wären: das sind auf der einen Seite durchaus kommerziell gut verwertbare Projekte, auf der anderen Seite aber viele innovative, vielleicht sogar „sperrige“ (weil spartenübergreifende, künstlerisch komplizierte, oder auch nicht ein großes Publikum ansprechende) Projekte, über die sich eine öffentliche Förderstelle vielleicht nicht unbedingt rüber getraut hätte. Profitieren können davon nicht nur all die großen und damit ohnehin bereits stark subventionierten Kultureinrichtungen. Das zivilgesellschaftliche Engagement kommt bereits jetzt den vielen kleinen Kulturvereinen zu Gute, die stark auf Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit aufbauen. Noch stärker und systematischer sollen die kleinen Non-Profit-Einrichtungen private Geldquellen, über Sponsoring, Fundraising bzw. Spenden und Mäzenen sowie Stiftungen erschließen. Zudem treten viele große Unternehmen und – leider in Österreich noch viel zu wenig –  Stiftungen als unmittelbar fördernde oder selbst Kultur produzierende Akteure auf und tragen damit zu einer vielfältigen Kulturlandschaft bei. Bei unserer Veranstaltung wollen wir immer diese kulturpolitischen Fragestellungen mitandenken. Die Teilnehmer/innen sollen sich mit einem Knowhow über aktuelle Strategien und Methoden im Fundraising und Sponsoring wappnen. Sie sollen aber auch die dahinterliegenden Paradigmen erkennen und überdenken. Damit wären sie unserer Ansicht nach die erfolgreichsten Fundraiser/innen! Deswegen freuen wir uns so sehr auf unseren Keynote-Speaker Stephan Frucht: ein Querdenker par excellence, der gleichzeitig als ausgebildeter Dirigent und Violinist, Kulturmanager, Kulturpolitikberater (und btw. ehemaliger Unfallchirurg!) uns hier bestimmt sehr wertvolle Denkanstöße geben kann.

Der Kulturbereich muss Crowdfunding noch viel mehr nutzen

Kulturmanagement Blog: Ich bin ja immer froh, wenn Kultureinrichtungen die Spendenschiene verlassen und versuchen, ihren Kooperationspartnern auf Augenhöhe zu begegnen. Deshalb bin ich ein großer Freund von Crowdfunding und finde es großartig, dass sich das Thema durch den ganzen Tag findet. Was muss getan werden, damit noch viel mehr Kultureinrichtungen auf diese Form der Finanzierung setzen?

Eva Estermann: Alles ist Definitionssache. Crowdfunding gehört zu den Instrumenten des Fundraisings, speziell des Spendenwerbens. Spendensammeln hat noch immer diesen negativen Beigeschmack, dass man Menschen das Geld aus der Tasche ziehen will. Schade, wo doch Herr und Frau Österreicher/in im internationalen Schnitt besonders  im Kleinspender-Segment sehr viel und gerne spenden (siehe Spendenbericht). Was ist negativ am Spenden? Wir müssen noch an dieser Stigmatisierung arbeiten, denn sonst wird sich das Spendenklima für Österreichs Kultur nicht bessern.

Feststeht, Crowdfunding muss noch viel mehr im Kultursektor Fuß fassen.  Was es braucht zum Durchbruch? Ich würde sagen neben dem personellen Einsatz: Mut. Unser Leitsatz: einfach ausprobieren, auch Fehler riskieren!  Auch wenn Crowdfunding-Projekte sich nicht über die Nacht realisieren lassen und sich nicht für jede Einrichtung oder jedes Projekt eignen, sondern eines strategischen Aufwands bedürfen, profitieren Organisationen – auch ohne den vielleicht höher erwarteten ROI – davon. Sie lernen ihre Spender/innen kennen, erarbeiten anfangs einen starken Case of Support, üben sich in der  Kommunikation und müssen sich ganz praktisch überlegen, was sie über das Kulturangebot hinaus ihren potentiellen Spender/innen mitgeben können. Die beste Selbstreflektion und Erfahrung, um dann auch andere weitere Instrumente für Klein- und Großspender/innen auszuprobieren. Dieses Jahr referieren in zwei Einheiten ExpertInnen zu dem Thema: Peter Nömaier und Natascha Halbauer halten einen Vortrag über ihre Erfahrungen aus der jüngst lancierten Kampagne für das Sigmund Freud Museum. Die Profis  Sunita Maldonado (wemake.it) und Tomas Mikeska (Filmarchiv) halten einen Intensiv-Workshop.

Kulturmanagement Blog: Nicole Newman wird in ihrem Impulsvortrag über die neuesten Sponsoringtrends aus Europa berichten, Dominik Winterling erzählt, wie die Elbphilharmonie ihre Sponsoren sucht, findet und bindet. Glaubst Du, kleinere Kultureinrichtungen können sich da was abschauen und bestimmte Verhaltensweisen übernehmen?

Eva Estermann: Auf alle Fälle. Man kann immer von den „Besten“ lernen. Auch wenn die Bedingungen für große, oftmals am stärksten subventionierten Kultureinrichtungen anders sind, entstehen hier Ideen und Erfahrungen, die man abgewandelt durchaus auf den eigenen, oft viel kleineren Betrieb übertragen kann. Best Practice ist inspirierend und denkanstoßend. Das gilt auch für die Betrachtung von Trends. Natürlich sind wirtschaftliche, kulturpolitische oder gesellschaftliche Voraussetzungen etwa im angelsächsischen Raum, oder auch in Deutschland und in der Schweiz, ganz anders. Aber wir sollten das nicht immer als Ausrede nehmen, nicht über die Grenzen schauen zu können. Das Prinzip gilt ja auch für andere Branchen (karitative Organisationen, Wissenschaft, Umwelt) oder  unterschiedliche Kunstsparten: jede/r  Fundraising-Beauftrage sollte neugierig bleiben und sich regelmäßig umschauen, was  man für den eignen Kulturbetrieb übernehmen könnte. Erfolgreiche Ideen entstehen selten am Reißbrett.

Auf der 4. Fachtagung für Kulturfundraising geht es auch um EU-Förderungen

Kulturmanagement Blog: Normalerweise verbinden wir mit dem Kulturfundraising das Einwerben privater Mittel. Ihr habt aber auch David Röthler eingeladen, der die aktuellen EU-Förderprogramme vorstellen wird. Worin siehst Du die größten Herausforderungen für Kultureinrichtungen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Eva Estermann: Wir sehen das Thema „Fundraising“ pragmatisch. Letztlich geht es um das Einwerben aller finanziellen Mittel, ob von öffentlicher oder privater Seite. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, sein Fundraising-Portfolio zu diversifizieren, also auf Multi-Budgeting zu setzen. Kleinere Kultureinrichtungen haben hier bereits gegenüber  größeren einen Wissensvorteil: wenn es keine jährliche Basisabgeltung gibt, müssen viele Geldtöpfe berücksichtigt bzw. geprüft werden.  Gegebenenfalls müssen Eigeneinnahmen und Preispolitik überdacht werden, aber das ist nicht unser Thema. EU-Projektförderung kommt letztlich nur ganz wenigen Institutionen/Projekten zu Gute: die Förderpraxis und speziell die Förderbedingungen sind bekanntlich komplex. Wir bieten Kultureinrichtungen mit dem Experten-Workshop von David Röthler die Möglichkeit, für sich die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit eines EU-Förderansuchens zu überprüfen.

Kulturmanagement Blog: Fördervereine und Freundeskreise sind ebenfalls ein wichtiges Thema, wenn wir von Kulturfundraising sprechen. Wie können die kleineren und mittleren Kultureinrichtungen Menschen gewinnen, die sich für sie engagieren? Ist das ressourcenmäßig überhaupt möglich?

Eva Estermann: Fördervereine und Freundeskreise zählen zu den geschichtlich am längsten zurückreichenden „Fundraising-Instrumenten“. Oft wissen wir gar nicht, wieviele österreichische Kultureinrichtungen sich aus diesem bürgerschaftlichen Engagement (das auch mit substanzieller finanzieller Hilfe verbunden war) heraus entwickelten. Diese Zivilgesellschaft heißt es heutzutage wieder neu zu beleben. Die Mitwirkung in einem Förderverein ist eine Form der Bürgerbeteiligung, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur viel mehr noch zusammen schweißen könnte.  Letztendlich sollen aber diese Vereine in der Lage sein, kulturelle Einrichtungen nicht nur ideell, sondern auch finanziell  zu unterstützten. Gerade kleinere Kultureinrichtungen könnten es doch viel leichter bewerkstelligen, Menschen, die ihrer Institution verbunden sind, zu identifizieren, zu binden und letztlich zur finanziellen und personellen Mitwirkung  zu motivieren. Aber eines ist klar: das ist eine auch zeitintensive Aufgabe des Intendanten, der künstlerischen/wissenschaftlichen Leitung, des Geschäftsführers, „potentielle Freunde“ im Umkreis anzusprechen.

Kulturmanagement Blog: Die Teilnahme an der Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring ist nicht ganz billig, die Tickets kosten regulär 270 Euro. Ich frage Dich jetzt nicht, ob sich diese Investition für Kultureinrichtungen lohnt, sondern würde von Dir gerne wissen, ob es für Kulturvereine, für die so ein Betrag viel Geld ist, Ermäßigungen gibt.

Eva Estermann: Wir bieten sogenannte Tagungsstipendien für Vertreter/innen von kleinen Kultureinrichtungen an (Tipp: Bis morgen, den 7.6.18, können Sie sich noch bewerben, Infos unter diesem Link), die  sich mit einem kurzen „Motivationsschreiben“ vorstellen und dann kostenlos bei der Tagung teilnehmen. Dieses Stipendienprogramm wird von BKA Sektion Kunst & Kultur, der ERSTE Stiftung sowie der Erste Bank unterstützt: darüber freuen wir uns ganz besonders, dass die Weiterbildung von Kulturfundraiser/innen öffentlichen wie privaten Trägern ein Anliegen ist! (BTW: vergleichbare Weiterbildungen setzen für halbtägige Seminare viel höhere Preise an.)

Kulturmanagement Blog: Ich danke Dir für Deine Antworten, Eva und wünsche Dir beziehungsweise Euch eine tolle Veranstaltung!

Eva Estermann: Und dir viel Glück für das stARTcamp in der Kunsthalle. Hoffentlich wird „Give & Take“ auch ein Thema….

Foto von 3dman_eu auf Pixabay

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Fundraising: Neue Ideen haben es schwer

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Die U-Bahn-Station vor meiner Haustüre scheint für Fundraiser ein beliebter Ort zu sein. Oft werde ich dort von ihnen angesprochen, um mich davon zu überzeugen, sie und die Arbeit ihrer NGO finanziell zu unterstützen. Habe ich mir anfangs die Sprüche immer brav angehört, bin ich heute eher genervt und abweisend. Wer mir da was erzählen möchte, interessiert mich eigentlich gar nicht mehr.

Eigentlich ist das schade, denn die Arbeit der NGOs ist  wichtig und verdient auch Unterstützung. Nur dieser Weg ist nicht der richtige, zumindest für mich nicht. Gibt es da wirklich keine besseren Ansätze als die Phrase „Grüß Gott der Herr, haben Sie 5 Minuten Zeit für … (hier kann man wahlweise Themen wie Umwelt, Kinder, Menschenrechte, etc. einsetzen)?“

Diese Situationen fielen mir ein, als ich vom Österreichischen Fundraising Verband zu seiner 3. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring eingeladen wurde. Man bat mich, einen Vortrag darüber zu halten, wie das Neue in die Welt kommt, in diesem Fall in die Fundraising-Welt. Aber warum braucht Fundraising überhaupt etwas Neues? Bei meiner Recherche stieß ich im Critical Fundraising Blog auf den Beitrag „Share and share alike – until we’re all doing exactly the same thing“ von Joe Jenkins. Er konstatiert darin, dass im NGO-Bereich die Bereitschaft, Dinge zu teilen und mit anderen zusammen zu arbeiten, außergewöhnlich hoch sei. So toll das auch sei, dies führe dazu, so Jenkins weiter, dass alle NGOs gleich kommunizieren:

„To the rest of the world we mostly look, act, and appear to be the same.“

Eine mögliche Lösung dieses Problems besteht für ihn darin, mit Hilfe von Kreativität und Innovation Unterscheidungsmerkmale zu schaffen. Bei der Lektüre dieses Blogbeitrags fielen mir wieder die Fundraiser an der U-Bahn-Station ein. Wir beide sind der Ansicht, dass die Kommunikation immer nach dem gleichen Muster funktioniert, nur hat Jenkins das natürlich etwas profunder formuliert als ich das kann.

Auf die Frage, wie das Neue in die Welt kommt, habe ich eigentlich zwei Antworten gefunden: Auf der einen Seite gibt es da das Neue, auf das wir nur sehr wenig Einfluß haben. Auf der gesellschaftlichen Ebene sind das Treiber wie

  • der demografische Wandel,
  • die Globalisierung,
  • die Digitalisierung und
  • der Wertewandel.

Auf der organisatorischen Ebene ist die Digitalisierung ebenfalls ein ganz wichtiger Treiber. Aber auch neue Managementansätze und -modelle verändern die Welt der Unternehmen und Organisationen. Basierend auf der Arbeit des amerikanischen Psychologieprofessors Clare W. Graves entwickelten Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, verändern, gestalten“ (Affiliate Link) ihren Ansatz für Unternehmen, in dem sie deren evolutionäre Entwicklung beschreiben. In eine ähnliche Richtung geht Frederic Laloux in seinem Buch „Reinventing Organisations“ (Affiliate Link), der darin zeigt, wie sich Unternehmen vom tribal impulsiven Organisationstyp in Richtung einer integral evolutionären Organisation entwickeln.

Aber natürlich haben wir es auch selbst in der Hand, Neues zu schaffen. Mir ist in diesem Zusammenhang Professor Peter Kruse eingefallen, der sich immer wieder mit der Frage beschäftigt hat, welche Voraussetzungen es braucht, um kreativ beziehungsweise innovativ sein zu können. Zwei Dinge braucht es seiner Ansicht nach dafür:

  • Diversity, weil Unterschiedlichkeit im System zu internen Spannungen führt. Das Resultat sind instabile Phasen, in denen sich neue Muster entwickeln lassen.
  • Netzwerke, weil sie über ein hohes Maß an Komplexität und Dynamik verfügen, mit deren Hilfe wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, bewältigen können.

Wie aber „bauen“ wir uns ein Netzwerk? Laut Prof. Kruse braucht es dafür drei Charaktere,

  • den Creator, der ständig mit neuen Ideen kommt,
  • den Owner, der alles weiß und
  • den Broker, der jemanden kennt, der etwas weiß

Diese drei bilden seiner Ansicht nach das menschliche Gehirn ab und lassen sich als intelligentes System verstehen, dessen „Summenintelligenz“ höher ist als die Intelligenz der beteiligten Menschen (siehe dazu auch mein Blogpost „Bauen Sie Systeme, die stören„).

Wenn es darum geht, kreativ zu sein, müssen also die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie alle kennen vermutlich die verschiedendsten Strategien, um solche „indirekten Möglichkeitsräume“, wie Prof. Kruse sie genannt hat, zu schaffen. Jake Knapp hat in seinem Buch „Sprint“   (Affiliate Link) einen möglichen Weg aufgezeichnet, um Raum sowohl für kreative Ideen, als auch für die praktische Lösung des Problems zu finden. Fünf Tage braucht er dafür:

  • Montag: Problem analysieren und einen Aspekt auswählen, auf den man sich konzentriert.
  • Dienstag: Mögliche Lösungswege skizzieren
  • Mittwoch: Entscheidung für einen dieser Wege
  • Donnerstag: Prototyp bauen
  • Freitag: Prototyp testen

Das ist in kurzen Zügen die Zusammenfassung meines Vortrags, für den ich die folgenden Folien verwendet habe:

 

Kein Interesse an technologischen Entwicklungen

Neue Impulse zu setzen, neue Ideen ins Spiel zu bringen, das scheint, so meine Beobachtung während der Fachtagung, im Fundraising-Bereich gar nicht so einfach zu sein. Während Bernard Ross von der Arts Fundraising School in London sich in seiner Keynote unter anderem mit der Frage beschäftigte, wie wir verhaltensökonomische Modelle in das Fundraising einfließen lassen können, ging es bei den Vortragenden aus Österreich eher um ganz klassische Themen. Zwar wurde oft über die knappen Ressourcen gesprochen, aber Lösungsansätze gab es keine. Gerade hier wäre viel Platz für neue Ideen, aber es blieb bei der Feststellung, dass es sehr schwer sei, gute MitarbeiterInnen für das Fundraising zu gewinnen.

Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen. Erstens, Crowdfunding war auf dieser Tagung kein Thema. Ich finde das bedauerlich, denn diese Form der Finanzierung wird von vielen (noch) völlig unterschätzt. Beim Crowdfunding geht es nicht nur einfach darum, eine bestimmte Geldsumme einzusammeln, nein! Ich kann rund um die Kampagne mein Marketing aufbauen und erfahre sehr viel über meine Zielgruppe(n).

Außerdem kann sich das Crowdfunding zu einem wichtigen Bestandteil meiner Fundraisingaktivitäten entwickeln. Hier sehen Sie etwas vereinfacht die Fundraisingpyramide:

Die Grafik zeigt, dass wir uns eine Basis schaffen müssen, um nach einiger Zeit strategische Partner gewinnen können, die uns unterstützen. Viele Kultureinrichtungen haben deshalb Freundes- oder Fördervereine eingerichtet. Ihr Ziel ist eher der Aufbau einer Beziehung, denn der Aufwand ist meist recht groß, der Ertrag (noch) gering. Crowdfunding kann hier eine Alternative sein. Oder eine Ergänzung, denn natürlich ist auch in diesem Fall der Aufwand groß. Den Vorteil sehe ich in der engen Verschränkung mit dem Marketing und der Tatsache, dass eine Crowdfundingkampagne meist eine größere Sichtbarkeit aufweist als etwa ein Förderverein.

Aufschlussreich war für mich zweitens, dass die technologischen Entwicklungen gar kein Thema waren. Eine der größten Herausforderungen besteht für mich darin, den Kontakt zu Menschen aufzubauen, sie für meine Arbeit zu interessieren und eine Beziehung aufzubauen. Vielleicht haben Sie schon von Chatbots gehört, die in den verschiedenen Messengern eingesetzt werden können. Wofür lassen sich diese „textbasierten Dialogsysteme“ nutzen? Jörg Reschke beschäftigt sich in einem Blogpost mit dem „Potenzial von Chatbots für Nonprofits“ und listet darin einige Möglichkeiten auf:

  • Ein Chatbot lässt sich abonnieren, um über ein bestimmtes Thema informiert zu werden.
  • Der Facebook Messenger bietet in den USA schon heute die Möglichkeit des Bezahlens via Chatbot an. Die Spende über ein Chatbot wird also vermutlich in nicht allzu ferner Zeit möglich sein.
  • Viele UserInnen werden über eingehende Nachrichten im Messenger ihrer Wahl per Push-Meldung benachrichtigt. Dazu gehören natürlich auch die mit einem Chatbot verschickten Nachrichten.
  • Chatbots ermöglichen ohne große Hürden den direkten persönlichen Kontakt. Wenn die Kommunikation einmal aufgebaut ist, kommen Sie zukünftig direkt zu ihrem Gegenüber.
  • Im Unterschied zum Email-Newsletter haben Messenger-Bots viel höhere Öffnungsraten.

Attraktiv sind Chatbots vermutlich so lange, bis jeder einen hat. Kreative Ideen sind also gefragt, womit wir wieder beim Anfangsthema gelandet sind. ;-) Eines der wohl gelungensten Beispiele war im letzten Jahr Walk with Yeshi: „Built for Facebook Messenger, Walk With Yeshi takes individuals on a 2.5 hour journey, matching the length of the average walk for water.“ Jetzt sagen Sie sich vielleicht, dass Kunst und Kultur als Thema viel schwieriger zu kommunizieren sind. Ich bin mir da nicht sicher, sondern denke, dass hier Kreativität gefragt ist. ;-)

Veranstaltungshinweis

Wenn Sie sich für das Thema Fundraising interessieren, dann habe ich noch einen Tipp für Sie. Am kommenden Mittwoch, den 22. November 2017 findet um 9 Uhr der nächste Treffpunkt Kulturmanagement statt. Zu Gast ist Eva Estermann vom Österreichischen Fundraising Verband, die sich mit der Frage beschäftigt, was kleine Kultureinrichtungen tun können, um geeignete Strukturen für erfolgreiches Fundraising zu schaffen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 22. November 2017 um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Update: Aufzeichnung des Treffpunkt Kulturmanagement

Wer beim Webinar nicht dabei sein konnte, findet hier die Aufzeichnung. Bitte nicht von den technischen Problemen am Anfang irritieren lassen, wir haben das dann ganz gut hinbekommen. ;-)

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Beim 68. Treffpunkt Kulturmanagement geht es um Crowdfunding (inkl. Aufzeichnung)

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Ich werde im Rahmen von Workshops häufig gefragt, welche Projekte denn am besten für eine Crowdfundingkampagne geeignet seien und welche nicht. Viele glauben, dass man mit Vorhaben, die im Mainstream angesiedelt sind, viel leichter an Geld und Leute kommt. Vielleicht ist da auch was dran, aber ist es dann wirklich der Mainstream, der die Sache leichter macht? Haben nur populäre Sparten oder KünstlerInnen Aussicht auf Erfolg? Ich glaube nicht. Für mich spielt da viel eher die Geschichte rund um die Kampagne eine entscheidende Rolle.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Kampagne „Let’s Build a Goddamn Tesla Museum„. Da ging es eigentlich nur darum, Geld aufzutreiben, um den Grund für das geplante Museum kaufen zu können (siehe dazu mein Blogpost: „Crowdfunding: mehr als eine Million US-Dollar für ein Museum„). Das klingt jetzt nicht unbedingt nach großem Kino und vielen Fans. Aber die Kampagne wurde ein Riesenerfolg, fast 1,4 Mio. USD kamen damals zusammen.

Und vor einem halben Jahr gab es wieder so ein schönes Beispiel: Altes Filmmaterial musste vor dem Zerfall gerettet werden, mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne sollen die benötigten 75.000 Euro zusammenkommen. Klingt auch nicht sehr sexy, oder? Aber die Geschichte ist gut. Fast wie im Film ;-)

„Da findet jemand auf einem Flohmarkt in Frankreich zufällig Filmaufnahmen, bei denen es sich um verloren geglaubtes Material des Films ‚Die Stadt ohne Juden‘ handelt. Dieser Film aus dem Jahr 1924, der auf den gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert, nimmt die Gräueltaten des Nationalsozialismus vorweg und stellt damit ein wichtiges Geschichtsdokument dar“,

schreibt Ulli Koch in ihrem Artikel über die Kampagne #filmretten auf Kulturmanagement Network. Aber nicht nur die Geschichte ist gut, auch die Kampagne war gut durchdacht und nutzte geschickt den damals in Österreich laufenden Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten. Mit mehr als 86.000 Euro wurde das hochgesteckte Ziel von 75.500 Euro am Ende sogar übertroffen.

Entwickelt hat diese Kampagne Tomáš Mikeska, Marketingverantwortlicher des Filmarchiv Austria. Er wird am Mittwoch den 21. Juni von 9 bis 10 Uhr beim Treffpunkt Kulturmanagement zusammen mit seiner Kollegin Michaela Moitzi (Kommunikationsassistentin beim Filmarchiv Austria) zu Gast sein und über all die Aspekte sprechen, die zum Erfolg dieser Kampagne beigetragen haben. Wer gerade vor der Frage steht, ob eine Crowdfundingkampagne wohl das richtige ist, um das eigene Vorhaben zu finanzieren oder bereits an der Planung der Kampagne sitzt, sollte sich den mittlerweile 68. Treffpunkt Kulturmanagement nicht entgehen lassen.

Über den Treffpunkt Kulturmanagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. In diesem speziellen Fall kooperieren wir außerdem mit „Werde Digital“ und der regionalen Crowdfundingplattform „Wir bewegen„. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 21. Juni um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt Kulturmanagement
Termin: 21. Juni 2017, Beginn: 09 Uhr, Ende: 10 Uhr
Thema: Crowdfunding für Kunst & Kultur
Gäste: Tomáš Mikeska (Marketing, Filmarchiv Austria) und Michaela Moitzi (Kommunikationsassistenz, Filmarchiv Austria)
Online-Raum: https://zoom.us/j/651295114

Update:

Wer den Treffpunkt Kulturmanagement verpasst hat, kann sich hier die Aufzeichnung anschauen:

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Kulturfinanzierung: Nicht nur auf dem stARTcamp Linz ein Thema

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Eigentlich wollte ich ja schon lange über das stARTcamp in Linz schreiben, aber da ich in den letzten Wochen viel unterwegs war und es auch einige Feiertage gab, hatte ich nicht die nötige Ruhe, um meine Eindrücke von der stARTcamp-Premiere in Oberösterreich wiederzugeben. Bevor ich mich mit den Inhalten beschäftige: Ein großes Dankeschön geht an Wolfgang Gumpelmaier, der für diese Veranstaltung mit dem Wissensturm nicht nur eine tolle Location gefunden, sondern auch sonst alles perfekt organisiert hat.

„Kulturfinanzierung“ lautete die thematische Vorgabe für den Tag, das Ergebnis der Sessionplanung konnte sich sehen lassen:

Sessionplanung stARTcamp Linz

Natürlich stand die Frage nach neuen und erfolgsversprechenden Finanzierungsoptionen im Vordergrund und natürlich ging es dabei auch um Crowdfunding. Aber nicht nur. Auch EU-Förderungen waren ein Thema oder die Frage, welchen Wert Kulturarbeit hat und ob die Genossenschaft eine geeignete Rechtsform dafür ist? Natürlich muss es bei einem stARTcamp auch um Social Media gehen, passend zum Thema diskutierten wir über den Wert eines Likes und die richtigen Kennzahlen.

Ob ein Like einen Wert besitzt, hängt letzten Endes von den Zielen ab, die man sich gesteckt hat. Oft ist es aber umgekehrt, die Überlegungen gehen eher in Richtung der Frage, welche Kennzahlen es gibt und ob sie sich verwenden lassen. Viele haben mittlerweile verstanden, dass es nicht reicht, nur Impressions, Likes und Kommentare zu zählen. Aber was ist die Alternative? Vielleicht die „7 Must Track Metrics for Inbound Marketing„? Natürlich klingt es vernünftig, jede Woche nachzusehen, wo man mit den gewählten Keywords im Suchmaschinenranking zu finden ist. Angenommen, wir landen damit ganz vorne im Ranking, was passiert dann und was sagt uns das? Ziele sind Mangelware und so landen wir dann doch schnell wieder bei den Fans- oder Followerzahlen.

Wichtig können die sein, wenn es um das Thema Crowdfunding geht. Dass es dafür der Unterstützung durch die eigene Community bedarf, wissen wir mittlerweile. Aber was muss ich tun, damit sie sich für mich engagiert? Die Antwort fällt meist ernüchternd aus: Wir wissen es nicht, weil wir uns davor scheuen, mit Daten zu arbeiten und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Vielleicht lässt sich diese Scheu überwinden, wenn sich ein Modell durchsetzt, das Crowdfunding und Sponsoring miteinander verbindet.

Die Bank Austria verteilt ihre aktuell 110.000 Euro nicht einfach nur im Rahmen des Kunstpreises an drei oder mehrere Preisträger, sondern verbindet ihn mit einem Crowdfundingprozess, an dessen Ende ausgewählte Projekte ein Drittel der Finanzierungskosten von der Bank erhalten. Aber was erkläre ich das lange. Dieses Video macht deutlich, worum es geht und wie der Prozess abläuft:

Auf diese Weise lässt sich die Summe, die den verschiedenen Projekte zugute kommt, verdreifachen, der Hebel wird durch die Kampagne vergrößert und führt dazu, dass mehr Geld in die Vorhaben fließt. Für mich führt die Kombination von Sponsoring und Crowdfunding zu einer Win-Win-Situation, denn es profitiert auf der einen Seite der Sponsor, der aber im Rahmen dieses Modells nicht nur mehrere Projekte unterstützt, sondern – zumindest derzeit – auch eine recht große Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Machen das alle, wird vermutlich kein Hahn danach krähen. Doch halt, der Kunst- und Kulturbereich, denn dank der Hebelwirkung fließt in diesem konkreten Fall die dreifache Summe in die Projekte. Aber nur, wenn es gelingt, zwei Crowdfundingkampagnen erfolgreich durchzuführen und die finanziellen Ziele zu erreichen, nämlich jeweils ein Drittel der benötigten Gesamtsumme.

Der Nachteil: Die Kultureinrichtungen haben es in diesem Fall nicht mehr in der Hand, mit einzelnen Sponsoren zusammen zu arbeiten. Das Unternehmen bestimmt den Ablauf und die „Fans“ entscheiden, welche Kampagnen erfolgreich sind und das Geld des Sponsorgebers erhalten.

Der Vorteil: Crowdfunding ist mehr als nur ein Finanzierungsinstrument und verbindet die Bereiche Kulturfinanzierung und Marketing miteinander. Profitieren werden die, denen es gelingt, ihre Communitys zu aktivieren und auf unternehmerisches Handeln beziehungsweise Marketing zu setzen. Und dafür braucht es auch wieder Kennzahlen, Kennzahlen, mit denen heute viele noch nicht arbeiten wollen.

 

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Nach dem stARTcamp ist vor dem stARTcamp: In Linz geht es am 7. Mai um Kulturfinanzierung

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Bild: Linzer Pflasterspektakel 2008 – Rumpel„; von Chrissy W (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Fack ju Subvention!“ ist ein Artikel in der WELT überschrieben, in dem der Autor die Meinung vertritt, die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziere nur gremienverhunzte Konsensbrühe und die Künstler müssten sich endlich entscheiden,

„ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen“.

Wurde im „Kulturinfarkt“ die Forderung nach einer möglichen Kürzung der Subventionen noch argumentiert, schwadroniert hier jemand vor sich hin, ohne groß eine Ahnung zu haben, schafft es aber, den Begriff des Bildungsbürgers endgültig zu diskreditieren. Gut, inhaltlich gibt der Artikel also nicht viel her, aber die Überschrift passt gut zum stARTcamp in Linz, das am 7. Mai stattfindet und zwar im Wissensturm, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. „Fack ju Subvention!“ Obwohl, ich würde das Ausrufezeichen noch durch ein Fragezeichen ersetzen, also: „Fack ju Subvention?“ Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Es geht um die Frage, wie sich Kunst und Kultur finanzieren lassen. Auch wenn das den einzelnen KünstlerInnen und Kultureinrichtungen nicht so vorkommen mag, aber es fließt noch ziemlich viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich. Aber vielleicht ließe sich in Linz die Frage diskutieren, ob das Geld richtig fließt und vor allem: erreicht es auch die Richtigen?

Das Hauptaugenmerk wird nächste Woche aber sicher bei den Alternativen zur öffentlichen Förderung liegen. Die aktuelle Ausgabe des KM-Magazins hat dazu eine Steilvorlage geliefert und behandelt unter der Überschrift „Kulturfinanzierung“ Themen wie Sponsoring, Corporate Cultural Responsibility, Online-Fundraising oder Crowdfunding. Aber mir reicht das noch nicht. Gilt diese Einteilung überhaupt noch? Lohnt es sich, weiter auf das klassische Kultursponsoring zu setzen, obwohl es vermutlich vielen so geht wie Christoph Grunenberg, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, der im KM-Magazin konstatiert,

„dass der Anteil des Sponsorings an der Gesamtfinanzierung geringer geworden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren, mit abnehmender Tendenz“.

Und was ist mit denen, die bis jetzt noch gar keine Sponsoren hatten? Ist für die Crowdfunding eine Alternative? Ich denke schon, aber nicht nur für die, denn Crowdfunding ist mehr als nur ein (neues) Finanzierungsinstrument. Vielleicht stimmen all die Kategorien nicht  mehr? Ich habe gerade einen sehr guten Artikel von Dion Hinchcliffe gelesen. In „How much can technology actually improve collaboration?“ zeigt er, welche Vorteile sich daraus ergeben, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber mir reicht es nicht, wenn wir nur darüber nachdenken, wie Theater kooperieren. Oder Museen. Und wenn wir innovativ sind, Theater mit Museen. Nein, denken wir mal weiter und orientieren wir uns an dem, was die BesucherInnen eines Konzerts oder einer Ausstellung davor und danach erleben beziehungsweise, was sie sich davor und danach wünschen? Mit dem Modell des digitalen Erlebnisraums geht es uns darum, Kooperationen entlang einer Wertschöpfungskette zu entwickeln.

Einen Schritt zurück: Immer wieder weisen wir darauf hin, dass das Wertvolle der künstlerischen Arbeit nicht nur das künstlerische Objekt ist, sondern der Prozess, der dazu geführt hat. Wir verkaufen aber nur Tickets, um das Ergebnis dieser Arbeit bestaunen zu können. Der Prozess bleibt unter Verschluss. Das ist übrigens auch ein Problem, wenn es darum geht, die künstlerische Arbeit zu bewerben und zu vermitteln. Hier stoßen wir ganz schnell an Grenzen, die es zu überwinden geht. Tom Goodwin formuliert das recht schön in seinem Artikel „Why You Don’t Need A Digital Strategy„:

„You Don’t Need A Digital Strategy, You Need A Digitally Transformed Company.“

Anders gesagt: Erst wenn es Kultureinrichtungen gelingt, sich neu zu organisieren,  besteht die Möglichkeit, die Finanzierungsprobleme zu lösen.

Wer jetzt Lust verspürt mitzudiskutieren, der sollte zum stARTcamp nach Linz kommen, denn es gibt kein besseres Format als ein Barcamp, um solche Themen zu diskutieren. Apropos Format: Wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, hier die schnelle Antwort: Das Programm wird in der Eingangssession gemeinsam festgelegt, alle können etwas vortragen, diskutieren oder auch einfach eine Frage stellen (mehr dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„). Der Erfolg des stARTcamps hängt also von den TeilnehmerInnen ab. Wenn sich alle aktiv beteiligen, diskutieren oder fragen, dann wird das stARTcamp eine tolle Sache, warten alle nur darauf, dass etwas passiert, wird es eher eine langweilige Veranstaltung. Aber keine Sorge, bis jetzt war die Begeisterung immer groß (man kann das zum Beispiel aus den Blogbeiträgen über das stARTcamp in München herauslesen). Fehlen nur noch die Informationen…

Wo, wann und wie?

Das stARTcamp Linz findet am 7. Mai im Wissensturm in Linz (Kärtnerstraße 26, 4020 Linz) statt, los geht es um 10 Uhr. Wer dabei sein möchte, muss sich nur über diese Liste anmelden. Der Eintritt ist kostenlos, aber für Essen und Getränke wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 Euro eingesammelt. Wer schon Themenvorschläge, Fragen oder Diskussionspunkte hat, kann diese in die Liste der Sessionvorschläge eintragen. Ach ja, und etwas Werbung wäre natürlich auch nett. Blogbeiträge oder ein paar Postings auf Facebook und Twitter (hashtag #sclinz) helfen Wolfgang Gumpelmaier und allen, die ihn dabei unterstützen, weiter. Wir sehen uns. ;-)

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Vogelgezwitscher, Open Cultural Data und der Kultur-Hackathon Coding da Vinci

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Ich bin vermutlich nicht der einzige, der sich morgens von einem Wecker aus dem Schlaf reißen lässt. Bei vielen ertönt ein Klingelton, andere lassen sich lieber mit Musik wecken. Bei mir sind es im Moment Vögel, die mich mit ihrem Gezwitscher aufwecken. Wer am richtigen Ort wohnt, der hat sie vor seinem Zimmer, ich nutze dafür – in Ermangelung der Vögel – die App zzZwitscherwecker (leider nur für Android erhältlich). Jeden Tag bekomme ich etwas anderes vorgespielt und sollte dann sofort munter sein, denn um das Gezwitscher abzustellen, muss ich raten, welcher Vogel da singt. Insgesamt vier Vögel stehen zur Auswahl und wenn ich richtig geraten habe, kann ich noch Informationen über den „Sänger“ abrufen und zwar in Form des Wikipedia-Artikels. Rate ich falsch, zwitschert der Vogel weiter, was allerdings nicht unangenehm ist.

Interessant ist die Herkunft der Vogelstimmen, denn diese App ist eines der Ergebnisse des Kultur-Hackathon Cod1ng da V1nc1, der letztes Jahr zum ersten Mal stattfand. Was ein Hackathon ist, wird auf der Seite der Nerd-Zone erklärt:

„Bei einem Hackathon arbeiten Programmierer unter Zeitdruck ein Wochenende lang an einem Projekt. Das Motto wird dabei vom Veranstalter vorgegeben. Ziel ist es dann innerhalb von 24h plus Vorbereitungszeit gemeinsam im Team vorzeigbare Ergebnisse zu produzieren. Die besten Teams werden mit Preisen belohnt. Ein Hackathon ist kein Programmierwettbewerb im klassischen Sinne, sondern ein Programmier-Fest! Es ist ein kollektives, soziales Erlebnis und nicht Arbeit. Es soll soviel Spaß machen wie eine gute Party, mit gutem Essen und netten Leuten.“

Bei Cod1ng da V1nc1 ging es darum, aus frei nutzbaren Kulturdaten etwas zu entwickeln, was nützlich ist, witzig ist oder einen klüger macht. Die Voraussetzung dafür ist, dass es Daten gibt. In diesem Fall stellten 16 Kultureinrichtungen „26 Datensets – darunter Bilder, Sounds, Karten, Videos und Metadaten – für den Kultur-Hackathon unter einer offenen Lizenz zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung, die vorher nur schwer zugänglich oder/ und nicht nachnutzbar waren“, wird auf der Website erklärt.

„Bei der Auftaktveranstaltung 2014 nahmen 150 Personen (Entwickler/innen, Designer/innen, Gamer/innen, Kulturinteressierte) teil und sammelten in Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen 27 Projektideen. Nach 10 Wochen produktiver Zusammenarbeit wurden 17 digitale Kulturprojekte bei der öffentlichen Preisverleihung vor 180 Interessierten vorgestellt,“

heißt es dort weiter. Wobei das jetzt die Kurzfassung ist, wer mehr wissen möchte, schaut sich die sechsminütige Zusammenfassung des letzten Jahres an:

Die Vogelstimmen, die mich täglich wecken, stammen übrigens aus dem Museum für Naturkunde in Berlin, das über ein Tierstimmenarchiv verfügt, in dem mehr als 15.000 Tonaufnahmen online abrufbar sind. Einen sehr viel ernsteren Hintergrund hat das Projekt „Inside 19xx„, das auf dem Datenmaterial über die im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen und AutorInnen basiert. Neben der Visualisierung der Lebenswege der AutorInnen ist es auch möglich, anhand des Datenmaterials das Leben der AutorInnen nachzuerzählen. Für die Projektseite wurde das Leben von Annette Kolb und Erich Kästner gewählt.

Eine Crowdfunding-Kampagne soll für das nötige Geld sorgen, um die Daten „säubern“ zu können

Wenn Kultureinrichtungen heute die Sorge haben, sie könnten überflüssig werden, dann haben sie hier die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, indem sie ihre Daten zugänglich und frei nutzbar machen. Open cultural data sind die Voraussetzung für solche Wettbewerbe wie Cod1ng da V1nc1. Mia Ridge hat zu diesem Thema einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, in dem sie nicht nur erklärt, warum diese Daten bis jetzt kaum genutzt worden sind, sondern auch einen Blick in die Zukunft wirft. Bei ihr habe ich auch eine Liste der Museen gefunden, die ihre Daten zur Verfügung stellen. Sie sieht schon recht beeindruckend aus, aber gemessen an der Zahl der Museen, die es weltweit gibt, ist das noch gar nichts.

Durch die fortschreitende Digitalisierung sammeln sich gerade im Museumsbereich gewaltige Datenmengen an. Allerdings werden sie häufig in speziellen Formaten abgespeichert und sind damit für andere nicht zu gebrauchen. Diese Daten müssen, sollen andere sie nutzen, erst „gesäubert“ werden, was Kosten verursacht. Das Cod1ng da v1nc1-Team hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um ein Minimum von 10.000 Euro zusammen zu bekommen. Alle wichtigen Informationen enthält dieses Video:

 

In acht Tagen endet die Kampagne und noch fehlt ein Dreiviertel dieser Summe. Höchste Zeit also, dieses Vorhaben zu unterstützen. Mit frei verfügbaren Daten zu arbeiten und sie so aufzubereiten, dass sie uns – in welcher Hinsicht auch immer – einen entsprechenden Mehrwert bieten, ist, so denke ich, eine großartige Chance für die Kultureinrichtungen, sichtbarer zu werden und auf ganz unterschiedliche Art und Weise in unserem Alltag aufzutauchen. Zugegeben, es sieht nicht gut aus, was die Crowdfunding-Kampagne betrifft. Aber wenn ich daran denke, dass Pebble vor kurzem 8 Mio. USD für die Produktion einer SmartWatch einsammeln konnte und das an einem Tag, dann müsste es doch auch möglich sein, 7.500 Euro für den Kultur-Hackathon aufzutreiben, oder?

 

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wemakeit startet in Österreich: ist Crowdfunding das neue Marketing?

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Für die meisten geht es beim Thema Crowdfunding nur um die Frage, wie sie das Geld zusammen bekommen, das sie für ihr nächstes Projekt benötigen. Aber ist das wirklich schon alles? Eröffnen sich hier nicht ganz neue Möglichkeiten, die Finanzierung eines Vorhabens im Kunst- und Kulturbereich mit dessen Bewerbung zu verknüpfen, so wie ich das vor ein paar Tagen schon in einem Blogbeitrag zu skizzieren versucht habe?

Wie sehen das die Crowdfundingplattformen? Verändert sich das Crowdfunding und wenn ja, was bedeutet das für die InitiatorInnen von Crowdfundingkampagnen und natürlich auch für die Plattformen selbst? Den gerade erfolgten Österreich-Start der in der Schweiz gegründeten Plattform wemakeit habe ich zum Anlass genommen, der Österreich-Chefin Simone Mathys-Parnreiter ein paar Fragen zu stellen.

Simone Mathys-Parnreiter

© Miguel Dieterich

Kulturmanagement Blog: Ihr seid gerade in Österreich an den Start, lohnt sich das in so einem kleinen Land wie Österreich überhaupt?

Simone Mathys-Parnreiter: Natürlich. Es hat sich für uns auch in der Schweiz gelohnt und die ist ja bekanntlich deutlich kleiner. Österreich ist für uns sehr spannend: Es gibt viele sehr aktive Szenen, in denen es brodelt und zugleich ist Crowdfunding erst im Kommen. Ausserdem gibt es generell noch Entwicklungspotential in die thematische Tiefe, abgesehen von der geografischen Breite: Wie, wofür und von wem Crowdfunding genutzt werden kann. Zum Beispiel für Regionalentwicklung, am Land, als Markttest für etablierte Player, als Teil von Social-Business-Strategien etc.

Kulturmanagement Blog: Für viele ist Crowdfunding einfach eine neue Möglichkeit, die eigenen Projekte im Kunst- und Kulturbereich zu finanzieren. Statistisch gesehen ist die Aussicht auf Erfolg auch gar nicht so schlecht. Wie siehst Du die weitere Entwicklung? Wird es zukünftig schwerer werden, auf diesem Weg Projekte zu finanzieren oder können wir weiterhin davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Vorhaben das finanzielle Ziel erreicht?

Simone Mathys-Parnreiter: Was sich ändern wird, ist der Neuigkeitswert von Crowdfunding an sich. Derzeit hat man je nach Bereich, in dem man tätig ist, schon nur mal deswegen Aufmerksamkeit für eine Kampagne, weil Crowdfunding noch relativ neu ist. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Crowdfunding eine gewissen Selbstverständlichkeit haben wird, für die Projekte wie für die Crowds – als Finanzierungsmöglichkeit, Vorverkauf, Markttest oder Partizipationsmodell. Daran werden sich die Projekte in Sachen Storytelling und Kommunikation anpassen müssen. Für stark auf Breitenwirksamkeit ausgelegte Projekte mag es enger werden, dafür werden sich die Crowds stärker daran gewöhnt haben, auf diesem Weg an Kulturprojekten zu partizipieren. Und direkte Kommunikation mit der eigenen Zielgruppe wird sich stärker als Must Do etablieren. Ich denke, dass sich dies unterm Strich nicht groß auf die Erfolgsquoten auswirken wird. Übrigens: Bei uns auf wemakeit erreichen im Schnitt 70% der Projekte ihr Ziel.

Kulturmanagement Blog: Vor allem kleinere Kulturbetriebe tun sich schwer Sponsoren zu gewinnen. Ist das Crowdfunding für diese eine lohnende Alternative oder lassen sich vielleicht sogar beide Instrumente verbinden? Ich denke dabei an Eure Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen Swisscom.

Simone Mathys-Parnreiter: Beides – und es gibt auch noch ein drittes Szenario: Dass man Sponsoren leichter bekommt, wenn man mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kamapgne bewiesen hat, dass man ein interessiertes Publikum hat und vermag, dieses zu aktivieren. Das ist das, was Sponsoren interessiert – ihr „Reward“ ist schließlich meist Werbepräsenz.

Verbindungen von Crowdfunding und Sponsoring sind auf verschiedene Arten interessant. Zum Beispiel für Sachsponsoring von Rewards für Kampagnen, gerade derzeit, wo Sachunterstützung leichter zu bekommen ist als Geld. Dann gibt das Modell, Sponsoring und über Crowdfunding erwirtschaftete Gelder zusammenspielen zu lassen – wie bei unserer Kooperation mit der Swisscom in der Schweiz, dem Swisscom Music Booster: Die Swisscom hat einen Fördertopf für junge Schweizer Bands zur Verfügung gestellt und vergeben werden die Gelder über Kampagnen auf wemakeit. Sobald diese Kampagnen 30% ihres Finanzierungszieles erreicht haben, legt die Swisscom die nächsten 30% drauf (wenn der Betrag auch nach oben gedeckelt ist). Die letzten 40% müssen die Bands wieder selbst erfunden. So ist für die Swisscom sichergestellt, dass sie nur Bands unterstützen, die tatsächlich „dahinter“ sind und Publikum haben und dass sie als Sponsoren werbewirksam präsent sind. Letzteres können wir auf wemakeit mit einem eigenen Channel für den Music Booster sicherstellen.

Kulturmanagement Blog: Wer beim Crowdfunding erfolgreich sein möchte, darf mit der Bewerbung nicht warten, bis das Projekt fertig ist, sondern muss schon frühzeitig auf sich aufmerksam machen. Welche Auswirkungen hat das auf das Marketing von Kulturbetrieben?

Simone Mathys-Parnreiter: Positive. Bei Crowdfunding reicht es nicht, nach Fertigstellung eines wie auch immer gelagerten Projektes die breite Kommunikationskanone anzuwerfen (Pressemitteilungen, Flyer, Plakate etc.). Die Crowd – das Zielpublikum, die Menschen, für welche diese Kulturangebote da sein sollen – müssen früher in konzeptuelle Überlegungen und in die Kommunikation einbezogen werden. Das heisst, dass man nicht im Elfenbeinturm dahinwerkeln kann, sondern sich für seine Zielgruppe interessieren muss: sie wahrnehmen, ernst nehmen und einladen. Für mich heisst das zum Beispiel – was manche Institutionen machen, andere aber nicht – Vermittlung nicht als nachgelagertes To Do zu sehen, sondern konzeptuell von Anfang an mitzudenken. Wenn Crowdfunding ein Incentive für all das ist, ist das grossartig.

Kulturmanagement Blog: Was bedeutet das für die Plattformen? Müssen die den Schritt hin zum Marketing auch mitgehen und was könnte das im Hinblick auf deren Angebote bedeuten? Werden aus Anbietern wie wemakeit oder all den anderen Anbietern Marketingplattformen?

Simone Mathys-Parnreiter: Ja und nein. Marketing durch die Plattformen selbst halte ich nur für bedingt sinnvoll. Mit generischer Massenkommunikation ist es im Crowdfunding nicht getan. Jedes Projekt hat eine andere Crowd, die eine andere Sprache spricht und so persönlich wie möglich erreicht werden soll.

Ich kann mir vorstellen, dass Plattformen beginnen werden, Kommunikationsunterstützung als Zusatzleistungen anzubieten. Es gibt einen hohen Bedarf bei den Projekten und viel Know-How bei den Plattformen, das ist sozusagen aufgelegt. Wir unterstützen bei wemakeit ja persönlich bei der Planung der Kampagne, können aber dennoch nicht so weit gehen, wie etwa eine Agentur, die faktisch die Kampagne mit den Leuten gemeinsam macht. Hier wird sicherlich auch in Österreich ein Sekundärmarkt für Dienstleistungen rund um Crowdfunding heranwachsen und bestehende Kommunikationsagenturen werden das verstärkt in ihre Portfolios aufnehmen.

Kulturmanagement Blog: Hast Du für all diejenigen, die gerade ihre erste Kampagne planen, einen Tipp, was sie unbedingt vermeiden sollten?

Simone Mathys-Parnreiter: Nabelschau und glauben, dass Kommunikation ein Selbstläufer ist. Und als positiven Tipp: Love your crowd!

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten! ;-)

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Crowdfunding: mehr als ein Finanzierungsinstrument

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Bild: The Strategy of Chess„; von Ken Teegardin (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vor ein paar Tagen war in der ZEIT ein Artikel zu lesen, dessen Überschrift lautete: „Ist das noch Crowdfunding?“ Berichtet wird über die Kampagne von Pebble, einem jungen Unternehmen aus dem Silicon Valley, das via Kickstarter sein neuestes Produkt verkauft. Denn als Gegenleistung gibt es die Pebble Time, eine Smartwatch, die erstmals ein farbiges Display aufweist. Funktioniert hat die Kampagne allemal, denn bereits am ersten Tag kamen 8 Mio. USD zusammen. Rund 40.000 UnterstützerInnen erwarben die Uhr zu sehr günstigen Preisen, mittlerweile haben sich weitere 10.000 KäuferInnen gefunden, die nun mehr als 11 Mio. USD in die Unternehmenskasse spülen.

Gründe, warum das Unternehmen auf Crowdfunding setzt, gibt es einige. Zum einen ist es eine klug aufgesetzte Marketingaktion, die ganz stark auf Kundenbindung setzt.

„Der Erfolg auf Kickstarter gehört zur Unternehmenslegende, die Träger der Pebble fühlen sich, nicht ganz zu Unrecht, als Pioniere und Unterstützer einer guten Idee,“

heißt es in dem Artikel. Geboten wird nicht nur die Uhr, sondern es gibt täglich Informationen und Unterhaltung rund um das neue Produkt. Die Kampagne wird zum Event. Für Pebble ist der Verkauf über Kickstarter aber auch wirtschaftlich interessant, denn hier lassen sich höhere Margen erzielen als über den Einzelhandel. Außerdem lässt sich auf der Basis der Kampagne sehr gut einschätzen, wie das Produkt ankommt und so der Produktionsprozess steuern.

Während Crowdfunding in seiner Anfangszeit vor allem als Finanzierungsinstrument gesehen wurde, ist das heute etwas anders. Diese Form der Geldbeschaffung ist erwachsen geworden und wir sehen, dass sich hier ein viel größeres Potenzial verbirgt als das Einsammeln von Geld.

Für den Kulturbereich sehe ich die große Chance, mit dem Instrument des Crowdfunding in zweifacher Hinsicht erfolgreich zu sein. Erstens darf ich, wenn ich auf einer der mittlerweile zahlreichen Plattformen nicht untergehen möchte, eine Crowdfundingkampagne nicht nebenbei laufen lassen. Sie muss beworben werden und zwar richtig. Was liegt näher, als mein Projekt beziehungsweise mein Produkt schon so früh zu bewerben und sofort mit dem Marketing zu beginnen? Der Vorteil: Ich kann meine UnterstützerInnen per Newsletter oder über Beiträge auf der Projektseite erreichen und ich weiß, dass sie sich für mich interessieren. Schließlich haben sie mich schon finanziell unterstützt. Hinzu kommt: Kultureinrichtungen tendieren meist dazu, zu spät mit ihren Marketingaktivitäten zu beginnen. Zwei Wochen vor der Premiere damit zu beginnen, das kann ich mir nicht leisten, wenn ich das Vorhaben auf diese Weise (mit)-finanziere.

Das klingt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, führt aber vermutlich in vielen Betrieben zu völlig neuen Abläufen. Oft bekommen Marketing und PR die Informationen erst sehr spät, wenn inhaltlich alles klar ist und die Produktion steht. Das geht nun nicht mehr, es bedarf neuer Formen der Zusammenarbeit, denn das Marketing muss schon frühzeitig, schon vor Beginn der Produktion, mit Inhalten gefüttert werden, um die Crowdfundingkampagne starten zu können.

Die Fundraisingpyramide: Mit dem Crowdfunding geht es los

Zweitens glaube ich, dass das Crowdfunding eine große Hilfe in finanzieller Hinsicht sein kann. Zwar gibt es viele Kultureinrichtungen, die private Geldgeber erst dann suchen, wenn die Not groß ist. Aber wer Fundraising strategisch angeht, wird sich seine UnterstützerInnen langsam aufbauen, ob das nun Privatpersonen oder Unternehmen sind.

Fundraisingpyramide

Die Fundraisingpyramide zeigt, ich habe sie hier kurz skizziert, dass ich in einem ersten Schritt möglichst viel Personen ansprechen muss. Erreichen werde ich sie vor allem über meine Inhalte, Konzerte, Ausstellungen, Inszenierungen, was auch immer. Der Aufwand ist dafür relativ groß, reinkommen wird in der Regel anfangs aber nicht so viel. Ich kann dafür eine Spendenkampagne lancieren, Fördervereine aufbauen oder eben auch auf das Crowdfunding setzen. Der Vorteil: ich komme recht schnell in die Gänge, es passiert sofort etwas und ich kann auch gleich mit unterschiedlichen Gegenleistungen aufwarten. Natürlich hängt die Entscheidung für oder gegen eine Crowdfundingkampagne auch von meiner Zielgruppe ab und es spricht auch nichts dagegen, einen Förderverein aufzubauen oder eine Spendenkampagne durchzuführen.

Auch im Hinblick auf Sponsoren ist Crowdfunding ein guter Einstieg. Sie wenden sich zu Beginn an Privatpersonen und bauen zu denen möglichst langfristige Beziehungen auf. UnternehmerInnen, AgenturvertreterInnen, MarketingleiterInnen, wer weiß, wen Sie mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne erreichen und gewinnen können? Im Idealfall gelingt Ihnen der Schritt.

Hinzu kommt: Viele Kultureinrichtungen können in Sachen Werbung gar nicht so viel anbieten. Das Programmheft, in dem das Logo zu finden ist, kaufen nur wenige und die Plakate verschwinden auch bald wieder. Kultureinrichtungen, die auf Crowdfunding setzen, sind im Social Web aktiv und haben deshalb schon im Vorfeld eine – hoffentlich – große Sichtbarkeit. Kann es nicht sein, dass Sie schon alleine dadurch für Unternehmen attraktiver werden? Stichwort Image: Holen Sie Unternehmen mit ins Boot und geben ihnen etwas davon ab. Durch die enge Verzahnung mit dem Marketing wird es jeden Menge Möglichkeiten geben, mit Unternehmen zu kooperieren.

Wir sind gerade in einer Umbruchphase und das in vielerlei Hinsicht. Die öffentlichen Mittel reichen immer seltener, um die vielen Vorhaben im Kunst- und Kulturbereich zu ermöglichen. Für Kulturbetriebe wird es nicht leichter, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig buhlen viele um dieselben Zielgruppen. Das Crowdfunding könnte ein Instrument sein, mit dessen Hilfe Sie hier trotzdem weiter kommen, auch weil das Marketing immer stärker auf Social Media setzt. Wohin die Reise wirklich geht, kann ich heute noch nicht sagen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das Crowdfunding zukünftig eine ganz wichtige Schnittstellenfunktion im Kunst- und Kulturbereich ausübt und die beiden großen Themenbereiche Kulturfinanzierung und -marketing miteinander verbindet.

Siehe dazu auch: Crowdfunding in 11 Schritten (Teil I)

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Im zweiten Teil dieser Serie hatte ich geschrieben, dass eine Crowdfunding-Kampagne nicht ein kleines Anhängsel eines „richtigen“ Projektes ist, sondern als ein eigenständiges Vorhaben zu betrachten sei. Wer schon mal eine Kampagne durchgeführt hat, weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Die Frage ist, über welchen Zeitraum wir diese Arbeit verteilen, denn die Laufzeit unserer Kampagne bestimmen wir in der Regel selber.

Schritt 6: Setzen Sie den Termin für die Deadline fest

Gerade AnfängerInnen entscheiden sich häufig für eine längere Laufzeit, weil sie glauben, so größere Chancen zu haben, das eigene Vorhaben erfolgreich zu finanzieren. Ob das wirklich so stimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Blogbeitrag aus dem letzten Sommer weist darauf hin, dass auf Kickstarter Kampagnen mit einer Laufzeit von 30 oder weniger Tagen eine höhere Erfolgsquote (35 Prozent) aufweisen als die mit einer Laufzeit von 60 Tagen (Erfolgsquote: 29 Prozent). Offen bleibt, ob dabei die Dauer der Kampagne eine Rolle spielt oder die Höhe der Summe, um die es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meiste Unterstützung zu Beginn und am Ende einer Kampagne gibt. Dazwischen geht es oft sehr zäh voran. Meist lässt die erste Euphorie des Projektteams nach einem – hoffentlich – erfolgreichen Auftakt etwas nach und auch die UnterstützerInnen denken sich, dass es ja noch nicht eilig sei, das Vorhaben zu unterstützen. Ich scheue mich davor, von einer Durchhängerphase zu sprechen, aber meist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag wesentlich schlechter als in Start- und Endphase. Deshalb plädiere ich eher für kurze Laufzeiten, bei kleineren Projekten sind das zum Beispiel 30 Tage, bei größeren 60. Maria Weiss hat zum Beispiel genau 30 Tage gebraucht, um für ihr Projekt „favola in musica“ 9.200 Euro einzusammeln und damit das Brennen der CD und den Druck des Digibooks zu finanzieren.

favola in musica

Die Plattform Indiegogo testet derzeit die Möglichkeit, Kampagnen über deren eigentliches Ende hinaus weiter laufen zu lassen. In ihrem Blogpost „Continuing Your Success on Indiegogo“ wurde vor zwei Monaten das Pilotprogramm „Forever Funding“ angekündigt,

„that will let campaigners continue raising money even after their campaign deadline, providing a new way to deepen their engagement with funders“.

Mir gefällt der Ansatz, denn er fördert eine Entwicklung, in der Crowdfunding sich immer mehr in Richtung Marketing bewegt und den engen Kontakt zu den UnterstützerInnen auch über die Kampagne hinaus zu nutzen. Ob er sich bewährt, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell vor allem denen entgegenkommt, die mit Hilfe von Crowdfunding die Entwicklung eines Produktes finanzieren und es als Gegenleistung zum Kauf anbieten. Ein Beispiel ist die Kampagne für das Tracking-Tool TrackR bravo, die bis zum eigentlichen Kampagnenende Anfang August 1,26 Mio. USD einsammeln konnte und mittlerweile bei 1,46 Mio. angekommen ist. Ob dieses Modell auch bei einem jährlich stattfindenden Theaterfestival funktioniert, müsste man ausprobieren. Allerdings ist die Herausforderung in diesem Fall ungleich größer als bei dem erwähnten Beispiel, denke ich.

Schritt 7: Finden Sie die passenden Gegenleistungen

Die Gegenleistungen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Kampagne. Wer hier gute und kreative Ideen und das Gespür dafür hat, was der „Crowd“ gefällt, kann seine Erfolgsaussichten gewaltig steigern. Wer die Entwicklung und Produktion eines Produktes, zum Beispiel einer CD, eines Films oder Buches, finanziert, hat es relativ leicht, denn als Gegenleistung steht das Produkt selbst zur Verfügung. Bei der Kampagne von TrackR bravo kann ich lediglich das Tool erwerben und es farblich und mit einer Gravur versehen aufpeppen. Außerdem gibt es Mengenrabatt. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber wenn sich die UnterstützerInnen für das Produkt interessieren, reicht das.

Maria Weiss war da etwas keativer und hat nicht nur die CD in mehreren Varianten angeboten, sondern auch an den kleinen Geldbeutel gedacht. Wer nicht bereit ist, eine CD zu erwerben und das Projekt trotzdem unterstützen möchte, kann das auch mit geringen Beträgen tun und erhält zum Beispiel einen Song zum Download oder ein Postkartenset mit Motiven aus der Produktion. Darüber hinaus kann eine UnterstützerIn aber auch eine Gesangsstunde, ein Abendessen oder eine Kutschenfahrt „erwerben“. Dabei sollten Sie beachten, dass bei den Gegenleistungen selbst auch wieder Kosten anfallen. Das heißt, mit den Beträgen, für die die Crowd eine Gegenleistung erhält, müssen sie sowohl das eigentliche Projekt, aber auch die Gegenleistungen finanzieren. Dass ein Abendessen für drei Personen etwas kostet, wissen Sie natürlich. Aber vergessen Sie nicht die Portokosten, wenn Sie Bücher oder CDs verschicken.

Wie viele verschiedene Gegenleistungen sollten Sie anbieten? Die Plattform VisionBakery schlägt in einem Blogbeitrag fünf bis zehn verschiedene Angebote vor, ansonsten droht es ihrer Ansicht nach unübersichtlich zu werden. Zehn unterschiedliche Gegenleistungen zu entwickeln, ist schon eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man keine CD und kein Buch, sondern ein Theaterstück produziert. Das Transition Theater zeigt recht schön, wie man die Sache angehen kann. Im Rahmen ihrer erfolgreichen Kampagne für die Produktion ihres Stückes Zeitwohlstand haben sie nicht nur 16 verschiedene Gegenleistungen entwickelt, sondern sich darüber hinaus inhaltlich an der Produktion orientiert. Schon für 2 Euro gibt es eine „Dankes-Zeit“, in der man nachfühlen soll, wofür man an diesem Tag dankbar sein soll. Aber man kann auch die ganze Produktion zu sich einladen, allerdings kostet das dann etwas mehr als die 2 Euro. ;-)

Vergessen Sie nicht die Unternehmen! Auch denen können Sie hier Angebote unterbreiten und darauf hoffen, dass Sie Ihren Sponsoringpartner via Crowdfunding finden. Ob das nun die Nennung des Namens im Abspann eines Films oder auf einer CD ist oder ein privates Konzert, in jedem Fall kann das Unternehmen von der Sichtbarkeit ihrer Kampagne profitieren. Je erfolgreicher Ihr Crowdfunding, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Bevor Sie sich jetzt den Kopf zerbrechen, werfen Sie doch einfach einen Blick auf die vielen Projekte, die sich auf den veschiedenen Plattformen präsentieren und lassen Sie sich von deren Ideen inspirieren. Wir müssen das rad ja nicht jedes Mal neu erfinden. ;-)

In der nächsten Folge dieser kleinen Serie geht es um die Frage, wie Sie Ihr Projekt am besten präsentieren.

Siehe auch:

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Nun hat es mit dem dritten Teil meiner kleinen Serie über Crowdfunding doch etwas länger gedauert, ich bitte um Verzeihung. Wenn Sie direkt von einer der Suchmaschinen oder einem sozialen Netzwerk hierher gesprungen sind, hier finden Sie Teil I und Teil II. Nachdem Sie Ihr Vorhaben und die Crowdfunding-Kampagne sorgfältig geplant haben und auch wissen, welche Kosten anfallen, geht es im nächsten Schritt um die Frage, für welche Plattform Sie sich entscheiden sollen beziehungsweise ob es vielleicht auch Sinn macht, die Kampagne auf der eigenen Seite durchzuführen?

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Plattform

Die Zahl der Crowdfunding-Plattformen nimmt fast täglich zu, deshalb macht es wenig Sinn machen, hier eine Liste zu erstellen, denn es würde sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln. Hinzu kommt, es gibt einige solcher Listen. Recht aktuell hat sich das Online-Magazin t3n mit dem Thema beschäftigt und die wichtigsten deutschsprachigen Plattformen aufgelistet und vorgestellt. Die Liste auf crowdfunding.de enthält auch regionale Plattformen, eine interessante Alternative für Projekte, die nur in einem regionalen Umfeld umgesetzt werden sollen und deshalb häufig auch nur für regionale UnterstützerInnen interessant sind. Auf Ikosom ist eine Liste zu finden, in der die europäischen Plattformen gesammelt wurden beziehungsweise werden, denn es handelt sich hier um eine gecrowdsourcte Liste. Hier lohnt es sich, einen Blick in den Kommentarbereich zu werfen, in dem viele Ergänzungen zu finden sind.

Aber natürlich gibt es auch außerhalb Europas unzählige Plattformen. Die größte von ihnen ist Kickstarter, eine Plattform, auf der im letzten Jahr  3 Mio. Menschen rund 480 Mio. USD in Projekte steckten, von denen knapp 20.000 erfolgreich finanziert werden konnten (siehe hier die Zusammenstellung für das Jahr 2013).

Plattformen setzen nicht nur auf das regionale Umfeld, sondern spezialisieren sich auch auf bestimmte Inhalte. SellaBand etwa hat sich auf die Musikbranche konzentriert, KraftCrowd versteht sich als Plattform für die Region Murtal in der Steiermark. Vor Ihrer Entscheidung müssen Sie immer abwägen, ob die Plattformen Ihren Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Plattformen, die sich auf eine Region konzentrieren oder einen Bereich spezialisieren, verfügen vermutlich über die entsprechenden Zielgruppen. Wer sich nicht für Filmprojekte interessiert, wird kaum auf einer Plattform zu finden sein, auf der Filmprojekte finanzielle Unterstützung suchen. Große Plattformen  verfügen natürlich über wesentlich mehr BesucherInnen, aber vielleicht interessieren die sich alle nicht für Ihr Vorhaben? Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Projekte auf den verschiedenen Plattformen erfolgreich sind und welche nicht. Auf diese Weise bekommen Sie hoffentlich ein Gefühl dafür, welche Plattform die richtige für Sie ist.

Unter Umständen haben Sie ein Produkt, das Sie international verkaufen wollen oder ein Projekt, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet. In diesem Fall kommen natürlich auch Plattformen im Ausland für Sie in Frage. Allerdings sollten Sie in dem jeweiligen Land oder den Ländern auch über ein entsprechendes Netzwerk verfügen, ansonsten nimmt man Sie und Ihr Projekt dort einfach nicht wahr. Hilfreich sind außerdem Kontakte, die über andere Kanäle auf Ihr Vorhaben aufmerksam machen, zum Beispiel eine Fachzeitschrift. Wenn Sie auf Kickstarter etwa eine Kampagne laufen haben und am Ende konnten Sie nur UnterstützerInnen aus dem deutschsprachigen Raum gewinnen, dann ist da was falsch gelaufen.

Einige Punkte, auf die Sie bei der Auswahl der Plattform achten sollten:

  • Laufen auf der Plattform aktuell Kampagnen oder ist dort schon seit Wochen oder Monaten nichts mehr los?
  • Welche Bereiche werden auf der Plattform abgedeckt, passt Ihr Vorhaben zu der Plattform?
  • Welche Kosten/Gebühren verlangen die BetreiberInnen für die Nutzung ihrer Plattform (Vergessen Sie nicht, diese Kosten in Ihr Budget hineinzunehmen!)?
  • Welche Bezahlmethoden werden angeboten? Entsprechen die Ihrer Zielgruppe? Fallen dabei zusätzliche Gebühren an, z.B. wenn PayPal verwendet wird?
  • Müssen sich Ihre UnterstützerInnen auf der Plattform registrieren und wenn ja, wie?
  • Welche Unterstützungsleistungen bieten die PlattformbetreiberInnen an? Ist der Support (Email- oder telefonische Beratung, Workshop) kostenlos oder kostenpflichtig? Welche Kosten können entstehen (auch diese dann bitte ins Budget reinnehmen)?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten bietet die Plattform, gibt es einen persönlichen Ansprechpartner?
  • Welche Möglichkeiten werden Ihnen geboten, Ihr Vorhaben auf der Plattform zu präsentieren? Welche Sharing-Funktionen existieren?
  • Können Sie mit Ihren UnterstützerInnen kommunizieren und wenn ja, über welche Kanäle (Blog, Newsletter, Email)?

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Fragen, die man sich vor Beginn der Kampagne stellen sollte. Unter Umständen sind auch die Zugriffszahlen oder die Erfolgsquote für Sie von Interesse, in dem Fall versuchen Sie auch das herauszufinden oder zu erfragen.

Sie sehen, es gibt einige Punkte zu beachten, so einfach ist es also gar nicht, die für Sie passende Plattform zu finden. Eventuell wollen Sie Ihre Kampagne gar nicht auf einer Plattform ablaufen lassen, sondern spielen mit dem Gedanken, die eigene Website dafür zu verwenden. Grundsätzlich ist das kein Problem, es gibt mittlerweile eigene Plugins, mit deren Hilfe sich die eigene Website entsprechen „aufrüsten“ lässt. Vor allem bei WordPress ist die Auswahl gar nicht so klein.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist. Im Vordergrund steht meiner Ansicht nach die Frage, wer die größere Reputation hat, Sie oder die Plattform? Kennt Sie kein Mensch, würde ich eine Plattform bevorzugen, sind Sie ein Star, ziehen Sie die Kampagne auf Ihrer Seite durch. Es geht um die Frage, wie Sie das Vertrauen Ihrer potenziellen UnterstützerInnen gewinnen können? Haben Sie eine große Community, mit der Sie engem Kontakt stehen, haben Sie deren Vertrauen bereits gewonnen. Ist das Vertrauen noch nicht vorhanden, lassen Sie sich von der Plattform „helfen“.

Auch nicht ganz unwichtig ist die Frage von Funktionalität und Design. Die Plattformen haben ihre Abläufe und wissen, dass sie funktionieren. Natürlich können Sie sich mit den gängigen Bezahlmethoden vertraut machen, ein eigenes Treuhandkonto eröffnen und sich eigene AGBs für die Kampagne zulegen (meist gibt es die schon), aber das kostet Zeit, Zeit, die Sie vielleicht lieber für Ihre Kampagne beziehungsweise für das Projekt verwenden möchten.

Die richtige Entscheidung, ob Sie eine Plattform nutzen und wenn ja, welche, erleichtert Ihnen Ihre Arbeit und erhöht, so denke ich, auch die Erfolgschancen. Haben Sie eine Entscheidung getroffen, fehlen gar nicht mehr so viele Dinge, um so richtig loszulegen. Im nächsten Teil der Serie geht es um die Frage, wie lange die Kampagne laufen soll und was es mit den Gegenleistungen auf sich hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch Punkte, die bei der Auswahl der Plattform wichtig sind, lassen Sie es uns doch bitte wissen. Am einfachsten geht das per Kommentar.

Siehe auch: