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Die Presseaussendung ist tot!

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Das behauptet Tom Foremski auf SiliconValleyWatcher von der Presseaussendung, wie wir sie kennen.

„Press releases are nearly useless,“

erklärt er kurz und bündig und fährt dann fort:

„Press releases are created by committees, edited by lawyers, and then sent out at great expense through Businesswire or PRnewswire to reach the digital and physical trash bins of tens of thousands of journalists.“

Foremski schwebt ein objektorientiertes System vor, das den JournalistInnen bausteinartige und wiederverwertbare Textblöcke anbietet, die die JournalistInnen dann entsprechend ihren Vorstellungen zusammenstellen können.

Seine Vorschläge:

  • „Deconstruct the press release into special sections and tag the information (…).
  • Provide a page of quotes from the CEO or other C-level execs.
  • Provide a page of quotes from customers, if applicable.
  • Provide a page of quotes from analysts, if applicable.
  • Provide financial information in many different formats.
  • Provide many links inside the press release copy, and also provide a whole page of relevant links to other news stories or reference sources.“

Und der wichtigste Punkt kommt am Ende:

„And tag everything (…).“

Foremski begründet das damit, dass JournalistInnen die Grundidee ihres Artikels in die ersten paar Absätze packen. Der Rest sind Fakten, was der CEO dazu sagt, wann das Unternehmen gegründet worden ist, etc. Diese nun umzuformulieren, erfordert seiner Meinung nach einen enormen, aber unsinnigen Aufwand.

Tags erleichtern die Suche nach Informationen

Viel sinnvoller wäre es, wenn JournalistInnen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit für ihre Grundidee nützen und die für sie relevanten Informationen mit der Hilfe von Tags suchen und dann alles zusammensetzen.

Foremski bringt in seinem Beitrag auch gleich ein konkretes Beispiel:

„For example, if I am publishing a Google earnings story, I could say to GOOG’s pr folk, for this story give me the content with the tags that compare this quarter revenues with a year ago and the prior quarter. And I want the share price tags that show percentage change in last six months, along with the share price graph and a photo of Eric Schmidt. Give me only the analyst quotes of Merrill Lynch, and give me a package of links to related stories in my publication, and also in other publications.

I can then give my two paragraph spin on the news story and assemble much of the rest from the tagged content, which can be edited further. In today’s hard-pressed newsrooms, having access to some usable, pre-produced copy would be incredibly useful.“

Ich finde diesen Ansatz ungemein interessant und, aus der Journalistenperspektive gesehen, auch sehr hilfreich. Gerade die Fakten über ein Unternehmen (Gründungsjahr, Zahl der MitarbeiterInnen, etc.) sind oft nur schwer zu finden, bzw. gar nicht vorhanden. Zitate sind auch meist Mangelware, und wenn, dann ist es höchstens ein Satz des CEO. Von Kundenzitaten träume ich als Journalist.

Und dann gibt es noch die vorgegebene Struktur der Aussendung, die ich aus den verschiedensten Gründen nicht übernehmen will oder kann. In so einem Fall wird dann jede Menge Zeit dafür verwendet, den vorgegebenen Text in eine passende Form zu bringen.

Lassen sich seine Anregungen auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen? Ich denke schon. Und das nicht nur für die großen Institutionen. Betrachten Sie einmal den Pressebereich der Staatsoper Unter den Linden oder den des Burgtheaters. Das sind zwei wahllos herausgegriffene Beispiele, ich hätte auch andere nehmen können. Versetzen Sie sich jetzt in die Position einer Journalistin oder eines Journalisten, die/der für ihren/seinen Artikel Beispiele sucht und auf den Websites der beiden genannten Einrichtungen landet.

Die Suche nach Informationen – zwei Beispiele

Die Staatsoper liefert mir Informationen über die Geschichte, über die Inszenierungen und bietet Fotomaterial an. Wie hoch aber ist beispielsweise die Auslastung und wo finde ich Zitate, die ich verwenden kann? Mir ist es nicht gelungen, auf die Schnelle fündig zu werden. Zwar gibt es eine Art Strukturierung, aber wo ich z.B. nach Zitaten suchen muss, ist mir nicht klar.

Im Burgtheater stehe ich, im Presebereich gelandet, vor verschlossenen Türen. Ohne Registrierung ist ein Zugang nicht möglich. Und wenn ich dann noch darauf hingewiesen werde, dass ich die Fotorechte mit dem jeweiligen Fotografen aushandeln muss, dann werde ich in der Regel auch gar kein Interesse mehr daran haben, diese Türe zu öffnen. Zumal heute Samstag ist und eine Registrierung wohl erst am Montag möglich ist. Aber da muss mein Artikel schon fertig sein.

Über die Informationen selbst haben wir aber jetzt noch gar nicht gesprochen. Ohne jetzt gleich sensationelle Neuigkeiten zu haben, kann jede Kunst- und Kultureinrichtung, egal ob groß oder klein, heute damit beginnen, die wichtigsten Basisinfos zu sammeln und entsprechend aufzubereiten. Und wer sich dann an den von Tom Foremski gemachten Vorschlägen orientiert, hat bereits den ersten und wichtigsten Schritt getan, wenn es darum geht, die Medien mit Informationen zu versorgen.

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