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Was ist Macht?

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Armin Karge hat in mehreren Kommentaren zu meinem Beitrag „Streiten bis zum bitteren Ende: Friedrich Glasl und seine Eskalationstreppe“ gemeint, dass Macht nicht tabuisiert werden dürfe und an sich nichts Unanständiges sei.

Ich sehe das auch so und nachdem Macht ja auch im Kunst- und Kulturbereich eine wichtige Rolle spielt – denken wir nur an das Thema Förderungen -, habe ich mir die Frage gestellt, was Macht eigentlich ist? Denn unter Umständen hilft mir dieses Wissen im Umgang mit den Förderinstitutionen weiter?

Die erste Suche führt einen, wie so oft, auf die Seiten von Wikipedia. Dort wird macht beschrieben als

„die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen – in ihrem Sinn und Interesse – zu beeinflussen.“

In ihrem Buch Die helle und die dunkle Seite der Macht geht Christine Bauer-Jelinek, in Wien als Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin tätig, noch einen Schritt weiter. Sie definiert Macht als

„das Vermögen, seinen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen“.

Dieser Wille wird dann aktiviert, schreibt sie, wenn wir ein Ziel erreichen wollen. Stellt sich nun ein anderer Mensch zwischen uns und unser Ziel, dann geraten wir in Gefahr, unser Ziel nicht erreichen zu können.

„Die einzige Möglichkeit, die Befriedigung unserer Bedürfnisse trotz Widerstandes weiter zu betreiben, ist dann der Einsatz von Macht“,

konstatiert Bauer-Jelinek. In ihrem online verfügbaren Beitrag „Macht-Definitionen“ weist sie darauf hin, dass die Wurzeln des Begriffs „Macht“ im Zeitwort „mögen“ liegen, das in der Bedeutung von „können“ und „vermögen“ zu verstehen sei.

„Macht haben bedeutet also, über die Möglichkeit zum Handeln zu verfügen. Entgegen vieler Behauptungen kommt ‚Macht‘ also nicht von ‚machen‘, sondern von ‚können‘.“

Ein weiterer wichtiger Punkt: Macht auszuüben bedeutet nicht automatisch Kampf, auch eine Diskussion zu führen ist, so Bauer-Jelinek, bereits eine Form der Machtausübung.

Von einem machtfreien Raum können wir nur dann sprechen, wenn es keinen Widerstand gibt. Angenommen, ich möchte eine Förderung für ein Projekt haben und die zuständige Förderstelle möchte mir eine Förderung geben, dann wird in diesem Fall keine Macht ausgeübt.

Das ist zugegeben ein Idealzustand. Aber, so Bauer-Jelinek:

„Der machtfreie Raum ist keineswegs ein Dauerzustand oder eine stabile Situation.“

Je komplexer und unterschiedlicher die Interessen, desto unwahrscheinlicher ist der machtfreie Raum. Daher definiert sie ihn als

„eine zeitlich begrenzte Situation, in der einem Willen kein Widerstand entgegengesetzt wird“.

Stoßen wir aber auf Widerstand, dann ist es für uns wichtig zu wissen, welcher Art der Interessenskonflikt ist, denn, so Bauer-Jelinek weiter,

„(f)ür unser Gewissen, unsere ethische Instanz, macht es einen entscheidenden Unterschied, ob wir zum Beispiel einen Konkurrenten besiegen oder ob wir einen ‚rechtmäßigen‘ Eigentümer verdrängen wollen.“

Welche Arten von Interessenskonflikt gibt es also? In ihrem Buch unterscheidet die Autorin zwischen

  • Konkurrenz: es gibt ein Objekt, das mehrere Parteien (Personen, Unternehmen) haben wollen. Zum Beispiel „streiten“ mehrere Kultureinrichtungen um das Geld, das im Fördertopf liegt.
  • Begehrlichkeit oder Absicherung: Jemand möchte etwas haben, was schon einem anderen gehört. In diesem Fall, so schreibt Bauer Jelinek, „gelten andere Gesetzmäßigkeiten und vor allem auch andere Werte als bei der Konkurrenzsituation. Dort ist das begehrte Objekt ‚frei‘ und beide Bewerber wollen es für sich. Hier soll ein Objekt erobert werden, das beretis jemand anderem gehört.“
  • Dissens: Mehrere Personen sind durch ein gemeinsames Ziel verbunden, die Vorstellungen über den Weg dorthin variieren aber. Bauer-Jelinek bringt hier das Beispiel Urlaub. Beide Personen wollen zwar auf Urlaub fahren, die Vorstellungen über das Reiseziel gehen aber auseinander. Die Art und Weise, wie man diesen Konflikt auflöst, hat Auswirkungen auf die Beziehung.
  • Innere Konflikte: Interessenskonflikte gibt es natürlich auch in uns selbst. Hier geht es, wie Bauer-Jelinek schreibt, „um die Macht über sich selbst“.

Sich gegen Widerstände durchzusetzen, also Macht auszuüben, bedarf aber, so Bauer-Jelinek, der Legitimation. Diese beziehen wir von Instanzen, die außerhalb und innerhalb unserer Person liegen. Ein Amt kann mir zwar die äußere Legitimation für die Machtausübung bieten, unter Umständen gerate ich aber in Konflikt mit meinen Werten.

Die Legitimation geht einher mit der Verantwortung, die ich vor den anderen und vor mir selbst für mein Tun und Handeln übernehme.

„Menschen können Macht ohne Verantwortung haben, dann umgehen sie die Frage der Legitimation“,

hält Bauer-Jelinek fest. Das bedeutet in den Worten Bauer-Jelineks:

„Die Legitimation der Machtausübung erfolgt durch eine äußere Instanz der Gesellschaft und/oder durch das individuelle Wertesystem. Verantwortung ist der Nachweis der Legitimation.“

Festzuhalten bleibt, dass es den machtfreien Raum im Kunst- und Kulturbereich so wohl kaum gibt, wenn wir vom Geld sprechen. Wir können von einer Konkurrenzsituation sprechen, auch wenn wir das vielleicht nicht wahrhaben wollen. Mir stellt sich die Frage, ob diese Konkurrenzsituation unter anderem dafür verantwortlich ist, dass wir eher gegeneinander als miteinander arbeiten?

Teil 2: Woher kommt die Macht?
Teil 3: Schauplätze der Macht

4 Comments Join the Conversation

  1. Ich sage danke für den Hinweis auf die Präsentation von Prof. Scholl. Ich habe sie erst überfliegen können, aber aufmerksam geworden bin ich auf Folie Nr. 18: „Machtausübung korrumpiert den Machthaber…psychisch“. Das finde ich spannend und aufschlussreich, vor allem im Hinblick auf die Politik erklärt das so manches Verhalten.

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