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Kulturmanagement als ein Diskursfeld?

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Vor ziemlich genau einem Jahr fand in Hildesheim die 2. Arbeitstagung des Fachverbands Kulturmanagement statt, in der es um die Weiterentwicklung des Themenfelds Kulturmanagement ging. Folgende Aspekte sollten dabei, so heißt es in der Zusammenfassung, berücksichtigt werden:
  1. „Die Herausbildung eines eigenen Fachdiskurses als Meta-Reflexion über die Disziplin des Kulturmanagements ist Voraussetzung für die Herausbildung einer eigenen Identität des Kulturmanagements als Wissenschaftsdisziplin.
  2. Kulturmanagement ist eine Disziplin zwischen wissenschaftlicher Invention und praktischer Intervention. Forschung im Kulturmanagement ist häufig angewandte Forschung, oftmals Auftragsforschung. Sie agiert im Spannungsfeld von direkt anwendbarem Handlungswissen und Reflexionswissen.
  3. Kulturmanagementforschung braucht ein integrierendes Vorgehen, das die verschiedenen Forschungsansätze der unterschiedlichen Bezugsdisziplinen zusammen führt.
  4. Statt eines multidisziplinären Nebeneinanders wie im Baukastensystem ist ein spezifischer Methodenpluralismus angestrebt. Kulturmanagement wird so nicht als eine sich abgrenzende Disziplin gedacht, sondern als ein Diskursfeld, das sich situativ auf wechselnde Anforderungen einstellt. Kulturmanagement wäre damit als eine hybride Interdisziplin zu denken, die sich in verschiedenen gesellschaftlichen Spannungsfeldern bewegt und in der auch kreative Sprünge und das nicht in Kennzahlen Messbare zur Geltung kommen.
  5. Der Einfluss von Kulturmanagement, das als inszenatorische Praxis und Gestaltung kultureller Kontexte, weit über die Bereitstellung organisatorischer Rahmenbedingungen hinaus gehen kann, muss bewusst in den Blick genommen und verantwortungsvoll zur Geltung gebracht werden. Kulturmanagement ist nicht auf das Institutionen-Management beschränkt, sondern beinhaltet auch kulturelle Interventionen.“
Vor allem der vierte Punkt scheint mir sehr wichtig zu sein. Kulturmanagement als ein Diskursfeld und hybride Interdisziplin. Wenn man bedenkt, was für (System-)Veränderungen wir derzeit erleben und wenn wir uns das Interview von Fredmund Malik in Erinnerung rufen, dann könnte man meinen, das Kulturmanagement habe schon Monate im Voraus gewusst, wie sich die Welt entwickeln wird. Wir entwickeln uns hin zu einer Gesellschaft,
„deren wichtigstes Merkmal ihre extreme Komplexität ist“,
sagt Malik in dem Interview. Die Ablehnung eines „multidisziplinären Nebeneinanders“ ist da der logische Schritt, denn so lässt sich Komplexität sicher nicht bewältigen. Netzwerke statt hierarchischer Strukturen, Offenheit statt geschlossener Räume. Vom Diskursfeld war die Rede, in dem man sich situativ auf veränderte Rahmenbedingungen einstellt. Heißt das nicht auch, dass man diesen Diskurs nicht nur beginnt, sondern ihn auch nach außen hin öffnet? Natürlich ist das Social Web mit seinen zahllosen Kommunikationskanälen ein ideales Feld, in dem man solche Gespräche beginnen kann. Man kann sie aber auch an jedem anderen Ort führen, der so offen ist, dass andere dazu Zugang haben. Heute haben wir den 27. Januar 2009, vor zehn Tagen fand eine weitere Arbeitstagung des Fachverbands statt. Bis heute gibt es keinen einzigen Bericht darüber im Internet zu finden. Ich erwarte ja nicht, dass alle KulturmanagerInnen live von der Tagung twittern. Aber wenn man vor einem Jahr festgehalten hat, dass Kulturmanagement als ein Diskursfeld zu verstehen ist, sollte man dann nicht irgendwann und irgendwo damit beginnen?

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  1. Damit hast du vollkommen recht! Andererseits ist die Frage, ob Social Media dem Diskurs nicht auch qualitative Grenzen setzt, durch die Unverbindlichkeit, durch die typische Unkonzentriertheit, die dieser Art der Kommunikation anhaftet?! Typischerweise findet man in Blogs, Twitterlinks, Linksammlungen etc. bloß pragmatische Leitfäden, Checklisten und Foliensammlungen, kaum je anspruchsvolle Texte oder Literatur. Einen Tagungsbericht ins Netz zu stellen, das sollten mittlerweile auch Kulturmanager können, keine Frage ;-). Aber ein wissenschaftliches „Diskursfeld“ entsteht so natürlich auch noch nicht, es ist bestenfalls die „Öffnung“ von der du sprichst. Das allein ist hartgesottenen Theoretikern aber vielleicht nicht Grund genug, sich mit Social Media zu befassen!?

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  2. Weiß ich gar nicht. Wir müssen ja nicht nur auf Twitter, auf Xing oder im Weblog diskutieren, sondern setzen uns vielleicht einmal gemeinsam an einen Tisch, um dann den Diskussionen auch Taten folgen zu lassen.

    Aber klar, man kann auf Twitter herrlich unverbindlich sein. Wenn dann nicht mehr daraus liegt, dann liegt es aber meiner Meinung nach nicht so sehr an den Tools, sondern an den Menschen, die diese Tools verwenden.

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  3. Ich möchte dem Kulturblogger vorsichtig widersprechen. Sicher hat das Meiste im Social Web bei weitem kein wissenschaftliches Niveau. Aber das muss auch nicht sein, will man den offenen Dialog pflegen und konstruktive Diskussionen führen.

    So gesehen ist es schon bezeichnend, dass Kulturfachleute in einer Tagung zwar einen Diskursbedarf feststellen, die nahe liegenden Medien des Web 2.0 dafür aber nicht zu nutzen imstande sind.

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  4. Ja, ich denke auch: das Interesse am Diskurs und die Öffnung kann das Social Web bewirken. Der wissenschaftliche Diskurs wird aber weiterhin eher und besser in den altbekannten Medien stattfinden. Letzten Endes bestätigt dieser Umstand aber die Erkenntnis, dass Kulturleute (aus dem traditionellen Sektor) heute oftmals den Trends hinterherrennen anstatt sie zu machen. Auch die Definitionen sind eigentlich sehr unspezfisch und werden von einer modernen, systemisch konzipierten BWL genauso erfüllt.

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  5. Social Media bieten durchaus die Voraussetzung, um einen anspruchsvollen Diskurs zu führen.

    Es wäre schön, wenn die Wissenschaft ihre Ergebnisse verstärkt in diesen Diskurs einbringen würde.
    Immerhin benötigen viele Konzepte den Einsatz gesellschaftlicher Akteure, wenn sie erfolgreich umgesetzt werden sollen und nicht bloß für die Schublade produziert werden.

    Ich denke, von einem verstärkten Diskurs mit der Öffentlichkeit im Rahmen des Internets würden auch die Wissenschaften selbst profitieren. Es ist immer inspirierend, sich auf fremde Welten einzulassen.

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  6. Finde es sehr gut, Christian, dass du diese Thematik wieder aufgenommen hast.
    Dieser Fachverband ist ja schön und gut, aber man hat bisher noch nicht wirklich viel gemacht, außer Kaffee getrunken und hochtrabende Ziele formuliert.
    Wo ist die Kommunikation nach außen? Oder auch nach innen? In diesem Fachverband sind doch vor allem die Ausbilder vertreten – da wäre es doch logisch, auch die Studenten in irgendeiner Form „mit ins Boot“ zu holen. Das ist meines Wissens nach bislang noch nicht passiert!

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  7. @Brigitte Reiser Gibt es dafür gute Beispiele? Blogtrainer Karl-Heinz Wenzlaff hat gerade einen Artikel über die optimale Länge von Blogposts geschrieben, der eher meinen Verdacht erhärtet, dass Social Media sich zwar für die Öffnung eignet (also blöd gesagt für Marketingzwecke), nicht aber unbedingt den Diskurs selbst viel weiter bringt.

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