Monthly Archives of: Mai 2014

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Kulturmarketing: der Blick über den Tellerrand

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Bild: Couscous„; von Myriam M.J. Rondeau (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Oft werde ich gefragt, warum ich so vielen Accounts auf Twitter folge, die mit Kunst und Kultur gar nichts zu tun haben. Die Antwort ist eigentlich recht einfach: Erstens möchte ich nicht in einer Filterblase landen und zweitens lohnt sich der Blick über den Tellerrand. Ich zumindest lerne sehr viel von Menschen, die in ganz anderen Bereichen tätig sind und bekomme so immer wieder neue Anregungen, die sich vielleicht auf den Kulturbereich übertragen lassen. Ich beschränke mich dabei nicht nur auf Twitter, sondern lese auch gerne Blogs, zum Beispiel das Blog „Essen kommen!“ der Fleischerei Freese. So ein Beitrag etwa könnte auch auf einem Blog einer Kultureinrichtung stehen. Gute Produktqualität, Kundenservice, eine übersichtliche Website und ein Blog, das nicht nur die eigenen Angebote bewirbt, all das braucht auch, wer im Kunst- und Kulturbereich erfolgreich sein möchte.

Bleiben wir im Gastronomiebereich, da bietet zum Beispiel ein Restaurant eine ganz interessante Form der Bezahlung an: Pay by picture. Wer ein Bild von seinem Essen macht, es auf Instagram lädt und mit dem Hashtag #BirdsEyeInspirations versieht, muss dafür kein Geld mehr auf den Tisch legen. Das Modell erinnert an Pay with a Tweet, über das ich schon vor längerer Zeit mal einen Blogbeitrag geschrieben habe. Im Endeffekt bezahle ich als KundIn, UserIn, etc. nicht mit Geld, sondern mit Aufmerksamkeit. Letzten Endes funktionieren auch die Tweetups nach diesem Prinzip. Ich komme in den Genuss einer kostenlosen Führung und „bezahle“ mit Bildern (Instagram) oder Tweets.

Ganz interessant ist der Hinweis von Todd Wasserman auf das Thema Earned Media. In seinem Beitrag „Instagram to Pay Your Bill at This Pop-Up Restaurant„, durch den ich auf das Restaurant aufmerksam geworden bin, schreibt er:

„Consumers are finally getting something in return for their contribution to earned media.“

Earned Media, „das ist der Bereich des Social Web, der nicht mir gehört“, habe ich in meinem Blogbeitrag „Wie wir die digitalen Medien nutzen können“ geschrieben. Es sind die anderen, die hier über mich schreiben, Martin Oetting, auf den ich mich im Beitrag beziehe, schreibt in seinem Beitrag, dass es darum gehe, die UserInnen zu dieser Form der Kommunikation zu „inspirieren“.

Warum sind Earned Media überhaupt so wichtig, geht es nicht eher um die eigenen Inhalte? Gerade die Entwicklung bei Facebook zeigt, wie Kultureinrichtungen von den Fans profitieren können. Wenn die Sichtbarkeit der eigenen Facebookseite immer schlechter wird und das nicht am eigenen Unvermögen, sondern an Facebook und seinen Algorithmen liegt, dann gilt es, andere Wege zu finden, um den Newsfeed meiner Fans zu kommen. Earned Media sind so ein Instrument, denn während die Postings von Facebookseiten immer mehr in Bedrängnis geraten, klappt die Kommunikation unter Freunden recht gut. Berichtet also jemand über seinen gestrigen Theaterbesuch, dann wird ein großer Teil seines Netzwerks das entsprechende Posting im eigenen Newsfeed finden.

Wie könnte so etwas in der Praxis aussehen? Soll jemand, der einen Bericht über eine Ausstellung, ein Konzert oder eine andere Veranstaltung schreibt, dafür dann eine kostenlose Karte erhalten? Und was ist, wenn der Bericht das Ereignis kritisiert? Das ist alles gar nicht so einfach, denn das Prinzip aus dem Restaurant lässt sich nicht so leicht übertragen. Im Restaurant bestelle ich das Essen und wenn ich dann währenddessen ein Bild auf Instagram poste, dann bleibt mir die Rechnung erspart. Andernfalls muss ich am Ende zahlen.

Im Kulturbereich zahlt man in der Regel vor- und nicht nachher. Das bedeutet, die BesucherIn muss sich davor entscheiden und nicht danach. Als RestaurantbesucherIn ist es einfach: Ich esse dort und dann entscheide ich, ob ich ein Bild poste oder zahle. Gehe ich ins Theater, erwerbe ich vorab das Ticket. Im guten Glauben, ich würde schon darüber berichten, wird das wohl nicht funktionieren, das bedeutet, es müssen erst einmal alle zahlen. Wer jetzt ein Bild postet oder einen Beitrag schreibt, bekommt… ja, was eigentlich? Das Geld wieder zurück oder ein Ticket für eine andere Veranstaltung? Beides ist schwierig beziehungsweise unsinnig und somit nicht wirklich durchführbar. Möglich wäre es, BloggerInnen oder Social Media-Influencer Tickets zur Verfügung zu stellen, um ihnen so die Möglichkeit zu bieten, über mein Angebot zu berichten. Aber das machen viele Kultureinrichtungen bereits, insofern stellt sich die Frage, ob es klug ist, dabei auf Texte zu setzen. Vermutlich ist es viel sinnvoller, so wie das Restaurant mit Bildern zu arbeiten. Das schließt aber einige Sparten aus, denn im Theater wird man es nur begrenzt lustig finden, wenn während der Aufführungen ständig Fotos geschossen werden.

Das bedeutet: Dieser Ansatz funktioniert nur dort, wo Fotos gemacht werden dürfen und gleichzeitig die Bezahlung erst am Ende erfolgt. Das ist aber nicht besonders motivierend, schließlich wollen wir Planungssicherheit und sind froh um jedes Ticket, das wir vorab verkaufen. So wirklich überzeugend ist dieser Ansatz auch nicht. Gibt es hier einen Ausweg? Mir fällt dazu ein, dass man den InteressentInnen die Restkarten nicht günstig verkauft, sondern ihnen Fotomaterial zur Verfügung stellt, das sie dann teilen müssen, um ein kostenloses Ticket zu erhalten.

Sie sehen schon, es ist gar nicht so einfach, hier eine Variante zu finden, die allen Kultureinrichtungen gerecht wird. Zu groß sind die Unterschiede. Aber versuchen sollte man es trotzdem, die Tweetups sind, wie gesagt, ein schönes Beispiel dafür. Welche Ideen fallen Ihnen dazu ein? Sehen Sie eine Möglichkeit, diesen Ansatz so zu adaptieren, dass er auch für Theater, Opernhäuser, Museen, etc. interessant wird. Fällt Ihnen dazu was ein, schreiben Sie Ihre Idee doch einfach als Kommentar unter diesen Beitrag. Ich bin gespannt.

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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil III)

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Bild: Crowdfunding„; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Nun hat es mit dem dritten Teil meiner kleinen Serie über Crowdfunding doch etwas länger gedauert, ich bitte um Verzeihung. Wenn Sie direkt von einer der Suchmaschinen oder einem sozialen Netzwerk hierher gesprungen sind, hier finden Sie Teil I und Teil II. Nachdem Sie Ihr Vorhaben und die Crowdfunding-Kampagne sorgfältig geplant haben und auch wissen, welche Kosten anfallen, geht es im nächsten Schritt um die Frage, für welche Plattform Sie sich entscheiden sollen beziehungsweise ob es vielleicht auch Sinn macht, die Kampagne auf der eigenen Seite durchzuführen?

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Plattform

Die Zahl der Crowdfunding-Plattformen nimmt fast täglich zu, deshalb macht es wenig Sinn machen, hier eine Liste zu erstellen, denn es würde sich immer nur um eine Momentaufnahme handeln. Hinzu kommt, es gibt einige solcher Listen. Recht aktuell hat sich das Online-Magazin t3n mit dem Thema beschäftigt und die wichtigsten deutschsprachigen Plattformen aufgelistet und vorgestellt. Die Liste auf crowdfunding.de enthält auch regionale Plattformen, eine interessante Alternative für Projekte, die nur in einem regionalen Umfeld umgesetzt werden sollen und deshalb häufig auch nur für regionale UnterstützerInnen interessant sind. Auf Ikosom ist eine Liste zu finden, in der die europäischen Plattformen gesammelt wurden beziehungsweise werden, denn es handelt sich hier um eine gecrowdsourcte Liste. Hier lohnt es sich, einen Blick in den Kommentarbereich zu werfen, in dem viele Ergänzungen zu finden sind.

Aber natürlich gibt es auch außerhalb Europas unzählige Plattformen. Die größte von ihnen ist Kickstarter, eine Plattform, auf der im letzten Jahr  3 Mio. Menschen rund 480 Mio. USD in Projekte steckten, von denen knapp 20.000 erfolgreich finanziert werden konnten (siehe hier die Zusammenstellung für das Jahr 2013).

Plattformen setzen nicht nur auf das regionale Umfeld, sondern spezialisieren sich auch auf bestimmte Inhalte. SellaBand etwa hat sich auf die Musikbranche konzentriert, KraftCrowd versteht sich als Plattform für die Region Murtal in der Steiermark. Vor Ihrer Entscheidung müssen Sie immer abwägen, ob die Plattformen Ihren Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Plattformen, die sich auf eine Region konzentrieren oder einen Bereich spezialisieren, verfügen vermutlich über die entsprechenden Zielgruppen. Wer sich nicht für Filmprojekte interessiert, wird kaum auf einer Plattform zu finden sein, auf der Filmprojekte finanzielle Unterstützung suchen. Große Plattformen  verfügen natürlich über wesentlich mehr BesucherInnen, aber vielleicht interessieren die sich alle nicht für Ihr Vorhaben? Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Projekte auf den verschiedenen Plattformen erfolgreich sind und welche nicht. Auf diese Weise bekommen Sie hoffentlich ein Gefühl dafür, welche Plattform die richtige für Sie ist.

Unter Umständen haben Sie ein Produkt, das Sie international verkaufen wollen oder ein Projekt, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet. In diesem Fall kommen natürlich auch Plattformen im Ausland für Sie in Frage. Allerdings sollten Sie in dem jeweiligen Land oder den Ländern auch über ein entsprechendes Netzwerk verfügen, ansonsten nimmt man Sie und Ihr Projekt dort einfach nicht wahr. Hilfreich sind außerdem Kontakte, die über andere Kanäle auf Ihr Vorhaben aufmerksam machen, zum Beispiel eine Fachzeitschrift. Wenn Sie auf Kickstarter etwa eine Kampagne laufen haben und am Ende konnten Sie nur UnterstützerInnen aus dem deutschsprachigen Raum gewinnen, dann ist da was falsch gelaufen.

Einige Punkte, auf die Sie bei der Auswahl der Plattform achten sollten:

  • Laufen auf der Plattform aktuell Kampagnen oder ist dort schon seit Wochen oder Monaten nichts mehr los?
  • Welche Bereiche werden auf der Plattform abgedeckt, passt Ihr Vorhaben zu der Plattform?
  • Welche Kosten/Gebühren verlangen die BetreiberInnen für die Nutzung ihrer Plattform (Vergessen Sie nicht, diese Kosten in Ihr Budget hineinzunehmen!)?
  • Welche Bezahlmethoden werden angeboten? Entsprechen die Ihrer Zielgruppe? Fallen dabei zusätzliche Gebühren an, z.B. wenn PayPal verwendet wird?
  • Müssen sich Ihre UnterstützerInnen auf der Plattform registrieren und wenn ja, wie?
  • Welche Unterstützungsleistungen bieten die PlattformbetreiberInnen an? Ist der Support (Email- oder telefonische Beratung, Workshop) kostenlos oder kostenpflichtig? Welche Kosten können entstehen (auch diese dann bitte ins Budget reinnehmen)?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten bietet die Plattform, gibt es einen persönlichen Ansprechpartner?
  • Welche Möglichkeiten werden Ihnen geboten, Ihr Vorhaben auf der Plattform zu präsentieren? Welche Sharing-Funktionen existieren?
  • Können Sie mit Ihren UnterstützerInnen kommunizieren und wenn ja, über welche Kanäle (Blog, Newsletter, Email)?

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Fragen, die man sich vor Beginn der Kampagne stellen sollte. Unter Umständen sind auch die Zugriffszahlen oder die Erfolgsquote für Sie von Interesse, in dem Fall versuchen Sie auch das herauszufinden oder zu erfragen.

Sie sehen, es gibt einige Punkte zu beachten, so einfach ist es also gar nicht, die für Sie passende Plattform zu finden. Eventuell wollen Sie Ihre Kampagne gar nicht auf einer Plattform ablaufen lassen, sondern spielen mit dem Gedanken, die eigene Website dafür zu verwenden. Grundsätzlich ist das kein Problem, es gibt mittlerweile eigene Plugins, mit deren Hilfe sich die eigene Website entsprechen „aufrüsten“ lässt. Vor allem bei WordPress ist die Auswahl gar nicht so klein.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist. Im Vordergrund steht meiner Ansicht nach die Frage, wer die größere Reputation hat, Sie oder die Plattform? Kennt Sie kein Mensch, würde ich eine Plattform bevorzugen, sind Sie ein Star, ziehen Sie die Kampagne auf Ihrer Seite durch. Es geht um die Frage, wie Sie das Vertrauen Ihrer potenziellen UnterstützerInnen gewinnen können? Haben Sie eine große Community, mit der Sie engem Kontakt stehen, haben Sie deren Vertrauen bereits gewonnen. Ist das Vertrauen noch nicht vorhanden, lassen Sie sich von der Plattform „helfen“.

Auch nicht ganz unwichtig ist die Frage von Funktionalität und Design. Die Plattformen haben ihre Abläufe und wissen, dass sie funktionieren. Natürlich können Sie sich mit den gängigen Bezahlmethoden vertraut machen, ein eigenes Treuhandkonto eröffnen und sich eigene AGBs für die Kampagne zulegen (meist gibt es die schon), aber das kostet Zeit, Zeit, die Sie vielleicht lieber für Ihre Kampagne beziehungsweise für das Projekt verwenden möchten.

Die richtige Entscheidung, ob Sie eine Plattform nutzen und wenn ja, welche, erleichtert Ihnen Ihre Arbeit und erhöht, so denke ich, auch die Erfolgschancen. Haben Sie eine Entscheidung getroffen, fehlen gar nicht mehr so viele Dinge, um so richtig loszulegen. Im nächsten Teil der Serie geht es um die Frage, wie lange die Kampagne laufen soll und was es mit den Gegenleistungen auf sich hat.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch Punkte, die bei der Auswahl der Plattform wichtig sind, lassen Sie es uns doch bitte wissen. Am einfachsten geht das per Kommentar.

Bild von Tumisu auf Pixabay

Siehe auch:

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Von Sonne, Social Media und stARTcamps

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Eines steht fest, der Wettergott ist ein stARTcamp-Fan. Nachdem schon in Münster das Wetter super war, gab es auch gestern in München nichts zu meckern. Sonne pur, so macht es Spaß, vor allem bei solchen Dachterassen. Vielleicht hätte ich noch länger bleiben sollen, denn hier in Wien regnet es Bindfäden, während mir Twitter verrät, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt immer noch schön ist. Wettermäßig kann es also auf alle Fälle so weiter gehen, am 14./15. Juni steht das stARTcamp RuhrYork in Dortmund auf dem Programm.

Was die Inhalte betrifft, weiß ich, dass es wieder ein spannendes Programm geben wird, denn interessanterweise unterscheiden sich die Inhalte von stARTcamp zu stARTcamp gar nicht so sehr. Crowdfunding ist eines der Themen, die im Kunst- und Kulturbereich auf riesengroßes Interesse stoßen. Während in Münster Steffen Peschel erklärte, worauf es bei dieser neuen Form der Kulturfinanzierung ankommt, berichtete gestern Anke von Heyl von ihren Erfahrungen mit einem auf diesem Weg erfolgreich finanzierten Projekt. Crowdfunding, das ist für mich ohne Social Media gar nicht möglich, deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass der erste und wichtigste Schritt im Aufbau eines eigenen Netzwerks besteht. Wem erst mit dem Beginn der Crowdfundingkampagne einfällt, sich Leute zu suchen, die sich dafür interessieren könnten, ist spät dran und wird vermutlich Schwierigkeiten bekommen, die Zielsumme zu erreichen.

Crowdfunding, das ist für mich auch ein Beispiel dafür, dass wir zwar jetzt fast alle im Social Web sind, zumindest auf Facebook. Aber da sein genügt nicht, jetzt geht es um die Frage, was wir dort machen, welche Ideen uns dazu einfallen, um diejenigen zu erreichen, die sich für Kunst und Kultur interessieren könnten beziehungsweise sich schon  dafür begeistern.

Das war auch der Tenor der Worte von Christian Gries, der die Kultureinrichtungen in seiner Eröffnungsrede dazu aufforderte, mehr Mut zu zeigen im Umgang mit dem Social Web. Wie so etwas aussehen kann, zeigte Vivi D’Angelo am Beispiel von „Invasioni Digitali“, einer aus Italien kommenden Idee, die einige Ähnlichkeiten mit den mittlerweile bekannten Tweetups aufweist. In einem Beitrag auf dem Blog der Kulturkonsorten hat sie nicht nur beschrieben, wie solche Aktionen ablaufen, sondern auch gleich von den eigenen Aktivitäten berichtet. Auch hier handelt es sich um den Versuch, nicht einfach nur über die verschiedenen Social Media-Kanäle auf eigene Veranstaltungen oder Angebote hinzuweisen, sondern online und offline miteinander zu verbinden, den nächsten Schritt zu tun.

Aber wer sich die Sessionpläne anschaut, erkennt recht schnell, dass es trotzdem noch um die diversen Social Media-Kanäle geht. Foursquare, Twitter, Facebook oder Blogs, sie alle entwickeln sich weiter und stellen uns vor neue Herausforderungen. Für mich war besonders die gestrige Facebook-Session interessant. Wie sollen Kultureinrichtungen darauf reagieren, dass Facebook am Algorithmus „geschraubt“ hat und die Sichtbarkeit der Postings auf den seiten stark nachgelassen hat? Macht es Sinn, auf gesponserte Beiträge zu setzen und dafür zu zahlen? Oder gibt es andere Möglichkeiten, wieder präsenter zu sein? Die Fragen lassen sich gar nicht so einfach beantworten, denn nicht jede Kultureinrichtung kann so wie ich ohne große Probleme über  ein Profil kommunizieren, mit dem vieles doch viel leichter geht. Warum auch sollten die MitarbeiterInnen ihre persönlichen Profile, die sie sonst nur privat nutzen, plötzlich ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stellen? Da ist es dann auch nicht so ganz einfach, die Fans dazu zu bewegen, über die Veranstaltungen zu sprechen und so in den Newsfeeds der Fans aufzuscheinen. Alke Müller-Wendlandt vom Literaturhaus München, die die Session auch geleitet hat, erzählte, dass sie das über die Veranstaltungseinladungen ganz gut hinbekommt. Nur müsse sie auswählen, denn das Haus habe zu viele Veranstaltungen, um alle auf diese Weise bewerben zu können, ergänzte sie.

Klar war ich auch bei Tanja Praske und ihrer Session zum Thema Bloggen dabei. Wer ein Blog als zentrale Anlaufstelle hat, wird sich zwar über die Änderungen auf Facebook nicht unbedingt freuen. Aber zumindest ist er oder sie auf alle Fälle ein ganzes Stück weit unabhängig von den diversen Netzwerken. Tanja lieferte viele Argumente für ein Blog und erklärte auch kurz worauf es beim Bloggen ankommt. Damit traf sie wohl auch den Nerv der Zeit, denn immer mehr Kultureinrichtungen spielen mit dem Gedanken, ein Blog einzurichten oder haben bereits damit begonnen. Einige Argumente, die dafür sprechen, habe ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag „Warum ein Blog so wertvoll ist“ zusammengefasst.

Und dann gab es da noch Frank Tentler, der kurzer Hand aus den SessionteilnehmerInnen sein eigenes Team für das „Projekt Wunderland“ machte. Wer ein Produkt anbietet, das alle brauchen, der hat es leicht, meinte er. Was aber ist mit den Kultureinrichtungen, die so etwas nicht anbieten können? Wie müssen die „Rabbit Holes“ aussehen, die wir aus der Geschichte von Alice im Wunderland“ kennen? Es war eine kurzweilige und lehrreiche Einführung in das Thema Gamification. Die Verwendung von Spieldesign-Elementen im nichtspielerischen Kontext, damit werden sich Kulturbetriebe demnächst noch des öfteren beschäftigen. Beschäftigen müssen, meinte Frank Tentler am Ende, denn sehr viel Alternativen gebe es nicht, so seine Überzeugung.

Und dann war der Tag schon wieder fast rum. Leider. Wenn ich hier nicht minutiös über alle anderen Sessions berichtet habe, dann liegt das daran, dass ich mich mit vielen anderen TeilnehmerInnen des stARTcamps unterhalten habe. Viele kenne ich schon seit Jahren und freue mich, wenn wir uns wiedersehen. Andere habe ich zum ersten Mal kennengelernt und freue mich, sie das nächste Mal – hoffentlich – wiedersehen zu dürfen. Der Networkingaspekt ist für mich beim Barcampformat ein ganz wesentlicher (Erfolgs)-Faktor. Die Mischung macht’s könnte man auch sagen und nachdem mir die sehr gut gefällt, werde ich natürlich auch Mitte Juni beim stARTcamp RuhrYork dabei sein. Flug und Hotel sind schon gebucht. ;-)

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Jugend 2.0: Das Social Web auf der Bühne

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Interaktion im Social Web, dieses Thema beschäftigt uns recht häufig, etwa wenn es um unsere Sichtbarkeit auf Facebook geht. Dass es nicht nur im virtuellen Raum eine Herausforderung ist zu interagieren, habe ich bei meinem Besuch des Theaterstücks „Maximal Medial (AT)“ im Dschungel Wien erlebt. Während die Reihen zwei und drei dicht besetzt waren, blieb die erste Reihe frei. „Am Ende muss ich da mitmachen“ meinte eine Besucherin und verzog sich nach hinten. Hemmschwellen gilt es also überall abzubauen, online und offline.

Um Freundschaft und Kommunikation von Jugendlichen ging es in dem Stück, das nicht nur von Jugendlichen produziert wurde, sondern auch hauptsächlich von Jugendlichen  besucht wurde. Zumindest an diesem letzten Aufführungsabend. Eigentlich wäre es ja ein Pflichttermin für Marketingmenschen gewesen, deren Unternehmen sich ins Social Web gewagt haben, weil sie genau diese Zielgruppe dort erreichen möchten. Wo lerne ich sie besser kennen, wo erfahre ich mehr über sie als in einem Theaterstück, in dem SchülerInnen ihre eigenen Erlebnisse zu einem Theaterstück verarbeiten?

Dann vielleicht doch eher in Studien, in denen die Jugendlichen als eine „Generation von Normopathen“ beschrieben werden,

„die sich lieber am Geschmack der Masse orientiert, als eigenwillig mit Individualität zu experimentieren und im Körperbild ganz bewusst auf Brüche mit der Norm zu setzen?“

Ich habe die Presseaussendung zur Studie „Generation Selfie“ ein paar Tage vor meinem Theaterbesuch entdeckt und auf der Bühne genau diese Versuche gesehen, sich als Individuum von der Masse abzuheben. Aber wir reagieren auf solche Versuche in der Regel ziemlich brutal, nicht nur auf der Bühne, sondern wohl noch viel stärker im realen Leben.

© Ani Antonova

Da passt es gut, dass dieses Theaterstück im Rahmen  von Macht|schule|theater entstanden ist, einer Initiative, die die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt unterstützt und schon seit 2008 läuft. Eigentlich ist es erschreckend, wie eng das Korsett geschnürt ist, in dem sich nicht nur die Jugendlichen bewegen, sondern letzten Endes wir alle. Und wer nicht funktioniert, wird sanktioniert. Nicht immer so offenkundig, wie das auf der Bühne zu sehen war, aber auch subtile Gewalt ist Gewalt.

So funktionieren wir so gut es geht und müssen uns auch den Vorwurf gefallen lassen, mehr und mehr zu Normopathen zu mutieren, denn es sind ja nicht nur die Jugendlichen der Generation Selfie, die sich, wie es im Pressetext heißt, in ihrer virtuellen Darstellung an den ästhetischen Standards der Medien- und Werbeindustrie orientieren, sondern wir alle, Sie und ich. Ein schönes Beispiel: Wenn Sie beim Teaser zu diesem Stück genau hinhören, werden Sie merken, dass Branding auch über die Ohren ganz gut funktioniert.

Die meisten Akustikschnipsel werden Ihnen vertraut vorkommen, oder? Zumindest ich hatte keine Probleme, sie zu identifizieren. Dahinter verbergen sich Produkte, die zum fixen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden sind. Wie sehr sie ein Teil davon geworden sind, zeigen die SchauspielerInnen auf der Bühne, wenn sie die ganze Zeit von und über Marko sprechen. Marko, das ist der, der die Telefonnummern unserer Freunde im Kopf hat, der tolle Fotos macht und den wir fragen können, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Marko ist aber gar kein Freund, es ist unser Handy, das dazu führt, dass wir auf immer mehr Freunde verzichten. Wir haben ja Marko.

Für mich war es ein beeindruckender Abend, der gezeigt hat, wie die digitalen Technologien unser tägliches Leben prägen. Sie bieten viele Vorteile und bringen auch manche Annehmlichkeit. Aber sie verändern uns auch und das nicht immer zum Guten. Wenn wir nicht aufpassen.