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Zwischenevaluierung des EU-Kulturförderprogramms

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Die EU hat das derzeit laufende Kulturförderprogramm evaluiert, eine Zusammenfassung informiert über die Ergebnisse. Darin wird unter anderem festgehalten, dass das Antragsverfahren in den letzten Jahren vereinfacht und beschleunigt werden konnte. Die Kehrseite der Medaille: es wurden mehr Anträge eingereicht, wodurch sich die Chancen für AntragstellerInnen verschlechtert haben:

„(…) nur etwa 25 % aller Anträge im Rahmen des Aktionsbereichs für Kooperationsprojekte wurden finanziert und nur etwa 30-35 % aller Anträge von Organisationen, die auf europäischer Ebene aktiv sind,“

heißt es in dem Bericht auf Seite 8. Bei den maximal zwei Jahre laufenden Kooperationsprojekten erhält also nur jedes vierte eingereichte Vorhaben einen Förderung.

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KulturInvest 2010: ein Resümee

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Als ich am Samstag auf meinen Rückflug nach Wien wartete, habe ich mir meine Aufzeichnungen angeschaut und gleichzeitig noch einmal meinen Bericht über den ersten Tag des Kulturinvest Kongresses 2010 durchgelesen. „Alles wird anders“ habe ich ihn überschrieben, wobei es jetzt natürlich spannend wäre, die Frage zu beantworten, wie dieses „anders“ aussehen könnte?

Kunst und Kultur aus verschiedenen Blickwinkeln

Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber gar nicht pauschal beantworten, denn wenn wir von Kunst und Kultur und ihrer Zukunft sprechen, dann ist diese Frage mit verschiedenen Erwartungen verbunden. Bei diesem Kongress waren drei Gruppen vertreten, die derzeit maßgeblich dazu beitragen, dass Kunst und Kultur bei uns stattfindet. Da haben wir auf der einen Seite die Kulturpolitik, die ihre Zielvorstellungen eher vage formuliert.

„Wir setzen uns dafür ein, dass das öffentlich getragene Kulturangebot allen offen steht. Soziale Situation, Migrationshintergrund oder Mobiltät dürfen keine Zugangsbarrieren darstellen. Das Kulturangebot muss flächendeckend und erschwinglich, aber es muss auch in einem übertragenden Sinne ‚naheliegend’ sein. Ob Menschen sich für Kunst und Kultur interessieren, sich daran freuen können und sich davon herausfordern lassen, ist ganz wesentlich davon abhängig, wann und wie sie damit in Berührung gekommen sind. Darüber darf nicht Herkunft, Bildungs- und Sozialstatus entscheiden. Wir wollen, dass alle die Chance haben, am kulturellen Leben teilzunehmen,“

schreibt etwa die in Nordrhein-Westfalen für Kultur zuständige Ministerin Ute Schäfer in der September-Ausgabe von Politik und Kultur auf Seite 3. Das klingt alles gut und schön, aber diese Ziele lassen sich wohl mit sinkenden Budgets kaum erreichen. Wäre es nicht sinnvoll, sich jetzt der Realität zu stellen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man Ziele und Budgets in Einklang bringen kann? Auf dem Kongress waren von Herrn Ehrmann abgesehen keine KulturpolitikerInnen vertreten. Und der sprach über vieles, aber leider nicht über kulturpolitische Ziele.

Sponsoring ist mehr als Leistung und Gegenleistung

Zweitens sind da die Sponsoren, die natürlich ihre eigenen Ziele verfolgen. Da geht es um Image, Werbung, Kundenbindung, aber auch um das Wahrnehmen von gesellschaftlicher Verantwortung. Das klingt sehr hochtrabend, daher gefällt mir das, was Susanne Lang und Veronica Scheubel vom Centrum für Corporate Citzenship in ihrer Präsentation „Vom Sponsoring zum gesellschaftlichen Engagement“ konstatieren (dieser Vortrag ist schon älter und wurde nicht auf dem Kulturinvest Kongress gehalten). Auf Folie 8 halten sie fest, dass Sponsoring ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zwischen zwei Partnern sei, bei dem Leistung und Gegenleitung klar definiert seien. Nachhaltig sei Sponsoring aber erst dann,

„wenn alle Anstrengungen der Partner nicht nur auf die Zielerreichung ausgerichtet sind, sondern ausdrücklich einen Nutzen und Zufriedenheit für die gemeinsamen Zielgruppen anstreben.“

Ein Beispiel für diese Nachhaltigkeit liefert BMW, das seit nunmehr 15 Jahren das Projekt „Oper für alle“ unterstützt. Wenn nun aber der Automobilkonzern seit eben so vielen Jahren auf allen Konferenzen als Bestpractice herhalten muss, dann stellt sich mir irgendwann einmal die Frage, ob es vielleicht gar nicht so viele Beispiele für gesellschaftliches Engagement gibt und eben doch Werbung, Kundenbindung und Image im Vordergrund stehen. Ziele, die ich bei Unternehmen, denen es primär um den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen geht, nie kritisieren würde. Wenn dieses Streben dann aber zu sehr in den Vordergrund rückt, dann schadet sich das Unternehmen mehr als es sich nützt. Das ist nicht nur beim klassischen Kultursponsoring so, sondern auch auf einem Kongress, bei dem man seine Glaubwürdigkeit schnell verspielen kann, wenn man wie im Fall der Berliner Bank zu sehr die eigenen Angebote anpreist, obwohl es doch eigentlich um die Perspektiven der Stadt Berlin ging. Aber mit dem Aushandeln günstiger Ticketkonditionen für die eigenen Kunden ist es defintiv noch nicht getan (Siehe dazu auch meinen Beitrag „Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)“ über die von der Agentur Causales durchgeführte Studie)

Die Kultureinrichtungen haben ihre Zukunft selbt in der Hand

Bleiben neben der Kulturpolitik und den Sponsoren noch die Kultureinrichtungen selbst. Viele von ihnen, das hat der Kongress gezeigt, haben mittlerweile erkannt, dass sie sich selbst um ihre Zukunft kümmern müssen und dementsprechende Aktivitäten gestartet. Besonders gut gefallen hat mir in Berlin die Präsentation von Milena Ivkovic, der Marketing- und Kommunikationschefin der Philharmoniker in Hamburg, die voller Begeisterung die Aktivitäten des Orchesters vorstellte. Da passte der Titel ihres Vortrags „E – wie Emotion“ wunderbar dazu. Die eigene Website (sehenswert die Sujets zur „Mahler und die Moderne“) und der Flickr-Fotostream (schade, dass sie nicht unter einer CC-Lizenz stehen) zeigen, auf welche Weise hier versucht wird, die – in diesem Fall – UserInnen anzusprechen.

Social Media war beim KulturInvest Kongress ein wichtiges Thema, auch wenn sich die Zahl der Tweets noch ziemlich in Grenzen hält und ich bis jetzt kein einziges Blogpost über die Veranstaltung gefunden habe. Das ist schade, denn so gelingt es nicht, Diskussionen über die Zukunft von Kunst und Kultur anzustoßen. Diese Diskussionen sind dringend nötig, denn so wichtig solche Konferenzen für die „Branche“ auch sein mögen, das Thema muss öffentlich gemacht werden, sonst lässt sich die derzeitige Entwicklung nur noch schwer stoppen.

Foto: Manuel Nägeli (Unsplash)

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Die Zukunft von Kunst und Kultur: alles wird anders

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Als gestern der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann den diesjährigen Kulturinvest Kongress eröffnete, passierte etwas ganz interessantes. Kurz nach Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise – damals war es vor allem eine Finanzkrise – hieß es seitens der Politik, dass sich in einer solchen Situation der Vorteil unseres Systems zeige, denn hier bei uns, wo die Finanzierung von Kunst und Kultur in den Händen der öffentlichen Hand liege, müssten sich die Kulturbetriebe keine Sorgen machen.

Ehrmann, der als Mitglied der SPD im Parlamentsausschuss für Kultur und Medien sitzt, sprach nur sehr selten über Kunst und Kultur, dafür aber umso häufiger über die Kultur- und die Kreativwirtschaft. Welche Wirtschaftsleistung diese Branche vorweisen können und wie viele Beschäftigte dieser Bereich aufweise. Gleichzeitig prophezeite er der staatlich geförderten Kunst und Kultur Probleme und in Anlehnung an diverse Studien meinte er, dass die öffentliuche Kulturförderung bis 2020 um 8 bis 10% zurückgehen werde und jede zehnte Kultureinrichtung von der Schließung bedroht sei. Nicht sofort, aber innerhalb der nächsten Jahre. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, nahm er nicht sich selbst, den Kulturpolitiker in die Pflicht, sondern die Unternehmen und die Zivilgesellschaft, die sich vermehrt für das Überleben von Kunst und Kultur einsetzen sollten.

Da verabschiedet sich also die Kulturpolitik klammheimlich aus einer Verantwortung, die ihr Pius Knüsel gerade erst umgehängt hat und entsprechend logisch ist es dann natürlich, wenn sich die Diskussion von der „Makropolitik“ hin zum „Mikromanagement“ bewegt. Auf dieser Ebene versuchte Adalbert Kurkowski von der Berliner Bank zu beweisen, dass zumindest sein Unternehmen die Botschaft schon verstanden hat und sich darum bemüht, Kunst und Kultur zu unterstützen. Die daraus resultierende Win-Win-Situation ergibt sich aber in meinen Augen nur dann, wenn die Bank die geforderte finanzielle Unterstützung verweigert und damit nicht nur sich, sondern auch den oder die KünstlerInnen vor (finanziellem) Schaden bewahrt. Diese auf Anfrage getätigte Aussage war entwaffnend ehrlich, aber sie trifft ins Schwarze. Schließlich verändert sich auch der Anspruch des Publikums, wie Susanne Keuchel, die Direktorin des Zentrums für Kulturforschung in ihrem Vortrag „Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf das Kulturpublikum“ ausführte.

Ihre zentrale These lautete: das Publikum wird älter und bunter, was die Sache für die Kulturbetriebe nicht leichter macht, vor allem in den klassischen Sparten. Für die, z.B. das Theater interessiert sich noch die Generation 50+, aber die Jüngeren können mit dem Theater oder der Oper immer weniger anfangen. Interessanterweise definiert die jüngere Generation Kunst aber genau über die Sparten, die sie nicht mehr nutzt. Genutzt werden Kunst und Kultur vor allem von den Jugendlichen, die über eine hohe Bildung verfügen. Mit der einher geht auch das Interesse, selbst aktiv zu werden und wer selbst aktiv wird, nimmt dann eher kulturelle Angebote wahr.

Das spricht also nicht unbedingt dafür, dass man den Musikunterricht in den Schulen kürzt und das Thema kulturelle Bildung nach und nach aus den Augen verliert. Auf diese Weise verliert die Kunst nämlich ihr junges Publikum. Die, die sie schon verloren hat, geben an, so Keuchel, dass unter anderem hohe Preise und ein fehlendes jugendgerechtes Ambiente sie vom Besuch von Kulturveranstaltungen abhalten. Interessant, dass die Generation 50+ genau das Gegenteil als Hindernis angibt, nämlich zu viele Angebote, die sich nur an Jugendliche richten. Theoretisch müsste es dann eigentlich passen. ;-)

Klar ist aber: Kunst muss unterhalten und dementsprechend, so der Rat der Vortragenden, sollten Kultureinrichtungen den Unterhaltungsfaktor wieder mehr in den Vordergrund rücken. Kunst als Unterhaltung, das war jahrzehntelang verpönt, wie der Soziologe Kai-Uwe Hellmann in seinem Vortrag „Kulturpublikum zwischen Konsumtion und Produktion. Alvin Tofflers ‚Prosumer‘ und dessen Nachfahren“ erläuterte. Adorno war es, der mit seiner Kritik an der Kulturindustrie und der Gegenüberstellung von Kunst und Konsum dazu beitrug, dass wir noch heute zwischen ernster und unterhaltender Kunst unterscheiden, einer Trennung, die anderen Kulturkreisen fremd ist.

Erst die Cultural Studies machten aus dem passiven (Kultur)-Konsumenten den aktiven Konsumenten, denn es bedarf entsprechender Willensanstrengungen, um sich mit dem jeweiligen Themen beschäftigen und auseinandersetzen zu können. Alvin Toffler bereitete dann mit seinem Buch „The Third Wave“ den Boden für den „Prosumenten“, ohne dessen aktiven Beitrag ein Produkt oder eine Dienstleistung, so Hellmann, nicht fertiggestellt werden könne. Das heißt, der Anbieter ist auf den Prosumenten angewiesen. Ikea ist da in meinen Augen ein schönes Beispiel, denn erst unsere Bereitschaft, die Möbelstücke zu kaufen und selbst zusammen zu bauen, macht aus dem Haufen Bretter ein Regal.

Hellmann hat im nächsten Schritt versucht, die Prosumtion auf den Kultursektor zu übertragen. Herausgekommen ist dabei die folgende Grafik (die Kurve ist nur bei mir so zittrig und krumm geworden, sorry):

In den Bereichen Hoch- und Trivialkultur sieht Hellmann wenig bis keine prosumtiven Ansätze, wohl aber im Bereich der Soziokultur. Mir erscheint diese Unterscheidung gewagt, ich denke, es geht hier um partizipative Ansätze und die kann es in allen Bereichen geben, wobei ich auch der Meinung bin, dass es uns im Fall der Trivialkultur darum geht, uns berieseln zu lassen. Hellmann behauptet außerdem, dass wir uns immer mehr in Richtung Trivialkultur bewegen, d.h. wir schlagen die Richtung ein, die Adorno vor mehr als 50 Jahren kritisiert hat, als er zwischen Kunst und Konsum unterschied.

Wenn wir uns auf die Hochkultur konzentrieren, dann bedeutet das, so Hellmann, im Falle des Theaters: die jetzige Konstellation Produktion und Konsumtion  wird ergänzt durch die Prosumtion. Hellmann beruft sich dabei auf Gerhard Panzer, der Theater in die drei Phasen Werkproduktion, Inszenierung und Aufführung einteilt. Prosumtion ist für Hellmann nur in der Phase der Aufführung möglich, in den anderen beiden Phasen sieht er hierfür kein Potenzial.

Dieser Ansatz bzw. Erklärungsversuch ist für mich sehr interessant gewesen, weil er eigentlich das Thema der stART10 aufgreift, bei der es um Geschäftsmodelle und die oft diskutierte Öffnung der Wertschöpfungskette aufgreift. Ist es wirklich so, dass nur in der Aufführung Prosumtion möglich ist? Ich glaube nicht, verschiedene Museen in den USA haben immer wieder mal versucht, ihr Publikum mit einzubeziehen, wenn es um die Konzeption der Ausstellung ging.

Im Theaterbereich fällt mir Peter Brook ein, der mit seiner Theatergruppe in Afrika unterwegs war und Einheimische in das Theaterspiel integrierte, sie an der Entstehung des Stückes beteiligte. Außerdem fällt mir hierzu mein Blogbeitrag „Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?“ ein.

Aufschlussreich war für mich die große Ablehnung, auf die Hellmanns Ansatz stieß. Verstehen kann ich sie, denn Kunst verliert so den Habitus des Elitären, wenn der Prosument plötzlich auch etwas zu sagen hat. Und das finden nicht alle gut. So wird aus einer nicht geführten kulturpolitischen Debatte plötzlich etwas ganz Neues, bei dem die Kulturpolitik keine Rolle mehr spielt. Oder anders ausgedrückt: Kulturmanagement beschäftigt sich mit „Makropolitik“ und beginbt sich, das muss man zugeben, auf ein gefährliches Pflaster.

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NRW-Kulturförderbericht 2009 erschienen

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Im Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft habe ich einen Hinweis auf den gerade erschienenen Kulturförderbericht 2009 des Landes Nordrhein-Westfalen gefunden. Darin werden nicht nur alle Förderungen ab einer Höhe von 20.000 Euro aufgelistet, sondern auch die Förderschwerpunkte und -ziele ausführlich beschrieben. Wer gerade auf der Suche nach Förderungen ist, kann sich dank des Förderberichts einen guten Überblick über die Förderlandschaft in NRW verschaffen.

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EU: Blogs statt Plattformen

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Dieser Ansatz geht in die richtige Richtung, denn die Zeiten, in denen jedes von der EU geförderte Projekt für viel Geld seine eigene Internetplattform aufsetzte, gehören damit hoffentlich endgültig der Vergangenheit an. Was wurden da nicht überall Portale und Foren in die Welt gesetzt, auf denen man dann über Gott und die Welt diskutieren sollte. Nur hat da nie wer diskutiert und wenn das Projekt zu Ende war, verschwand meist auch die Website sang- und klanglos.

Im Kulturausschuss des EU-Parlaments hat man sich aktuell Gedanken darüber gemacht, wie sich alternative Medien unterstützen lassen, um, wie Golem zitiert,

„eine pluralistische Medienumwelt und kulturelle Vielfalt zu garantieren“.

Dabei haben die Abgeordneten wohl vor allem Community-Medien im Kopf. Solche Medien seien

„ein effektives Mittel, um die kulturelle und sprachliche Vielfalt zu stärken, die soziale Einbeziehung und die lokale Identität, was die Vielfalt des Sektors erklärt,“

nimmt Golem Bezug auf den Bericht des Kulturausschusses.

Ein gutes Signal! Wenn Sie also ein EU-Projekt planen, berücksichtigen Sie diese Entwicklung und planen Sie keine Portale und Plattformen mehr, sondern überlegen Sie sich, wie sich das Social Web mit seinen Tools für Ihr Vorhaben nutzen lässt. Soziale Netzwerke, Weblogs, Wikis, aber auch Social Bookmarks oder RSS-Feeds, der Möglichkeiten sind viele. Die eine oder andere Anregung finden Sie ja hier auf diesem Blog…

Via Robert Basic