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Eine gute Idee: „Blogg Dein Buch“

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Von dieser Idee sollten eigentlich alle etwas haben. Blogg Dein Buch (BdB) ist ein Projekt des EPIDU-Verlags, das aus der Idee heraus entstanden ist, Verlage, LeserInnen und BlogerInnen, die Rezensionen schreiben, zusammen zu bringen. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: viele BloggerInnen besprechen auf ihren Blogs gerne Bücher, kommen aber nicht immer so leicht an diese heran. Verlage sind an Rezensionen interessiert, wissen aber nicht, an wen sie sich wenden sollen. Und da sind dann noch die LeserInnen, die die verschiedenen Blogs nicht kennen und so von Buch bzw. Rezension gar nicht erfahren. BdB versucht, die verschiedenen Interessen zu bündeln und versteht sich als Plattform für Buchbesprechungen. Das Ziel:
„Die Webseite Blogg dein Buch verhilft allen Parteien zu weiterer Bekanntheit und damit zu mehr Besuchern. Je mehr Verlagspartner und Blogger sich auf BdB zusammenfinden, desto größere Beliebtheit wird dieser Seite zuteil werden, und damit auch den beteiligten Internetauftritten. Besonders versprechen wir uns, mit den unabhängigen Rezensionen der Blogger eine breite Leserschaft anzusprechen.“
Bücher von mehr als 90 Verlagen sind mittlerweile auf der Plattform vertreten, das Angebot wird also von den Verlagen sehr gut angenommen. Aber auch für BloggerInnen scheint die Sache attraktiv zu sein. Die Rezensionen erscheinen auf dem eigenen Blog, werden auf BdB beworben und mit 500 Zeichen angeteasert. Das heißt, mit zunehmender Attraktivität der Plattform werden vermutlich auch die Zugriffszahlen auf die einzelnen Rezensionen steigen. Attraktiv ist BdB dann, wenn dort erstens gute Bücher besprochen werden, vor allem die „Perlen“, die darauf warten, entdeckt zu werden. Zweitens wird sich die Plattform dann etablieren, wenn die Qualität der Rezensionen hoch ist. BloggerInnen, die sich daran beteiligen wollen, müssen ein Blog haben, das seit mindestens drei Monaten existiert und pro Woche einen Beitrag schreiben. Das Blog sollte möglichst hohe Zugriffszahlen aufweisen und „einen guten Gesamteindruck“ vermitteln, was immer das auch heißen mag. Wer gerne ein Buch besprechen möchte und Teil der BdB-Community geworden ist, kann sich per Mausklick für ein Buch seiner Wahl bewerben. Der Verlag entscheidet dann, wobei es, wenn ich es richtig verstanden habe, durchaus sein kann, dass mehrere Rezensionsexemplare verschickt werden. Das darf die BloggerIn dann behalten, verpflichtet sich allerdings, innerhalb von 30 Tagen eine Rezension zu veröffentlichen. Mir gefällt diese Idee, denn vom Konzept her handelt es sich um eine Win-Win-Win-Idee, von der hoffentlich alle etwas haben. In der Liste der Blogs habe ich schon einige alte Bekannte entdeckt, BdB scheint also gut anzulaufen. via bernetblog
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Über Netzwerke den Verkauf ankurbeln?

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Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Ideenbörse-Blog unter der Überschrift „Kleine Kultureinrichtungen bewerben ihr Angebot gemeinsam“ die Website „London Shh…“ vorgestellt. Einige kleine Museen haben sich dort zusammen getan und bewerben gemeinsam ihr Angebot. In eine ähnliche Richtung geht das Blogpost „Autorennetzwerke„, das Petra van Cronenburg auf ihrem Blog „cronenburg“ verfasst hat. So wie die kleinen Museen mit vereinten Kräften versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, sollten das auch die vielen AutorInnen, die nicht bis in die Auslagen der Buchhandlungen gelangen, tun, denn
„(d)ie Marktkonzentration im Buchhandel und ein nach althergebrachten Mechanismen funktionierendes Feuilleton sorgen dafür, dass immer mehr wunderbare, lesenswerte Bücher einfach nicht mehr sichtbar sind – ergo trotz aller Arbeit, Liebe und Sorgfalt kaum gelesen werden“,
schreibt sie in ihrem Beitrag. Ein möglicher Ausweg könnten Autorennetzwerke sein, die über die verschiedenen Social Media-Kanäle Informationen verbreiten und so für neue LeserInnen sorgen. Sie bezieht sich dabei auf den Beitrag „An Indie Call To Action“ von April Hamilton, in dem diese acht Tipps für den Aufbau von Autorennetzwerken gibt. Van Cronenburg ist skeptisch und liefert ein Vielzahl von interessanten (Verbesserungs)-Vorschlägen. Die von Hamilton formulierte Idee einer Buchpatenschaft findet sie zwar grundsätzlich gut, glaubt aber nicht an deren Erfolg. Ich sehe das ähnlich. Die fehlende Sichtbarkeit ist ein Problem und Kooperationen können ein Weg sein, um über die verschiedenen Kanäle verschiedene Zielgruppen zu erreichen. Aber Petra van Cronenburg verweist zu recht darauf, dass in so einem Fall nicht nur AutorInnen mit AutorInnen kooperieren müssen. Ich würde mir deshalb als Autor die Frage stellen, ob es nicht noch andere Formen der Kooperation gibt? Immer mit dem Ziel, Sichtbarkeit zu erlangen. Aber etwas anderes gilt es darüber hinaus zu beachten. Auf den Seiten der Frankfurter Buchmesse findet sich eine sehr interessante Darstellung der europäischen Buchmärkte, die erkennen lässt, dass es zwar einerseits sicher das Problem der „unsichtbaren“ AutorInnen gibt, die einfach nicht wahrgenommen und deshalb auch nicht gelesen werden. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der neu veröffentlichten Bücher von Jahr zu Jahr, während auf der anderen Seite die Zahl der LeserInnen nicht im selben Umfang zunimmt. Ganz im Gegenteil, TV und Computer sorgen dafür, dass wir eher weniger als mehr lesen. Daher ist die Idee von Netzwerken, die bestimmte AutorInnen pushen, eine gute, wenn es darum geht, deren Werke zu verkaufen. So wie die Londoner Museen zusammen arbeiten, sollten das auch die AutorInnen tun. Auf der anderen Seite sehe ich das Problem, dass die Relation Leser – Buch abnimmt, wenn wir den boomenden Markt der Ratgeber mal außen vor lassen.  Das heißt, ich muss grundsätzlich (wieder) mehr Begeisterung für Bücher wecken. Möglich ist das meiner Meinung nach durch den Aufbau von Communitys. Paulo Coelho zeigt exemplarisch, wie man sich eine solche aufbaut und am Leben erhält. Immer wieder schafft er es, mit seinen Fans nicht nur in den Dialog zu treten (auch das muss man erst einmal schaffen), sondern Aktivitäten ihrerseits einzufordern (z.B. Buchtrailer produzieren). Lynda Kelly hat in ihrem Blog Audience Research die Rolle der MuseumsbesucherInnen so beschrieben:
„This is what will make museums relevant in my view – a move from visitor as participant to visitor as partner, being able to have their own say and share their own stories, both at physical sites and online (which will eventually converge).“
Solche Communitys gibt es bereits im Literaturbereich, schreibt Petra van Cronenburg. Aber vielleicht müssen diese Communities noch mehr auf Partizipation setzen und könnten so das Interesse wecken an Literatur einerseits und an bestimmten AutorInnen, die sich in diesen Communitys engagieren, andererseits?
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Die Zukunft der Bücher

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'alte Bibliothek' von hennerfehr © Paul-Georg Meister, Pixelio Gestern habe ich bei Matthias Schwenk gelesen, dass es den „Brockhaus“ zukünftig nur noch online geben wird. Schade, denn der Brockhaus ist wohl nicht nur für mich der Inbegriff des Lexikons. Ein dickes Buch, das ich früher sehr oft, sehr gerne und natürlich mit entsprechender Ehrfurcht in die Hand genommen habe, wenn ich etwas nachschlagen wollte. Irgendwann kam dann Wikipedia und ab diesem Zeitpunkt war der Brockhaus nicht mehr nötig. Im Internet ging alles schneller. Ob dort auch alles besser ist, sei mal dahin dahingestellt. Nun versucht der Brockhaus-Verlag, verlorenes Terrain zurück zu gewinnen und geht ab Mitte April mit einem Lexikon-Portal online. In Buchform wird es ihn dann nicht mehr geben. Finanziert werden soll das Portal durch Werbe- und Sponsoringeinnahmen. Ist das wirklich alles, was dem Brockhaus-Verlag dazu einfällt? Gibt es sonst keine Ideen dazu? Matthias Schwenk ist skeptisch,
„ob Brockhaus im Bereich des allgemeinen Wissens gegenüber der Wikipedia noch Boden gut machen kann.“
Ich bin da optimistischer, denn der Brockhaus genießt ein wesentlich größeres Vertrauen als Wikipedia. Fragen Sie mal an den Universitäten nach, dort wird das Zitieren aus Wikipedia teilweise gar nicht gerne gesehen. Der Grund: Bei Wikipedia kann jeder Beiträge verfassen, Schwenk spricht vom „Crowdsourcing-Effekt“. Aber wer garantiert, dass das, was dort an Inhalten online steht, auch korrekt ist? Da passt die Frage von Armin Karge, ob das Web 2.0 dumm macht, ganz gut dazu. Er verweist in seinem Beitrag auf eine Studie, die zeigt, dass es gar nicht so einfach ist, aus der immer größer werdenden Menge an Informationen die Spreu vom Weizen zu trennen. In den Kommentaren zu seinem Beitrag ist von Filtermechanismen die Rede. Oder von Communities of Trust. Das heißt, wir verlassen uns auf in unseren Augen vertrauenswürdige Personen. Der Brockhaus-Verlag genießt dieses Vertrauen bereits und er wird alles daransetzen müssen, dieses Vertrauen zu bewahren. Aber wie? Eine gut bezahlte Redaktion wird er sich auf Dauer nicht leisten können. Da könnte der Aufbau einer Community of Trust eine bedenkenswerte Alternative sein, um auch langfristig mit der Konkurrenz mithalten bzw. den Vorsprung halten zu können. Aber ich stelle mir die Frage, ob der Gang ins Internet wirklich der einzig mögliche Weg ist, nicht nur für den Brockhaus-Verlag, sondern überhaupt für das Produkt Buch? Natürlich sind fast 3.000 Euro für eine dreißigbändige Enzyklopädie ein stattlicher Preis. Aber ich kann mir vorstellen, dass es in nicht allzu langer Zeit wieder eine gedruckte Ausgabe geben wird, weil ein Buch eben doch etwas anderes ist als ein Bildschirm, auf dem man Texte durchscrollt. Nun ist ein so umfassendes Lexikon ja etwas sehr spezielles. Wie sieht es aber mit ganz „normalen“ Büchern aus? Evan Schnittman hat sich dazu seine Gedanken gemacht. „Do I Believe in Ebooks?“ ist sein Beitrag überschrieben. Darin schildert er recht anschaulich, dass es gar nicht so sehr um ein entweder oder gehen sollte, sondern vielmehr um ein sowohl als auch. Schnittman, der viel auf Reisen ist, schätzt es unterwegs, sein Kindle nutzen zu können. Aber es gibt auch eine Vielzahl von Situationen, wo wir einfach ein Buch in Händen halten wollen. Schnittmans Vorschlag:
„I should be able to buy a license that gets me the book in print form and makes a digital copy available to me for downloading onto my device of choice. In other words, I want to buy a book and have the ebook too. (Or buy the ebook and get the print book too.) And guess what, I want to pay one price.“
Und wenn man das Paket dann noch, abhängig von der Art des Buchs, um eine Hörbuchversion erweitert, würde man, so die digitalen Lesegeräte hier in Europa eines Tages erschwinglich werden, zumindest mich als Kunden gewinnen können. Aber das muss noch nicht alles sein. Gerade der Brockhaus-Verlag, der über eine schier unglaubliche Menge an Informationen verfügt, müsste sich eigentlich mit Softwareentwicklern zusammentun, um genau das anbieten zu können, was Matthias Schwenk immer wieder fordert: semantische Technologien, die es mir möglich machen, aus der Menge an Informationen die herauszufiltern, die ich gerade benötige. Wenn ich auf diese Weise Zeit sparen kann und qualitativ hochwertige Inhalte angeboten bekomme, die ich zu diesem Zeitpunkt benötige, dann bleibe ich wahrscheinlich nicht alleine mit meiner Bereitschaft, dafür auch zu bezahlen. Vor einigen Tagen habe ich in einem anderen Beitrag von der Veredelung des Produktes gesprochen. Das heißt, die Informationen stehen gratis online zur Verfügung, für die Verknüpfung dieser Informationen zahle ich. Vorerst schaut die Realität im Falle des Brockhaus aber anders aus: Werbung ist Trumpf.