All Posts Tagged ‘clay shirky

Post

„here comes everybody“: Clay Shirky im Video

5 comments

Wer sich für die Möglichkeiten interessiert, die uns all die Social Media Tools bieten, sollte sich dieses Video von Clay Shirky anschauen. Den Vortrag hielt er nach der Veröffentlichung seines Buches „Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations„.

Clay Shirky ist für mich einer der Vorreiter in Sachen Social Web, nicht nur weil er ein sehr kluger Kopf ist, sondern auch wegen seiner Formulierungskünste. Wenn Sie sich das Video anschauen, wissen Sie vermutlich, was ich meine.

Post

„..the loss of professional control will be bad for many of society’s core institutions.“

8 comments

Dieser Satz stammt von Clay Shirky und bezieht sich eigentlich auf die Printmedien, denen er eine düstere Zukunft prophezeit, wie der Guardian berichtet:

„The great misfortune of newspapers in this era is that they were such a good idea for such a long time that people felt the newspaper business model was part of a deep truth about the world, rather than just the way things happened to be. It’s like the fall of communism, where a lot of the eastern European satellite states had an easier time because there were still people alive who remembered life before the Soviet Union – nobody in Russia remembered it. Newspaper people are like Russians, in a way“,

zitiert ihn Tom Teodorczuk in seinem Artikel. Shirky, dessen Formulierungskünste ich sehr schätze, konstatiert lapidar:

„The 500-year-old accident of economics occasioned by the printing press – high upfront cost and filtering happening at the source of publication – is over.“

und noch zum Drüberstreuen:

„But will the New York Times still exist on paper? Of course, because people will hit the print button.“

Da passen Meldungen, dass die NYT schon im Mai die Printausgabe einstellen müsse, ganz gut dazu. Aber warum schreibe ich das hier? Ich denke, die Überschrift enthält in diesem Fall die zentrale Aussage:

„“..the loss of professional control will be bad for many of society’s core institutions.“

Da gehören auch die NPO dazu, wie Artful Manager Andrew Taylor in seinem Blogpost „The newspaper as politburo?“ feststellt:

„While traditional publishing companies and nonprofit cultural organizations are obviously different beasts in many respects, they have eerie similarities as well. Both represent fairly well established assumptions about how content is created and distributed, and where value should be extracted in the business process. Both are having those foundational assumptions challenged by the rise of new media and its tendencies toward user-created and user-curated content.“

Dieser Vergleich wird vielen nicht sonderlich behagen, denke ich. Mein erster Reflex war auch eher die Abwehrhaltung. Aber wo steht geschrieben, dass etwas, was die letzten paar hundert Jahre Gültigkeit besessen hat, auch die nächsten hundert Jahre gelten muss? Und wo steht geschrieben, dass das nur für die Printmedien und nicht für den Kunst- und Kulturbereich gelten muss?

Es kann also sein, dass sich die Beziehung zwischen Kunst- und Kultureinrichtungen und den BesucherInnen oder ganz allgemein der Gesellschaft völlig verändern kann und damit auch die Finanzierungsmodelle von Kunst obsolet werden. Vorstellen können wir uns das wohl derzeit noch nicht wirklich. Zusätzlich erschwerend kommt dazu, dass niemand  weiß, was die Zukunft bringt. Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise wird diesen Entwicklungsprozess noch verstärken, ist Shirky überzeugt. Seine Prognose für die traditionellen Medien, wie er es nennt, lautet:

„2009 is going to be a bloodbath.“

Hoffen wir, dass wir das vom Kunst- und Kulturbereich nicht behaupten müssen. Weder 2009 noch später. Nicht weil ich glaube, dass der Kelch am Kunst- und Kulturbereich vorübergeht, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass sich der Wandel auch aktiv gestalten lässt, ohne Blutbad.