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„..the loss of professional control will be bad for many of society’s core institutions.“

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Dieser Satz stammt von Clay Shirky und bezieht sich eigentlich auf die Printmedien, denen er eine düstere Zukunft prophezeit, wie der Guardian berichtet:

„The great misfortune of newspapers in this era is that they were such a good idea for such a long time that people felt the newspaper business model was part of a deep truth about the world, rather than just the way things happened to be. It’s like the fall of communism, where a lot of the eastern European satellite states had an easier time because there were still people alive who remembered life before the Soviet Union – nobody in Russia remembered it. Newspaper people are like Russians, in a way“,

zitiert ihn Tom Teodorczuk in seinem Artikel. Shirky, dessen Formulierungskünste ich sehr schätze, konstatiert lapidar:

„The 500-year-old accident of economics occasioned by the printing press – high upfront cost and filtering happening at the source of publication – is over.“

und noch zum Drüberstreuen:

„But will the New York Times still exist on paper? Of course, because people will hit the print button.“

Da passen Meldungen, dass die NYT schon im Mai die Printausgabe einstellen müsse, ganz gut dazu. Aber warum schreibe ich das hier? Ich denke, die Überschrift enthält in diesem Fall die zentrale Aussage:

„“..the loss of professional control will be bad for many of society’s core institutions.“

Da gehören auch die NPO dazu, wie Artful Manager Andrew Taylor in seinem Blogpost „The newspaper as politburo?“ feststellt:

„While traditional publishing companies and nonprofit cultural organizations are obviously different beasts in many respects, they have eerie similarities as well. Both represent fairly well established assumptions about how content is created and distributed, and where value should be extracted in the business process. Both are having those foundational assumptions challenged by the rise of new media and its tendencies toward user-created and user-curated content.“

Dieser Vergleich wird vielen nicht sonderlich behagen, denke ich. Mein erster Reflex war auch eher die Abwehrhaltung. Aber wo steht geschrieben, dass etwas, was die letzten paar hundert Jahre Gültigkeit besessen hat, auch die nächsten hundert Jahre gelten muss? Und wo steht geschrieben, dass das nur für die Printmedien und nicht für den Kunst- und Kulturbereich gelten muss?

Es kann also sein, dass sich die Beziehung zwischen Kunst- und Kultureinrichtungen und den BesucherInnen oder ganz allgemein der Gesellschaft völlig verändern kann und damit auch die Finanzierungsmodelle von Kunst obsolet werden. Vorstellen können wir uns das wohl derzeit noch nicht wirklich. Zusätzlich erschwerend kommt dazu, dass niemand  weiß, was die Zukunft bringt. Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise wird diesen Entwicklungsprozess noch verstärken, ist Shirky überzeugt. Seine Prognose für die traditionellen Medien, wie er es nennt, lautet:

„2009 is going to be a bloodbath.“

Hoffen wir, dass wir das vom Kunst- und Kulturbereich nicht behaupten müssen. Weder 2009 noch später. Nicht weil ich glaube, dass der Kelch am Kunst- und Kulturbereich vorübergeht, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass sich der Wandel auch aktiv gestalten lässt, ohne Blutbad.

8 Comments Join the Conversation

  1. Institutionen sterben nicht so schnell. Sie leben länger, als manch einer denkt. Immerhin haben sie das Überleben zumeist schon mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte geübt.

    Ich bin überzeugt davon, dass auch die ‚traditionellen‘ Organisationen den Wandel schaffen und sowohl den Umgang mit der Finanzkrise als auch mit dem Internet bewältigen werden. Der Überlebens-
    wille wird hier noch ganz enorme Ressourcen freisetzen.

    Was sich aber sicher ändern wird, ist die Art und Weise, wie im NPO-Bereich zukünftig Leistungen erbracht werden. Es deutet alles auf einen Profi-Bürger-Mix hin und der wird Lernen – auf beiden Seiten – voraussetzen.

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  2. Ähmm.. Profi-Bürger-Mix, diesen Begriff kenne ich nicht. Ist das vielleicht das Zusammenarbeiten von Ehrenamtlichen (Bürger) und Bezahlten (Profi)? Und vielleicht dann noch die Frage: Ist ein Profi ein Profi, weil er Lohn für seine Arbeit empfängt? Oder ist ein Profi jemand, der exzellente Arbeit macht? Was ist dann ein Bürger?

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  3. @Hanspeter: War es nicht immer schon so, dass man sich am besten auf sich selbst verlassen hat? Verlässlichkeit ist ja nicht branchenabhängig.

    Die Kunst- und Kultureinrichtungen, die es schaffen, die veränderten Rahmenbedingungen zu antizipieren, werden sich durchsetzen und behaupten können. Die anderen werden Probleme bekommen, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    @Brigitte: das Thema Profi-Bürger-Mix würde mich interessieren. Vorweg: es geht um den Unterschied bezahlte – unbezahlte Tätigkeit, oder?

    Mir ist aufgefallen, dass Ehrenamtlichkeit hier in Europa ganz anders funktioniert als in den USA. Mein Eindruck ist, dass die Zusammenarbeit beider Gruppen in den USA wesentlich unkomplizierter funktioniert als bei uns, wo ich immer das Gefühl von Verkrampftheit habe. Ist das so oder trügt mich da mein Gefühl?

    Um Deine letzte Frage zu beantworten, Hanspeter: ich würde nur von bezahlter und unbezahlter Tätigkeit sprechen. Die Frage der Exzellenz zielt nämlich auf die Qualitätsebene und dafür sind die Begriffe Profi, Amateur, Ehrenamtlicher oder auch Bürger völlig ungeeignet und erlauben keine Einordnung.

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  4. Der Begriff Bürger-Profi-Mix existiert schon länger in den Sozialwissenschaften, das letzte Mal habe ich ihn bei Dörner(2008)gelesen http://tinyurl.com/7586ge.

    Tatsächlich wird der Begriff so gebraucht, wie Du, Christian, ihn vielleicht nicht verwenden würdest: es geht um die Zusammenarbeit zwischen Professionellen und freiwilligen (Laien)Helfern Der Aspekt der Bezahlung steht hier im Hintergrund.

    Ich würde die Herausforderungen der Kooperation zwischen Bürgern und professionellen Helfern auch tatsächlich an dem Aspekt der Professionalität festmachen. Die Konkurrenz zwischen den beiden Systemen – der professionelle Helfer beruft sich auf seine Expertise und der Bürger auf sein Mitspracherecht als Citizen (und nicht als Experte)- verursacht im Alltag sicher die häufigsten Reibungspunkte zwischen der NPO und den freiwilligen Helfern.

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  5. @Brigitte: danke für den Link, der Artikel ist wirklich sehr lesenswert. Nun verstehe ich auch, was mit dem „Profi-Bürger-Mix“ gemeint ist. Im Endeffekt geht es darum, dass wir als Gesellschaft es (wieder) lernen, uns selbst zu helfen. Ein spannendes Thema!

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  6. Pingback: Die Finanzkrise: das Ende der öffentlichen Kulturförderung? « Das Kulturmanagement Blog

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