All Posts Tagged ‘kommunikationsstrategie

Post

Wer versteht schon Social Media?

14 comments

Vor ein paar Tagen stieß ich auf den Beitrag „Der Sinn einer Facebook-Seite„, den die Facebook-Expertin Annette Schwindt verfasst hat. Darin berichtet sie über Anfragen, wie man denn als Betreiber einer Facebook-Fanseite das Posten oder Kommentieren untersagen könne? Ihre Frage, wie man denn auf solches Unverständnis reagiere, habe ich in einer ersten Reaktion recht flappsig beantwortet und gemeint, dass das für BeraterInnen ein feine Sache sei, zeuge es doch von einem entsprechenden Beratungsbedarf.

Aber eigentlich gehen mein Kommentar und Annette Schwindts Ansicht, man müsse ihnen quasi Social Media erst erklären, ins Leere. Wenn man es genau nimmt, haben die, die eine solche Anfrage stellen, Social Media sehr wohl verstanden. Das Problem ist vielmehr: ihr Kommunikationsverständnis bzw. -konzept und Social Media sind nicht kompatibel. Natürlich kann man ihnen jetzt Unverständnis vorwerfen und versuchen, ihnen die Grundprinzipien zu erklären, nur würde es wahrscheinlich trotzdem nicht funktionieren. Nebenbei bemerkt: es gibt sehr viele Facebook-Seiten, auf denen Kommentare zwar zugelassen werden, die aber trotzdem nicht funktionieren. Worin liegt aber der Unterschied? Kommentiert wird in beiden Fällen nicht, einmal weil dort auf der Seite nichts passiert und im zweiten Fall, weil es die Seite gar nicht erst gibt.

Was sind die Konsequenzen? Kommunikation (intern und extern) ist immer auch ein Spiegelbild der jeweiligen Unternehmenskultur. Es gilt daher in einem ersten Schritt darum, die Unternehmenskultur und das darauf basierende Kommunikationsverhalten zu analysieren und sich darauf aufbauend zu überlegen, in welcher Form in einem solchen Umfeld Social Media-Tools überhaupt sinnvoll sind? Wenn MitarbeiterInnen es bis jetzt nicht gewohnt waren, ihre Meinung zu artikulieren, dann muss man ihnen keine Tools in die Hand geben, über die sie nun als VertreterInnen ihres Unternehmens nach draußen kommunizieren. Es würde einfach (noch) nicht der Unternehmenskultur entsprechen.

Rainer Helmes hat gestern auf meinen Beitrag „Cloud Communication oder virtuelle Schnitzeljagd“ reagiert und in seinem Blogpost „Mit Cloud Computing zur wertorientierten Unternehmensführung – leben und arbeiten in der Wolke“ gemeint:

„Nicht umsonst steht der Mensch bei unseren (Wertanalyse-)Projekten immer im Mittelpunkt. Hin zu einer wertorientierten Unternehmensführung ist es dann nur noch ein kleiner, aber konsequenter Schritt. Das Sahnehäubchen ist “Social Media”, und mit “Cloud Computing” gelingt dann – hoffentlich – der Sprung vom Informations- ins Wissenszeitalter. Mit Weblogs, Wiki, Buzz und Co. haben wir die notwendigen Werkzeuge in der Hand, nun geht es noch darum, diese gewinnbringend zu nutzen …“

Das stimmt auch grundsätzlich, nur muss man eben die Unternehmen dort abholen, wo sie gerade stehen. Viele stehen noch nicht am Übergang vom Informations- zum Wissenszeitalter. Das müssen sie auch nicht, weil sich ein Unternehmen, das neue Märkte erobert, ganz anders agiert (und damit auch kommuniziert) als ein Unternehmen, das sich in einem gesättigten Markt behaupten muss.

Gleiches gilt natürlich auch für den Kunst- und Kulturbereich. Unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Strukturen und unterschiedliche Formen der Kommunikation bedeuten, ich muss jedes Unternehmen, jeden Kulturbetrieb an einer anderen Stelle abholen. Es ist also nicht damit getan, Social Media zu erklären, sondern es geht darum, Konzepte zu entwickeln, die der jeweiligen Unternehmenskultur gerecht werden und aufzeigen, wie sich die Social Media-Tools nutzenbringend einsetzen lassen.

Die Herausforderung besteht, so denke ich,  deshalb darin,  die jeweils vorherrschende Unternehmens- bzw. Kommunikationskultur zu analysieren und zu verstehen. Erst im nächsten Schritt geht es dann um Social Media.

Post

Inhalte auf fremden Plattformen und die Angst vor dem Datenverlust

24 comments

In ihrem gestrigen Blogpost „Dein Twitter gehört dir nicht!“ weist Kerstin Hoffmann darauf hin, wie unsicher unsere Präsenz auf den diversen Social Media-Plattformen ist. Ob Twitter, Facebook oder Xing, wer sich nicht an die Regeln hält, ob wissentlich oder unwissentlich, dem kann es passieren, dass sein Profil plötzlich verschwunden ist und mit ihm alle Kontakte und Inhalte, denn, wie Kerstin Hoffmann richtig feststellt: „Dein Twitter gehört Dir nicht!“

Abgesehen davon: wer sich irgendwo ein Profil einrichtet, sollte sich die Regeln zu Gemüte führen, ansonsten handelt er fahrlässig. Bis dahin stimme ich dem, was Kerstin Hoffmann schreibt zu. Dass es deshalb sinnvoller sei, seine Webaktivitäten, z.B. das eigene Blog, über einen eigenen Server laufen zu lassen, sehe ich etwas anders. Zugegeben, wenn eine Firma einen eigenen Webauftritt hat und nun ein Weblog einrichten möchte, wäre es unsinnig, das Blog auf einer webbasierten Plattform wie zum Beispiel WordPress.com aufzusetzen. Wer das firmeneigene Layout auch für das Blog verwenden und seine IT-Aktivitäten bündeln möchte, wird um eine serverbasierte Lösung (z.B. WordPress.org) nicht herumkommen. Aber abgesehen davon sollte man die Sache doch mal ganz nüchtern betrachten.

Webbasiertes versus serverbasiertes Blog

Kerstin Hoffmann führt „suchmaschinentechnische Erwägungen“ als Argument für das „eigene“ (auf dem eigenen Server liegende) Blog an. Mir ist nicht ganz klar, was darunter zu verstehen ist, aber wenn ich mich nicht ganz täusche, dann geht es erstens um Links und zweitens um die entsprechenden „Keywords“, mit denen man von den Suchmaschinen nicht nur gefunden, sondern auch möglichst hoch gerankt wird. Das geht mit einem webbasierten Blog ziemlich gut, wie mein eigenes Pagerank beweist.

Imagegründe? Gut, wenn ein Unternehmen eine Website hat und dann irgendwo auf einer „fremden“ Plattform ein Blog aufsetzt, sieht das etwas komisch aus, zugegeben. Auf der anderen Seite ist die Frage, wie man seine eigene CI auf all den Plattformen erhalten kann, eine, die immer mehr an Bedeutung gewinnt, denn unsere Präsenz auf social networks nimmt tagtäglich zu. Wie baue ich z.B. meine CI in einen RSS-Feed ein?

Geistiges Eigentum: auch auf WordPress.com sind die Beiträge mein geistiges Eigentum. Auf Plattformen wie Facebook sieht das etwas anders aus, hier sollte man sich überlegen, welchen Content man dort online zur Verfügung stellt. Kerstin Hoffmann stellt in diesem Zusammenhang die Frage, ob man auf „offenen Plattformen größere Mengen eigener Inhalte (.) veröffentliche (soll)“? Ihre Antwort darauf:

„Ich halte es für viel sinnvoller, das ins eigene Blog oder auf die eigene Website zu schreiben und dann über einen Feed in andere Angebote zu ziehen. (Das bringt übrigens auch mehr Verlinkung und hat somit Auswirkungen etwa auf den Google-Rank.) Statt längere Gedankengänge etwa in Google Buzz oder auf der eigenen Facebook-Page direkt auszubreiten – wozu diese Angebot ja regelrecht einladen -, kann man sie ins Blog schreiben und dann  dorthin verlinken.“

Ich mag es eher nicht, wenn ich auf mehreren Kanälen immer wieder den gleichen Hinweis auf ein Blogpost erhalte. Für mich stellt sich dann die Frage, warum ich jemandem auf mehreren Kanälen folgen soll, wenn es eigentlich reicht, beispielsweise das Blog zu lesen? Für mich liegt darin übrigens der Unterschied zwischen der linearen Kommunikation und Cloud Communication (siehe dazu mein gestriges Blogpost).

Backup: online oder offline?

Sicher der interessanteste Punkt ist der Sicherheitsaspekt, der auch in den Kommentaren zu Kerstin Hoffmanns Beitrag eine wichtige Rolle spielt. Die Ansicht, auf dem eigenen Server sei der eigene Inhalt am sichersten, halte ich für eine Mär. In einer Zeit, wo das Cloud Computing immer mehr Verbreitung findet, und das auf Unternehmensebene, wo Sicherheit großgeschrieben wird, bezweifele ich es, dass der eigene Server sicherer ist als der anderer (seriöser) Anbieter.

Ich finde es bemerkenswert, dass viele UserInnen der Überzeugung sind, ihren Online-Content zu sichern, indem er auf der eigenen Festplatte abgespeichert wird. Ist nicht vielmehr der eigene PC die Schwachstelle im ganzen System? Als ich vor Jahren damit begann, Backups von meinen Inhalten zu erstellen, legte ich mir dafür eine externe Festplatte zu. Als die kaputt ging (die Daten konnte ich retten), kaufte ich mir zwei, um doppelt gesichert zu sein. Als die erste der beiden Festplatten ihren Geist aufgab, hatte ich endgültig von dieser Form der Datensicherung genug und begann, meine Daten online zu sichern. Derzeit nutze ich Wuala und behaupte, dass meine Daten dort wesentlich sicherer sind als auf mindestens 95% der sogenannten „eigenen“ Server.

Was sichere ich? In erster Linie meine Blogbeiträge, ansonsten jede Menge Links. Die finden sich einerseits auf verschiedenen Social Bookmarking-Diensten, andererseits auf Twitter. Die Sorge, dass die dort verwendeten Shortlinks irgendwann mal verschwinden könnten, halte ich für nicht ganz unberechtigt. Ich habe deshalb meinen Twitter-Account mit Mister Wong verknüpft und lasse den Social Bookmarking-Dienst alle per Twitter verschickten Links im Originalzustand sammeln, automatisch. Auf diese Weise muss ich dann nicht meine Tweets sammeln und z.B. in einem Worddokument archivieren. Aber zugegeben: für mich sind auf Twitter nur die Links relevant. Was ich sonst so von mir gebe, gehört für mich in die Kategorie Gespräch und muss nicht unbedingt abgespeichert werden.

Für mich bedeutet das: Datensicherheit sehe ich eigentlich eher online als offline gewährleistet. Dabei darf nicht vergessen werden, ich betone das noch einmal, dass die Geschäftsbedingungen mancher Netzwerke nicht besonders nutzerfreundlich sind. Aber es gibt mittlerweile Plattformen und Anbieter, denen ich mehr vertraue als meiner eigenen Festplatte oder dem eigenen Server. Angst vor dem Datenverlust habe ich von daher eher bei den Daten, die auf meinem PC (oder dem Server) liegen. Dies vor allem deshalb, weil dort noch eine weitere Schwachstelle anzutreffen ist: ich selbst. ;-)