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Kommunikation über Netzwerke: wer trägt die Informationen weiter?

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© Gerd Altmann; Photoopia

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Beitrag „Finding Influencers“ darauf hingewiesen, wie wichtig diese sind. Sie verbreiten innerhalb der Community Informationen und beeinflussen Meinungen. Kenne ich die lokalen Communitys und deren Influencer vor Ort, ist das ein Vorteil. Für eine Kultureinrichtung, die in einem lokalen Umfeld tätig ist, ist damit schon viel gewonnen. Wie aber ist das mit Kultureinrichtungen, deren Zielgruppen weit gestreut sind? Große Museen, Theater, Opern und Konzerthäuser agieren mittlerweile global. Die Influencer jeder Community zu identifizieren und in Kontakt mit ihnen zu treten ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Interessante Ergebnisse liefert hierzu eine Studie, die an der Keck School of Medicine der University of Southern California durchgeführt wurde. Wer möchte, dass seine Informationen über möglichst zahlreiche Netzwerke gestreut werden, sollte nicht auf die Opinion Leader setzen, sondern auf die „critical connectors“, die für den Informationsfluss zwischen verschiedenen netzwerken sorgen.

„While central individuals or opinion leaders in the group are more inclined to maintain the status quo, bridging individuals may be more open to new ideas and practices“,

heißt es in einem Artikel auf Futurity.org. In der Studie geht es eigentlich um die Frage, wie man Informationen zum Thema Gesundheitsvorsorge verbreiten kann. Bis jetzt konzentrierte man sich dabei vor allem auf die zentralen Figuren einer Community.

„These bridging individuals appear to be more effective at changing others, and more open to change themselves, which makes them intrinsically interesting to study,“

wird einer der Professoren zitiert. Diese „bridging individuals“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Idealfall das einzige Bindeglied zwischen zwei Communitys sind. Wer sie kennt, hat die Möglichkeit, mit einem möglichst geringen Aufwand Informationen möglichst schnell möglichst weit streuen zu können.

Anscheinend haben die Mediziner eine Methode entwickelt, um diese Personen identifizieren zu können, allerdings kann ich mich hier nur auf die Pressemeldungen beziehen, da ich die Studie nicht gelesen habe und fürchte, dass ich sie, da im medizinischen Bereich angesiedelt, auch großteils nicht verstehen würde.

Ohne also Details zu kennen, erinnert mich dieses Ergebnis an die von Raoul Schindler entwickelte Rangdynamik, die auch solche Mitglieder einer – in diesem Fall – Gruppe kennt, nämlich die sogenannten Betas. Diese sind nicht so stark in die Gruppe integriert wie beispielsweise die Alphas oder Omegas.

Zuück zur medizinischen Studie. Auf wen innerhalb einer Community ich mich konzentriere, hängt also davon ab, ob ich eher lokal oder global agiere:

„From a local perspective, it makes sense to focus on central individuals. But from a global or macro perspective, bridging is critical“,

heißt es am Ende des Artikels auf Futurity.org.  Im Hinblick auf die Verbreitung von Informationen mit Hilfe von Netzwerken eine interessante Feststellung.

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People don’t want to connect to art

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Mit so einem Satz in die entsprechenden Diskussionen zu gehen, muss interessant sein. Denn natürlich provoziert er die Frage, mit wem oder was die Menschen denn verbunden sein wollen?

Via Theatreforte bin ich auf Adam Thurman gestoßen, der auf seinem „The Mission Paradox Blog“ eine Antwort auf diese Frage gibt.

Thurman erzählt von einem Freund, den er schon recht lange kennt. Natürlich hat er auch andere Freunde, aber die kennt er eigentlich vor allem über diesen einen Freund, den er deshalb als „hub“ bezeichnet, als Knotenpunkt. Freunde seien sie nicht nur, weil sie eine enge Beziehung zueinander hätten, sondern auch wegen der Vielzahl an Kontakten (Freunden), die über diese Beziehung laufen.

Thurmans Frage, was das nun mit der Kunst zu tun habe, ist rhetorisch. Denn ob wir über sinkende Zuschauerzahlen oder die Eintrittspreise reden:

„I think we may have missed the point of the arts.“

Denn, so Thurman weiter:

„We keep talking about finding ways for people to connect with our particular art form. But people don’t want to connect to art . . . they want to connect to other people.“

Ein interessanter und obendrein provokanter Gedanke, den er mit der Aufforderung verbindet:

„So instead of a theatre company seeing their performance on stage that night as the point of the evening, perhaps they should just see themselves as the hub . . . as the thing that connects all the people in the audience to each other.“

Ist es das wirklich? Thurman weiß, dass er mit seiner Behauptung auch auf Widerspruch stößt und bringt ein Beispiel aus dem Kinobereich, das seine These stützen soll.

Die Fansite des neuen, noch nicht angelaufenen Indiana Jones Films dient seiner Meinung nach weder dazu, Harrison Ford zu glorifizieren, noch dem Ticketverkauf.

„The point is to allow Indiana Jones fans to connect. Will that help ticket sales? Of course it will. But that’s not why it is there.“

Seine Aufforderung lautet also, die BesucherInnen zu vernetzen, ihnen die Möglichkeit zur Kommunikation untereinander zu verschaffen. An diesem Punkt wird der Kulturbetrieb zum Hub. Der Erfolg besteht dann darin, dass aus der losen Menge der BesucherInnen eine Community, ein Netzwerk wird. Und die Kunst hält sie zusammen.

So ganz überzeugt bin ich noch nicht davon, muss ich gestehen. Obwohl ich diesem Ansatz schon etwas abgewinnen kann.

Kunst, wenn sie nicht reiner Selbstzweck ist, bedeutet Kommunikation, schließlich ist sie an die BesucherInnen adressiert. Geht es nun darum, die Menschen über das Medium Kunst miteinander zu verbinden? Kunst also als „Schmiermittel“? Oder müssen wir uns den Hub eher als Ort vorstellen, wo die Menschen sich vernetzen können? Für mich sind das zwei verschiedene Ansätze, von denen ersterer der interessantere ist, oder?

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Wie gründe ich eine Community?

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Michele Martin berichtet auf ihrem „The Bamboo Project Blog“ von ihren Erfahrungen, die sie beim Aufbau einer Community in den ersten drei Wochen gemacht hat. Als Plattform verwendet sie Ning, wo man die Möglichkeit hat, kostenlos eigene Communities einzurichten.

Nachdem ich mich immer wieder mit dem Aufbau von Communities beschäftige, sind die Überlegungen und Hinweise in ihrem Beitrag eine wahre Fundgrube für mich.

Martin schreibt, dass es leichter ist, eine Community zu starten, wenn sich aus irgendwelchen anderen Gründen bereits eine Gruppe gebildet hat. Das heißt, die Gruppenmitglieder haben schon eine Gemeinsamkeit, nämlich ein Anliegen, das ihnen allen am Herzen liegt. In diesem Fall ist nicht die Gründung der Community das Ziel, sondern die Community dient nur dazu, das Ziel zu erreichen.

Weiter berichtet sie davon, wie schwierig es ist, einerseits den Rahmen für Gespräche zu schaffen und andererseits die Rolle des „Showmasters“ zu übernehmen, der die Leute bei Laune und damit bei der Stange hält. Damit ist die Frage verbunden, ob ich der Community quasi voranstehe und so vor allem bilaterale Kontakte aufbaue. Oder ob es mir gelingt, eine multilaterale Netzwerkstruktur zu schaffen, die meiner Führungsrolle dann gar nicht mehr bedarf.

Interessant auch ihre Erfahrung, dass es nicht reicht, darauf zu warten, bis die Mitglieder der Community die Plattform besuchen, sondern sie aktiv (per Email) immer wieder einzuladen. Ich denke, daran scheitern viele Communities, weil deren GründerInnen zwar unter Umständen eine Vielzahl an Anreizen (z.B. in Form von Content) schaffen, aber sich nicht aktiv darum kümmern, die Mitglieder der Community darauf hinzuweisen. Sich zurückzulehnen und beleidigt zu sein, dass sich niemand für die Inhalte interessiert, führt nicht nur zu großem Frust, sondern wahrscheinlich auch zum baldigen Ende der Community.

Michele Martin hat außerdem herausgefunden, dass eine Community nicht wie eine Party funktioniert: man lädt die Leute ein. Die kommen und fangen dann an, sich zu unterhalten. In einer Community muss sich jemand darum kümmern, dass die Gespräche in Gang kommen. Martin hat in ihrer Community einen Rahmen geschaffen und damit Vorgaben geliefert, an denen sich die anderen orientieren können.

Wow, so viele wertvolle Hinweise!