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Die Kunst „Nein“ zu sagen

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Als ich vor mehr als zehn Jahren als Kulturmanager zu arbeiten begann, ging es mir natürlich in erster Linie darum, Aufträge an Land zu ziehen. Sicherlich kennen einige diese Situationen, in denen man sich auf Abenteuer einlässt, die man besser meiden sollte. So habe ich mich zum Beispiel dazu überreden lassen, für ein Projekt, das in Kürze starten sollte, noch nach Sponsoren zu suchen. Und das auf Provisionsbasis.

Oder wir haben an einem gemeinsamen Vorhaben gearbeitet, bei dem zwei von drei Subventionsansuchen abgelehnt worden waren. Aber wir hatten noch eine Stiftung aufgetan, die uns als Strohhalm diente. Und das nur, weil dort eine Jury erst in zwei Wochen entscheiden sollte. Beide Projekte fanden zwar statt, allerdings in der Kategorie Selbstausbeutung. Im ersten Fall fand ich logischerweise nicht einen einzigen Sponsor und bekam dadurch natürlich auch keine Provision.

Im zweiten Fall handelte es sich am Ende um ein, wie wir glaubten, „Referenzprojekt“, bei dem natürlich zuerst alle Rechnungen gezahlt werden mussten, bevor wir an unsere Honorare denken durften. Ich denke, niemand ist überrascht, dass am Ende für uns nichts übrig blieb. Und dann gibt es natürlich die Aufträge, die man nicht annehmen sollte, weil man einfach keine Zeit mehr hat. Und voller Gier oder Enthusiasmus sagt man dann trotzdem zu.

Nach fast zwei Jahren war es dann das erste Mal soweit: Ich habe einen Auftrag abgelehnt. Heute, viele Jahre später, behaupte ich, dass ich erst mit diesem „Nein“ begonnen habe, Unternehmer zu sein.

Aber auch heute komme ich immer wieder in Situationen, in denen es gar nicht so leicht ist, „Nein“ zu sagen, denn es gibt unzählige Gründe, warum man ein Projekt oder einen Auftrag wider jede Vernunft durchführen kann. Ich denke, Sie alle kennen genug solcher Situationen, wenn Sie im Kulturmanagement (es gibt wahrscheinlich genügend andere Bereiche, wo es ähnlich läuft) tätig sind.

Wie aber sagt man nun „Nein“? Welche Strategien gibt es, um zu verhindern, dass man sich aus der Not heraus für Himmelfahrtskommandos hergibt? Leo Babauta hat im „Freelance Switch“ Blog einen Beitrag verfasst, in dem er acht Strategien vorstellt, die einem dabei helfen, „Nein“ zu sagen.

1. Sagen Sie zuerst „Ja“

Ein „Nein“ lässt sich auch durch ein „Ja“ ausdrücken, wenn man, wie Babauta schreibt, entweder im Nebensatz darauf hinweist, dass man gerade überhaupt keine Zeit habe, aber gerne in ein paar Wochen in das Projekt einsteigen werde. Oder den Ball zurückspielt und den oder die FragestellerIn erst einmal mit Aufgaben überhäuft, nach deren Erledigung man dann die Lage gerne gemeinsam analysieren könne.

2. Haben Sie den Überblick über das, was Sie in nächster Zeit erledigen müssen

Es ist ja toll, wenn man ständig etwas von Ihnen will, aber auch Ihre Arbeitszeit ist limitiert (über wieviele Arbeitsstunden Sie überhaupt verfügen, können Sie hier in einem früheren Beitrag von mir nachlesen). Führen Sie eine Aufgabenliste, damit Sie wissen, ob Sie einen neuen Auftrag überhaupt annehmen können. Auch Ihr Tag hat nur 24 Stunden, und wenn der Auftrag noch so lukrativ ist.

3. Auch Ihre Arbeitszeit ist kostbar

Lassen Sie sich nicht jede Arbeit umhängen, denn Ihre Zeit ist mindestens ebenso wertvoll wie die der anderen. Am Ende haben Sie dann zwar den Anderen einen Gefallen getan, aber für die Ihnen wichtigen Dinge bleibt dann leider keine Zeit mehr.

4. Entscheidungen aufschieben

Viele Dinge erledigen sich von selbst. Manchmal ist es daher sinnvoll, nicht sofort eine Entscheidung zu treffen. Dass heißt aber nicht, wie Babauta richtig anmerkt, dass man Entscheidungen permanent vor sich herschiebt.

5. Lassen Sie Ihr „Nein“ wie ein „Nein“ klingen

Bei vielen Menschen klingt das „Nein“ eher nach einem „ich weiß nicht“. Verständlich, dass Ihr Gegenüber diese Situation ausnützt und Ihnen noch ein „Ja“ abringt. Ihr „Nein“ sollte so überzeugend klingen, dass die Diskussion damit auch beendet ist.

6. Ihrem Gegenüber zuvorkommen

Wenn Sie eine Aufgabe nicht übernehmen möchten, lassen Sie es doch gar nicht erst zu, dass man Sie fragt. Erzählen Sie vorweg, wie beschäftigt Sie sind. Auf diese Weise kommen Sie gar nicht in die Situation, „Nein“ sagen zu müssen.

7. Ja, aber…

Eigentlich ist diese Strategie ähnlich wie Strategie 1. Sie zeigen Begeisterung oder Interesse, weisen aber darauf hin, dass Ihnen leider die Zeit dazu fehlt, die Aufgabe zu übernehmen und machen einen Vorschlag, wie die Aufgabe anderweitig gelöst werden kann.

8. Entschuldigen Sie sich nie

Für mich ist das der wichtigste Punkt, den Babauta anspricht. Wer sich dafür entschuldigt, eine Aufgabe zu übernehmen, lässt den anderen denken, man habe etwas Falsches getan. Als ich diesen Punkt gelesen habe, sind mir viele Beispiele aus der Vergangenheit eingefallen, bei denen ich mich dafür entschuldigt habe, keine Zeit für etwas zu haben. Und wenn es nur aus Gründen der Höflichkeit war.

Babauta weist zu Recht darauf hin, dass wir uns damit unter Wert verkaufen. Unsere Zeit ist ein kostbares Gut und wir sollten selbst darüber entscheiden können, was wir mit ihr anfangen.

2 Comments Join the Conversation

  1. Mir fehlt hier in Ergänzung zu Punkt 4 noch „Bedenkzeit erbitten“. Manchmal kann man besser nein sagen, wenn man sich Bedenkzeit erbittet. Im ersten Gespräch fühlt man sich oft überrumpelt. Wenn man wirklich drüber nachdenkt oder seine Termine überprüft oder einfach eine Stunde wartet und dann zurück ruft, fällt es vielen leichter ihr „nein“ durch zu setzen.

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