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Die Walt Disney-Strategie

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Vor einiger Zeit ging es um die Frage, nach welchen Kriterien ich ein Projektteam zusammenstelle. Ich hatte in diesem Zusammenhang die Sichtweise von Armin Klein beschrieben, der in seinem Buch “Projektmanagement für Kulturmanager” von verschiedenen Menschentypen spricht.
Einen völlig anderen Ansatz möchte ich Ihnen diesmal vorstellen. Es ist eigentlich gar kein Modell, um ein Projektteam zusammen zu stellen und trotzdem hilft es mir weiter, wenn ich auf der Suche nach Personen bin, mit denen ich eine Idee oder ein Projekt umzusetzen beabsichtige.

Wir alle kennen die Situation. Jemand macht einen Vorschlag, der verrückt klingt und außerdem völlig unrealistisch zu sein scheint. Sofort kommt ein Einwand und der Vorschlag ist vom Tisch. Schade, denn vielleicht hätte man die Idee nur etwas adaptieren müssen, damit daraus etwas werden kann.

Mindestens ebenso unbefriedigend ist die Situation, in der eine Gruppe zusammensitzt und sich gegenseitig erklärt, was alles nicht geht. In die Kategorie Innovation gehört das auch nicht unbedingt.

Wir brauchen „verrückte“ Ideen

Neues zu kreieren ist aber eine Notwendigkeit, egal ob es um künstlerische oder organisatorische Belange geht. Ich muss „verrückte“ Ideen haben. Ich muss aber auch einschätzen können, ob deren Realisierung realistisch ist. Das heißt, ich nehme verschiedene Wahrnehmungspositionen ein. Genauso verhält es sich in Kulturorganisationen, nur sind die Positionen dann auf mehrere Personen verteilt.

Auch diesen Aspekt lohnt es sich zu beachten, wenn wir unser Team zusammenstellen. Wir haben nichts von tollen Ideen, wenn sie nicht auf den Boden gebracht und erfolgreich umgesetzt werden können.

Walt Disney hat dieses Prinzip, innovative Ideen zu entwickeln und sie mittels einer geeigneten Strategie so umzusetzen, dass die Leute davon begeistert waren, zur Meisterschaft entwickelt. Deshalb ist oft auch von der Walt Disney-Strategie die Rede, bei der es sich eigentlich um ein Kreativitätsmodell handelt.

Die drei Wahrnehmungspositionen

Kurz gesagt kamen bei Walt Disney drei verschiedene Persönlichkeiten (Wahrnehmungspositionen) ins Spiel:

  • Der Träumer hatte die Ideen;
  • Der Realist stellte die Verbindung zwischen der Idee und der Wirklichkeit her;
  • Der Kritiker prüfte von außen die Idee hinsichtlich ihrer Qualität.

Der NLP-Trainer Robert B. Dilts führt in seinem Buch Kommunikation in Gruppen und Teams ein Zitat Disneys an, das seinen Ansatz sehr schön beschreibt:

„Der Storyman muss klar vor seinem geistigen Auge sehen, wie alle Einzelteile in einer Geschichte ihren Platz finden. Er sollte jeden Ausdruck, jede Reaktion fühlen. Er sollte sich weit genug von der Story entfernen, um einen zweiten Blick darauf werfen zu können…, um zu sehen, ob es darin irgendeinen toten Punkt gibt…, um zu sehen, ob die Akteure für das Publikum interessant und attraktiv sind. Außerdem sollte er zu sehen versuchen, ob die Dinge, die seine Akteure tun, wirklich interessant sind.“

Für Dilts beinhaltet dieses Zitat die unterschiedlichen Positionen des Träumers, des Realisten und des Kritikers.

Es beginnt aus der Sicht des Träumers, wenn es dort heißt: „Der Storyman muss klar vor seinem geistigen Auge sehen, wie alle Einzelteile in einer Geschichte ihren Platz finden.“ Das heißt, der Träumer entwickelt die Vision. Er entwickelt eine Idee, was am Ende herauskommen könnte.

Wenn es dann weiter heißt: „Er sollte jeden Ausdruck, jede Reaktion fühlen“, dann ist hier die Position des Realisten beschrieben, der nun herausfinden muss, wie die Idee in der Wirklichkeit ankommt. Was sind die Reaktionen darauf?

Der Kritiker schließlich „sollte sich weit genug von der Story entfernen, um einen zweiten Blick darauf werfen zu können“. Die Außensicht erlaubt es ihm, ganz andere Erkenntnisse zu gewinnen. Erkenntnisse, die aus der Position des Träumers oder des Realisten nicht gewonnen werden können. Und aus deren Warte auch gar nicht gewonnen werden sollen, denn ihre Aufgabe ist eine jeweils andere.

In einem erfolgreichen Team sind alle drei Positionen besetzt

Erfolgreich können nur die Vorhaben sein, in denen das Zusammenspiel der drei Positionen gelingt. Es geht nicht um die Frage, wer sich durchsetzen kann, sondern wie alle drei sich in den Entstehungsprozess einbringen können.

Wenn Sie also Ihr (Projekt)-Team zusammenstellen, überlegen Sie sich, wie Sie alle drei Positionen besetzen können. Wer hat in Ihrem Team die Ideen, wem gelingt es, diese Ideen mit der Realität zu verknüpfen und wer hat die Außensicht, um einschätzen zu können, ob die Idee wirklich so gut ist?

Und in welcher Position fühlen Sie selbst sich am wohlsten?

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  1. Klasse Beitrag. Jeder ergänzt die Fähigkeiten der beiden anderen und jeder benötigt das Zusammenspiel aller drei Charaktere. Spontan fällt mir dazu nur ein, dass jeder Teilnehmer in verschiedenen Teilaspekten des Projektes auch unterschiedliche Rollen annehmen kann. Im Bereich der Künstlerentwicklung und darin im Teilgebiet Songwriting wäre der Künstler (hoffentlich) der Visionäre, der Realist sein Management und der Kritiker das Label. Im Teilgebiet Soundbranding wäre das Label vielleicht visionär, der Künstler Kritiker und Realist der Produzent. Lässt sich schön weiterspinnen… :)

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