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Change Management: den Trampelpfad verlassen

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Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie erst einmal zurückzucken, wenn Sie etwas anders als sonst machen sollen? Sätze wie „Wir haben bis jetzt immer eine Pressekonferenz gemacht, warum sollten wir das diesmal anders machen?“ oder „Wir haben unsere Website immer so strukturiert“ kommen Ihnen vielleicht auch bekannt vor.

Peter Evans-Greenwood, CTO von Capgemini Australien, hat sich in einem Blogeintrag mit dem Thema Veränderung auseinandergesetzt und beginnt seinen Beitrag mit einer Theorie, wie er es nennt:

„It seems that most people learn something in their early to mid 20s, and then spend the rest of their career happily doing the same thing over and over again. (…) Once they’ve established what it is they do they just want to keep doing it, hoping that the world will remain as it was in their early adulthood.“

Wir mögen Veränderungen nicht, so Evans-Greenwood, weil sie uns auf Fragen bringen, die wir uns entweder noch nie oder schon lange nicht mehr gestellt haben, z.B. was wir da eigentlich tun.

Wer auf einen solchen Veränderungszug aufspringt, schätzt das, was er tut als wichtig und das, was die „ältere Generation“ tut als überflüssig oder irrelevant ein. Aber auch das „Neue“ wird irgendwann wieder überholt und überflüssig sein.

Während Veränderung früher eine Frage von Generationen war, hat sich das Tempo heute verschärft und findet innerhalb einer Generation statt. Das heißt, das Neue wird nicht von der nachfolgenden Generation eingeführt, wir müssen das tun.

Das gilt auch und vor allem für den Arbeitsbereich.

„Our problem is that change has become a major business driver“,

konstatiert Evans-Greenwood. Veränderung könne dabei bedeuten, dass wir ein Produkt optimieren, ein neues Produkt entwickeln oder sogar neue Märkte schaffen. Aber:

„If change is the driver in our organizations, but our organizations are resistant to change, then the biggest challenge we face in not technical but the strategy we use to manage change. It’s quite easy to define a technically and economically possible solution that would provide a boost to our business, or even deliver a step change in capability. But if we cannot get our organization to deliver and then adopt the solution, all our work will be for naught.“

Wichtig ist zu erkennen, dass Veränderung ein fortlaufender Prozess ist:

„It’s not a one shot affair where we hire some external organization to come in and transform us, and it’s not something we should only worry about every two to four years.“

Und das allerwichtigste: Veränderung muss etwas sein, was wir wollen und uns nicht nur geschieht.

Das heißt zusammenfassend:

  • Wir müssen uns von unserer Vorstellung lösen, dass das, was wir vor vielen Jahren (bei mir zumindest ;-) ) gelernt haben, nicht bis in alle Ewigkeit gelten muss.
  • Veränderung ist auch im Kunst- und Kulturbereich ein wichtiger Treiber. Inhaltlich wissen wir das eh, auf der Managementebene gilt das natürlich auch (ich darf an die Geschichte von James Burbage erinnern, eine meiner Lieblingsgeschichten).
  • Veränderung ist etwas aktives und nichts, was uns geschieht.

Und wie geht das nun, Veränderung? Es gibt jede Menge Methoden und es ist schwer zu sagen, welche davon „gut“ oder „schlecht“ sind. Ausprobieren ist wahrscheinlich ein guter Ansatz. Was für ein Glück, dass sich Armin Karge vor einiger Zeit genau damit beschäftigt hat. Methodensammlung Change Management nennt sich sein Beitrag. Reinschauen lohnt sich.

PS: Auf den Beitrag von Peter Evans-Greenwood bin ich bei Ross Dawson gestoßen.

9 Comments Join the Conversation

  1. I found your site on google blog search and read a few of your other posts. Keep up the good work. Just added your RSS feed to my feed reader. Look forward to reading more from you.

    – Sue.

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  2. Für mich ist das nur ein Aspekt von Veränderung, Michael. Die inkrementelle Innovation hat sicher ihre Berechtigung, aber sie deckt eben nur einen Bereich ab. Die Frage ist aber immer, wo die Grenze zwischen der inkrementellen und der disruptiven Innovation zu ziehen ist. Ist der Wechsel von der Schreibmaschine zum PC für Dich eine inkrementelle oder eine disruptive Innovation?

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  3. Sehr gute Übertragung und ein wirklich interessanter Artikel. Das Problem liegt aber vielleicht gar nicht mal in den Unternehmen oder Kultureinrichtungen, sondern in den Schulen dieser Welt: Dort lernt man nur statisches Wissen, aber nicht Veränderung. „Veränderung“ als Fach gibt es nicht! Und deshalb kann und will es auch kaum jemand…

    Da könnte was dran sein, oder?

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  4. Stimmt, Matthias, ich denke, das ist der Kern des Problems. Eigentlich müssten wir ja Lernen lernen. Stattdessen ziehen wir uns Faktenwissen rein, das früher oder später überholt ist.

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  5. Es gibt diese wundervolle chinesische Sprichwort:
    Wenn der Wind der Veränderung weht, dann kann Du entweder Mauern bauen –
    oder Windmühlen…
    und für jeden, der bis 3 zählen kann, ist eigentlich klar, womit sich grade im Wirtschaftsbereich mehr Geld verdienen läßt…
    … nur heißt das leider oft, dann man zugeben muss, dass man unrecht hat – und viele Menschen sterben lieber oder treffen völlig unwirtschaftliche Entscheidungen (irgendwie klingelt da was bei mir mit zwei großen Banken und Fusionsplänen….?!?!?), als zuzugeben, dass sie unrecht haben…
    Deswegen tun viele Menschen sich so schwer mit Veränderung – obwohl alles in dieser Welt, was lebt, ständiger Veränderung unterworfen ist…
    Veränderung ist kein Luxus, sondern Basis jedes wirtschaftlichen Denkens… :-)
    (also zumindest für alle, die bis 3 zählen können… :-)) )
    Auch im persönlichen Bereich ist Veränderung die Basis eines glücklichen und spannenden Lebens…. findet ihr nicht auch?!?!!? :-))
    Liebe Grüße
    André Loibl

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  6. Danke für Deinen Kommentar und das Sprichwort, André! Wenn man sieht, wie sich Europa gegenüber der Welt abschottet und wie ängstlich wir auf „das Neue“ reagieren, dann traue ich mich zu behaupten, dass wir uns in der Mehrzahl der Fälle für die Mauer und gegen die Windmühlen entscheiden.

    Mit dem Zugeben, dass man Unrecht hat, sprichst Du einen ganz wichtigen Punkt an. Es heißt ja richtigerweise, etwas Neues wagen. Und ein Wagnis ist immer mit einem Risiko verbunden und schließt die Möglichkeit des Scheiterns mit ein.

    In unserer Gesellschaft ist Scheitern aber verboten. Wir haben nur einen Schuss und wenn der daneben geht, dann haben wir verloren. Dabei ist das Scheitern eine wertvolle Erfahrung, die uns weiter bringen kann als ohne sie.

    Vielleicht hängt diese Haltung damit zusammen, dass bei uns der Staat sehr viel Verantwortung hat. Misslingt uns was, rufen wir nach dem Staat. In einer solchen Umgebung ist die Einstellung, ich versuche es jetzt mal und wenn ich scheitere, mache ich was anderes, nicht so verbreitet. Und das zu Recht in unserem System.

    Insofern hast Du völlig Recht mit dem, was Du schreibst. Veränderung ist eigentlich so etwas wie ein Lebenselixier und wenn wir es nicht haben, werden wir verkümmern.

    PS: Mir gefällt Dein Blog sehr gut. Ich kannte es noch nicht, habe es aber nun im RSS-Reader. Nur Kommentieren kann man anscheinend nicht. :-(

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  7. Hi Christian!

    Das mit dem Scheitern ist echt ein spannendes Thema… vielen wird die Angst vor dem Scheitern so sehr eingetrichtert, dass sie lieber starr stumm und klein bleiben, als sich überhaupt zu bewegen – aus Angst etwas falsch zu machen und dann „vom Rudel“ ausgestossen zu werden.
    Ich gebe Dir völlig recht, jedes Scheitern ist eine riesige Chance! Denn ich weiß schon mal, was nicht funktioniert! :-) Und wenn Du Dir die wirklich großen Männer und Frauen anguckst, sie sind alle mehrfach im Leben „gescheitert“, doch sie waren mutig genug, es zu versuchen – und dann auch wieder aufzustehen! :-)
    Alles in uns strebt nach Wachstum, strebt nach Erfahrung… doch wenn wir diesem Drang den Deckel auflegen aus der Angst heraus zu scheitern, dann verpassen wir das beste im Leben…
    Es gibt nichts, wovor wir Angst haben müssten!! :-)
    Unser Überleben ist mehr als gesichert – jetzt gilt es sich weiterzuentwickeln! :-)
    Ich finde das Thema auch wundervoll aufgegriffen in dem Disney Film „Meet the Robinsons“ – da bekommt der kleine Junge für sein Scheitern kein Buh und Schimpf sondern im Gegenteil Applaus!!! Weil die Familie ihn supporten will, an ihn glaubt und weiß – jedes Scheitern bringt Dich dem Erfolg näher.
    „Keep moving forward – niemals aufgeben.
    Wir verweilen nie lange im Gestern. Wir geben niemals auf. Wir öffnen neue Türen und entwickeln neue Ideen. Weil wir neugierig sind!“ :-)
    Eine wundervolle Einstellung, uns so viel weiter bringen kann, als dieses ängstlich kleine Denken in der comfort zone.
    Und auch wenn das Abschieben der Verantwortung bei uns noch sehr verbreitet ist – findet doch langsam ein Umdenken statt… :-) Schau mal, wir sind schon 2 und es gibt eine ganze Menge Menschen, die Erkennen, dass sie ihr Glück selbst in der Hand haben. Und dass niemand anders die Verantwortung für Ihr Leben, für Ihr Glücklich oder Unglücklich sein, für Ihr Reich oder Arm sein, trägt als sie selbst.
    Ich wünsche Dir einen tollen Start in Dein Wochenende und sende Dir ganz viele Grüße! :-)
    André

    P.S.: Jetzt kann man in meinem Blog auch kommentieren… :-)

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  8. Danke, André, für Deinen Kommentar. Du hast das sehr treffend beschrieben, denn letzten Endes macht es gar keinen Sinn, andere groß davon überzeugen zu wollen, dass sie ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen sollen.

    Wenn man selbst diesen Weg geht, dann werden andere mitgehen und das scheint mir ein erfolgsversprechenderer Ansatz zu sein als lange Predigten. Außerdem macht es auch mehr Spaß. ;-)

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