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Die soziale und berufliche Situation von Künstlerinnen und Künstlern: ein Skandal

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Via Christian Holsts Kulturblog bin ich auf die NachDenkSeiten aufmerksam geworden, die sich in einem Artikel mit der sozialen Situation von Künstlerinnen und Künstlern beschäftigen. „Arm – aber frei?“ ist er überschrieben und zeichnet auf der Grundlage des Ende letzten Jahres erschienenen Abschlussberichts der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ein düsteres Bild der wirtschaftlichen und sozialen Situation der deutschen Künstlerschaft. Viele dieser KünstlerInnen entscheiden sich für einen Weg, so Autor Wolfgang Lieb,
„der ihren Neigungen entspricht und ihnen die Realisierung eines gewissen Maßes an Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit erlaubt. Dafür sind sie offenbar auch „bereit“, auf Dauer mit (sehr) wenig Geld auszukommen.“
Lieb merkt an, dass es sich also gleichzeitig auch um LebenskünstlerInnen handeln müsse. Fast 800.000 Menschen sind heute künstlerisch tätig. Seit 1995 ist ihre Zahl um insgesamt 33 Prozent gewachsen, das sind durchschnittlich 3,6 Prozent pro Jahr. Und die meisten von ihnen sind hochqualifiziert:
„Die allermeisten Künstlerinnen und Künstler verfügen über einen Hochschulabschluss sowie spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten, wozu auch ein „hohes Maß an Risikobereitschaft“ sowie „Zusatzkompetenzen wie Selbstvermarktungs- und Selbstorganisationsfähigkeiten“ gehören,“
stellt Lieb fest. In dem Abschlussbericht selbst heißt es auf Seite 290 außerdem:
„Neben dem traditionell hohen Anteil von Hochschulabsolventen ist Selbstständigkeit in Kulturberufen von einer zunehmenden Feminisierung gekennzeichnet. (…) Hieraus kann durchaus der Schluss gezogen werden, dass es vor allem Künstlerinnen sind, die in den öffentlich finanzierten Kulturbetrieben nicht mehr eingestellt werden. Das entspräche dem typischen Muster der Geschlechterverhältnisse in den Künsten und stütze die Annahme, dass Frauen insbesondere dort erwerbstätig seien, wo flexible Arbeits- und Lebensformen potenziell besser aufeinander abgestimmt werden können. Für diese Gruppe von Erwerbstätigen trifft dann allerdings auch zu, dass sie mehrheitlich nur über ein niedriges und überdies stark schwankendes Einkommen verfügen .“
Rund ein Drittel der 800.000 ist selbständig, Lieb vermutet, dass es sich oftmals um Scheinselbständigkeit handelt. 9.483 Euro beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Künstlerinnen, ihre männlichen Kollegen stehen mit 12.452 Euro etwas besser da. Liebs Fazit:
„Bedenkt man, über welche herausragenden Qualifikationen, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten diese Berufsgruppen verfügen und welchen Beitrag die meisten von ihnen in einer von der Dominanz ökonomischer Imperative geprägten Gesellschaft für die geistige und kulturelle Reproduktion der Menschen leistet, dann ist es ein Skandal, mit anzusehen, unter welchen materiellen Bedingungen viele von ihnen ihr Dasein fristen.“
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Interessant ist aber der Vergleich, den der Autor noch mit der Landwirtschaft zieht. Die Zahl der dort tätigen Landwirte entspreche in etwa der der Kulturschaffenden. Dank hervorragender Lobbyarbeit stehen die Landwirte finanziell aber wesentlich besser da. Nun stellt sich mir die Frage, warum es nicht möglich ist, dass sich der Kunst- und Kulturbereich entsprechend organisiert, um für die eigene Sache zu lobbyieren? Aber nachdem der Begriff als solcher schon ziemlich diskreditiert ist, ist man von solchen Ansätzen weit entfernt. Und wenn dann ein Versuch unternommen wird, scheitert er oder kommt nicht aus den Startlöchern heraus. Ein Beispiel: Dirk Heinze schildert im aktuellen Newsletter (update: hier ist er online zu lesen) von Kulturmanagement Network seinen Besuch des vom österreichischen Kulturrat veranstalteten Symposiums „State of the Art“ in Wien, bei dem es um die aktuelle Arbeits- und Berufssituation von KünstlerInnen ging. Obwohl es ihnen ja nun wirklich nicht besonders gut gehe, hätten lediglich 50 bis 60 Gäste an der Veranstaltung teilgenommen, wundert sich Heinze. Er vermisst die entsprechenden Plattformen, auf denen die KünstlerInnen beginnen, im Dialog die so dringend benötigten Konzepte zu entwickeln und konstatiert, dass in Wien eine erste Chance dafür vertan worden sei. Wenn es wirklich so ist, dass die KünstlerInnen VorreiterInnen in Sachen neue Arbeitsformen sind und damit eine gesellschaftliche Entwicklung vorwegnehmen, in der der soziale Zusammenhalt immer mehr abnimmt und das Individuum immer häufiger auf sich alleine gestellt ist, dann sollte die Gesellschaft diese Probleme ernst nehmen. Das entbindet aber den Kunst- und Kulturbereich nicht von seiner Pflicht, sich zu organisieren und Lobbying in eigener Sache zu betreiben. Denn ich glaube nicht, dass die Landwirtschaft so sehr viel wichtiger ist als der Kunst- und Kulturbereich. Oder sehe ich das falsch? Was muss man tun, um diesen Prozess in Gang zu bringen? Plattformen, Diskussionen? Das gibt es schon, mit den bekannten Fehlern. Wie könnte ein neuer Ansatz aussehen? Oder anders gefragt: wie lässt sich so etwas wie Solidarität entwickeln?

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  1. Mit meiner eigenen Arbeit ständig an der Schwelle zwischen (notwendiger) selbständiger Erwerbstätigkeit und freiberuflicher künstlerischer Entfaltung konstatiere ich: die Hinwendung zur freien künstlerischen Selbstentfaltung, die Widmung des eigenen Lebens hin zu seinen Träumen, das gelegentlich exzessive Ausleben und Versuchen der eigenen Schaffenskraft – alles das bedeutet (m.E. nach fast automatisch) die umfangreiche Abkehr von der Organisiertheit des eigenen profanen Alltags. Kreative Gestaltung, die nicht mit kreativem Selbstmarketing gepaart ist, führt zwar zu unbedingter künstlerischer Freiheit, nicht jedoch zu wirtschaftlicher Absicherung. Und dies gab es immer schon.

    Erfolgreiches Lobbying setzt m.E.n. doch voraus, daß sich Individuen/Gruppen gleicher Interessen vernetzen und sich über eine gemeinschaftliche Verabredung zu konzertiertem Agieren verständigen. Das sind drei Kernelemente, über die sich alle Teilnehmer gleichermaßen bewußt werden müssen.

    Schnell Einigkeit herrscht über „ich brauch Geld zum Leben – wie die anderen auch“. Aber eben die Sucht des Künstlers nach Unabhängigkeit macht es geradezu unmöglich, dieses Motiv innerhalb von Gruppen zu organisieren, also künstlerische Individuen zu Mitgliedern einer Bewegung zu vereinigen, und diese Motive in geführtes („Oh Gott, ein Führer“) zielgerichtetes Handeln umzusetzen.

    Selbstredend sitzen da viele einem Trugschluss auf. Nicht ihre künstlerische Arbeit soll geführt werden, sondern die Agitation zu Schaffung öffentlichen Bewusstseins über die wirtschaftliche Situation. Allein, im Elfenbeinturm sitzend, gelangt man schwer zu solcher Einsicht.

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  2. Das sehe ich genauso. Dazu kommt: Selbstausbeutung ist der weithin akzeptierte Preis für künstlerische Selbstverwirklichung. Dass ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis zustande kommt ist dabei allerdings eher die Ausnahme.

    Ein Konzept wäre meines Erachtens, mal medienwirksam die Notbremse zu ziehen und z.B. zu sagen: für so wenig Geld gibt es auch nur noch so wenig Leistung. Aber welcher Theaterintendant oder Museumsdirektor würde eine Etatkürzung so verkaufen? Für die eigene Karriere braucht er künstlerisches Renommee und keine Schlagzeilen über Zoff mit Politikern, denen oder deren Kollegen er später in Berufungskommissionen für den nächsten Posten gegenüber sitzt.

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  3. Es dürfte hinzukommen, dass die materiellen Aspekte des Künstlerdaseins nicht gerade ein Thema sind, über das von den Betroffenen gerne frei und offen gesprochen wird (ganz wie bei anderen Berufsgruppen auch). Zudem engt dann noch der gesellschaftliche Druck „erfolgreich“ zu wirken, den Spielraum erheblich ein (auch das ein Feld, das längst nicht mehr nur die Künstler betrifft).

    Wer kann schon tagsüber den „erfolgreichen Schauspieler“ geben und abends eine Veranstaltung besuchen, in der über die materiellen Probleme der Künstler gesprochen wird?

    Das müsste man im Internet als Forum oder Social Communitiy organisieren, wo sich die Mitglieder zwar mit richtigem Namen anmelden, an den Diskussionen aber stets unter Pseudonym teilnehmen. Würden sich genug Betroffene beteiligen, könnte man damit sogar zurverlässige Erhebungen bzw. Befragungen durchführen, die als Grundlage für Petitionen oder dergl. verwendet werden könnten.

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  4. @ Brenrhad: Sehr schön beschrieben, vor allem Dein letzter Absatz trifft den Nagel auf den Kopf. Der Zusammenschluss soll nicht auf der inhaltlichen Ebene stattfinden, sondern auf Ebenen, die die inhaltlich-künstlerische Arbeit erleichtern.

    @ Christian: Ich denke, eine der Herausforderungen besteht darin, dass man anderen zeigt und auch erklärt, warum etwas soviel kostet. Künstlerische Arbeit lässt sich halt nun mal nicht produktiver gestalten. Das haben Baumol/Bowen bereits vor mehr als vierzig Jahren in ihrem Klassiker „Performing Arts- The Economic Dilemma“ sehr detailliert beschrieben.

    Die Notbremse würde nur dann funktionieren, wenn es so etwas wie Solidarität gibt. Ansonsten geschieht das, was Du beschreibst.

    @ Matthias: Diese Erhebungen gibt es, sogar sehr detailliert. Nur werden dann keine Konsequenzen daraus gezogen. Du sprichst einen interessanten Punkt an, den der Anonymität. Als ich Deinen Kommentar gelesen habe, dachte ich im ersten Moment: nein, das ist nicht nötig. Aber vielleicht ist es für Diskussionen doch gar nicht so schlecht?

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  5. Toller Artikel, tolle Kommentare. Vielen Dank dafür.

    Im populärmusikalischen Bereich (nur für diesen kann ich sprechen) gibt es ja seit Jahren Lobbyarbeit bspw. durch Verbände wie den VUT (Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten e.V) oder auch German Sounds. In Berlin gibt es auch bspw. die Label Comission und Club Comission. Hier werden auch branchentreffen, Weiterbildungen etc. angeboten. Es ist also bereits ein Einsehen in mancher künstlerischen Sparten vorhanden, dass es nur mit entsprechenden Vertretungen geht, die wirtschaftliche Bedeutung in politischen Einfluß und Gesetzgebung umzumünzen.

    Bislang sind Initiativen wie die Radio-Quote für Musik aus deutschen Landen mit wenig Erfolg behaftet gewesen aber ich bin zu versichtlich, dass sich bei entsprechend konsequentem Lobyying in diesem und anderen Bereichen einiges zum Positiven verändern wird. Dies betrifft auch die Wahrnehmung deutscher Musikproduktionen als wirtschaftlichen Aktivposten – trotz allgemeiner Rezension der Branche.

    Nichts desto trotz erlebe ich es häufig im Bekanntenkreis wie wenig Bewusstsein dafür vorhanden ist, wie wichtig es ist nicht nur die eigene Situation vor Augen zu haben sondern in grösseren Zusammenhängen, vorausschauender und für andere mit zu denken.

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  6. Danke für Deinen Kommentar, Stephan. Du sprichst vom Einsehen mancher künstlerischer Sparten. Ich habe den Eindruck, je marktwirtschaftlicher ein Bereich oder eine Sparte organisiert ist, desto leichter fällt es, sich zu organisieren. Es würde mich interessieren, ob andere ähnliche Beobachtungen machen.

    Bei der Quote bin ich mir unsicher, ob sie der Sache nicht eher schadet. Ich denke, wenn wir es schaffen, die von Dir angesprochenen größeren Zusammenhänge erstens zu erkennen und zweitens in den Köpfen der anderen zu verankern, dann brauchen wir gar keine Quoten mehr. Vorausgesetzt die Qualität stimmt, aber davon gehe ich aus.

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  7. Immer wieder ein interessantes Thema – gilt es, zu differenzieren & von vielen Seiten auszuleuchten.

    Unbestritten wird in & mit der Kultur viel Geld verdient, allerdings landet das meiste Geld nicht in den Taschen der Künstler, sondern in den Taschen derer, die sich rund um „den Künstler“ wie Satelliten um einen Planeten reihen & von Veranstaltungen – wie beispielsweise Ausstellungen – profitieren. Aus meiner langen Ausstellungstätigkeit als Bildender Künstler will ich das mal ausleuchten:

    Nie war es einfacher, an so vielen Orten & Unorten ausstellen zu können, die Konzepte sind vielfältig: Von der selbstorganisierten Ausstellung in einem leer stehenden Ladenlokal für die Dauer eines Abends bis hin zur hochkarätigen Ausstellung im Museum oder Kunstverein. Dazwischen gibt es unendliche Abstufungen, was die Professionaliät der Ausstellungsorganisatoren & Institutionen gibt.

    Eines allerdings ist fast allen gemeinsam: Noch bevor auch nur ein Bild an der Wand hängt oder nur eine Skulptur im Raum steht, haben meistens schon viele an der Ausstellung verdient: Der Drucker, der die Einladungskarten gestaltet, der Getränkehändler, der Cateringservice, möglicherweise der Redner, manchmal der Musiker, der für die akustische Untermalung sorgen soll, der Vermieter des Leihwagens – falls es sich um große Bilder & schwere Skulpturen handelt, die Versicherung …

    Falls es sich bei dem Ausstellungsort um eine eher kleinere städtische Galerie handelt, findet man gelegentlich auch schon mal einen kleineren Stab von Mitarbeitern, die für ein monatliches Gehalt diese Galerie leiten, vom „Direktor“ bis zum Hausmeister“, das heißt, diese Menschen leben von ihrer Arbeit mit der Kunst & um die Kunst.

    Sie alle gehen nach der Eröffnung nach Hause & sind, im Gegensatz zum Protagonisten der Veranstaltung, für ihre Leistungen bezahlt worden (meistens).

    Die Bedingungen, zu denen man ausstellt, sind recht unterschiedlich:
    Es gibt auch schon verhältnismäßig kleine Kunstvereine, die einen größeren Ausstellungs-Etat verwalten, so dass dem Künstler keine direkten Kosten entstehen, möglicherweise gibt es einen Etat, über dessen Einsatz (Katalog, Transport usw.) der Künstler mit entscheidet.

    Andere haben zwar Geld für einen Redner & die Musik, witzigerweise aber liegt der Transport in der Verantwortung des Künstlers.

    Nicht immer gibt es einen ausreichenden Versicherungsschutz, was sich gelegentlich zu spät herausstellt.

    Manchmal gibt es auch schöne Räume & keinen Etat. Aber guten Willen.

    Es bedarf oft ein wenig Verhandlungsgeschick des Künstlers, einen vorhandenen Etat für die eigenen Zwecke umzuleiten.
    Beispielsweise das Geld für Musik & Redner für den Transport einsetzen & selbst ein paar Worte während der Eröffnung zu verlieren.

    Natürlich ist das nur ein Kompromiss; der Redner müsste ja auch bezahlt werden, aber nicht immer ist den Institutionen diese Missverhältnis bewusst.

    Es liegt an den Bildenden Künstlern, ein Bewusstsein für Schieflagen dieser Art zu entwickeln & Veranstalter darauf hinzuweisen. Und sich zu fragen, ob wirklich jede Ausstellung unter allen Bedingungen notwendig für die Vita ist.

    Solange Selbstausbeutung unter den Künstlern die Regel ist, werden auch diejenigen Institutionen & Ausstellungsmacher noch sehr lange existieren, die die Frechheit besitzen, für die Dauer einer Ausstellung Miete vom Künstler zu verlangen …

    Und das ist nur die Spitze eines Eisberges …

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  8. Danke für Deinen ausführlichen Kommentar, Armin! Du sprichst da viele wichtige Punkte an. Die Frage ist nun, sollen „die Anderen“ weniger verlangen oder die KünstlerInnen mehr? Ich tendiere zu letzterem.

    Aber trotzdem bleibt ein Problem: die meisten KünstlerInnen können auf dem „Markt“ nicht überleben und sind auf Förderungen angewiesen. Wenn sie nun also einen Antrag stellen, dann enthält der meist die von Dir angesprochenen Elemente, die eigentlich gar nicht gefördert werden müssen bzw. sollten: Catering, Redner, Transport, etc.

    Das heißt, mit einer Förderung, die Du beantragst, finanzierst Du Teile des Marktes mit. Die Frage ist nur, ob man das verhindern will und wenn ja, wie? Vielleicht müssen sich KünstlerInnen gar nicht so sehr untereinander vernetzen und zusammen schließen, sondern entlang der „Wertschöpfungskette“, also mit Grafikern, Transportunternehmen, etc.? Und dann reicht man als eine Art Joint Venture ein.

    Das hätte den Vorteil, in diesem Zusammenschluss sitzen die KünstlerInnen neben Wirtschaftstreibenden, die darauf aus sind, Geschäfte zu machen. Wird es dadurch nicht schwerer, sich selbst auszubeuten und auf ein angemessenes Honorar zu verzichten? Schließlich stehe ich als KünstlerIn im Mittelpunkt dieses Joint Ventures und eigentlich hängen alle von mir ab.

    Aber gegenwärtig ist das den meisten nicht bewusst. Und seien wir ehrlich, die anderen haben auch gar keine Chance, es zu erfahren, denn wir halten uns in dieser Hinsicht lieber bedeckt. Die meisten zumindest.

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  9. Selbstverständlich sollten Künstler mehr verlangen – oder zumindest das einforden, was ihnen aufgrund ihrer Leistungen zusteht. Es ist eine Frage, wer welche Kosten z. B. einer Ausstellung zu tragen hat.

    Ich finde, wenn eine Gemeinde oder eine Stadt aus Gründen der Kunstförderung eine Galerie oder einen Kunstverein ins Leben rufen, muss sie sich der Verantwortung gegenüber den Künstlern bewusst sein.

    Eine Ausstellung von A -Z durchzuziehen kostet Geld. Es kann aber nicht Sinn der Sache sein, diese Kosten permanent auf Künstler abzuwälzen. Es ist auch nicht Aufgabe des Künstlers, Anträge auf Förderung von Leistungen zu stelllen, die eigentlich von den Institutionen erbracht werden müssten. Es reicht nicht, Räume & Wände zur Verfügung zu stellen.

    Die meisten Künstler sind sich dem Wert ihrer Leistungen, die sie erbringen überhaupt nicht bewusst; sie denken sehr eindimensional: Ich male Bilder & lebe vom Verkauf der Bilder.

    Aber schon das Nachdenken über eine Ausstellung, der Transport der Bilder, das Hängen der Bilder usw. sind ja eigentlich Leistungen, für die andernorts Menschen bezahlt werden. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

    Für professionell arbeitende Institutionen wie Museen ist dies alles selbstverständlich; ich spreche hier von der Unmenge an mittleren & kleineren Institutionen in den Kreisen & in der Provinz.

    Früher oder später wird sich über dieses Umdenken auch die Spreu vom Weizen trennen – auch auf Seiten der Institutionen wird man sich irgendwann Gedanken über den Wert & die Förderung eines Raumes machen, der nur noch als Plattform für regionale Hobbykünstler dient.

    Eine schnelle Lösung weiß ich da auch nicht; ich bin im Austausch mit Kollegen & spreche diese Probleme offensiv in Kunstvereinen an.

    An der HBK Saar werden seit einigen Semstern Professionalisierungs-Seminare für Diplomanden in spe angeboten, in denen genau solche Probleme angesprochen werden.

    Ein Umdenken findet statt – aber es ist noch ein langer Weg!

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  10. Eine KünstlerIn, die so agiert, wie Du es beschreibst, handelt eigentlich als KulturunternehmerIn. Denn sie malt eben nicht nur, sondern muss sich mit unzähligen anderen Dingen beschäftigen. Dafür benötigt sie entsprechende Fähigkeiten und Qualifikationen. Die kommen einem in der Regel nicht zugeflogen, sondern müssen erlernt werden.

    Der Staat könnte solche „Weiterbildungen“ finanziell unterstützen. Für „normale“ UnternehmensgründerInnen gibt es eine Vielzahl kostenloser Angebote. Warum nicht für den Kunst- und Kulturbereich? Wobei ich mir aber auch die Frage stelle, warum KünstlerInnen oder auch KulturmanagerInnen solche Angebote nicht einfach wahrnehmen? Natürlich lässt sich nicht alles eins zu eins übertragen, aber wenn man nicht dazu in der Lage ist, die jeweiligen Unterschiede mitzudenken, muss man sich die Frage stellen, ob der Kunst- und Kulturbereich wirklich der richtige Bereich für einen ist?

    Viele sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, entweder als UnternehmerIn bezeichnet zu werden oder mit solchen als Lernende an einem Tisch zu sitzen.

    Ein anderer Punkt: Förderzusagen sollten davon abhängig sein, ob die Ausstellung oder das Projekt realistisch geplant bzw. kalkuliert sind. Das würde für fördergebende Stellen bedeuten, dass sie auch mal ein Projekt ablehnen, weil es zu billig kalkuliert ist. Bis jetzt ist eher das Gegenteil der Fall.

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  11. „Eine KünstlerIn, die so agiert, wie Du es beschreibst, handelt eigentlich als KulturunternehmerIn …“

    … Das ist richtig, es trifft den Kern der Sache & eigentlich haben es uns Rubens, Rembrandt, Dürer & Konsorten ja schon lange vorgemacht, wie es funktionieren KANN (aber nicht notwendigerweise muss)

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