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Themenschwerpunkt: Audience Development

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Kulturmanagement Network bietet ja auch einen englischsprachigen Newsletter an, wie die meisten wissen werden. In der aktuellen Märzausgabe dreht sich (fast) alles um das Thema Audience Development. Mein persönliches Highlight ist das Interview mit Donna Walker-Kuhne (Seite 3ff), die der Walker International Communications Group vorsteht und sich dort mit Audience Development und Arts Marketing beschäftigt. Für Walker-Kuhne steht beim Thema Audience Development nicht ein bestimmtes Produkt im Vordergrund, das es zu verkaufen gilt, sondern die Beziehung zu Menschen, die einen Zugang zur Kunst finden sollen. In diesem Zusammenhang konstatiert sie, dass Kunst und Kultur bis jetzt einer privilegierten Gruppe vorbehalten waren. Alle anderen haben sich davon abgewandt oder nicht zugewendet und verbringen ihre Zeit mit anderen Dingen. Nun aber seien Kunst und Kultur auf diese Gruppen angewiesen, so Walker-Kuhne. Diese Menschen lassen sich aber nicht dadurch erreichen, dass man ihnen Folder in die Hand drückt, Emails schickt und dann wartet, bis sie kommen. Nein,
„the strategy is to find out where they are, find what they like, put that information together with the art product and have a dialog“,
ist Walker-Kuhne überzeugt. Wichtig sei es dabei, Brücken zu bauen und über diese Brücken zu den Menschen zu kommen. Wer darauf wartet, dass sie kommen und ärgerlich ist, wenn sie nicht kommen, hat das Prinzip nicht verstanden. Vielleicht kommt Ihnen das Bild vom Brückenbauen noch bekannt vor? In meinem Beitrag „Kulturmanagement und Innovation: gehört das zusammen?“ hatte ich Sven Gabor Janszky zitiert, der vom “Brückenbauen zwischen den verschiedenen Milieus, Branchen und Welten” sprach und auf die „structural holes“, die Leere zwischen sozialen Gruppen verwiesen hatte. Walker-Kuhne hat auch ein Buch zu diesem Thema geschrieben, um das es in dem Interview ebenfalls geht. Der Titel „Invitation to the Party: Building Bridges to the Arts, Culture and Community“ gefällt mir persönlich nicht so gut, zumindest der erste Teil nicht. Ich kann ihre Erklärung nachvollziehen, wenn sie schreibt:
„I wrote my book because I see the arts experience as a party. I feel that the arts are celebratory and engaging and that there is an experience. It is not always fun but certainly it is an experience. And that is how the parties are. It is an invitation and for everyone to be able to have this experience and opportunity. That’s why I called it that.“
Aber auf Parties sind die Menschen meist sich selbst überlassen und angesichts der immer größer werdenden Sprachlosigkeit und der Hilflosigkeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen, ist mehr nötig als die Einladung zu einer Party. Und zwar im Vorfeld, sonst fühlt sich die Eingeladenen unter Umständen sehr unwohl und auch unwillkommen. Funktioniert die Kommunikation und ist der Dialog eröffnet, dann haben Kunst und Party viele Gemeinsamkeiten. Da stimmt der Begriff für mich dann wieder. Und noch ein Gedanke fällt mir in diesem Zusammenhang ein: Wenn wir uns überlegen, wie das Social Web funktioniert, dann geht es dort ja auch um Kommunikation und Partizipation. Wer also, so wie Donna Walker-Kuhne, Audience Development vor allem als den Aufbau von Beziehungen begreift, der kann meiner Meinung nach an Blogs, Netzwerken und Communities nicht vorbeigehen.

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