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Was Spinnennetze und das Web 2.0 gemeinsam haben

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Das klingt sehr interessant:
Virtueel Platform (VP) is an internationally oriented, independent expertise centre. VP stimulates innovation and supports knowledge exchange in the field of e-culture in the Netherlands. Knowledge exchange between people and organisations across the whole spectre of culture that are involved in bringing the innovative qualities of e-culture to the arts and media sectors. VP is a matchmaker for anyone in search of partners for e-culture projects.“
Besonders neugierig hat mich der Bericht über die Cultuur 2.0 Konferenz gemacht, die im letzten Mai in Amsterdam stattgefunden hat. Eine spannende Lektüre, sieht man mal davon ab, dass ich bei einigen Beiträgen kapitulieren muss, weil ich der dortigen Landessprache nicht mächtig bin. Aber das ist schließlich meine Schuld. „What ist Web 2.0?“ fragt sich Marianne van den Boomen in ihrem Text, den sie als „Pamphlet“ bezeichnet. Für sie stellt der Begriff Web 2.0 eine Metapher dar. Metaphern, so van den Boomen, weichen einerseits den Fragen nach Wahrheit und Realität aus, andererseits schaffen sie Wahrheiten und Realitäten. Besonders hilfreich seien sie, wenn wir uns mit dem digitalen Code beschäftigen:
„We can interpret signs in almost any mode: graphic, pictorial, acoustic, object-like – some people are even able to interpret star constellations, iris patterns or coffee grounds. However we cannot interpret sets of digital numbers. We need metaphors to translate these numbers for us.“
Metaphern sind der Schlüssel, wenn wir die digitale Welt betreten wollen.
„They are the trans-coding interfaces between human information processing and machine information processing. They connect our minds and hands with the machine and vice versa.“
Auch das Web ist für sie eine Metapher. Zurückzuführen ist sie auf das Spinnennetz, so die Autorin. Nun könnte man meinen, dass das zentral gestaltete Spinnennetz und das dezentral aufgebaute Web völlig gegensätzlich sind. Aber beim zweiten Hinschauen könne man erkennen, dass sich ausgehend vom Spinnennetz sehr wohl Aussagen über die Architektur des Webs machen lassen. Van den Boomen begründet dies unter anderem damit, dass das Web aus Servern und Clients bestehe, die hierarchisch verknüpft seien. Die Web-Metapher lasse nun vermuten, dass wir die Spinnen seien, die in ihrem selbstgewebten Netz auf ein interessantes Opfer z.B. in Form einer Information warten. Das stimme aber nur teilweise, meint van den Boomen:
„But this only holds true when we maintain a website or a webserver ourselves. As web visitors we are not the spiders, we are the prey. I am not saying this is bad and that we should refrain from visiting websites.“
Van den Boomen sieht das also nicht negativ, nur solle man diesen Aspekt im Kopf behalten. Auch das Web 2.0 ist für van den Boomen eine Metapher.
„Web 2.0 promises a new, revolutionary web where YOU as a user really matter (apparently, and retrospectively, web 1.0 did not fulfill its promises).“
Nur, wo kommen wir als UserInnen in dieser Metapher vor? Nirgends, meint die Autorin, denn bei der Metapher liege das Hautpaugenmerk auf dem 2.0 und das komme aus dem Bereich der Softwareentwicklung. Van den Boomen findet das merkwürdig, denn
„most metaphors indicating something digital lead our attention away from software but this one foregrounds it.“
Was unterscheidet die Software des Web 1.0 von der des Web 2.0? Van den Boomen:
„Without going too deeply into technical details we can say it is all about scripts and databases.“
Interessant die Erkenntnis, die die Autorin daraus gewinnt:
„We are still thinking in the metaphor of the page, but in fact the age of the page is over. What are delivered to YOU are recollections of floating signifiers: tagclouds, lists of bookmarks and affiliations, search and review results, RSS-feeds. YOU provide the content for these databases; YOU distribute your knowledge, your traffic data and your social relations over these databases. YOU become a distributed data body without organs; a body of data fragments, wrapped in script layers, like a mummy.“
Nicht zu Unrecht hat van den Boomen ihren Text als Pamphlet bezeichnet. Wenn also der Begriff Web 2.0 zu „technologielastig“ ist und uns als UserInnen nicht gerecht wird, dann stellt sich mir die Frage, ob es nun wirklich so ist, dass wir bildlich gesprochen in der Datenwolke aufgehen oder ob nicht einfach der Begriff Web 2.0 unglücklich gewählt ist? Es war ja auch nicht die Absicht, damit eine Entwicklung im WWW zu beschreiben, sondern einer Konferenz einen Namen zu geben. Zuzustimmen ist Marianne van den Boomen, wenn sie am Ende ihres Beitrags meint:
„Thinking about the workings of web 2.0 software is a good thing. Connecting this to its effects upon YOU and Culture 1.0 is also good. What remains is the question – who are the spiders and who is the prey?“
Wer ist also die Spinne und wer das Opfer?

2 Comments Join the Conversation

  1. Interessante Darstellung, wenn auch das Bild vom Spinnennetz vielleicht nicht ganz treffend ist. Dass wir einerseits noch stark in den Kategorien von „Webseiten“ denken, andererseits aber das Web immer körperlicher wird, ist sicher richtig.

    Das kann man gerade schön an Facebook beobachten: Durch die neue Chat-Funktion ändert sich der Charakter fundamental – das Profil dort ist nicht mehr wie eine Art Schaufenster, jetzt ist man wirklich dort und kann gesehen (und „angechattet“ werden).

    Websiten sind also bald keine Seiten mehr, sondern eher so etwas wie Räume, die man betritt. Man wird dort gesehen und sieht selbst die anderen – eine hochinteressante Entwicklung!

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  2. Ich finde die Herleitung vom Spinnennetz gar nicht so schlecht. Aber ich muss gestehen, ich weiß gar nicht, wie das Bild vom „web“ entstanden ist und woher es stammt. Hast Du eine Ahnung?

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