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Wie baue ich eine Community auf?

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Als sich das unkultur-Blog vor einigen Tagen die Frage gestellt hat, auf welche Art und Weise wir der Gesellschaft die Bedeutung von Kunst und Kultur begreiflich machen können, habe ich mir auch meine Gedanken dazu gemacht. Der von unkultur ins Spiel gebrachte Vergleich von Kunst und Umwelt zeigt aber auch die Unterschiede auf. Wie wichtig eine intakte Umwelt für uns ist, haben wir mittlerweile alle kapiert und dieser Konsens erlaubt auch konzertierte Aktionen wie beispielsweise von mehreren Organisationen getragene (Werbe)-Kampagnen. Soweit sind wir aber im Kunst- und Kulturbereich noch nicht, daher glaube ich, sind zentral ausgerichtete Aktionen zumindest derzeit Wunschmusik. Warum aber nicht einen ganz anderen Ansatz wählen, der einerseits das Interesse an Kunst und Kultur auf einer allgemeinen Ebene weckt und andererseits der jeweiligen Kultureinrichtung nützt? Chris Brogan hat mich durch seinen Blogeintrag „On Managing A Community“ darauf gebracht. Wählen wir doch einen dezentralen Ansatz. Wenn Kultureinrichtungen beginnen, ihre eigenen Communitys aufzubauen und diese im Laufe der Zeit immer mehr Berührungspunkte finden und so ein großes Netzwerk bilden, dann habe ich eigentlich den gleichen Effekt erreicht. Wie aber baue ich eine solche Community auf? Stichpunktartig könnte das Prozedere im virtuellen Raum so aussehen, natürlich gibt es auch andere Szenarien:
  1. Das Ziel ist der Aufbau einer Community, die aus den Menschen bestehen soll, die sich allgemein für Kunst/Kultur und im speziellen für meine Kultureinrichtung und die Ergebnisse meiner künstlerischen Arbeit interessieren. Das Problem dabei: viele interessieren sich noch gar nicht dafür, ihr Interesse muss also erst geweckt werden. Diejenigen, die sich dafür interessieren, muss ich erst einmal finden bzw. sie müssen mich finden. Dieses Ziel kann ich nun konkretisieren, indem ich mir einerseits überlege, wie groß die Community werden soll, andererseits muss ich mir Erfolgskriterien erarbeiten, also z.B. die Anzahl und die Qualität der Rückmeldungen. Mit wie vielen Menschen gelingt es mir, ins Gespräch zu kommen?
  2. Im nächsten Schritt überlege ich mir, über welche Kanäle ich die Menschen ansprechen und erreichen möchte. Chris Brogan listet hier neben den Social Networks Facebook, LinkedIn und Ning noch Twitter, YouTube und den Google Reader auf. Für den deutschsprachigen Raum und hier speziell für den Kunst- und Kulturbereich sieht die Auswahl wahrscheinlich etwas anders aus. Statt LinkedIn nutze ich Xing, das im deutschsprachigen Raum wesentlich verbreiteter als LinkedIn ist. Je internationaler ich agiere, desto wichtiger ist Facebook und abhängig von meinen Zielgruppen können auch Netzwerke wie StudiVZ oder MySpace ein Thema sein. Eine Präsenz auf Ning aufzubauen heißt, ich klinke mich nicht in ein großes bestehendes Netzwerk ein, sondern schaffe mein eigenes. Wahrscheinlich macht es Sinn, im ersten Schritt auf den großen Netzwerken eine Präsenz aufzubauen und nach einer gewissen Zeit auf Ning ein eigenes Netzwerk zu gründen, auf dem die Kontakte natürlich wesentlich enger sein können. Während Twitter wohl noch kein Thema ist, zumindest für den Kunst- und Kulturbereich, ist YouTube ein interessanter Kanal, den immer mehr Kultureinrichtungen nutzen. Der Vorteil: die Videos, die ich dort online stelle lassen sich leicht auf andere Websites einbinden, können also von anderen übernommen werden und sorgen so für die Verbreitung meiner Videos. Ein weiterer wichtiger Kanal kann ein Blog sein, über das ich die Möglichkeit habe, auch längere anspruchsvollere Texte zu veröffentlichen. Wichtig ist, den LeserInnen zu erklären, wie ein RSS-Reader funktioniert (Chris Brogan erwähnt den Google Reader), damit sie einfach und schnell herausfinden, ob neue Inhalte zur Verfügung stehen. Unter Umständen kann ich auch einen RSS-Feed anbieten, in den die Informationen aus sämtlichen Kanälen einfließen. Ich erfahre also nicht nur vom neuen Blogeintrag, sondern auch vom Video, das auf YouTube online gestellt worden ist.
  3. Dann geht es an die Inhalte. Wie viele Videos werden produziert, wie viele Blogposts erscheinen und habe ich so viel Content, dass ich auf Facebook oder Xing eigene Gruppen eröffnen kann? Wichtiger ist es aber (vor allem anfangs), dass ich mich an den Gesprächen der Anderen beteilige.
  4. Wichtigster Punkt neben dem Content, der Zeitfaktor. Jemand, der eine Community auf diese Weise aufbauen soll, wird dafür jede Menge Zeit benötigen, mit ein oder zwei Stunden pro Woche ist es nicht getan. Und dieser Jemand wird auf die Unterstützung des gesamten Teams, der gesamten Kultureinrichtung angewiesen sein.
  5. Wer ein solches Projekt startet muss sich darüber klar sein, dass es etwas dauert, bis man wahrgenommen wird. Je kleiner und unbekannter ich bin, desto größer ist die Herausforderung. Und noch etwas ist gefragt: Flexibilität, denn es kann sich herausstellen, dass manche Dinge nicht so funktionieren wie ich mir das vorgestellt habe. Andere laufen dafür unter Umständen besser. Entscheidend ist aber: es geht um Gespräche, die mir als Kultureinrichtung helfen, mich weiter zu entwickeln, in dem ich ein Verständnis dafür bekomme, was andere Menschen über mich und meine Arbeit denken.
Enstehen mehrere solcher Communitys, lohnt sich natürlich die Zusammenarbeit zwischen den Kulturbetrieben, die Community-Building betreiben. Man kann Themen der anderen aufgreifen, weiterdiskutieren und erreicht so eine viel breitere Streuung. So entsteht auf der Ebene der Kulturbetriebe auch ein Netzwerk, das ganz andere Möglichkeiten hat, die Öffentlichkeit zu erreichen, denn jede daran beteiligte Einrichtung verfügt über mehrere gut funktionierende Kommunikationskanäle. Im Idealfall gelingt es dem Kunst- und Kulturbereich, viel präsenter zu sein und diese Präsenz dazu zu nutzen, um zu zeigen, wie wichtig Kunst und Kultur für uns sind. Was mir an einem solchen Weg gefällt: wir brauchen keine Werbekampagne, um die Bedeutung von Kunst und Kultur zu zeigen, wir zeigen sie durch unsere tägliche Präsenz und das Leben in der Community.

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  1. Sozusagen der konträre zu meinem Grosskampagnen-Ansatz: Die Online-Grassroots-Methode. Die muss man aber jetzt, wo sie im Entstehen begriffen ist, noch schnell nutzen, denn die Übersättigung wird sehr bald da sein. Schon jetzt möchten allzu viele Communities, dass ich ein Teil von ihnen bin. Mein Interesse sinkt proportional zur Zunahme der Anfragen – nicht weil die Anfragen nicht interessant wären, sondern schlicht wegen der Fülle.

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  2. lese es erst jetzt, aber: jaja, Kunst und Internet oder besser: Museen und Internet (das Wort web 2.0 will ich garnicht in diesem Zusammenhang aussprechen, da dies Wort da sowieso niemand kennt) sind ein schwieriges Thema. Ich bin oft erstaunt im Angesicht der (niedrigen) Besucherzahlen, wie desinteressiert oft Museumsleiter oder auch Kuratoren von Projekten an neuen Wegen sind, die evtl. eine neue Gruppe von Interessierten ansprechen würde. Wir arbeiten daran und finden immer mehr. Aber halt nur Stück für Stück.

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  3. Stück für Stück ist ja kein schlechter Ansatz, finde ich. Wenn das die Vorgehensweise aller Kunst- und Kultureinrichtungen ist, dann schaut die Zukunft rosig aus. Es ist ja nicht so, dass in der Industrie lauter Web2.0-Freaks unterwegs sind. ;-)

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