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Woher kommt die Macht?

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Nachdem ich gestern der Frage nachgegangen bin, was Macht ist, geht es heute um die „Quellen der Macht“, wie Christine Bauer-Jelinek das in ihrem Buch Die helle und die dunkle Seite der Macht nennt. Woher kommt sie, die Macht? und gibt es überhaupt DIE Macht? Bauer-Jelinek verneint dies und spricht in ihrem Buch von den „acht Quellen der Macht“.

Das Wissen um die Herkunft der Macht, der wir begegnen oder die wir selbst ausüben, erlaubt uns entsprechend darauf zu reagieren bzw. über die Reflexion nicht das Maß aus den Augen zu verlieren.

  1. Die Macht der Materie: Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass sich, so Bauer-Jelinek, in vielen Situationen die körperliche Stärke zur Machtausübung einsetzen lässt. Heute beschränkt sich die physische Stärke bzw. die Macht der Materie nicht mehr auf die Muskelkraft, sondern findet ihren Ausdruck auch im Einsatz von z.B. Waffen. Macht sei dadurch, schreibt die Autorin, nicht mehr allein an die biologischen Gegebenheiten der körperlichen Stärke geknüpft und könne unabhängig davon eingesetzt werden.
    Zum Ausdruck kommt Macht aber auch durch den Besitz von etwas. Die Abstraktion von Besitz, nämlich das Geld, ist wohl eine der wichtigsten Instrumente zur „Durchsetzung von Interessen“, weist Bauer-Jelinek auf dessen Bedeutung in unserer Gesellschaft hin.
    Auch die Fähigkeit, Kinder zu gebären und zu ernähren, gehört nach Ansicht der Autorin in diese Kategorie.
    Wie lässt sich die Macht der Materie nach außen sichtbar machen?
    „Als Insignien kann man Muskelpakete oder die Kinderschar präsentieren, Waffen sichtbar tragen, Militärparaden abhalten, Luxus und Pomp zur Schau tragen“, resümiert Bauer-Jelinek.
  2. Die Macht der Herkunft: Noch immer ist es nicht gleichgültig, woher man kommt. Die Herkunft hat Auswirkungen in verschiedener Hinsicht, zum Beispiel auf die Ausbildung, aber auch im Hinblick auf die Karriere. Netzwerke bleiben mir verschlossen, wenn ich nicht bestimmten Kreisen angehöre.
    Es macht aber auch einen Unterschied, ob ich einem bestimmten Volk angehöre (Nationalsozialismus) oder beispielsweise aus einem europäischen oder afrikanischen Land komme.
    Insignien der Macht der Herkunft sind für Bauer-Jelinek „klingende Namen, Siegelringe und Ahnenbilder, Erbstücke und Adelstitel“, aber auch „Reisepässe, Fahnen oder Nationalhymnen“.
  3. Die Macht der Mehrheit: „Verfügen gesellschaftliche Gruppierungen“, schreibt Bauer-Jelinek, „weder über die Macht der Materie noch über die Macht der Herkunft, so bietet sich ihnen einen andere Machtquelle an:“ die Macht der Mehrheit.
    Dabei geht es aber gar nicht ausschließlich um die quantitative Mehrheit, sondern um das entschlossene Verfolgen eines gemeinsamen Zieles. Um die Macht einsetzen zu können, bedarf es eines bestimmten Grades an Organisiertheit. Demokratische Systeme setzen beispielsweise auf die Macht der Mehrheit.
    Die Insignien der Macht sind in diesem Fall Symbole der Zugehörigkeit (Abzeichen) sowie „Grußformen und Parolen, aber auch Demonstrationen und Abstimmungsergebnisse“.
  4. Die Macht des Wissens: War es früher klar geregelt, wer Zugang zum Wissen bekommen durfte, so ist das in Zeiten des Internets nicht mehr so ganz eindeutig. Aber auch hier gibt es noch, so behaupte ich, Schranken, die den Zugriff auf die online zur Verfügung stehenden Informationen reglementieren.
    Insignien der Macht sind hier unter anderem Titel, Preise und Auszeichnungen.
  5. Die Macht der Gefühle: „Menschen sind besonders leicht über ihre Gefühle zu steuern, denn diese sind die Schwachstelle im Panzer der Macht“, schreibt Bauer-Jelinek. Ob Lob oder Tadel, der Appell an unser Mitleid, in Frage kommt das gesamte Spektrum unserer (positiven und negativen) Emotionen.
    Als Insignium der Macht führt Bauer-Jelinek zum Beispiel den Ehering an.
  6. Die Macht der Funktion: Die Macht ist nicht an eine bestimmte Person, sondern besteht nur in Verbindung mit einer Funktion, die diese Person ausübt. Die Gefahr dabei ist, dass diese Personen glauben, dass die Macht an ihre Person gebunden sei. Verlieren sie ihre Funktion, haben sie Schwierigkeiten, auf die Attribute der Macht zu verzichten. Beispiele aus der Politik verkneife ich mir jetzt. :-)
    Dargestellt wird die Macht der Funktion, so Bauer-Jelinek, „durch Amtsbezeichnungen, Dienstgrade, Titel, Uniformen, Berufskleidung, Türschilder, Dienstwagen“.
  7. Die Macht der Kontakte: In ihrem Buch schreibt Christine Bauer-Jelinek sehr treffend: „Die Macht der Kontakte ist eine Anleihe bei der Macht, die andere haben.“ Treffender kann man es meiner Meinung nach nicht ausdrücken. In negativer Hinsicht sprechen wir von Seilschaften oder „Vitamin B“.
    Insignien können sein: „dezente Abzeichen der Verbindung, (…) Vereinsrituale, geheime Namen und Codeworte“.
  8. Die Macht der Überzeugung: Sie beruht auf der „Wahrheit“, wie Bauer-Jelinek es formuliert und findet ihren Ausdruck in Werten, Normen und Gesetzen. Die Macht der Überzeugung komme, so die Autorin, auch in der Kommunikation zum Einsatz. „In Diskussionen (…) findet oft ein ebenso plötzlicher wie subtiler Wechsel von der Macht des Wissens, der besseren Argumente oder Informationen zur Macht der Überzeugung statt. Dann werden Behauptungen und Untersuchungsergebnisse so hingestellt, als seien sie durch anerkannte Persönlichkeiten belegt worden.“ Wenn also die eigene Autorität nicht ausreicht, kommt eine übergeordnete zum Einsatz.
    Die Insignien dieser Machtquelle können, so die Autorin, „besonders prunkvoll und auffällig sein“. Als Beispiel führt sie Schärpen oder auch Abzeichen an.

Auf der Basis dieser Machtquellen nutzen wir und nutzen andere verschiedene Instrumente, um aus einem Interessenskonflikt als SiegerIn hervorzugehen und das eigene angestrebte Ziel zu erreichen. Die Frage, ob es nun Machtmittel gebe, die stärker als andere sind und damit dazu beitragen, sich gegenüber anderen durchzusetzen, verneint Bauer-Jelinek:

„Die Frage ist naheliegend, doch es gibt kein Rezept, sondern es gilt, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.“

Wichtig ist es aber, denke ich, die verschiedenen Quellen zu kennen. Das geschieht am „leichtesten“ über die Insignien der Macht, allerdings werden sie natürlich nur dort eingesetzt, wo die Macht offen zur Schau getragen wird. Das passiert allerdings immer seltener, nach Ansicht Bauer-Jelineks ein Zeichen für die Tabuisierung von Macht. So gehöre es zum guten Ton, schreibt sie,

„die Zeichen der Macht zu verbergen – manchmal auch, um dahinter einen noch größeren Freiraum für ihre Ausübung zu schaffen“.

Trotzdem gibt es sie, die Insignien der Macht. Das Lokal, in dem man isst, die Klamotten, die man trägt, den Ort, an dem man seinen Urlaub verbringt, die Sportart, die man ausübt, etc. Beispiele gibt es mehr als genug. Die Schwierigkeit besteht darin, sie als Insignien der Macht zu erkennen und damit zu den „Eingeweihten“ zu gehören. Deshalb, so Bauer-Jelinek, falle es vielen Menschen auch so schwer, die Spielregeln der Macht zu erkennen und zu erlernen.

Die Aufgabe besteht also darin, die verschiedenen Machtquellen innerhalb des eigenen Umfelds zu erkennen und im nächsten Schritt deren Insignien zu identifizieren.

Teil 1: Was ist Macht?
Teil 3: Wo findet der Machtkampf statt?

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