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„Cultivating Demand for the Arts“

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© S. Hofschlaeger; Pixelio Zwar habe man jahrzehntelang versucht allen AmerikanerInnen Kunst zugänglich zu machen. Aber trotz aller Bemühungen habe das nie so wirklich geklappt. So sind es bis heute gut ausgebildete und wohlhabende Weiße, die diese Angebote nutzen, schreiben Laura Zakaras und Julia F. Lowell in ihrer von RAND publizierten Studie „Cultivating Demand for the Arts„. Der Kunst schien eine großartige Zukunft bevorzustehen, als man in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich steckte, wodurch sich die Zahl der Kultureinrichtungen und KünstlerInnen massiv erhöhte. Die Ausgaben für die kulturelle Bildung hingegen stiegen nicht im gleichen Ausmaß, ganz im Gegenteil, in den 70er und den frühen 90er Jahren wurden sie sogar gekürzt. Andere Themen schienen wichtiger als die kulturelle Bildung. Ein Trend, der bis heute anhält. Irgendwann überstieg das Angebot die Nachfrage. Zakaras und Lowell stellen in ihrer Arbeit die Frage, ob das schwindende Interesse an kultureller Bildung auch die Nachfrage nach Kunst hat sinken lassen? Geleitet werden sie dabei von folgenden Fragen:
  • „What role does demand play in the creation of a vibrant 1. nonprofit cultural sector?
  • What role does arts learning play in the cultivation of demand?
  • What does the current support infrastructure for demand look like, and does it develop in individuals the skills needed to stimulate their engagement with the arts?
  • How and to what extent have SAAs (state arts agencies) supported demand in the past, and how can they improve their effectiveness in this role?“
Die Analyse fällt eindeutig aus:
„For decades, public funding of the arts has focused on building supply and expanding access to the arts, but it has neglected the cultivation of audiences capable of appreciating the arts“,
wird Laura Zakaras in einer Presseaussendung zitiert. In der Studie begründen die Autorinnen das wie folgt:
„It is our view that the best way to bring large numbers of Americans to lifelong involvement in the arts is to offer more arts education, to encourage the comprehensive approach to teaching called for in the arts standards, and for SAAs to become more active in advocating for such steps and building bridges among policy communities to work toward that goal.“
Die Voraussetzung für das „Verstehen von Kunst“ sei ästhetische Erfahrung, die auf folgenden drei Faktoren basiere, behaupten Zakaras und Lowell:
„a work of art (supply), an opportunity to encounter it (access), and an individual with the capacity to have such a response to it (demand).“
Das heißt, es gibt drei mögliche Ansätze, um das kulturelle Level in einer Gesellschaft anzuheben:
  1. „expand supply by increasing the production of high-quality works of art;
  2. expand access by creating more opportunities for people to encounter such works;
  3. expand demand by cultivating the capacity of individuals to have aesthetic experiences with works of arts.“
Um genau diesen letzten Punkt geht es den Autorinnen in ihrer Studie, die es verdient hat gelesen zu werden. Der Politik empfehlen Zakaras und Lowell,
„to devote greater attention to cultivating demand for the arts by supporting more and better arts education“.
Die Gründe dafür nennt Christine DeVita, die Vorsitzende der Wallace Foundation:
„We believe that every child – and our broader society – benefits from high quality arts learning opportunities; and that its absence over the long term would be a great loss to individuals, communities and this nation. Early engagement with the arts is an engine that can power lifelong arts participation – research consistently links early exposure to the arts to participation later in life. This new study reveals the central role arts learning plays in ensuring children can benefit from the arts as adults and that America has a robust cultural life in the future.“
Das heißt, Kunst und Kultur sollten nicht nur dadurch unterstützt werden, in dem die Produktion (finanziell) unterstützt und der Zugang – in welcher Form auch immer – erleichtert wird. Mindestens ebenso wichtig sei es, so die Erkennntnis der Studienautorinnen, in kulturelle Bildung zu investieren. Ein Ansatz, der bei uns, wie ich finde, viel zu wenig Beachtung findet. Zwar wird auch hier immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig kulturelle Bildung sei, allerdings eher im Kontext der Persönlichkeitsentwicklung. Aber auf diese Weise die schwindende Nachfrage nach Kunst und Kultur zu bekämpfen, das ist, wie mir scheint, bei uns nicht wirklich ein Thema. Nun kann es uns ja eigentlich egal sein, wie argumentiert wird, wenn dann am Ende „das Richtige“ dabei herauskommt. Aber auch hierzulande heißt es: „Immer weniger Zeit und Mittel für Kunst und Kultur an den Schulen.“ Gefunden habe ich dieses Zitat auf der Website von Educult, einem Verein, der das Ziel verfolgt, „Kultur und Bildung in Theorie und Praxis miteinander zu verbinden“. Welche Strategien es in diesem Bereich für die Zukunft gibt und was bereits heute in Österreich in dieser Hinsicht getan wird, das kann man in dem Bericht „Vielfalt und Kooperation“ nachlesen, der im Auftrag des Ministeriums erstellt worden ist. Sogar ein Weblog wurde vor einigen Monaten eingerichtet. Aber schon nach wenigen Wochen war es mit dem Elan wieder vorbei. Seit Mitte Mai warten wir nun schon auf das nächste Blogpost, schließlich gäbe es zum Thema kulturelle Bildung einiges zu sagenschreiben. Vielleicht anknüpfend an diesen Beitrag. ;-)

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  1. Interessant, aber eigentlich nicht überraschend, oder? Es knüpft in gewisser Weise an die kürzlich geführte Diskussion in den Kulturellen Welten an: für wen ist Kunst eigentlich was? Für alle oder für wenige? Und die hier zitierte Analyse zeigt, dass z.B. das Wort von der Musik als »universaler Sprache«, die alle kulturellen Grenzen überschreitet und Menschen vereint, doch eher Idealisierung als Tatsache ist. Musik (und andere Kunst auch) ist eine Sprache, die prinzipiell für jeden erlernbar ist, die aber erlernt werden muss, bevor sie Sinnträger werden kann.

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  2. Stimmt, deshalb habe ich das Thema auch gleich aufgegriffen. ;-)

    Musik als „universale Sprache“, die Grenzen überschreitet, ist einerseits Tatsache, andererseits ein Ideal. Ich denke, wir bewegen uns irgendwo dazwischen.

    Das Problem ist ja nicht die Elite an sich, sondern die Ausschließungsgründe. Hautfarbe, Abstammung, Geld sind Kriterien, mit denen wir uns nicht abfinden sollten.

    Anders gesagt: es sollte jede/r die Chance haben, die „Sprache Musik“ zu lernen, wie Du ja auch schreibst. Was man dann daraus macht, ist eine andere Geschichte.

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  3. @kulturblogger:
    „Für wen ist Kunst eigentlich was?“ Wenn Du die Frage so formulierst, dann kann die Antwort ja zwangsläufig nur lauten: für alle!

    Selbst die, die glauben, sie könnten damit nichts anfangen, haben Kunst in ihrer Hütte. Sie umgibt uns, wo wir gehen und stehen. Ja, man kann ihr doch gar nicht entkommen. Aber wir reden ja nicht über Kunst im Allgemeinen, sondern um Kunst für Eliten, über Kunst als Instrument der sozialen Abgrenzung und Chiffrierungen, die nur für die verständlich sind, denen man die Codes beigebracht hat. Oder?

    @Christian:

    Ich stimme mit Dir vollkommen überein, dass man die Ausschließungsgründe nicht akzeptieren sollte. Aber da wir nun einmal in einem kapitalistischen System leben, werden wir kaum wirklich etwas dagegen tun können, dass über weite Strecken „die da unten“ einfach vom Acker der Kultur ferngehalten werden. Aktiv!

    Ich besuchte heute die aktuelle Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle hier in Bonn: „Rom und die Barbaren.“ Ist zwar ein kulturhistorisch-archäologisches Thema, die Exponate werden aber wie Kunstwerke präsentiert und so ist dieses Beispiel hier wohl erlaubt. Obwohl es vormittags war, sah ich keine Schulklasse dort. Abgesehen von einigen Betreuern war das ganze Publikum weit jenseits der 65. Im Foyer schlürften Mitglieder eines Adelsclubs ihre Espressi.

    Wer sich nun unter dem Titel „Rom und die Barbaren“ eine Ausstellung vorstellt, die Konflikte zwischen Römern und Barbaren erlebbar macht, sah sich enttäuscht. Haufenweise Exponate in Vitrinen. Die Inhalte der Ausstellung wurden nicht durch die Gestaltung zum Ausdruck gebracht, sondern über Texte. Wie immer. Manche dieser Texte standen so im Raum, dass man sie nicht zuordnen konnte. Viele Texte waren kaum lesbar, weil sie nicht beleuchtet waren. Und wenn man schon die ausschließt, die das Erlebnis suchen – wilde Barbaren und sich verpissende Römer etwa -, dann könnte man die Texte doch wenigstens so schreiben, dass sie ein Gymnasiast der 10. KLasse verstehen könnte. Aber nee, es muss ordentlich mit Fachbegriffen und Fremdworten demonstriert werden, dass diese Ausstellung wieder einmal eine ist, die für die Elite ist. Eine Elite, die Latein kann und gewillt ist, mehr zu lesen als zu sehen.

    Schade, so wird in der KAH wieder einmal die Chance verpasst, weitere Bevölkerungskreise an Kultur heranzuführen. Da das aber bei jeder Ausstellung dort so ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Betreiber der KAH überhaupt ein Interesse daran haben, Kultur ALLEN zugänglich machen zu wollen. Aus welchen Gründen auch immer: man will offensichtlich lieber unter sich bleiben. Und das Geld für die Ausstellungen fällt einem ja ohnehin vom Himmel auf den Kopf, ohne dass man dafür etwas – z. B. zur Popularisierung der Kultur – tun muss. Trauriges Land der Ideen…

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  4. @ Jörn: In der Tat ein trauriges Beispiel. Mir ist beim Lesen Deines Kommentars Albert Camus „ Mythos von Sisyphos “ eingefallen.

    Ich weiß nicht, ob man da wirklich nichts dagegen tun kann? Eigentlich wäre ja die Kunst selbst aufgerufen, sich dagegen zu wehren. Ganz pragmatisch schon alleine wegen höherer Besucherzahlen.

    Ich sehe auch das Web2.0 mit seinen ganzen Tools als einen möglichen Ansatz, hier etwas zu verändern. Vielleicht nicht von heute auf morgen. Aber in kleinen Schritten…

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  5. @Joern Borchert Oder die Lust hatten, die Codes zu lernen. Nicht jeder zieht Gewinn aus Kunst, so wie nicht jeder Gewinn daraus zieht, Sportereignisse zu rezipieren oder Karneval zu feiern. Den Karnevalisten den Vorwurf der sozialen Abgrenzung zu machen, weil sie ihre Riten getreulich und kompromisslos pflegen und noch nicht mal Einführungsveranstaltungen für Karnevalsneulinge anbieten, wäre allerdings ziemlich absurd. Insofern ist die Antwort für wen Kunst überhaupt etwas ist keinesfalls zwangsläufig, solange man es nicht auf Zwangsbeglückung absieht.

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